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Kapitel 13 - Zahnradsalat mit Spänen und Öldressing

  • Inzwischen hatte ich mir eine Gopro zugelegt. Einerseits filmte ich ein Bisschen für mich privat die Touren und schickte die Links zu den Videos im Freundeskreis rum. Außerdem setzte ich sie auch beim Urban Exploring auf und stellte das Material hinterher Jamie und David zur Verfügung, die es dann in ihre eigenen Videos schnitten.

    Am 30. September lief mein Vertrag mit CAT aus, beziehungsweise er würde sich zu den aktuellen Konditionen um ein Jahr verlängern, wenn ich nicht hin fuhr und einen neuen vereinbarte. Und genau das hatte ich vor. Es war inzwischen Anfang September und der Besuch ließ sich in meine Trucktour einplanen.

    George Mayne und mein Dispatcher Brian Woods waren mit der Zusammenarbeit zufrieden. Allerdings wollte ich dennoch weniger. Die hohe Bindung an CAT hatte dafür gesorgt, dass ich nur dann für andere fahren konnte, wenn ich nichts von Brian bekam. Und dadurch wurde ich bei denen nicht wahrgenommen und bekam nur den "Dreck", der in die Frachtbörsen ging und ziemlich schlecht bezahlt war. An bessere Frachten war nicht zu kommen, so lange ich dort nicht öfter in Erscheinung trat.
    Außerdem wäre ein elektronisches Dispatchsystem von Vorteil, denn dort gab es, wenn man es geschafft hatte, von einem Auftraggeber als Transporteur akzeptiert zu werden, auch bessere Frachten für Einzelaufträge als in den Börsen. Aber welches? Marktführer war Qualcomm Omnitracs, mit dem ich bei Costco gearbeitet hatte. Auch noch beliebt waren das zweite amerikanische System ORBCOMM, mit dem zum Beispiel Walmart arbeitete und das britische Isotrak, das ein paar Leuchtturmkunden in den USA hatte, bekannt war mir das flüchtig von John Deere und Chevron.

    Diese Überlegungen nahm mir aber soeben George ab:
    "Wir stehen kurz vor der Einführung eines elektronischen Routensystems mit GPS-Rückmeldung. Weil wir viele Subunternehmer gemeinsam mit John Deere haben, gab es da ein Bisschen Koordination und die Wahl ist auf Isotrak gefallen. Subunternehmer mit Deiner Transportleistung sollten das dann auch vorsehen."
    "Bei dem alten LKW lohnt das aber dann nicht mehr." "Es gibt eine Übergangsfrist. Wir schalten am 1. Oktober scharf für unsere eigene Flotte und wollten gleichzeitig die Subunternehmer informieren, ziehen das im Rahmen von Vertragsgesprächen seit der Beschluss gefasst wurde aber immer vor. Wer als Sub will, kann ab 1. Oktober auch rein. Bis zum 31. März 2018 haben die Subunternehmer Zeit, uns mitzuteilen, ob sie es umsetzen, was dann bis zum 30. September 2018 passieren muss." "Na das wäre kein Problem. Ich habe vor, im nächsten halben Jahr eine neue Zugmaschine zu kaufen."

    Ich unterschrieb den geänderten Vertrag und bat Brian dann noch darum, mich bei warmem Wetter nicht mehr mit dem Mack nach Süden zu schicken. Wobei die da gerade gerne warmes Wetter hätten, denn die Hurrikansaison war auf dem Höhepunkt.

    Dem Wunsch nach Kurs Nord kam Brian nach, in der folgenden Woche ging es mit einem Radlader los nach Burlington (VT). Bis er fertig verladen war und ich am Ziel, hatte der Betrieb aber zu. Also musste ich vor dem Tor übernachten.




    Brian hatte mir angeboten, danach selber was zu suchen, da er am Nachmittag noch keine bestätigten Touren ab Burlington hatte und ich sonst 2 Stunden warten musste, bevor er im Büro war. Die Frachtbörsen waren leer, aber ich wusste, dass Lenny diese Woche Frühschicht hatte und Walmart hatte ja immer was. Also rief ich kurzerhand mal bei ihm an:
    "Guten Morgen Brandon. Was kann ich denn zur ersten Tasse Kaffee für Dich tun?" "Mir ist so ein Bisschen langweilig. Entweder wir plaudern ein Bisschen oder Du guckst mal, ob Du mich in Burlington, Vermont anderweitig beschäftigen kannst." "Plaudern sieht mein Chef nicht so gerne. Wie würde Dir eine Stadtrundfahrt in Toronto gefallen? Höhepunkt wäre die Besichtigung der Laderampe unseres dortigen Marktes." "Toronto ist immer eine Reise wert." "Okay, dann fährst Du zu unserem Lager in Burlington. Deine Daten habe ich hier im System, ich reserviere den Auftrag für Dich."

    Kurze Zeit später stand ich bei Walmart und bekam meinen Trailer, eine 53' Box. Der Grenzübertritt war inzwischen Routine. Wobei ich bei Einzelhändlern immer wieder hoffte und bangte, dass die Zöllner keine genaue Erfassung der Ladung machten. Da waren die Papiere gerne mal ein Richtwert dafür, was eigentlich auf dem Trailer hätte sein sollen. Aber da die Zöllner das vermutlich wussten und auch keine Lust hatten, Rollwagen auf einem Langtrailer zu zählen, die dann teilweise auch noch in sich kommissioniert waren, ging das meistens glatter als man denken könnte.
    Bei CAT sahen sie genauer hin, wobei da keine Abweichungen möglich waren. Ob man einen Radlader oder eine Walze dabei hatte, sollte bei der Übernahme schon auffallen und der Blick aufs Typenschild mit genauer Modellbezeichnung und Seriennummer war obligatorisch.

    Die Waage hinter Montreal war offen, es war auch kein Truck drin. Aber die Cops schienen gerade Kaffeepause zu machen, denn die Ampel war an der Einfahrt grün, also durfte ich über die Leerspur vorbei fahren.




    Bei der Fahrzeit hatte ich mich ein Bisschen verrechnet. Und zwar nicht was die rechtliche Lage anging, sondern meine sehr persönliche. Ja, auch mir konnte das passieren. Als die Schilder zur Rest Area schließlich vor mir auftauchten, schwappte manchmal schon was Gelbes im Auge hin und her. Ich schloss nur schnell den Truck ab und ging dann mit der gebotenen Eile zur Tür mit dem Strichmännchen drauf.




    Auch die Waage vor Toronto war besetzt, es wurde keiner kontrolliert, aber die Einfahrt zeigte grün. Also musste ich wieder raus ziehen, über die Empty Lane rollen und mich hinterher wieder einfädeln.

    Danach rief ich erst mal Brian an und fragte, ob er was ab Toronto hatte. Es war eine Ladung Hydraulikteile aus Europa eingetroffen, die nach Rochester (NY) sollte.

    Schließlich erreichte ich Toronto. Im Schatten des CN Tower kam mir die Erkenntnis, dass es schon wieder fast 6 Monate her war, dass ich mit Christian da oben gewesen war.




    Ich lieferte bei Walmart ab und holte meine Übersee-Blechdose ab. Dann ging es aus Toronto raus und am Lake Ontario entlang in Richtung Grenze.




    Bei Regen passierte ich Niagara Falls, wo dadurch kaum was zu sehen war. Die hohe Luftfeuchtigkeit machte alles zu einer Suppe.

    Mit versiegelten Containern ging es zum Glück an der Grenze immer problemlos. Ich kam als US-Amerikaner auch immer schnell und unkompliziert in die USA. Also hakte ich das noch ab, fuhr aber danach auf die Rest Area, um zu schlafen.

    Am Mittwochmorgen lieferte ich dann die Ersatzteile ab und nahm die Anschlussfracht mit, die Brian mir zugeteilt hatte. Mit einem Radlader sollte ich wieder zurück ins Ahornland, genauer gesagt zu einem Steinbruch in Parry Sound (ON). Heute war es von oben trocken, so dass ich von der Lewiston-Queenston-Bridge die Wasserfälle in der Ferne sehen konnte.




    Heute war die Waage gleich ganz zu. Was war denn los? Die Kanadier waren im Gegensatz zu den östlichen US-Amerikanern immer so geil aufs Wiegen. Am Ziel hatte ich noch nichts von Brian gehört. Also rief ich ihn mal wieder für teures Geld an:
    "Hallo Brian." "Hallo Brandon." "Wie sieht es aus? Ich stehe in Parry Sound und habe nichts." "Ich auch nicht. Such Dir am besten was." "Okay, ich melde mich, wenn ich wieder frei bin."

    Da kam ich sogar unaufgefordert zu etwas. Der Vorarbeiter im Steinbruch, der den Bagger inspizierte, fragte so nebenbei:
    "Hast Du schon eine Anschlussfracht?" "Nein, warum?" "Weil ich hier einen Trailer Zierkies habe, der weg muss." "Ich muss aber in die USA zurück." "Ich weiß. Das ist ja der Knackpunkt. Der geht nach Detroit." "Zierkies in Detroit? Die Stadt hat Zierde nötig." "Eben drum. Die versuchen derzeit wohl verzweifelt, sich wieder aufzuhübschen." Der Vorteil an Steinbrüchen war, dass es dort direkt eine Waage gab, an der man die Gesamt- und Achsgewichte prüfen und wenn erforderlich die Achsen verschieben konnte.




    Und auch in diese Richtung war die Waage geschlossen, selbst wenn Polizeifahrzeuge drin standen. Ich schaffte es nicht mehr zur Grenze und machte eine Schlafpause auf einer Rest Area.

    So führte mich der Donnerstag dann über die Grenze in die USA und weiter nach Detroit, wo ich meinen Kies beim Bauhof ablieferte. Da Brian mich aus der Dispo genommen hatte, bastelte ich mir eine schnelle Tour nach Hause. Dann konnte ich am Wochenende mal wieder allen Hobbys nachgehen. Eine Runde mit der MT-03, ein Bisschen Spaß mit der einen Truppe und etwas Urbexen mit der anderen.

    Die Anschlussfracht bestand aus zwei Kabeltrommeln, die nach Columbus (OH) sollten. Also ging es aus dem einen Staat, den ich neu hatte in den nächsten.






    Und von Columbus bekam ich auch direkt eine Anschlussfracht bis nach Hause, eine Ladung Zwiebeln für Philadelphia. Ich hatte noch keine Ahnung, wie sehr mich diese Fahrt zum Heulen bringen sollte. Nach der Schlafpause fuhr ich am Freitag noch vor Sonnenaufgang los. Der Himmel fing jedenfalls schon mal mit dem Heulen an.




    Immerhin ließ er das in Pennsylvania dann sein und ich erlebte einen schönen Sonnenaufgang. Für meinen treuen Begleiter sollte es erst einmal der letzte werden. Bei Harrisburg gab es einen lauten Schlag, mein ganzer Truck bockte einmal und ich spürte, dass die Antriebsachsen blockierten. Der Trailer schob nach und drohte den Zug einzuknicken. Geistesgegenwärtig trat ich die Kupplung, um den Antriebsstrang zu unterbrechen, aber nichts passierte. Nachdem ich mit dem Lenkrad am Anschlag angekommen war, zog ich die Trailerbremse, um den Zug gestreckt zu bekommen oder wenigstens nicht weiter einknicken zu lassen. Vielen Dank an meine Rennfahrer-Reflexe. Und so blieb ich mit einem unbeweglichen Lastzug krumm stehen.




    Beim Aussteigen war mir schon klar, dass es das Getriebe zerrissen hatte. Wäre es der Motor, dann hätte der Tritt auf die Kupplung die Räder wieder freigegeben und ich wäre nicht so stark eingeknickt.
    Aus dem Getriebe lief dann auch das Öl raus. Ich hatte keine andere Chance, als Polizei, Feuerwehr und Abschleppdienst zu rufen. Damit war das Wochenende gelaufen, bevor es angefangen hatte.
    Der Abschleppdienst war auf meinen Wunsch gleich mit einem Tieflader angerückt. Denn ich wollte den Truck zumindest in Ruhe zu Hause anschauen und versuchen, ihn möglichst gewinnbringend los zu werden. Also ließ ich ihn in die Halle schieben.

    Am Abend ging ich dann mit meinen Freunden Dart spielen. Irgendwann hatte ich meine Treffsicherheit in Corona ersäuft und beließ es beim Zuschauen. Und mir wurde klar, dass ich dabei besonders Scott zusah. Der flirtete zurück, aber war so flexibel, das sowohl zu mir als auch zu Cody zu machen. Ich war mir aber sicher, dass Alkohol nicht denjenigen sexy machte, der ihn trank und vermied für heute mal lieber ein sogar für mich noch erkennbares Fettnäpfchen.
    Zumal ich mir noch nicht sicher war, ob ich mir Scott nicht vielleicht auch nur schön gesoffen hatte. Denn vorher war der mir auch nur als hübsch anzusehen aufgefallen. So rum funktionierte Alkohol schließlich.

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    Es ist fast geschafft. Nur noch ein Kapitel und dann habe ich die anderen Amerika-Kollegen glaube ich sogar in die Gegenwart überholt.

    400 mal gelesen

Kommentare 18

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    alaskabaer01 -

    Klasse Kapitel. Wieder ein Mack der Beerdigt wird. Mach gut Black Mack, war schön mit dir. :(

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      TurboStar -

      Danke. Er steht ja in der Ecke auf meinem Firmenhof. Er war aber weder fit für das Jahr 2017 und die Zukunft, noch war der Mod fit für ATS 1.28. Es musste also enden.

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    elwime -

    Jetzt kommt der neuer doch noch schneller als gedacht

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      TurboStar -

      Für Dich vielleicht. Ich wusste ja, wann mir die Bilder vom Mack ausgehen ;) Zumal ich den eingeknickten Zug ja gestellt hatte. Das war quasi die Tour, nach der ich mir vom Level her den Kenworth von Costco kaufen konnte, den Superliner-Mod gelöscht und das Update auf 1.28 eingespielt habe. Denn als die USA-Tagebücher losgingen, gab es den Mack noch und mir fehlten zwei Level oder so.

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    Sauerlaender -

    Da kommt er jetzt unaufhaltbar in die Gegenwart. :D Schönes Kapitel. Deinen CN Tower habe ich übrigens in meinem nächsten Kapitel auch drin. Dann aber sinnigerweise als Space Needle aus Seattle. ;) Den haben die wohl öfter verbaut. :D

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      TurboStar -

      Vielen Dank. Jetzt liegt es an Euch, auch in die Gegenwart zu kommen :P Ich glaube, Ihr hängt 2 Wochen. Man muss ja mit den Modellen leben, die man hat. Kennen wir noch von der alten TSM, wo der Kölner Dom auch stellvertretend für die eine oder andere gotische Kathedrale Frankreichs eingesprungen ist.

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      Iceman684 -

      Nicht zwei, ich häng inzwischen drei

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      Sauerlaender -

      Ich bin aber maximal eineinhalb Wochen zurück. Schreibe gerade den 07. Oktober, also letzte Woche Samstag. ;)

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    Werner 1960 -

    So dann geht es ja jetzt wohl auf Trucksuche.

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    Tomlaker -

    Hach, der schöne Mack. :( Bin mal gespannt, was da als nächstes kommt. Etwa ein T? ;)

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      TurboStar -

      Tja, den schönen Mack hat SCS auf dem Gewissen. Der hat die alten Flares und der Mod wurde noch nicht erneuert.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    infinity -

    Erst Zwiebeln. Dann Salat. Am Ende Zwiebelleder... schönes Kapitel. Bin dann Mal auf die Gegenwart gespannt.