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21. Eine denkwürdige Begegnung und keine Tour nach Hause

  • Dienstag, den 24. Oktober 2017, 2:10 pm Pacific Standard Time:

    Beim Weg zum Restaurant überholte ich dann wieder den Mittvierziger. Kurz darauf hörte ich dann eine Frauenstimme rufen: „Hey, Marc!“ Wer zum Teufel sollte mich denn hier in Alexandria, Minnesota kennen?
    Ich drehte mich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und entdeckte eine Frau. Sie war etwa Mitte Dreißig und schlank. Sie hatte brünette, lange wellige Haare und sah für ihr Alter gar nicht schlecht aus. Sie trug Blue Jeans, eine Jeansbluse und darüber eine Lederjacke. An den Füßen trug sie Turnschuhe. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich diese Frau noch nie in meinem Leben gesehen hatte.
    Ich ging auf sie zu und sprach sie an: „Entschuldigen Sie, kennen wir uns?“ Sie schaute mich überrascht aus ihren braunen Augen an. „Nicht, dass ich wüsste. Was wollen Sie von mir?“ Dabei bemerkte ich einen Akzent, der mir zuletzt bei dem Manni aufgefallen war. Vermutlich war sie eine Deutsche. „Sie haben mich doch vorhin gerufen.“ „Das glaube ich kaum.“ Sagte sie und blickte nun an mir vorbei. Der Mittvierziger tauchte auf einmal neben mir auf und sagte irgendwas auf Deutsch zu der Frau. Sie antwortete ihm, was ich ebenfalls nicht verstand. „Mein Mann meint, dass Sie eventuell Marc heißen. Stimmt das?“ „Das ist richtig. Marc Murdock. Angenehm.“ Stellte ich mich vor. „Daniela Mertens. Das ist mein Mann, Marc. Als ich ihn eben rief, haben Sie sich offensichtlich angesprochen gefühlt.“ „Das wird es sein. Entschuldigen Sie die Umstände.“ „Kein Problem. Das war ja mein Fehler.“ „Machen Sie hier Urlaub?“ fragte ich weiter. „Nein, wir sind beruflich hier.“ Sagte Mrs. Mertens. „Verstehe. Weil sie offensichtlich aus Deutschland kommen.“ „Das haben Sie gut erkannt, junger Mann.“ Lobte mich Mrs. Mertens. „Wir sind vor einiger Zeit aus Deutschland nach Kanada ausgewandert.“
    Aus irgendeinem Grund fiel mir jetzt der Tankzug aus Ontario wieder ein, der vor mir auf den Parkplatz geschlichen war. Der Mann bewegte sich ja auch etwas langsamer. Vielleicht hatte er den Truck gefahren. „Sie sind jetzt nicht etwa mit einem Truck hier?“ „Doch, wie kommen Sie darauf?“ Jetzt bloß nichts falsches antworten. Dachte ich. Nicht dass ich die Beiden noch beleidigte. „Bloß eine Eingebung.“ Sagte ich daher. „Sie haben aber Recht.“ Antwortete sie. „Wir sind Truckdriver.“ „Sie Beide?“ fragte ich überrascht. Ich hatte nicht erwartet, dass diese hübsche Frau einen Truck lenken würde. „Mein Mann hat schon in Europa Trucks gefahren. Ich mache das erst, seit wir hier in Amerika sind.“ „Sie fahren also als Doppelbesatzung?“ „Richtig. So sind wir wenigstens immer zusammen.“ „Verstehe. Ich bin ebenfalls Truckdriver.“ „Wir wollten was essen gehen. Kommen Sie doch mit.“ Sagte jetzt der Mann, der bisher noch nicht wirklich viel gesagt hatte. Sein Englisch war aber auch schlechter, als das von ihr.
    Wir gingen zum Restaurant und setzten uns dann gemeinsam an einen Tisch. Ich wusste dann recht schnell, was ich essen wollte. Die Beiden brauchten dann wohl etwas länger. Schließlich hatten wir dann aber bestellt. Danach ging unsere Unterhaltung dann weiter. „Ich meine vorhin gesehen zu haben, wie sie von einem Kenworth W900 mit Tankauflieger gekommen sind. Ist das richtig?“ wagte ich jetzt einen Schuss ins Blaue. „Stimmt, das ist unser Truck.“ Antwortete er. „Seid ihr Owner Operator?“ fragte ich weiter. „Das leider nicht.“ Antwortete sie. „Wir haben in Deutschland Probleme mit einer eigenen Firma gehabt. Daher wollen wir uns nicht mehr selbstständig machen.“ „Das klingt interessant. Erzählen Sie mehr. Das würde mich sehr interessieren.“ „Ich weiß ja nicht.“ Sagte sie stockend. Dann sprach sie mit ihrem Mann. Dabei entstand ein Wortwechsel, der erstmal etwas dauerte. Ich verstand dabei kein Wort, da der Wortwechsel auf Deutsch geführt wurde. „Also gut. Mein Mann möchte wissen, ob Sie als Owner Operator arbeiten.“ Ich nickte. „Das tue ich. Ich bin als Subunternehmer für die Walmart Transportation unterwegs. Dazu fahre ich mit einem eigenen W900. Die Trailer bekomme ich aber von Walmart.“ Auf meine Antwort hin, wechselten sie wieder ein paar Worte auf Deutsch. Dann nickte sie zustimmend. „Mein Mann meint, ich kann Ihnen unsere Geschichte ruhig erzählen. Er meint, Sie können vielleicht noch was daraus lernen.“ „Das klingt ja sehr interessant.“ „Hast du etwas Zeit mitgebracht? Die Geschichte könnte etwas länger dauern.“ Meinte der Mann. „Als Kollegen sollten wir uns auch ruhig duzen. Ich bin Marc, das ist Daniela.“ „Ich bin auch Marc.“ „Dann werde ich dir jetzt mal erzählen wie und warum wir hier nach Amerika gekommen sind.“ Sagte Daniela.

    Daniela begann dann ihre Geschichte in der Zeit beim Jahreswechsel 2014 / 2015. Marc hatte den Ein Mann Betrieb von seinem verstorbenen Onkel geerbt und entschlossen, die Firma, die er dann MM Transporte nannte, weiterzuführen. Kurz darauf begann dann auch Daniela, die vorher in der Duisburger Niederlassung von Fercam gearbeitet hatte, bei MM Transporte zu arbeiten.

    Dann berichtete sie von dem rasanten Wachstum der Firma MM Transporte, die dann recht schnell von dem Ein Mann Betrieb, bei dem Marc mit einer gebrauchten Zugmaschine, ohne eigene Trailer angefangen hatte, zu einer kleinen Spedition mit fünf eigenen Zugmaschinen wurde, die dann überwiegend für den Italienischen Mineralölkonzern ENI im Einsatz war. Der Anfang mit der eigenen Maschine klang ja ein wenig so, wie es kürzlich auch bei mir begonnen hatte. Nur bei MM Transporte ging das wohl alles wesentlich rasanter. Irgendwann war dann da der Bedarf des Kunden nach weiteren Fahrzeugen und auch nach eigenen Aufliegern. Die dann, weil kein Eigenkapital mehr vorhanden war und auch der Kreditrahmen der Banken ausgeschöpft war, geleast wurden.

    Ganz nebenbei erzählte Daniela dann auch, wie aus dem früheren Angestelltenverhältnis der Beiden langsam ein Liebesverhältnis wurde. (Die Rolle einer gewissen Französin in diesem Zusammenhang ließ sie aber weg
    :whistling: :D )
    Den ersten Teil der Erzählung schloss Daniela dann etwa nach einem Jahr, in dem das Unternehmen dann schon sehr rasant gewachsen war. Zu diesem Zeitpunkt war aber noch alles in Ordnung.


    Den zweiten Teil der Geschichte begann Daniela dann bei der Anfrage von BASF als zweitem großen Auftraggeber und dem Trugschluss, dass der zweite große Kunde dem Unternehmen mehr Sicherheit geben würde.
    Beide gaben dann auch zu, dass sie die Aussicht für den größten Chemiekonzern der Welt zu fahren, ihre Objektivität dann doch etwas eingeschränkt hatte. Sie berichteten von dem Vertragsabschluss, der es dann erforderte, das Unternehmen noch mal deutlich zu vergrößern, obwohl immer noch nicht mehr Eigenkapital vorhanden war.

    Dass beide dann noch die Klausel über das unverhältnismäßig lange Zahlungsziel von BASF übersehen hatten, kam dann noch dazu. Auch der Rechtsanwalt hatte sich in dieser Situation nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
    Der Höhepunkt und zugleich auch der Wendepunkt der Geschichte kam dann im Frühsommer des Jahres 2016. Daniela und Marc hatten endgültig beschlossen zu heiraten und dies noch im Juni 2016 umgesetzt. Danach sollte die Hochzeitsreise der Beiden folgen, während der die Freundin und Angestellte der beiden, Claudia Reinhardt mit der Auszubildenden Sabrina Miori zusammen die Firma leiten sollten. Marc und Daniela waren ja während der Zeit nicht erreichbar.
    Leider war Claudia in dieser Zeit dann auch nicht ganz bei der Sache, weil sie gerade herausgefunden hatte, dass sie von ihrem Freund Robert betrogen wurde. Das lenkte ihre Aufmerksamkeit natürlich auch noch stark auf ihr Privatleben.
    Ausgerechnet in diesem Zeitraum passierte es dann, dass die dünne Kapitaldecke der Firma MM Transporte nicht mehr reichte, um die Zahlungsfähigkeit der Firma aufrechtzuerhalten.
    BASF zahlte zwar seine Rechnungen, aber eben spät und die Eingänge von ENI reichten alleine nicht mehr aus, um die laufenden Kosten zu decken. Da die Firma sowieso schon immer am Rande der Liquidität war, sprang die Bank auch nicht mehr ein. Das Ganze löste dann eine Abwärtsspirale aus, die sich so einfach nicht mehr stoppen ließ.
    Claudia, die sowieso für die Finanzen zuständig war, versuchte alles, um wenigstens die Löhne und die Sozialabgaben noch zu zahlen, da die Krankenkassen immer schnell darin waren, einen Insolvenzantrag zu stellen. Dabei nahm sie aber keine Rücksicht auf die Leasingbeiträge für die Zugmaschinen und Auflieger.

    Die Leasinggesellschaften stellten dann zwar keinen Insolvenzantrag, zogen dann aber plötzlich die Fahrzeuge ein.
    Da sich die ganzen Aufträge, die laut den Verträgen zu erfüllen waren, aber nicht alle verkaufen ließen, wurden dann Konventionalstrafen, wegen Nichterfüllung der Verträge fällig.
    Diese Strafen erhöhten dann wieder die Schulden. Claudia versuchte dann noch, die Situation damit zu retten, die wenigen restlichen Fahrzeuge, die noch nicht geleast waren, mit Doppelbesatzungen zu belegen, damit so viel wie möglich noch gefahren werden konnte. Genug Fahrer hatte sie ja jetzt, da viele Fahrer keinen LKW mehr hatten. Aber auch das reichte verständlicherweise nicht aus.
    Als Daniela und Marc dann aus ihrem Urlaub zurück waren, war die Situation schon so verfahren, dass sich nichts mehr retten ließ. Es bleib den Beiden nichts anderes mehr übrig, als das restliche Unternehmen zu liquidieren und alle Arbeiter und Angestellten zu entlassen. Da es sich bei der Firma um eine GmbH gehandelt hatte, mussten sie wenigstens nicht mit ihrem Privatvermögen haften. Allerdings blieb Marc auch gar kein Vermögen mehr übrig. Alles was er hatte, war eigentlich Eigentum der MM Transport GmbH. Das Gebäude, in dem die Firma und seine private Wohnung war, die Autos und die LKW. Alles wurde zur Tilgung der Schulden herangezogen.
    Das Einzige, was den beiden noch geblieben war, war Danielas Eigentumswohnung in einem Luxusgebäude in Duisburg in der Nähe vom Rhein. Diese hatte sie mal von ihren Eltern bekommen und sie war niemals Eigentum der Firma. Danielas Eltern waren zwar sehr vermögend, aber weder Daniela noch Marc, wollten ihren Vater um Unterstützung bitten. Er hatte Marc schon als Hungerleider bezeichnet, als es der Firma noch hervorragend ging.

    Schließlich entschlossen sich die Beiden, weil sie in Europa nicht mehr an eine Chance glaubten, dass es das Beste wäre, auszuwandern. Schließlich waren sie in Europa in der Transportbranche bekannt und wären dort auf keinen grünen Zweig mehr gekommen.
    Sie verkauften also Danielas Eigentumswohnung und begannen mit dem Erlös ihr neues Leben in Kanada. Daniela hatte sich in den Kopf gesetzt, den LKW Führerschein zu machen und mit Marc zusammen auf Tour zu gehen.
    Das war auch besser so, denn Marc hatte die ganze Geschichte nicht so gut verkraftet, wie Daniela. Seit der Liquidation der MM Transporte litt Marc unter schweren Depressionen und musste starke Psychopharmaka einnehmen. Es war besser, wenn er immer in Begleitung unterwegs war. Sein Krankheitsbild war so schwankend, dass er gute Tage hatte und auch sehr schlechte. Bei den schlechten Tagen musste Daniela ihn auch das eine oder andere Mal vom Suizid abhalten.
    Er hatte eine starke Neigung zum Grübeln, wobei er immer noch nach den Fehlern suchte, die er während seiner Zeit als Unternehmer gemacht hatte. Er fühlte sich dann vollends als Versager und konnte mit der Situation kaum umgehen.
    Normal hätte er in dieser Situation gar keinen Truck mehr fahren dürfen, aber er versprach sowohl Daniela, als auch deren Chef, dass er keinen Blödsinn machen würde. Allerdings waren seine Reaktionen, wegen der starken Grübelneigung sehr eingeschränkt. Daher wirkte er auch häufig so langsam.
    Daniela liebte ihren Mann aber über Alles und unterstützte ihn nach Kräften. So konnten sie die ganze Geschichte irgendwie meistern. Sie hatten sich aber fest vorgenommen, sich nie wieder selbstständig zu machen und wollten dann lieber bis zum Ruhestand gemeinsam mit dem Truck unterwegs sein.

    Nachdem ich diese Geschichte gehört hatte, wurde ich sehr nachdenklich. Als Daniela das merkte, sagte sie: „Das ist der Grund, warum mein Mann wollte, dass du diese Geschichte von uns hörst. Vor eineinhalb Jahren hätten wir selbst nicht geglaubt, dass es uns so ergehen würde. Da hätte ich noch gedacht, dass uns niemand mehr aufhalten kann. Man hatte uns auch glauben lassen, dass man kein Geld braucht, sondern dass man alles irgendwie bekommen kann. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass das gar nicht gesund war. Wir wollten zu hoch hinaus und sind dann ganz unten gelandet. Wenn wir uns nicht gegenseitig hätten, wären wir inzwischen schon ganz am Ende. So konnten wir uns noch gegenseitig wieder auf die Beine helfen. Mein Mann hat den Eindruck, dass du es schaffen kannst, wenn du nicht die gleichen Fehler machst, wie wir sie gemacht haben. Wie viele Trucks hast du denn?“ „Nur die eine Maschine. Für die läuft auch noch die Finanzierung.“ „Dann versuche deinen Traum langsam wachsen zu lassen und nicht, wie bei uns im Expresstempo. Außerdem solltest du zuerst an dich denken. Stell deine Firma auf ein solides Fundament, dann kann es klappen.“ „Ich werde es beherzigen.“ „Hast du eine Freundin?“ „Ja, habe ich.“ „Wann hast du sie zuletzt gesehen?“ „Das ist schon eine Weile her.“ „Mach das nicht kaputt, weil du nur an deinen Profit denkst. Wenn Marc und ich uns nicht mehr gegenseitig hätten, gäbe es uns wahrscheinlich nicht mehr.“ „Was arbeitet deine Freundin denn?“ wollte Marc wissen. „Sie ist eine von drei Dispatchern, die mich einteilen.“ „Das ist ja fast, wie bei uns am Anfang.“ „Fast. Wir haben uns sofort ineinander verliebt.“ „Wir brauchten damals noch jemanden, der uns einen Schubs in die richtige Richtung gab.“ Sagte Daniela. „Vielleicht überredest du deine Freundin ja noch, dass sie mit dir zusammen unterwegs ist. Dann seid ihr mehr zusammen.“ Meinte Marc. „Geht das gut? Die ganze Zeit auf so engem Raum?“ „Bei uns geht das ganz gut.“ Sagte Daniela. „Das ist aber nicht unbedingt das Idealrezept für jeden.“ „Verstehe.“ „Bei uns ist das so, dass wir uns gegenseitig brauchen.“ Stimmte Marc ihr zu.

    Wir zahlten dann und gingen dann zurück zu den Trucks. Zusammen konnten wir aber nicht weiterfahren, da Daniela und Marc auf dem Weg nach Chicago waren. Aus dieser Richtung kam ich dann gerade. Wir hatten dann tatsächlich nebeneinander geparkt. Marc schaute dann auf meine Tür und sagte dann: „Daniela, schau mal. M.M. Trucking. Das ist ja fast, wie bei uns damals.“ „Stimmt." Stellte sie fest.
    Dann öffneten sie den Truck und Daniela richtete sich jetzt auf dem Fahrersitz ein. Dabei sah ich, dass deren Kenworth mit Automatik ausgerüstet war. „Ihr fahrt mit Automatik?“ fragte ich erstaunt. „Wir waren das schon aus Europa gewöhnt.“ Sagte Marc. Obwohl ich sagen muss, dass die europäischen Automatikgetriebe besser sind, als das hier. Der einzige, der hier wohl den gleichen Standard hat, ist Volvo. Die nehmen hier, wie auch in Europa ihre I Shift.“ „Ich finde diese Kombination seltsam. Einen Truck im klassischen Design und dann mit Automatik. Das passt irgendwie nicht zusammen.“ „Unser Chef hat uns den extra gekauft, weil wir Automatik haben wollten. Die Klassik Version wollte er. Wir hätten auch einen modernen Truck genommen.“ „Verstehe.“ Wir tauschten dann noch unsere Adressen aus, danach machten wir uns wieder auf den Weg. Inzwischen hatten wir hier gut zweieinhalb Stunden gestanden.

    Während die beiden Deutschen nun ostwärts auf die I94 fuhren, machte ich mich wieder in Richtung Westen auf den Weg. Inzwischen war es hier halb Sieben. So fuhr ich jetzt in den Abend hinein. Dabei steckte ich dann mein Handy wieder in die Ladeschale und rief dann über die Freisprecheinrichtung bei Keela an. In meiner Pause war ich ja nicht dazu gekommen und ich wusste, dass Keela nicht begeistert wäre, wenn ich mich gar nicht bei ihr melden würde. Nachdem das Handy gewählt hatte, kam dann das Freizeichen. Danach meldete sich mal wieder eine typische Keela: „Ich dachte schon, du rufst überhaupt nicht mehr an.“ „Sorry Schatz. In meiner Pause bin ich da leider nicht zu gekommen.“ „Na toll. Was kann denn so wichtig sein, dass du mich nicht mal anrufst.“ „Die Unterhaltung, die ich in meiner Pause geführt habe.“ „Und da blieb keine Zeit, mich anzurufen?“ „Leider nicht. Ich habe so schon zweieinhalb Stunden gestanden.“ „Deine Unterhaltung hat zweieinhalb Stunden gedauert?“ „Genau.“ „Mit wem hattest du denn eine so lange Unterhaltung?“ „Mit einer anderen Frau.“ „Und das soll ich dir jetzt glauben?“ „Warum denn nicht.“ „Dann sag mir doch mal, wie die Frau heißt?“ „Daniela.“ „Und weiter?“ „Mertens.“ „Was ist das denn für ein Name?“ „Ein Deutscher.“ „Du hast dich zweieinhalb Stunden mit einer Deutschen unterhalten?“ „Und auch mit ihrem Mann.“ „Ach der war dabei. Und wie hieß der?“ „Natürlich auch Mertens.“ „Witzbold. Und mit Vornamen?“ „Marc.“ „Verarschen kann ich mich alleine.“ „Ehrlich. Wir sind ja ins Gespräch gekommen, weil sie ihren Mann gerufen hat und ich mich angesprochen gefühlt hab.“ „Und darüber habt ihr dann zweieinhalb Stunden gesprochen.“ „Das nicht. Ich habe aber eine sehr traurige Geschichte gehört, die aber auch sehr interessant war.“ „Aha. Worum ging die Geschichte?“ „Überwiegend um die Firma, die die Beiden in Deutschland hatten und die inzwischen pleite ist.“ „Warum haben die dir das erzählt?“ „Weil Marc der Meinung war, dass ich so einiges wissen sollte, damit ich nicht die gleichen Fehler mache.“ „Dann hat sich das ja hoffentlich gelohnt.“ „Also ich fand das schon interessant. Zumal es ein paar Parallelen zu uns gibt.“ „Dann nimm dir die Sachen mal zu Herzen.“ „Mach ich. Ich erzähle dir da mehr von, wenn wir mehr Zeit dazu haben.“ „Okay. Wie sieht es denn sonst aus bei dir?“ Ich habe noch ein Stück bis Fargo zu fahren. Den Rest siehst du dann, wenn du im Büro bist.“ „Na gut.“ „Gibt es denn noch was?“ „Von mir nicht. Ich habe ja den Tag über geschlafen.“ „Dann wünsche ich dir eine schöne Schicht.“ „Danke. Bis später.“ Wir legten auf.

    Die weitere Fahrt verlief dann ohne nennenswerte Ereignisse. So ging es dann in den Abend hinein. Es war dann hier schon neun Uhr durch, als ich dann endlich Fargo erreichte. Ich verließ dann die Interstate und fuhr dann in die Stadt hinein. Gegen halb Zehn erreichte ich dann die Druckerei der Vistaprint Gruppe.

    An diesem Abend sollte ich den Trailer dann wieder an der Kantine abstellen. Ich rangierte den Trailer dann dorthin und sattelte ab. Danach erledigte ich den Papierkram und konnte mich dann um viertel vor Zehn wieder auf den Weg machen. Inzwischen war dann auch mein nächster Auftrag im System:

    PICKUP: UPS-NDFA
    TRAILER: UPS 53778
    FREIGHT: FRUIT
    WEIGHT: 37,000 LB
    TO: CW-ONFF
    GATE: 66
    REMARKS: -----

    CASA-KRY

    Keela arbeitete offensichtlich doch nicht ernsthaft daran, mich nach Kalifornien zu bekommen. Der Auftrag führte mich schließlich nach Ontario. Wobei FF wohl für Fort Frances stand. Es ging also nicht nach Südwesten, sondern nach Nordosten. Da es in Fargo aber auch keine Lager von Walmart gab, hatte Keela vielleicht nicht allzu viele Möglichkeiten. Ich machte mich also auf den Weg zu UPS und forderte dort meine Ladung ab. Gegen zehn Uhr am Abend kam ich dann dort an. Dort war dann auch schon alles fertig und ich konnte nach dem Papierkrieg sofort aufsatteln.
    Um viertel nach Zehn konnte ich dann wieder fahren. Ich fuhr dann aber nur noch bis zum Truckstop in Fargo. Dort machte ich dann um halb Elf Feierabend. Da ich keinen Hunger mehr hatte, ging ich nur noch schnell duschen, danach legte ich mich dann schnell in mein Bett.

    Mittwoch, den 25. Oktober 2017, 5:30 am Pacific Standard Time:

    Ich hatte recht unruhig geschlafen. Die Geschichte, die ich von den beiden Deutschen gehört hatte, ging mir erstmal nicht aus dem Kopf. An solchen Beispielen sah man dann, wie schnell es mit einer eigenen Firma wieder am Ende sein konnte. Da ich absolut nicht wollte, dass es mir so erging, sollte ich mir einige Sachen, die mir die Beiden erzählt hatten, durchaus zu Herzen nehmen und auf manche Warnzeichen verstärkt achten. Ich hatte schließlich auch kaum Eigenkapital. Meine Zugmaschine war zwar nicht geleast, aber immerhin finanziert. Das Schlimmste, was einem offensichtlich passieren konnte war wohl, dass man seine Raten nicht bezahlen konnte und einem daher die Maschine weggenommen wurde.
    Ich sollte also tatsächlich etwas mehr auf den kaufmännischen Bereich achten. Außerdem sollte ich dann darauf achten, dass es vielleicht doch wichtiger war, Kosten zu sparen, als auf das Image zu achten.
    Gegen halb Sieben, Central Standard Time klingelte dann mein Wecker und ich stand dann auch relativ zügig auf. Dann machte ich mich fertig und ging in den Truckstop, um zu duschen und anschließend meinen ersten Kaffee zu trinken. Zurück im Truck war es dann zwanzig nach Acht laut der hiesigen Uhr. Das hieß, Keela könnte gerade zu Hause angekommen sein. Ich versuchte mein Glück und erwischte sie dann tatsächlich zu Hause. Wir sprachen aber nicht allzu lange, da meine Ladung recht eilig war und ich auch noch ein ganzes Stück zu fahren hatte. Gegen halb Neun konnte ich dann schon mit meiner PTI beginnen und gab das auch schon in mein E-Log ein. Auch an Walmart meldete ich das schon auf ORBCOMM. Dann verabschiedete ich mich von Keela und begann mit meiner Arbeit. Gegen viertel vor Neun konnte ich dann losfahren.
    Da ich aber gestern nicht mehr getankt hatte und jetzt auch noch wieder nach Kanada musste, fuhr ich dann zuerst zur Zapfsäule und füllte die Tanks des Kenny noch mal voll. Das Tanken nicht zu vergessen war schon mal das erste, wo man etwas Geld sparen konnte. Dann natürlich die Fahrweise und nicht zuletzt eine sinnvolle Routenplanung.
    Letzteres wurde mir heute aber verwehrt. Auf Anweisung von UPS sollte ich unbedingt den Grenzübergang nach Kanada nehmen, den ich schon von meiner letzten Tour kannte. Also der, an der I29 oder MB 75. Laut Google Maps würde es mehr Sinn machen, bei Drayton von der I29 runter zu fahren und dann über die Route 75 in Richtung Warroad zu fahren und dann über die MN11 in Richtung Baudette weiter zu fahren. Dort dann über die Grenze direkt nach Ontario. So musste ich dann aber einen großen Umweg fahren. Wenn es aber von den Auftraggebern so verlangt wird, muss ich das wohl so machen. Es hatte irgendwas mit der Grenzabfertigung zu tun.
    Auf jeden Fall fuhr ich nun erstmal zur I29 und dann in nördlicher Richtung weiter. Dann wollte ich das aber erstmal abklären und rief in der Dispatch an. Danny konnte mir aber auch nicht mehr dazu sagen, als dass ich, wenn UPS das so möchte, auch so fahren sollte. Die Antwort war zwar nicht zufriedenstellend, aber ich hielt mich dann daran.
    Normal hätte Charlie jetzt Dienst gehabt. Der hätte mir das zumindest begründen können. Ich war dann aber mal, wie Keela gesagt hatte brav und folgsam.
    :whistling: Gegen viertel vor Zwölf erreichte ich dann den Grenzübergang. Im E-Log gab ich dann aber „Break“ ein. So hatte ich dann meine Pause schon mal erledigt. Schließlich war die Ladung eilig. Außerdem hatte ich während ich auf die Abfertigung wartete, genug Zeit um Pause zu machen. Im ORBCOMM gab ich aber natürlich „Border clearance“ ein. Schließlich hatte ich ja Grenzabfertigung. Um halb Eins hatte ich dann die Abfertigung und somit auch meine Pause erledigt. Nun kam ich dann das erste Mal am Tage nach Kanada.

    Es ging jetzt über die MB75 nach Winnipeg weiter. Über die zweispurige Straße konnte ich dann auch nur teilweise mit Tempo 62, oder eben 100 Km/h fahren. Zum Teil war es dann aber zu voll, um das Tempo wirklich zu halten. Als ich dann Winnipeg erreicht hatte, ging es dann diesmal östlich auf den Trans Canada Highway. Da dieser ja vierspurig ausgebaut war, konnte ich dann wieder etwas besser fahren.
    Nun ging es dann mit großen Schritten auf Ontario zu. Bevor ich dann aber die nächste kanadische Provinz erschließen konnte, durfte ich mich noch von einer Mutmaßung, die ich in der vergangenen Woche hatte, verabschieden.
    Der Trans Canada Highway war offensichtlich nicht überall als vierspurige Strecke ausgebaut. Kurz vor der Grenze nach Ontario endete diese nämlich auf einmal. Danach ging der Highway 1 dann zweispurig weiter. Ein wenig später erreichte ich dann aber trotzdem die Grenze nach Ontario.

    Nun war der Trans Canada Highway auch nicht mehr der Highway 1, sondern die ON17. Das fand ich dann zwar komisch, es war aber so.
    :D Einige Zeit später musste ich dann aber wieder in Richtung Süden abbiegen.
    Hier teilte sich der Trans Canada Highway dann wieder in zwei Teile auf. Die nördliche Route blieb dann auf der ON17, die südliche Route, die ich dann auch nahm, erforderte dann einen Zahlendreher auf den Schildern über die ON71 ging es nämlich weiter nach Süden. Durch eine hügelige Landschaft, die hauptsächlich aus Wäldern und Seen bestand ging es nun auf mein Ziel zu. Das war dann schon eher das Kanada, wie man es sich laut allen Klischees vorstellte.
    Durch diese Landschaft ging es dann eigentlich den ganzen Nachmittag. Es war dann auch schon fast Abend, als ich dann die Gabelung erreichte, die die ON71 und die ON11 auf eine Trasse zusammenbrachte. Nun war ich schon wieder fast an der Grenze zur USA. Ich musste aber ja den großen Umweg fahren.
    Nun dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich dann Fort Frances, die kleine Grenzstadt am Rainy River erreicht hatte. Am anderen Flussufer war dann schon wieder Minnesota. Nun ging es dann durch die kleine Stadt zum Walmart Zentrallager, was ich dann gegen viertel vor Sieben erreichte.
    Nachdem ich dann den Papierkrieg erledigt hatte, konnte ich dann den Trailer an Tor 5 andocken und absatteln. Mit der Anweisung, die ich dann von Danny erhielt, hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet:

    10 H BREAK

    CASA-DSN

    Ich durfte also Pause machen. Dazu suchte ich mir dann im Industriegebiet von Fort Frances einen Platz, wo ich dann mit meinem Bobtail über Nacht stehen bleiben konnte. Einen Truckstop gab es hier wohl leider nicht. Gegen viertel nach Sieben stand ich dann endlich und machte für den heutigen Tag Feierabend. Leider konnte ich dann wieder nur ein paar Minuten mit Keela sprechen. Danach musste sie dann nämlich zur Arbeit fahren. Meine Pause sollte dann aber noch zu Ende sein, wenn sie noch am Arbeiten war. Daher hatten wir dann zumindest beruflichen Kontakt.
    Mein Abendessen machte ich mir dann aus meinen wieder aufgefüllten Vorräten. Danach machte ich es mir in meinem Bett vor dem Fernseher gemütlich. Schließlich schaltete ich außer der Standheizung alles aus und ging schlafen.

    Donnerstag, den 26. Oktober 2017, 2:30 am Pacific Standard Time:

    Gegen halb Fünf klingelte mein Wecker und ich quälte mich dann langsam aus dem warmen, gemütlichen Bett. Zum Glück hatte ich die Standheizung angelassen, so dass ich wenigstens in einem recht warmen Sleeper aufstehen durfte. Zu warm machte ich es mir hier aber auch nicht, weil es mir dann zu warm zum Schlafen war. Heute hatte ich dann seit langem das erste Mal wieder die Körperpflege aus dem Wasserkanister zu erledigen. Leider gab es wohl in Fort Frances keinen Truckstop. Die Sozialräume bei Walmart durfte ich ja leider aus versicherungstechnischen Gründen auch nicht benutzen. Mal abgesehen von den Fahrertoiletten die dann auch den Fahrern von Subunternehmen zur Verfügung standen.
    Ich stand jetzt aber noch im Industriegebiet, wo weit und breit nichts war. Zum Glück hatte man als Mann schon mal kein Problem, sein Urin ohne Toiletten loszuwerden. Wie das die Frauen in diesem Job machten, wollte ich wohl eher nicht wissen.
    Nachdem das und auch die Körperpflege aus dem Wasserkanister erledigt waren, kochte ich mir noch einen Kaffee. Schließlich saß ich dann mit der ersten Tasse Kaffee am Steuer und konnte dann um viertel nach Fünf dann auch mit der PTI beginnen. Da ich nun Lust hatte, die Stimme meiner Süßen zu hören, nahm ich mein Handy und wählte die Nummer der Dispatch.
    Heute hatte Keela dann aber doch aufs Display geschaut und bemerkt, wer sie da anrief. „Hallo mein Schatz. Gibt es was Besonderes, dass du mich anrufst?“ „Hallo meine Süße. Ich rufe aus mehreren Gründen an. Erstens wollte ich deine Stimme hören und zweitens wollte ich dich bitten, mich, wenn eben möglich langsam mal in Richtung Heimat zu verplanen. Ich kann doch nicht ewig in deiner alten Heimat rumfahren, wenn du in meiner Heimat bist.“ „Ich habe volles Verständnis für beide Gründe. Ich freue mich auch, dass du mich anrufst und ich habe schon daran gearbeitet, dich in die richtige Richtung zu bekommen.“ „Klingt gut.“ „Leider haben wir zurzeit in Der Gegend nichts, was direkt nach Kalifornien geht, ich ziehe dich aber schon mal ein ganzes Stück in die richtige Richtung.“ „Was heißt das?“ Du bekommst eine Aus- oder Umlagerung. Eine komplette Ladung Mehl nach Billings, Montana. Wie voll sind denn deine Tanks?“ „Halbvoll. Warum?“ „Eine komplette Ladung Mehl ist schwer. Wir haben einen Dry Van mit 44.500 Pfund Ladungsgewicht.“ „Mit vollen Tanks wäre ich definitiv zu schwer.“ „Dann lass die Tanks etwas leerer, oder mache einen großen Bogen um die öffentlichen Waagen.“ „Da letzteres schwierig wird, sehe ich lieber zu, dass ich die Tanks nicht allzu vollmache.“ „Gut. Dann schicke ich dir den Auftrag jetzt rüber.“ „Mach das. Wir sprechen dann heute Abend.“ „Fahr vorsichtig.“ „Mache ich. Wer macht eigentlich am Wochenende Bereitschaft?“ „Charlie. Danny bringt ihm am Freitag nach Feierabend das Handy und den Laptop, dann löst mich Charlie am Samstagmorgen ab.“ „Verstehe. Dann bis heute Abend. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“ Wir legten auf. Ich erledigte dann schnell meine PTI der Zugmaschine und fuhr dann um halb Sechs zum Zentrallager. Die Nachricht auf dem ORBCOMM bestätigte mir das:

    PICKUP: CW-ONFF
    DV53788 FREIGHT: OUTSOURCING / FLOUR
    WEIGHT: 44,500 LB
    TO: FED-MTBI
    GATE: 08
    REMARKS: IMPORTANT FREIGHT

    CASA-KRY

    Die Ladung stand also im System und konnte mir nicht mehr genommen werden. Gegen viertel vor Sechs erreichte ich dann das Zentrallager und erledigte den Papierkram. Anschließend fuhr ich zu Tor 8 und sattelte den Dry Van auf. Um sechs Uhr konnte ich mich dann auf den Weg machen. Im Büro hatte ich dann auch nachgefragt, ob ich, wie beim Hinweg einen bestimmten Grenzübergang nutzen sollte. Es gab dafür aber dieses Mal keine Vorschriften. Dann hatte es auf dem Hinweg an UPS, Fargo gelegen, warum ich den Umweg über Winnipeg machen musste. Heute würde ich diesen Umweg dann nicht machen.

    Nachdem ich Fort Frances verlassen hatte, ging es dann über die ON11 in Richtung Westen. Diesmal folgte ich dann auch nicht weiter dem Trans Canada Highway, sondern blieb dann auf der ON11, die dann auch den merkwürdigen Beinamen MOM’s Way hatte. Gegen sieben Uhr hatte ich dann die Grenze zu den Vereinigten Staaten erreicht und hatte die Abfertigung vor mir. Da es sich bei diesem Grenzübergang aber um einen eher kleinen handelte, war die Abfertigung innerhalb von einer halben Stunde erledigt und ich konnte über den Rainy River in die USA einreisen. Für einen US Bürger war die Einreise dann sowieso eher Formalität.
    Nun war ich in Baudette, Minnesota angekommen. Von hier aus sollte es dann auch über die MN11 weitergehen. Bis Warroad ging es dann erstmal in Richtung Kanada weiter. Dann machte die MN11 einen Bogen und es ging in Richtung Roseau weiter. Von dort ging der Highway in Richtung Karlstad weiter. Dann ging es schnurgerade nach Westen, bis dann Drayton, North Dakota erreicht war. Hier kam ich dann wieder auf die I29, die ich dann in südlicher Richtung nahm.
    Langsam bekam ich dann Hunger. Außerdem wollte ich dann doch noch duschen. Mir fiel dann dazu der Flying J Truckstop in Grand Forks wieder ein, an dem ich ja auch schon über Nacht gestanden hatte. Also fuhr ich dann in Grand Forks wieder von der I29 ab und machte meine Pause auf dem Truckstop.
    Gegen halb Elf kam ich dann dort an. Anschließend ging ich dann erstmal in Ruhe duschen, danach ging es dann noch zum Essen in das Restaurant des Truckstops. Mit Keela brauchte ich um diese Zeit eh nicht telefonieren. Sie dürfte sich wohl gerade im Land der Träume befinden. Gegen halb eins war ich dann nicht nur frisch geduscht, sondern auch noch gesättigt und konnte mich daher noch wieder auf den Weg in Richtung Montana machen.

    Dazu fuhr ich dann zuerst wieder auf die I29 in Richtung Süden auf. Auf diesem Highway blieb ich dann, bis ich Fargo erreicht hatte. Dort wechselte ich dann auf die I94 in Richtung Westen. Auf diesem Highway würde ich nun den Großteil der Tour nach Billings verbringen. Ich stellte den Tempomat auf 70 mph ein und ließ den Truck dann erstmal eine ganze Zeit rollen Nun kam bei mir wirklich langsam mal Long Haus Feeling auf.
    Ich war zwar die ganzen letzten Tage nicht zu Hause gewesen, kam mir zum Teil aber trotzdem vor, wie ein Regional Driver, da die Touren an sich nicht allzu lang waren. Die Touren lagen dann zwar nicht in Kalifornien, sondern eben in Minnesota, Wisconsin, North Dakota oder aber Kanada, Ich hatte dann aber trotzdem das Gefühl, dass ich wohl eher umgezogen war, als dass ich im Fernverkehr unterwegs war.
    Nun hatte ich aber mal den Moment, dass ich dann mal mehrere Stunden am Stück nur über die Interstates fuhr und dabei ganz entspannt vorankam, obwohl ich dabei reichlich Meilen zurücklegte. Ab und zu überholte ich dann mal einen anderen Truck oder Pickup, ansonsten ließ ich es ganz entspannt im Tempomat angehen. So hatte ich mir das vorgestellt. Entspannt dahinrollen, viel von Amerika sehen und dafür noch Geld bekommen.
    Allerdings kam dann irgendwann auch die unangenehme Seite des Jobs. Die Tankleuchte ging dann mal wieder an. Nun hieß es also nicht Geld verdienen, sondern Geld ausgeben, damit der Kenny wieder genug zu trinken hatte. Dabei musste ich dann bei der schweren Ladung darauf achten, dass ich nicht zu viel Diesel tankte, damit ich beim Gesamtgewicht nicht zu schwer wurde. Am Truckstop an der Ausfahrt 161 bei Bismarck, North Dakota erledigte ich das dann. Nun kam die Überlegung, ob ich jetzt gleich hier Feierabend machen sollte, oder ob ich noch ein wenig fahren sollte. Schließlich entschied ich mich dann aber für letzteres.
    Nach dem Tanken hatten wir hier gerade mal fünf Uhr am Nachmittag. Ich konnte also noch zwei Stunden fahren. Auch das E-Log war der gleichen Meinung, wie ich. Selbst in meinen 14 Stunden hatte ich noch etwas Zeit übrig. Ich kam dann zu dem Schluss, dass ich ja, je früher ich Feierabend machte, auch umso früher wieder losfahren musste. Da ich das nicht wollte, fuhr ich dann wieder zurück auf die I94 in Richtung Westen und sah zu, dass ich noch mal ein paar Meilen zurücklegte.
    Wenn ich es jetzt aber rein nach der Uhrzeit nehmen würde, hatte diese Weiterfahrt den Nebeneffekt, dass ich jetzt doch wieder eine Stunde früher aufstehen würde, als ich vorher geplant hatte. Ich legte bis zu dem Truckstop in Dickinson, North Dakota zwar nach meinem Tankstopp zwar nur noch circa 100 Meilen zurück, wechselte dabei aber die Zeitzone von der Central Standard Time zur Mountain Standard Time. Der positive Nebeneffekt war dann aber der, dass ich nur noch eine Stunde Zeitunterschied zu Keela hatte. Das war mir persönlich dann ehrlich gesagt etwas lieber. So war es dann auch nicht viertel nach Sieben, als ich Feierabend machte, sondern gerade erst viertel nach Sechs.
    Trotzdem hatte ich dann jetzt auch nur noch eine Viertelstunde Zeit, bis Keela dann zur Arbeit fahren musste. Also war meine erste Amtshandlung, nachdem der Truck stand, meine Süße anzurufen und ihr mitzuteilen, wie weit ich denn noch gekommen war. Wir telefonierten dann noch ein paar Minuten, dann musste Keela leider zur Arbeit. Ich ging dann noch in den Truckstop, um eine Kleinigkeit zu essen. Danach ging ich dann wieder zurück zum Truck. Nachdem ich dann noch etwa eine Stunde aus meinem Bett ferngesehen hatte, legte ich mich dann aber aufs Ohr und schlief dann auch recht schnell ein.

    Freitag, den 27. Oktober 2017, 2:30 am Pacific Standard Time:

    Auch wenn heute früh bereits halb Vier auf meinem Wecker stand, klingelte er zur gleichen Zeit wie Gestern. Das war ebenfalls ein Nebeneffekt der unterschiedlichen Zeitzonen. Es war die gleiche Zeit wie gestern, fühlte sich dann beim Blick auf die Uhr aber nicht genauso an. Trotzdem musste ich dann wieder mein gemütliches, warmes Bett verlassen und aufstehen. Der Vorteil im Vergleich zu gestern war, dass ich heute früh auf einem Truckstop stand und daher vernünftige Sanitäranlagen zur Verfügung hatte. Das machte das Aufstehen dann schon wieder eine Spur erträglicher. So begann mein Tag mal wieder mit einer Dusche und einem Kaffee im Truckstop. Danach konnte es dann weiter in Richtung Westen gehen. Um viertel nach Vier, Mountain Standard Time begann ich dann mit meiner PTI und um halb Fünf machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Nun wurde auch das Streckenprofil langsam wieder hügeliger. Ich kam nun in den Theodore Roosevelt National Park und die damit verbundene Hügellandschaft. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich dann die Grenze zu Montana erreicht hatte.

    Der Staat machte dann seinem Namen sowieso alle Ehre und es ging weiter hügelig oder bergig zu. Bei Glendive überquerte ich dann auch den bekannten Yellowstone River, von dem ich aber in der frühmorgendlichen Dunkelheit nicht allzu viel sah. Der Fluss sollte aber auf der weiteren Strecke nach Billings immer wieder mal auftauchen. Die Interstate folgte jetzt dem Flusslauf und war dann mal mehr, mal weniger nah am Yellowstone River. So konnte ich dann auch später noch den einen oder anderen Blick auf den Fluss werfen. Zu großen Teilen ging es dann aber eben durch die Berge.
    Schließlich erreichte ich Lockwood, wo die I94 dann auf die I90 traf und dann endete. Kurz darauf war dann auch Billings erreicht. Die größte Stadt im Staat Montana und die einzige Stadt im Staat, die über 100.000 Einwohner hatte.
    Ich verließ die Interstate und fuhr dann in die Stadt hinein. In einem der Gewerbegebiete erreichte ich dann das FedEx Lager. Um neun Uhr am Morgen kam ich dort an. Ich meldete mich im Büro an und erledigte den Papierkram. Dann bekam ich mein Dock zugewiesen und konnte den Dry Van sofort ans Dock setzen. Als ich dann abgesattelt hatte, war auch die nächste Anweisung von Danny im System:

    PICKUP: ES-MTBI
    TRAILER: RE53951
    FREIGHT: MEAT
    WEIGHT: 37,566 LB
    TO: FED-MTBI
    GATE: 02
    REMARKS: -----

    CASA-DSN

    Ich wurde also mal wieder als City Trucker missbraucht. Dazu musste ich aber zuerst mal herausfinden, wo denn das Walmart Außenlager in Billings war. Ich übernahm dann also die Adresse aus dem ORBCOMM mal wieder ins Navi und konnte mich dann auf den Weg zum Außenlager machen. Eine Viertelstunde später erreichte ich dann das Lager. Im Bürocontainer holte ich mir dann die Papiere für den Reefer. Außerdem musste ich mich mal wieder von einer Annahme verabschieden.
    Ich hatte immer gedacht, in den Außenlägern würde nur Non Food Ware gelagert. In Sacramento war das auch so. In Orten, wo es nur ein Außenlager gab, hatte man dann aber offensichtlich die Möglichkeit auch Lebensmittel und sogar Tiefkühlware zu lagern. Wobei dann hier die Ladung Fleisch zu FedEx ausgelagert wurde. Vermutlich aber, damit FedEx die Ladung zu diversen Märkten auslieferte.

    Als ich dann aufsattelte, entdeckte ich drei Tore weiter einen Trailer mit der Gefahrgutbeschilderung für Feuerwerkskörper. Da kam mir dann schon eine Ahnung, was ich wohl fahren musste, nachdem ich das Fleisch bei FedEx abgestellt hatte. Meistens bekam ich solche Ladungen ja, weil es bei Walmart nicht allzu viele Fahrer gab, die Gefahrengut Endorsements hatten. Nachdem ich dann aufgesattelt hatte und die PTI beendet war, fuhr ich dann wieder zurück zu FedEx. Dort war man dann auch überrascht, dass ich dann schon wieder da war, obwohl noch keine Stunde seit meinem letzten Besuch vergangen war.
    Auch dieses Mal erledigten wir den Papierkram und ich bekam wieder sofort ein Dock zugewiesen. Nachdem ich dann auch diesen Trailer wieder am Tor abgesattelt hatte, stand dann, wie erwartet, folgende Anweisung im System:

    PICKUP: ES-MTBI
    TRAILER: CT40557
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 10,000 LB
    TO: FED-SDRC
    GATE: 05
    REMARKS: ADR 1.4 URGENT ORDER

    CASA-DSN

    Gefahrgut und dann noch dringend. Da hatte Danny keine Chance, um den Auftrag abzulehnen. Der Code des Zielortes stellte sich dann als Rapid City, South Dakota heraus. Es ging also wieder in die falsche Richtung weiter. Zuerst fuhr ich dann aber zurück zum Außenlager, um den Trailer zu übernehmen. Hier war man allerdings nicht überrascht, mich so schnell wieder zu sehen. Man wusste ja, dass ich nicht weit weggefahren war. Außerdem hatte man wohl auch schon damit gerechnet, dass ich die Ladung bekommen würde. Ich sattelte dann also den nächsten Trailer auf und erledigte auch die nächste PTI. Um viertel vor Elf ging es dann wieder los.
    Zuerst ging es dann wieder zurück durch Billings zur Interstate 90. Diesmal musste ich dann wieder in östlicher Richtung auffahren. Hinter Lockwood folgte ich dann aber weiter der I90 und wechselte nicht zurück auf die I94. Dann ging es quasi in südöstlicher Richtung weiter.

    Ich kam dann noch am berühmten Little Big Horn Schlachtfeld vorbei. Ein paar Minuten später erreichte ich dann den Ort Hardin, wo ich an dem Flying J Truckstop erstmal für meine Pause anhielt. Dort ging ich dann in Ruhe zum Essen und Kaffeetrinken.
    Anschließend meldete ich mich dann mal zu Hause bei meiner Mom. „Ich frag schon gar nicht mehr, wann du nach Hause kommst.“ War jetzt ihr Kommentar, als ich ihr mitteilte, dass ich meinen Heimweg schon wieder unterbrechen musste, weil ich eine dringende Ladung nach Rapid City bringen sollte. „Hauptsache du hast Spaß an deinem Job.“ Meinte sie dann noch. Trotzdem war das inzwischen schon eine gefühlte Ewigkeit, dass ich das letzte Mal zu Hause war. Am 8. Oktober war ich das letzte Mal zu Hause und am 11. Oktober das letzte Mal in Sacramento. Inzwischen war der Monat so gut wie um. Es wurde also wirklich mal wieder Zeit. Aber ich hatte es ja so gewollt.
    Nachdem ich dann das Telefonat mit Mom beendet hatte, machte ich mich dann nach guten eineinhalb Stunden wieder auf den Weg. Dazu ging es dann wieder zurück auf die I90 in Richtung Osten. Die Strecke verlief dann zwar eigentlich mehr in Richtung Süden, aber da Interstates mit geraden Zahlen in Ost – West Richtung liefen, war es dann eben die östliche Richtung. Da brauchte man nicht drüber zu diskutieren.
    Schließlich ging es wieder mal über eine Staatsgrenze. Ich erreichte Wyoming. Auch dort lief die Strecke erstmal noch südlich weiter, bis ich Buffalo erreichte. Dort begann dann die I25, die dann wirklich in südlicher Richtung weiterführte. Hier machte dann die I90 auch wieder einen Bogen in Richtung Osten.
    Nun musste ich mir auch wieder langsam überlegen, wo ich denn Feierabend machen wollte. Ich hatte auf jeden Fall vor, an einem Truckstop zu halten und nicht eine einfache Rest Area zu nutzen. Die waren hier im Mittleren Westen aber zum Teil auch recht rar. Schließlich erreichte ich dann Gillette, Wyoming. In dem Ort gab es einen Flying J Truckstop. Da die Kette Flying J und Pilot inzwischen doch zu meinen erklärten Lieblings-Truckstops gehörten, beschloss ich dann heute mal wieder etwas früher Feierabend zu machen und dort stehen zu bleiben. Es war dann zwar erst halb Fünf, als ich dann stand, Ich hatte aber inzwischen auch schon wieder über 12 Stunden Schicht und über 500 Meilen hinter mir. Dazwischen auch noch den Stadtverkehr in Billings. Das reichte meiner Ansicht nach.
    Nun telefonierte ich eine ganze Zeit mit Keela. Das war auch ein Vorteil, wenn man etwas früher Feierabend machte. Wir hatten da jetzt etwas mehr Zeit, da Keela nicht sofort zur Arbeit musste. Nachdem wir dann aufgelegt hatten, ging ich noch duschen und aß noch eine Kleinigkeit im Truckstop. Danach machte ich es mir im Sleeper gemütlich. Bald darauf schlief ich dann auch ein.

    Samstag, den 28. Oktober 2017, 12:30 am Pacific Standard Time:

    Weil ich so früh Feierabend gemacht hatte, musste ich auch recht früh wieder aufstehen. Um halb zwei in der Nacht klingelte mich mein Wecker aus dem Schlaf. Dabei schwor ich mir dann, dass ich den heutigen Tag nicht verkürzen würde, um morgen nicht noch früher aus den Federn zu müssen. Im Halbschlaf schlurfte ich dann über den Parkplatz des Truckstops, um diesen zu erreichen. Zum Glück war um die Uhrzeit kaum Verkehr auf dem Truckstop, sonst hätte mich wahrscheinlich noch jemand als Kühlerfigur nehmen können.
    :whistling: Nach der Dusche und dem anschließenden Kaffee war ich dann aber wieder unter den Lebenden. Der Rückweg zum Truck sah dann auch völlig anders aus, als der Hinweg. Ich war ja jetzt wach.
    Im Truck angekommen, schaltete ich zuerst die Kaffeemaschine an. Danach nahm ich dann das Handy und rief damit bei Keela in der Dispatch an. „Hallo mein Schatz. Bist du auch schon wieder auf?“ wurde ich von Keela begrüßt. „Hallo meine Süße. Das ist halt der Haken daran, wenn man früh Feierabend macht. Dann muss man auch wieder früh los.“ „Ich habe auch irgendwie nicht das Gefühl, dass Wochenende ist.“ „Für mich ist es das auch noch nicht. Ich bin noch knapp unter 43 Stunden diese Woche.“ „Du hast ja auch erst Dienstag angefangen.“ „Stimmt. Fährst du nachher nach Pacifica?“ „Ich bin mir nicht sicher. So richtig Lust habe ich heute keine. Das liegt wohl an der dämlichen Woche mit den 12 Stunden Schichten.“ „Was willst du denn sonst am Wochenende machen?“ „Eben. Das ist der Punkt, warum ich das nicht so genau weiß. Ich bin jetzt seit Sommer in Kalifornien und habe jedes Wochenende, wo ich nicht arbeiten brauchte, in Pacifica verbracht. Die Temperaturen sind ja auch noch in Ordnung. Mit dem Neoprenanzug geht das ja alles. Ich bin nur ziemlich fertig diese Woche.“ „Was könntest du denn noch machen?“ „Keine Ahnung. Zum Motorradfahren sollte man ja auch fit sein. Das fällt dann auch aus.“ „Treff dich doch mit Jessy und Dave. Wenn du meinem Schwesterchen vorher sagst, dass du nicht mit ihr shoppen willst, fällt ihr auch was anderes ein.“ „Das wäre noch eine Idee. Dann gehe ich aber gleich erstmal noch etwas schlafen, bevor ich mich mit ihr treffe.“ „Hoffentlich haben die Beiden auch Zeit.“ „Wenn nicht, dann muss ich mal schauen.“ „Weißt du schon, wie es bei mir weitergeht?“ „Ich habe hier eine Ladung im System, die den Vermerk „Dringend“ hat. Die werden wir wohl nehmen müssen.“ „Wo geht die Ladung hin?“ „Wieder zurück nach Billings.“ „Es gibt schlimmeres.“ „Wäre dann auch direkt von FedEx aus.“ „Gut. Dann melde ich meine Ankunft wieder ein, zwei Minuten früher. Dann habe ich die Info im System, bevor ich ins Büro gehe.“ „Mach das.“ „Gehst du zu Hause direkt ins Bett?“ „Wahrscheinlich nicht. Ich muss dann erstmal runterkommen.“ „Vielleicht rufe ich dich dann nochmal an.“ „Du kannst mich ja vorher antexten. Wenn ich mich dann nicht melde, schlafe ich schon.“ „So machen wir das.“ Wir legten dann auf und ich schüttete mir einen Kaffee ein. Dann machte ich meine PTI und fuhr anschließend wieder weiter.

    Es ging dann wieder ostwärts auf die I90. In der Nacht konnte ich hier dann ganz entspannt im Tempomat dahinrollen. Eine gute Stunde später erreichte ich dann die Grenze nach South Dakota, wo dann gleich auf dem Schild auf den bekanntesten Ort des Staates hingewiesen wurde. Mount Rushmore.

    So weit sollte ich in den Staat aber gar nicht hineinfahren. Ich brauchte ja nur nach Rapid City. Die Stadt war dann auch schnell erreicht und ich erreichte um fünf Uhr das FedEx Lager. Wie vorher mit Keela besprochen, hatte ich dann kurz vorher schon meine Ankunft gemeldet und dann genau zum richtigen Zeitpunkt ihre Anweisung für die nächste Tour bekommen:

    PICKUP: FED-SDRC
    TRAILER: RE53???
    FREIGHT: FROZEN GOODS
    WEIGHT: 36,500 LB
    TO: ES-MTBI
    GATE: -----
    REMARKS: URGENT ORDER

    CASA-KRY

    Es war also bei dem Auftrag geblieben, den Keela mir schon angekündigt hatte. Ich nahm dann meine Papiere und ging ins Büro. Dort meldete ich mich an: „Guten Morgen. M.M. Trucking. Ich habe Feuerwerkskörper für euch und soll hier auch wieder Tiefkühlware mitbekommen.“ „Guten Morgen. Einmal die Papiere bitte.“ Sagte die freundliche Dame auf der anderen Seite des Schalters, an dem ich mich hier anmelden musste. „Ah ja, richtig. Auf die Ladung warten wir schon. Was sollst du mitbekommen?“ „Eine Ladung Tiefkühlware zurück nach Billings. Soll ebenfalls dringend sein.“ „Moment… …hier habe ich sie. Ich muss dann aber noch eben die Papiere fertigmachen. Deine Daten kann ich ja von den anderen Papieren übernehmen.“ Ich musste dann noch mal zehn Minuten warten, dann war alles fertig und ich bekam meine Papiere. Dann unterschrieben wir uns gegenseitig die Abliefernachweise und ich konnte mich wieder zurück zum Truck begeben. Auf dem Weg meldete ich mich eben beim Lagermeister, der mir sagte, wo ich ansetzen sollte und wo ich meinen Trailer für die Rückfahrt bekam. Anschließend konnte ich dann meinen kurzen Planen Trailer gegen einen 53 Fuß Reefer von FedEx tauschen. Nach der PTI des Trailers konnte ich dann wieder dahin fahren, wo ich gerade herkam. Inzwischen war es halb Sechs.

    Es ging dann wieder zurück auf die I90. Diesmal eben nur in westlicher Richtung. Eine Stunde später war dann wieder in Wyoming und kurz vor Acht kam ich dann wieder in den Raum Gillette, wo ich schon meine Pause verbracht hatte. Ich entschied mich dann wieder auf den Truckstop zu fahren um dort meine kurze Pause zu machen. Zuerst schrieb ich dann aber Keela an, ob ich sie noch anrufen durfte. In Sacramento war es ja gerade erst sieben Uhr. Die Chancen standen also gut, dass Keela noch wach war. Es dauerte dann auch nicht lange, bis ich ihre Nachricht auf dem Handy hatte: „Hab schon auf deine Nachricht gewartet. Du darfst noch anrufen. K.“ Also rief ich sie an und wir telefonierten dann erstmal fast eine Stunde miteinander. Anschließend ging ich dann noch zum Essen in den Truckstop. Als ich dann weiterfuhr, war es dann zehn Uhr, Mountain Standard Time.

    Es ging dann wieder zurück auf die I90 in Richtung Westen. Kurz darauf kam ich dann wieder an Buffalo vorbei und die Interstate machte dann wieder den Bogen nach Norden. An diesem Samstag lief es hier aber wunderbar ohne irgendwelche Probleme. So kam ich dann gut durch und konnte richtig entspannt nach Montana zurückfahren.

    Nun musste ich dann das Tempo wieder etwas zurücknehmen und mit 65 mph weiterfahren. Ansonsten lief es ebenso entspannt weiter, wie vorher. So verging dann der Vormittag und es ging in den Mittag hinein.
    Auf einmal klingelte mein Telefon und die Nummer des Dispatch Handys wurde mir angezeigt. „Hallo, ist da der stolze Vater am Telefon?“ meldete ich mich. „Vater war ich ja vorher schon. Jetzt bin ich doppelter Vater und habe nun drei weibliche Wesen zu Hause.“ „Drei weibliche Wesen? Ich weiß nicht, ob ich dich da wirklich zu beglückwünschen soll, oder lieber bedauern. Aber erstmal Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs. Wie heißt denn die Kleine?“ „Das ist dann Caroline. Danke für die Glückwünsche. Ich wollte aber eher fragen, ob du wirklich immer noch nicht zu Hause warst?“ „Nicht wirklich.“ „Wenn man nicht alles selber macht.“ „Ich glaube Keela fühlte sich dabei ganz wohl, weil es ihre alte Gegend war. Obwohl sie mich auch gerne nach Hause bekommen würde. Danny war das wohl relativ egal. Hauptsache er hatte eine Ladung für mich.“ „Dann müssen wir mal verstärkt daran arbeiten, dich mal wieder nach Kalifornien zu bekommen. Das gestaltet sich von Billings im Moment aber auch sehr schwierig. Richtung Osten wäre einfacher.“ „Und nun?“ „Ich habe im Moment nichts in Richtung Westen. Das Beste in Richtung Heimat ist noch eine Ladung nach Cheyenne. Das geht dann zumindest nicht noch weiter nach Osten. Von da müssen wir dann mal schauen Du hast ja auch schon wieder über 50 Stunden... ...Hilft ja nichts. Du bekommst dann gleich in Billings eine Ladung Reis für Cheyenne. Das geht dann zu der John Deere Niederlassung, die du bereits kennst. Ich weiß nicht, ob die jetzt China Wochen haben, oder sowas. Wofür braucht man sonst über 33.000 Pfund Reis.“ „Keine Ahnung.“ „Falls noch was in Richtung Westen kommt, melde ich mich nochmal. Ansonsten bleibt das dann dabei.“ „Okay, Charlie.“ Wir legten dann auf und ich konzentrierte mich auf die letzten Meilen nach Billings.
    Die restliche Strecke zog ich dann durch und erreichte dann am späten Mittag Lockwood. Nun war Billings nicht mehr weit. Es war dann kurz vor Zwei, als ich dann in Billings von der Interstate fuhr. Um viertel nach Zwei erreichte ich dann das Außenlager. Da ich von Charlie nichts mehr gehört hatte, ging ich dann jetzt von der Ladung nach Cheyenne aus. Also forderte ich sie im Bürocontainer gleich mit ab. Zurück im Truck wurde mir das dann auch auf dem Display bestätigt:

    PICKUP: ES-MTBI
    TRAILER: DV53753
    FREIGHT: RICE
    WEIGHT: 33,157 LB
    TO: JD-WYCY
    GATE: 08
    REMARKS: IMPROTANT ORDER

    CASA-CSA

    Wahrscheinlich hatte Charlie die Ladung als wichtige Ladung um deklariert, um sie blocken zu können. Sonst fiel mir dafür kein Grund ein. Zuerst fuhr ich dann aber auf den Hof und sattelte den Trailer mit der Tiefkühlladung auf der Rückseite der Halle ab. Ich hatte dafür sogar ein einfaches Tor bekommen, wo ich nicht lange rangieren brauchte, um den Trailer ans Dock zu bekommen.

    Anschließend ging es dann wieder zurück zur Vorderseite, wo ich dann den 53 Fuß Dry Van bekam, auf dem der Reis für Cheyenne verladen war. Nun kamen wieder die inzwischen üblich gewordenen Arbeitsschritte. Aufsatteln, schauen, ob die Sattelkupplung verriegelt war, Schläuche anschließen, Stützen hochkurbeln, vorziehen, Türen Schließen und dann die PTI. Kontrolle der Beleuchtung, der Bereifung und des allgemeinen Zustands des Trailers. Dann die Kontrolle, ob die Achsen in der richtigen Position waren. Schließlich alles dokumentieren und im E-Log vermerken.
    Gegen viertel vor Drei war dann alles wieder erledigt. Nun musste ich noch tanken. Es gab aber direkt neben dem Außenlager eine Tankstelle, die dann auch von den hiesigen Walmart Truckern genutzt wurde. Dort hielt ich dann nochmal an und füllte Diesel Und DEF auf.

    Um drei Uhr konnte es dann wieder auf den Weg gehen. Ich hatte zwar keine zwei Stunden Schicht mehr zur Verfügung, wollte aber zumindest noch aus Billings raus. Mit etwas Glück und relativ freier Strecke sollte es dann noch bis zu dem Truckstop in Hardin reichen, an dem ich gestern für die kurze Pause gestanden hatte.
    Es ging dann also wieder aus Billings hinaus und wieder mal zurück zur I90. Nun musste ich wieder in Richtung Osten auffahren. Seit gestern fuhr ich offensichtlich hin und her. Wieder folgte ich bei Lockwood weiter der I90 die dann wieder eher in Richtung Süden, als nach Osten führte. Zum Glück war der Verkehr nicht dichter, sondern eher etwas ruhiger geworden. So kam ich dann gut durch und passierte dann innerhalb von zwei Tagen zum dritten Mal Little Big Horn. Kurz darauf erreichte ich dann wieder den Flying J Truckstop in Hardin.

    Gegen viertel vor Fünf stand ich dann endlich auf meinem Parkplatz. Ich hatte jetzt die Vierzehn Stunden um wenige Minuten überzogen, aber war von meiner Fahrzeit noch unter den erlaubten elf Stunden geblieben. Nachdem ich dann die üblichen Abschlüsse im E-Log und ORBCOMM gemacht hatte, nahm ich dann mein Handy und rief bei Keela an. „Hey großer Bruder. Wo treibst du dich rum?“ wurde ich zu meiner Überraschung von Jessy begrüßt. „Bei General Custer und Sitting Bull.“ „Wie jetzt?“ fragte Jessy perplex. „Hast du in Geschichte nicht aufgepasst? In der Nähe von Little Big Horn.“ „Boah. Musst du mir am Wochenende mit solchen Sachen kommen?“ konterte Jessy. „Was hat das mit dem Wochenende zu tun?“ „Lass mich in Ruhe, du Streber.“ Kam jetzt wieder von Jessy. „Was gehst du auch an Keelas Handy.“ „Um dich zu ärgern.“ „Was auch sonst.“ „Wann kommst du denn mal wieder nach Hause?“ „Jetzt fang du nicht auch noch damit an.“ „Jetzt müssen wir schon deine Freundin bespaßen, weil du nicht hier bist.“ „Sag mal, geht’s noch?“ „Ist ja schon gut. Wir sind ja gerne mit Keela zusammen.“ „Was macht ihr denn heute noch?“ „Ein bisschen Tanzen und Flirten gehen und dann mal sehen.“ „Ey, ihr seid liiert.“ „Das ist ein Grund, aber kein Hindernis. Ich muss dich jetzt aber weitergeben. Keela bringt mich sonst um.“ „Ciao, Jessy.“ „Manchmal kommt mir deine Schwester, wie meine Brüder vor.“ Sagte jetzt Keela am Telefon. „Hallo Süße. Das kann schon sein. Jessy ist manchmal echt anstrengend.“ „Was hast du ihr denn für ein Quiz gestellt, als es um deinen Aufenthaltsort ging?“ „Ich habe nur gesagt, dass ich bei General Custer und Sitting Bull bin.“ „Ich habe ja jetzt den Vorteil, dass ich weiß, dass ich dich heute Morgen nach Billings geschickt habe, würde aber trotzdem sofort auf Little Big Horn kommen.“ „Jetzt fall mir auch noch in den Rücken.“ Rief Jessy von hinten. „Sag ich ja.“ Antwortete ich mit einem Lachen. „Ist aber nicht ganz die richtige Richtung. Es sei denn du hast es nicht mehr nach Billings geschafft.“ „Doch. Aber Charlie hatte auch nur was nach Cheyenne, Wyoming.“ „Das gibt’s doch nicht.“ „Nach Minnesota hätte ich sofort was bekommen.“ „Echt super. Dann kommst du vor dem nächsten Reset nicht mehr nach Hause.“ „Eher nicht.“ „Da kann man nichts machen.“ „Was macht ihr denn jetzt heute Abend?“ „Da hatte Jessy schon recht. Ein wenig Tanzen und Flirten.“ „Mach mir bloß nichts Falsches.“ „Wieso? Sind wir verheiratet?“ „Und so eine Frau will katholisch sein.“ „Aber keine Nonne.“ „Du machst mich fertig.“ „Vielleicht kommst du etwas schneller nach Hause, wenn du eifersüchtig wirst.“ „Dass ich nicht nach Hause komme liegt nicht an mir, sondern an dir und deinen Kollegen.“ „Wir können aber auch nur an Ladungen vergeben, was wir im System finden.“ „Treib es nicht zu doll, sonst muss ich dich übers Knie legen, wenn ich zu Hause bin.“ „Mach mal. Vielleicht stehe ich drauf.“ Lachte Keela. „Jetzt ist aber gut.“ „Ich habe auch keine Zeit mehr. Wir gehen jetzt was essen und dann Tanzen.“ „Kommt Dave mit?“ „Der ist gar nicht da. Dave hat einen Lehrgang bei CAT. Irgendeine Fortbildung.“ „Das erklärt so manches. Dave ist wohl der Einzige, der meine Schwester manchmal ein wenig einbremsen kann.“ „Wir passen dann gegenseitig auf uns auf.“ Lachte Keela. „Das kann ja was werden.“ Stöhnte ich. „Bis morgen. Ruf aber nicht zu früh an.“ Lachte Keela. Dann legte sie auf.

    Kurz darauf bekam ich dann noch ein Foto auf WhatsApp. Die Mädels hatten mir ein Selfie geschickt. Zu meinem Leidwesen sahen beide für den Abend echt klasse aus. Von Jessy war ich es ja gewöhnt, dass sie sich dann aufbrezelte und dann echt sexy ausging. Von Keela eher nicht. Sie trug aber mal wieder mein Lieblingskleid. Das enge schwarze und hatte sich ebenfalls echt sexy aufgebrezelt. Die beiden würden am Abend bestimmt einigen Männern den Kopf verdrehen.
    Etwas enttäuscht, dass ich nicht dabei sein konnte, ging ich dann in den Truckstop zum Duschen. Anschließend gab es noch eine Kleinigkeit zu essen, danach verbrachte ich meinen Feierabend im Sleeper.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    326 mal gelesen

Kommentare 22

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    loddi51 -

    Wieder ein schön zu lesendes und geschriebenes Kapitel.

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    TurboStar -

    Tolles Kapitel, tolle Brücke zur alten Story. Irgendwie habe ich hier als einziger keine Bindung nach Europa, sieht man von einem in Kanada gestrandeten Austauschschüler ab.

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    infinity -

    Ich hatte ja zum letzten Kapitel geschrieben, dass ich eine Vermutung habe, wen du in Alexandria triffst. Ich musste einsehen, dass ich mit meinem Gedanken falsch lag. Mit einer Brücke in die Chemietransportspedition hatte ich nicht gerechnet. Aber ich finde diese gut :)

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      Sauerlaender -

      Danke. Die MM Transporte, Duisburg liegt für dich vielleicht auch schon zu lange zurück. :)

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      infinity -

      Ich weiß, dass es die gab. IST aber auf jeden Fall vor meiner Zeit. Und älteres Lesen passte bisher noch nicht in den Zeitplan...

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      Sauerlaender -

      Das wird aber auch immer schwieriger, da ich zur Zeit gezwungen bin, aus den ersten Kapiteln des ersten Tagebuchs die Bilder zu löschen, um für die aktuellen Kapitel welche hochladen zu können. Daher sind die ganze alten Kapitel von Ende 2014 und Anfang 2015 inzwischen leider Bilderlos.

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    alaskabaer01 -

    Klasse Kapitel. Lehrreich und sehr Unterhaltsam.

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    Iceman684 -

    Endlich erfahren wir, was aus Marc und Daniela geworden ist.

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      Sauerlaender -

      Irgendwann musste man ja mal unbeantwortete Fragen beantworten. ;) Was aus Claudia geworden ist, wissen wir ja schon Dank deines Tagebuchs. :)

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      TurboStar -

      Na ja, der Konkurs war ja kein Geheimnis, seit da mal ein neugieriger gewordener Waliser mit einem Iveco 190T vorm Hoftor lang ist ;) Aber aus erster Hand gibt es natürlich mehr Informationen.

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      Sauerlaender -

      Jetzt weiß man wenigstens, wie es letztenendes dazu gekommen ist und vor allem auch was aus Daniela und Marc wurde.

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    Werner 1960 -

    Toll zu lesen. Vorallen Dingen wie Du die alten Kapitel von MM Transporte Duisburg eingearbeitet hast. (Vielleicht kommt ja davon noch mehr)

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      Sauerlaender -

      Da musste man ja auch mal berichten, was nach dem Abbruch des Tagebuchs weiter geschehen ist. Von MM Transporte, Duisburg wird es wohl nichts mehr zu berichten geben, Daniela und Marc können aber durchaus noch mal hier auftauchen. :)

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      Okolyt -

      Hast Du super gelöst, die Geschichte mit dem alten Tagebuch. Hat mir sehr gut gefallen. Wenn Du jetzt auch noch Marc Mulder unterbringst fall ich vom Hocker.

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      Sauerlaender -

      Einfach mal abwarten.