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[Woche 109 Samstag bis Woche 112] Männer!, Expressaufträge und ein Drachenbootrennen

  • [Woche 109 Samstag bis Woche 112] Männer!, Expressaufträge und ein Drachenbootrennen


    109
    Samstag, kurz vor Kopenhagen
    Der AMG läuft ruhig und seidenweich mit knapp über 100km/h auf der E20. Ich lasse mir die Gitarrenriffs um die Ohren flattern als mein Telefon klingelt. Ich stelle das Radio leiser. Da mir die Nummer auf dem Display nicht bekannt ist melde ich mich förmlich: „hansekontor. Christian Dansör.“ „Vicky Anderslöv vom Skåne University Hospital in Malmö.“ „Was kann ich für Sie tun?“ „Ich bin diensthabende Ärztin. Ich habe Ihren Fahrer William Smith hier...“ William? Krankenhaus? Sch*** da wird doch nicht... „... Herr Smith hatte einen Arbeitsunfall bei der
    Fahrzeugpflege und liegt jetzt mit einem gebrochenen Bein und einem gebrochenem Arm bei uns. Er bat mich Sie darüber zu informieren. Ich soll Sie auch bitten, dass Sie noch vorbei kommen um sich die Schlüssel vom LKW abzuholen. Herr Smith meinte, die würden Sie brauchen.“
    „Mhm, ja. Danke. Ich bin gerade noch kurz vor
    Kopenhagen, komme aber auf direktem Wege rum.“
    „Melden Sie sich am Empfang, sobald Sie da sind.“

    Wir beenden das Gespräch und ich drehe das Radio wieder lauter um die Gedanken zu sortieren. Kurz darauf drehe ich die Musik wieder leiser und wähle Sandras Rufnummer. Es dauert eine ganze Weile bis sie ans Telefon geht. „Hey Schatz. Was gibt’s, dass du mich aus der Badewanne holst?“ „Quietscheenten?! Neee, Spaß beiseite. Ich habe gerade einen Anruf bekommen. William ist in Malmö im Krankenhaus. Hast du für mich nen Überblick was bei ihm auf dem Zettel steht? Ich bin gerade noch am Fahren.“ „Kleinen Moment. Da muss ich rüber ins Büro und ins System schauen. Ich ruf dich gleich zurück.“

    Fünf Minuten später meldet sich Sandra. „Aaaalso. William war mit einem DOLL-Tieflader in Helsingborg liefern. Am Montag sollte er eigentlich in Malmö eine gebrauchte Planierraupe laden und in Bremen liefern. Von dort aus
    steht noch nichts weiter drin.“
    „Das übernehme ich dann.“ „Du musst dann aber den rechtsgelenkten Actros von William nehmen. Bei deinem V8 passt das gewichtstechnisch nicht.“ „Hab ich mir schon gedacht.“ „Mal was anderes... Jörg hat angerufen und nachgefragt, ob wir Lust und Laune auf einen Wettkampf 12 Kilometer im Drachenboot haben.“ „Wann und wo?“ „Am letzten Samstag diesen Monat in Hamburg.“ „Spricht nichts dagegen. Musst du nur meine Touren so bauen, dass es in den Zeitplan passt.“ „Das bekomme ich hin.“ „Du bist ein Schatz. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“ Ich höre ein planschen im Telefon. „Schwimm nicht so weit raus.“ „Nur bis zu den Quietscheenten.“ „Genehmigt. Ich meld mich später nochmal, wenn ich bei William im Hospital durch
    bin.“


    Wir legen auf und ich drehe das Radio wieder auf.



    ...



    Es ist bereits nach 21:00 Uhr als ich den AMG in die Halle stelle.
    Ich habe im Hospital eine ganze Weile mit der Ärztin und dann noch mit William geredet. Mit Anfang 60 werden seine Knochen eine ganze Weile brauchen bis sie sich wieder sortiert haben. Dann noch Reha. Aber was soll's.

    Ich gehe in den Aufenthaltsraum meiner Niederlassung und schmeiße mich auf die Couch um noch kurz mit Sandra zu telefonieren. „Hey, na du. Was hat William erzählt? Wie
    hat er das Kunststück hinbekommen?“
    „Ich sach nur 'Je oller, je doller'.“ „Soll heißen?“ „Er war dabei den Tieflader abzufegen als ihm wohl eine junge Frau ins Sichtfeld lief. Und plötzlich war der Trailer zu Ende. Er konnte aber schon wieder lachen als er mir davon erzählte. Er hatte auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der Dame – sie hat seinen Absturz mitbekommen und sich um die Versorgung gekümmert.“ „Männer...“ Ich konnte förmlich sehen wie wie Sandra gerade ein Grinsen underdückte.



    ...



    Sonntag, Malmö.
    Um 09:00 Uhr bin ich ausgeschlafen. Ich mache mir Frühstück und einen Kaffee. Anschließend gehe ich ins Hylliebadet, ein Freizeit- und Erlebnisbad. Und auch wenn es durchaus Spaß macht dort zu Schwimmen und zu Rutschen will sich nicht so recht Zufriedenheit einstellen – zu zweit würde es sicher anders aussehen.

    Am Abend bereite ich mich dann auf die Tour am nächsten Tag vor und telefoniere danach noch etwa eine
    Stunde mit Sandra.



    110
    Montag, Malmö.
    Es ist 08:00 Uhr als ich mit der Abfahrtskontrolle am Actros fertig bin und vom Hof rolle. Die Planierraupe, die ich laden soll steht nicht weit entfernt von meiner Niederlassung. Bei der Verladung muss ich mich nur um die
    Ladungssicherung kümmern. Dann geht es zur Fähre nach Trelleborg.









    Um 19:00 Uhr legt die Fähre pünktlich in Rostock an. Mein Weg führt mich über die A19 und A20 nach Lübeck, wo ich dann auf die A1 in Richtung Hamburg wechsele.
    Kurz vor der Raststätte Buddikate meldet sich mein Magen und ich beschließe dort Pause zu machen. Eine Stunde nachdem ich den Actros abgestellt habe gehe ich wieder zum Fahrzeug und sehe wie ein Sattelzug nach einem Platz suchend an mir vorbei rollt. Die Raststätte ist inzwischen rappelvoll. Ich gebe dem Kollegen ein Handzeichen und er lässt das Fenster runter. „Ich fahr da vorne gleich mit der Planierraupe raus, dann hast du Platz.“ „Top. Danke.“





    Dienstag, Bremen.
    Es ist kurz vor 01:00 Uhr in der Nacht als ich die Baustelle im Gewerbegebiet Hansalinie erreiche. Ich koppele den Tieflader ab und bereite alles für die Entladung vor. Danach lege ich mich Schlafen.







    06:30 Uhr. Mein Telefon reißt mich aus dem Schlaf. Die Rufnummer meiner Berliner Niederlassung auf dem Display. „Wer stört?“ „Icke. Hast du schon abgeladen?“ „Nö. Ich hab A) noch keinen Kaffee gehabt, B) ist hier noch kein Mensch und C) vor 12:00 Uhr bewegt sich der Actros auch nicht.“ „Oh. Ick gloob ick hab dich auf dem falschen Fuß erwischt.“ „Tschuldigung. So sollte das jetzt auch wieder nicht gemeint sein.“ „Schon gut. Du kurvst nachher dann direktemang nachn Hoek van Holland. Leer. Dort kiekst du dassde auf den Pott nach
    Harwich kommst.“




    Mittwoch, Harwich.
    Die Fähre legt trotz des englischen Wetters pünktlich um 06:30 Uhr an. Ich habe die Fährüberfahrt entspannt verbracht, auch wenn die Nachtruhe selbst nur etwa fünf Stunden gedauert hat. Da ich duschen und in Ruhe frühstücken wollte bin ich heute früh bereits kurz nach 05:00 Uhr wieder aufgestanden.

    Ich verlasse das Hafengelände und werde von einem Schild an den Linksverkehr erinnert. Ich fahre auf
    die A120, die bei Colchester in die A12 mündet.



    Als ich dann auf die M25 wechsele stehe ich gleich erst einmal im Stau. Typisch Londoner Ring.



    Um 10:00 Uhr komme ich dann an meiner Niederlassung an, stelle den Tieflader seitlich vom Gebäude an die
    Mauer.



    Im Bürotrakt herrscht reges Treiben. Ich begrüße meine Mitarbeiter und schnappe mir eine Tasse Kaffee. James verschwindet kurz in der Küche um sich auch einen Kaffee zu holen. Dann ist es Zeit für eine ausgiebige Besprechung – immerhin war ich inzwischen schon länger nicht mehr in dieser Niederlassung gewesen und am Telefon wurde immer nur das notwendigste besprochen. Für den organisatorischen Part ist eher Sandra zuständig.



    ...



    Der Rest der Woche verläuft eher unspektakulär im Londoner Büro bzw. auch im Lager, da einer der Lageristen krankheitsbedingt ausfällt.



    ...



    Sonntag, London.
    19:00 Uhr. Ich sitze gerade im Aufenthaltsraum und stelle den leeren Teller beiseite als ich einen Schlüssel im Schloss höre. Nanu... Will James 'ne Nachtschicht machen?

    „Ich rieche Pizza. Ich sehe aber keine...“ „Schatz, du hier?“ Bevor ich von der Couch hochkomme fliegt mir Sandra schon entgegen und begrüßt mich stürmisch. „Ja. Ich hab gedacht, wenn du nicht nach Uppsala kommst, dann flieg ich halt zu dir. Ich wollt nicht erst bis Hamburg warten.“ „Das ist süß von dir. Ist das etwa der Grund wieso James mir bisher noch nix für morgen als Tour geben konnte?“ „Ich befürchte ja.“







    Der Rest des Abends ist zügig vorbeigegangen als wir kurz nach 22:00 Uhr ins Bett gehen.




    111
    Montag, London.
    Es ist 12:00 Uhr. Die Büroangestellten sind alle am Arbeiten und die Trucks unterwegs. Bis auf der Actros von William, der noch in Malmö das Gipsbein hochlegt, und der Scania von Ida, die sich krank gemeldet hat.

    In James Büro klingelt das Telefon. „Was? … Das ist nicht euer Ernst. … Ich kann doch nicht zaubern. … Einen Trailer von uns habt ihr stehen? … ...“ James kommt zu mir und Sandra ins Büro. „Was war das jetzt gerade?“
    „Der gelbe Riese. Express. Ihr müsst euch nachher den Actros schnappen und als Doppelbesatzung nach Ratingen reiten.“ „Was heißt nachher?“ „Um 13:30 Uhr müsst ihr den Trailer am Haken haben.“ „Öhm ok. Express. Das steht dann auch auf der Ausgangsrechnung.“ „Aber so was von.“
    Sandra schnappt sich den Fahrzeugschlüssel und grinst mich an: „Auf geht’s.










    Es ist 20:30 Uhr als ich den Actros auf den Rastplatz Steenwerck lenke. Wir tauschen die Plätze und die Fahrerkarten. Dann geht es zurück auf die E42. Flugrichtung Brüssel.



    Dienstag, Ratingen.
    Bei Roermond haben Sandra und ich noch einmal die Plätze getauscht. Wir haben gerade die A52 verlassen und sind nur noch einen Kilometer vom Ziel entfernt als hinter uns ein paar blaue Lampen und ein roter Schriftzug auf dem Dach des Kombis angehen. Da die Straßen um diese Zeit frei sind schalte ich die Warnblinkanlage ein und fahre an den Straßenrand. Im Spiegel sehe ich wie die Beamten links zur vermeintlichen Fahrertür kommen. Sandra öffnet die Tür und guckt in ein erstauntes Gesicht. „Oh, Rechtslenker... Good Morning. Speaking German?“ „Guten Morgen. Wenn Sie mögen, ja. Ansonsten Schwedisch oder Englisch.“ „Wir bleiben da am Besten bei Deutsch, ich geh mal kurz rum zur rechten Tür.“ Sandra schließt ihre wieder und ich öffne. „Bevor ich's vergesse: mein Kollege Kommisar Helmut Hohlbein. Ich bin Hauptkommisar Bruno Koslowski. Woher kommen Sie aktuell. Wo soll es hin gehen?“ „Wir haben bei DHL in London geladen und das Ziel liegt dort hinten.“ Ich zeige auf die DHL-Niederlassung die schon in Sichtweite ist. „Von dort fahren wir nach der Entladung noch nach Düsseldorf zu unserer Niederlassung und dann ist Feierabend.“







    Die Kontrolle ist zügig abgehandelt. Unsere Papiere und beide Fahrerkarten einwandfrei. Auch die Entladung
    der Fracht dauert nicht lange – wir können direkt an die Rampe, da die Sendungen gleich auf die Expresskuriere verteilt werden sollen.

    Als wir den Actros an der Niederlassung abstellen ist es kurz vor 05:00 Uhr. Auf dem Hof ist es ruhig und leer bis auf zwei unserer DHL-Scania.





    Wir gehen noch schnell unter die Dusche. Anschließen ist es Zeit fürs Bett. Sandra kuschelt sich an mich und schläft sofort ein.







    Es ist früher Nachmittag als wir wieder aufstehen. Die beiden Scania sind inzwischen auch vom Hof und im Bürotrakt hört man geschäftiges Murmeln und Tastaturklappern. Ich gieße mir gerade die zweite Tasse Kaffee ein als ich Steffys Stimme höre: „William?“ Sie kommt in die Küche und bremst als wenn sie gerade gegen eine Wand gerannt wäre. „Sandra? Christian? Jetzt versteh ich gar nix mehr. Wo ist William?“ „Den hat's letzte Woche in Malmö außer Gefecht gesetzt.“ „Hä?“ „William hat an der Niederlassung dort wohl den Tieflader abgefegt und dann einer jungen Frau hinterhergeschaut. Dabei ist er vom Tieflader gesegelt und hat sich ein Bein und einen
    Arm gebrochen.“
    „Männer!“ „Siehste Schatz. Steffy sagt das auch :-D“







    Mittwoch, Düsseldorf.
    Mein Wecker klingelt um 06:30 Uhr. „Guten Morgen Süße. Aufstehen.“ „Guten more gääääähn.“ Wir frühstücken gemeinsam. Danach ist Sandra gerade auf dem Weg ins Büro als ich mir die Jacke überziehe. „Was hast du vor?“ „Ich schnapp mir den Niederlassungs-Sprinter und fahr mal eben zum DHL-Depot in Krefeld. Ich hab da gesterm kurzfristig nen Termin gemacht. Und danach fahr ich noch zum Flughafen.“ „Ok. Dann bis später.“ Sandra gibt mir einen Kuss und verschwindet in Richtung Büro.







    Irgendwann am Nachmittag bin ich dann wieder zurück im Büro. Gegen 17:00 Uhr gehen die Angestellten nach
    Hause. Steffy ist nach einem freien Dienstag inzwischen seit Mittag schon wieder mit dem Scania unterwegs. Den hat sie seit dem Abbrennen ihres Actros als Arbeitsgerät.
    „Weißt du was... Steffy sah heute Mittag irgendwie unzufrieden aus als sie den Scania eingeräumt hat. Ich hatte das Gefühl, dass sie mit dem Wagen auch nach der schon recht langen Zeit, den sie den jetzt fährt, nicht so recht warm wird. Ich hab sie dann drauf angesprochen... Sie trauert dem Actros hinterher.“ „Ich glaube wir sollten...“ „... Weihnachten... So, lass uns Feierabend machen. Was hältst du von der längsten Theke der Welt?“ „Gute Idee. Wir nehmen aber die U-Bahn.“







    Donnerstag, Düsseldorf.
    Wie gestern stehen wir um 06:30 Uhr auf und frühstücken gemeinsam. Danach wartet auf uns beide Büroarbeit.

    Es ist 10:00 Uhr als das Telefon auf dem Schreibtisch klingelt. „hansekontor in Düsseldorf. Sie sprechen mit Christian Dansör.“ „leisure cargo, Mireille Temmerman.“ „Hallo Frau Temmerman. Wie kann ich helfen?" „Ich hab hier am Flughafen Düsseldorf zwei Europaletten. Die müssen heute Nachmittag noch in Köln in einen Flieger. Haben Sie die Möglichkeit die rüber zu fahren?“ „Abholung und Anlieferung außerhalb des Sicherheitsbereiches?“ „Ja.“ „...“ „...“ „Gut. Ich bin in fünfzehn Minuten bei Ihnen.“
    Ich gehe zu Sandra ins Büro. „Ich hab grade nen Expressauftrag angenommen. Ich bin mit dem Sprinter los.“ „Wohin?“ „Köln.“







    Es ist 12:45 Uhr als ich in Köln am Cargocenter ankomme. „Moin. Ich hab hier zwei Paletten aus Düsseldorf für euch.“ „Tach. Das ging ja fix.“ Schnell sind die beiden Paletten vom Sprinter runter und meine Papiere gegengezeichnet.

    Da ich jetzt schon mal in Köln bin beschließe ich auf dem Rückweg nach Düsseldorf mal eben zu gucken wie es um das Projekt vom Bär steht. Ich suche in meiner Tasche nach meinem Notizbuch, wo ich mir die Adresse beim Besuch in Odense letztens notiert habe.







    Ich biege von der Hauptstraße ab und befinde mich dann schon auf dem Grundstück, was einmal das
    Logistikzentrum Rheinland, oder wie es dann auch immer heißen mag, wird.

    Noch sieht es hier an einigen Stellen nur nach Ackerfläche aus. An anderer Stelle liegen Reste von Schutt – vermutlich stand dort das inzwischen abgetragene Hofgebäude mit den Stallungen.

    Ich mache ein paar Fotos und schicke diese per WhatsApp an den Bär. „Tach. Ich bin Herbert. Wer sind
    Sie und was haben sie da gerade fotografiert? Außer Baustelle ist hier doch nix?!“
    „Tjena. Ich bin Christian. Ein paar Fotos für den Bär. Dem gehört das Grundstück hier.“ Herbert fängt an zu lachen. „Da erzählst du mir nichts Neues. Ich war früher mal sein Chef. Bist du der Schwede mit der Hamburger Trailerbude und ...“ Er wirft einen blick auf den werbefreien weißen Sprinter, an dem ein Düsseldorfer Kennzeichen hängt. „... der Niederlassung in
    Düsseldorf?“
    „Jo.“
    Die Unterhaltung geht noch einige Minuten weiter. Dann muss Herbert sich verabschieden. Kurz darauf lenke ich den Sprinter zurück auf die Hauptstraße und mache mich auf den Weg zurück nach Düsseldorf.







    „Na du Rumtreiber. Ich dachte du fährst nur nach Köln zwei Paletten zum Flughafen. Wenn ich mir den Sprinter aber angucke sieht es aus als wenn du bei Bauer Larsson auf'm Acker warst.“ „War ich ja auch. Naja so ähnlich. Nicht in Tunaberg.“ Ich zeige Sandra die Bilder. Über das Projekt vom Bär hatten wir uns schon unterhalten, sodass sie damit etwas anfangen kann. „Du musst übrigens mit dem Actros noch rüber zu Lufthansa. Die haben Sammelgut für Luxemburg und Heathrow und wollen den Trailer in der Nachtschicht laden.“ „Darf ich vorher noch nen Kaffee trinken?“ „Mal überlegen...“ Ich gebe Sandra einen Kuss. „Gegen das Argument komm ich nicht an.“







    Der Trailer steht bei Lufthansa zur Beladung und der Sprinter ist wieder sauber. Wir sitzen auf der Couch. Besser gesagt ich sitze und Sandra liegt schon fast eingeschlafen mit dem Kopf auf meinem Schoß. „Komm Süße, lass
    uns rüber ins Bett. Morgen wird ein langer Tag.“
    Sandra brummelt irgendwas als Antwort. Mehr Reaktion kommt nicht. Fünf Minuten später vernehme ich gleichmäßiges Atmen von ihr. Hmmm... eingeschlafen. Vorsichtig stehe ich auf und trage sie ins Bett. Hauptsache sie ist morgen auf dem Weg nach London fit. Ich gehe noch kurz ins Bad und lege mich dann auch hin.



    Freitag, Düsseldorf.
    06:25 Uhr werde ich wach. Ich gucke den Wecker an. Äääätsch. Du bist heute zu langsam. Ich muss grinsen und schalte den Wecker schon mal ab bevor er noch laut werden kann. Ich gebe Sandra einen Kuss und wecke sie sanft.







    Nach einem kurzen Frühstück machen wir am Actros die Abfahrtskontrolle und fahren rüber zu Lufthansa um unseren Trailer einzusammeln. Um 08:30 Uhr fahre ich auf die A44 in Richtung Mönchengladbach. Dort geht es dann auf Die A61und wenig später am Dreieck Jackerath wieder auf die A44. Auch wenn das nach einem Umweg klingt ist es keiner – denn die A44 ist in ihrem Verlauf noch vielerorts unterbrochen. So auch bei Mönchengladbach. Am Grenzübergang Lichtenbusch überqueren wir die Grenze zu Belgien und folgen jetzt der E40.







    Kurz vor 13:00 Uhr erreichen wir den Flughafen Luxemburg. Die sechs Europaletten sind dort am Cargocenter zügig abgeladen. Um 13:30 Uhr wechseln wir die Sitzplätze und unsere Fahrerkarten ihren Schacht im Kontrollgerät. 430 Kilometer bis zum Eurotunnel.



    Unterwegs erwarten uns keine Überraschungen. Um 18:00 Uhr steht dann nochmals ein Fahrerwechsel an.

    „Was meinst du... Zugabfahrt um 21:50 Uhr schaffen wir?“ „Wenn die Kollegen vernünftig fahren und von
    den PKW auch keiner aus der Reihe tanzt locker. Legst du dich noch ne Runde auf's Ohr bevor du dann die letzte Etappe fährst?“
    „Ich denke schon. Aber vorher sollten wir was essen. Ich hab heute morgen noch fix Käsebrötchen fertig gemacht und ein paar Würstchen eingepackt.“ „Das hätte ich total vergessen.“ „Wie überlebst du nur, wenn du alleine unterwegs bist?“







    Um 22:30 Uhr verlassen wir das Eurotunnel-Gelände in Folkestone. Meine Fahrzeit für heute ist voll und wir haben wieder die Plätze getauscht. Über den Zubringer fährt Sandra auf die M20. Das sie mit dem Rechtslenker gut zu Recht kommt habe ich ja bereits am Nachmittag gesehen. Auch der jetzige Linksverkehr bereitet keine Probleme, obwohl sie schon lange nicht mehr auf der Insel gefahren ist.




    Samstag, London.

    Es ist 01:00 Uhr als wir von der Southern Perimeter Road in die Stirling Road einbiegen. Kurz darauf sind wir am Cargoterminal und melden uns bei United Airlines Cargo, einem Star Alliance-Partner der Lufthansa, im Büro.

    Als wir mit dem Abladen fertig sind schaue ich auf die Uhr. 02:30 Uhr. Sandra sitzt wieder am Steuer und fährt die letzten Kilometer bis zur Niederlassung. Um kurz nach 03:00 Uhr beginnt bei uns dann endlich das Wochenende.

    Im Gegensatz zum Donnerstagabend ist Sandra noch hellwach. „Ich geh jetzt auf Quietscheentenjagd. Ich
    kann mich schon selber riechen. Kommst du mit?“
    „Na klar. Glaube kaum, dass du mich als Iltis unter die Bettdecke lässt.“ „Da glaubst du richtig.“







    112
    Montag, London.
    Der Wecker klingelt mal wieder um 06:30 Uhr. Der Platz neben mir im Bett ist leer – Sandra also entweder schon
    im Büro oder noch in der Küche. Ich schwinge mich aus dem Bett und mache mich fertig.
    Aus der Küche höre ich Stimmen und rieche frische Brötchen und Kaffee. Da Sandra noch nicht mitbekommen
    hat, dass ich in die Küche gekommen bin schleiche ich mich an und halte ich ihr die Augen zu. „Zum Hellsehen muss es dunkel sein... Ich sehe... meinen Mann grinsen.“ James, der gerade die Kaffeetasse ansetzen wollte stellt
    diese fix weg und fängt an zu lachen. „Ey, das könnt ihr nicht machen. So kann ich keinen Kaffee zu mir nehmen.“















    Donnerstag London.

    Die vergangenen Tage habe ich mit dem Actros diverse Touren für DHL abgefahren. Unter anderem nach und von
    Manchester, sowie London im Nahverkehr. Sandra hat in der Zeit im Büro gesessen und hat die Arbeit an die Fahrer verteilt, als wenn sie in der Zentrale in Uppsala wäre. Nur eine kurzfristige Tour für Scania, die sie normalerweise gefahren hätte, hat sie an Tania delegiert. Magnus war es egal wer fährt, solange die Tour bei ihm vom Hof kommt...

    „James, wir sind dann mal weg. Ich hoffe, dass William bald wieder auf den Beinen ist.“ „Guten Flug.
    Nehmt ihr den Kranich?“
    „Nicht ganz. Da müssten wir in Frankfurt umsteigen. Für heute muss die Holzklasse von Eurowings reichen.“







    Um 14:45 hebt der Airbus A320 vom Flughafen Heathrow ab. Draußen herrscht mal wieder englisches Mistwetter vor und ich bin gespannt, wie es am Samstag dann auf dem Wasser aussehen wird. Angesagt sind ordentlich Wind und zum späteren Nachmittag hin dann auch Regen. Das Wetter heute ist dann auch Schuld, dass der Flug mit ein wenig Verspätung in Hamburg landet.







    In der Niederlassung ist es dunkel. Die Belegschaft hat Feierabend. Sandra und ich machen auch nichts mehr.
    Wir setzen uns auf die Couch und lassen uns vom Lieferdienst etwas asiatisches zum Abendbrot bringen. Den Fernseher machen wir bereits nach kurzer Zeit wieder aus – im deutschen Programm kommt heute Abend nichts als Müll. Um 22:00 Uhr verschwinden wir dann ins Bett.



    Freitag, Hamburg.
    Es ist 05:45 Uhr als unser Wecker der Meinung ist, wir hätten mit knapp 8 Stunden Schlaf genug pausiert. Während ich fix unter die Dusche gehe bleibt Sandra noch liegen. Zehn Minuten später bin ich fertig. Auf dem Weg zur Küche gucke ich noch einmal ins Schlafzimmer und stelle fest, dass meine bessere Hälfte wieder eingeschlafen ist. Ich gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. „Schatz...“ Sie macht die Augen auf und guckt mich schläfrig an. „Oh, ich bin wohl wieder weg gesackt.“ Sie steht auf und verschwindet in Richtung Bad. Ich gucke ihr hinterher und denke mir so Hmmm, süßer Hintern. Dann bereite ich das Frühstück vor.







    Kurz vor 07:00 Uhr sind wir mit dem Frühstück fertig und die ersten Büroangestellten erscheinen. Sandra setzt sich mit Josephine für eine Projektbesprechung zusammen und ich schnappe mir eine Tasse Kaffee und gehe damit einmal über die Straße zur Trailerwerkstatt. Dort fährt gerade eine Fahrerin mit einem Auflieger, der zu EISITRANS|europe in Düsseldorf gehen soll, vom Hof.



    In der Werkstatt stehen zwei weiße Chereau-Kühler, daneben liegt diverses Folienmaterial...

    Den Tag verbringe ich bei meinen Mechanikern um mit ihnen gemeinsam an den Trailern zu arbeiten.







    Samstag, Hamburg.
    Der Blick aus dem Fenster ist nicht allzu einladend. Herbstlich grau und trüb bei zwölf Grad. Dazu eine Prise Wind. Aber solange die Schafe, die man natürlich von meiner Niederlassung aus nicht sehen kann, noch Locken haben ists hier in Norddeutschland ja bekanntlich windstill.

    Nach dem Frühstück schnappen wir uns einen Sprinter aus der Halle und machen uns auf den Weg zur Regattastrecke in Allermöhe. Kurz nach 10:00 Uhr rollen wir dort auf den Parkplatz. Kein Mensch weit und
    breit zu sehen. Kein Wunder... Treffen war für 11:00 Uhr angesetzt. Wir nutzen die Zeit und spazieren ein wenig an der Dove-Elbe entlang. „Guck mal... Schaumkrönchen auf dem Wasser. Und da wollt ihr nachher wirklich mit dem Drachenboot drauf?“ „Mhm. Ein bisschen verrückt. Aber das ist man sowieso, wenn man über 12km Renndistanz auf sich nehmen will."

    Inzwischen sind Jörg und Anke mit dem Boot, sowie einige Paddler, an der Regattastrecke eingetroffen. Auch der Rest vom Team - eine Renngemeinschaft von Sportlern verschiedener Vereine, die gerne Langstreckenregatten fahren - trifft dann nach und nach ein.

    Nach einer Besprechung der Teamcaptains und der Steuerleute ist es dann so weit, dass wir das Boot zu Wasser lassen. Warmfahren. Dabei merken wir, dass wir in der Besetzung des Bootes noch einmal kurz etwas umbauen müssen.
    Kurz darauf ist es so weit, dass sich die 12 Boote eines neben dem anderen sortiert um dann gemeinsam zur
    Startlinie zu schwimmen. Der Wind kommt kräftig von vorne und das Wasser ist ziemlich unruhig.

    „Are you ready? … Attention. ...GO!!!“ Los geht’s. 'Der Wahre Norden', unsere Renngemeinschaft, hat die Startnummer 6 und liegt damit am Start mittig im Feld. Wir kommen gut weg. Vier Teams erwischen einen noch besseren Start. Das Team findet einen guten Rhythmus. Trotz Wind und Welle bekomme ich als Steuermann das Boot recht problemlos auf Linie gehalten. „Achtuuuung, Wende!“ Das Kommando gilt den Paddlern damit diese sich auf den Richtungswechsel einstellen können.
    „Zwanzig Harte in 3... 2... 1... 1... 2... 3... 4... ...“ Das Boot nimmt nach der Wende wieder Fahrt auf. Wir haben
    jetzt Rückenwind. Am Zielturm der Regattastrecke vorbei geht es durch eine etwa zehn Meter breite Brückendurchfahrt auf die Dove-Elbe. Hier wird das Wasser etwas ruhiger. Ich motiviere das Team immer wieder und wir können unsere Position weiter behaupten. Dann kommt die zweite Wende, die auch linksdrehend ausgeführt wird. Viel Platz ist an der Stelle nicht. Trotzdem gelingt es uns ohne Landkontakt zu wenden. Es hat jedoch viel Geschwindigkeit gekostet. Das Team 'Hai Voltage' nutzt das und versucht links an uns vorbei zu kommen. Dies gelingt ihnen auch, sodass wir die Brückendurchfahrt jetzt mit zwei Booten parallel nehmen müssen. Bis zum nächsten Wendepunkt entwickelt sich ein fairer Zweikampf. Die Boote fahren dicht nebeneinander her, aber weder der Steuermann des anderen Bootes noch ich fahren Manöver, die dem anderen schaden. Und auch zwischen den Paddeln ist genügend Platz.



    Vor der Wende, die diesmal rechtsdrehend ausgeführt werden muss, liegt 'Der Wahre Norden' vorne und auf der Kurveninnenseite. Dadurch geht mein Plan, erst ein wenig nach links zu schwenken und dann rechts zu drehen, nicht auf. Durch einen Orientierungsfehler verpasse ich zudem den idealen Wendepunkt. Wind und Welle erschweren das Manöver zusätzlich, sodass wir gefühlt dreißig Meter weiter rauschen bevor das Boot überhaupt reagiert. 'Hai Voltage' gelingt die Wende besser und sie liegen wieder vorn.

    Noch etwa fünfhundert Meter bis zum Ziel. Keine Chance mehr das andere Boot einzuholen. Neunzehn Sekunden hinter diesem erreichen wir dann das Ziel auf Platz 6 und wir fahren zum Steg. Ich ärgere mich ein wenig über meine Fehler in den Wenden, werde aber von Jörg beruhigt, dass ich trotz allem ein gutes Rennen gesteuert habe. „Bei so einem Wetter hätte ich mich nicht hinten ans Steuer stellen wollen...“, sagt er. Der Rest vom Team sieht es zum Glück genauso.

    Nach der Siegerehrung trennen sich die Wege vom Team vorerst wieder. Sandra und ich fahren zurück zur Niederlassung und beschließen dort dann noch mit U-Bahn in die Stadt zu fahren. Ein bisschen über die Reeperbahn schlendern und dann im HardRock-Cafe an den Landungsbrücken den Abend gemütlich ausklingen lassen.


    Gruß Christian
    hansekontor

    Das Wasser ist nicht tief. Es geht den Enten nur bis zum Bauch!

    212 mal gelesen

Kommentare 8

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    loddi51 -

    Sehr schön zu lesendes Kapitel.

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    alaskabaer01 -

    Und wieder ein schönes Kapitel mit vielen Fotos. :)

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    TurboStar -

    Und wieder ein schönes Kapitel, vor allem weil das Real Life auch einfließt.

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    Werner 1960 -

    Gut geschriebenes Kapitel.

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    Sauerlaender -

    Wieder mal ein sehr schönes Kapitel von dir. :) Mal was zur Info vom NRWler ans Nordlicht: Die A44 südlich von Mönchengladbach ist nicht "noch" unterbrochen, sondern "wieder". Das Teilstück zwischen dem Kreuz Holz und dem früheren Kreuz, jetzt Dreieck Jackerath ist seinerzeit dem Tagebau Garzweiler II zum Opfer gefallen. Daher muss man inzwischen den Umweg fahren.

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      infinity -

      Gut zu wissen. Das war ein Punkt den ich so nicht heraus bekommen hab beim recherchieren. Da die 44 anderenorts auch Stückwerk ist (analog dazu wäre bei mir hier oben die A14 son Stückwerk) hatte ich gedacht, das wäre in MG auch so. Hab zwar selbst mal 7 Jahre in Duisburg gelebt - aber musste nie über die 44 Richtung Köln...

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      TurboStar -

      Ist die Ausnahme und wird derzeit wieder zum Aufbau vorbereitet. Der Damm wurde schneller aufgefüllt als der Rest und das neue Kreuz Jackerath, etwas südlich vom alten Kreuz und jetzt Dreieck ist in Bau, ebenso wie Holz. Dazu wird die A46 zwischen Holz und Wanlo fit gemacht für den Mehrverkehr. Der Grund ist, dass in einigen hundert Metern die A61 ins Loch fällt, weil sich Garzweiler immer weiter in die Richtung frisst. Alle anderen Löcher in der A44 sind in der Tat nie gebaute Stücke eines ursprünglichen Gesamtplans.