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ATS - Kapitel 1 - Von startenden Löwen und verlorenen Pferden

  • Herbst 2016, endlich hatte ich meinen Master Abschluss in der Tasche und nun erwartete mich die große weite Welt. Aber tat sie das wirklich? Wartete die Welt ausgerechnet auf David Lion, einen 25 jährigen Hotelierssohn aus San Francisco? Wohl eher nicht, aber das war mir egal. Nach meinem Abschluss wollte ich etwas von der Welt sehen und reiste sechs Monate lang durch Europa, Asien und Australien. Immer darauf bedacht so wenig wie möglich Geld dabei auszugeben, wollte ich mir nach der Rückkehr doch meinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllen. Schon seit Kindertagen war es mein Traum als Owner Operator mit meinem Truck die USA und Kanada zu durchqueren. Die CDL hatte ich, sobald ich 21 war, schon im Laufe meines Studiums nebenbei gemacht, ebenso wie die Endorsments H, N, T und X, also alle fürs Berufskraftfahren nötigen, bis auf die für Busfahrer, die ich nicht brauchte.

    Meine Reise führte mich für zwei Monate nach Asien Danach ging es einen Monat lang durch Australien, wo mich am meisten die Roadtrains faszinierten. Weihnachten und Silvester legte ich dann einen Zwischenstopp zuhause ein. Mom und Dad hätten mir sonst auch die Hölle heiß gemacht. Natürlich waren meine bisherigen Reiseerlebnisse eines der Hauptgesprächsthemen an den Feiertagen, aber auch meine Pläne für den bevorstehenden Europatrip. Als dann schon alle zu Bett gegangen waren, saßen meine kleine Schwester Gina und ich noch lang mit Grandma zusammen und lauschten Ihren Erinnerungen. Meist ging es um unsere Uroma, erst auf unser Drängen hin erzählte Sie von Ihrem Vater. Viel wusste Sie auch nicht, da er starb als Sie erst sieben Jahre alt war und Ihre Mutter sprach nur äußerst selten über Antonio. Wir erfuhren von unserer Oma, dass er Mitglied eines Mafiaclans in New York war und bei einer Schießerei starb. Danach ging unsere Uroma aus New York fort und siedelte sich an der Westküste an und verenglischte Ihren Namen von Leone zu Lion. Von Uropa wusste Oma nicht viel mehr zu berichten, als das er ursprünglich aus Italien stammte und längere Zeit in Österreich gelebt hatte, bevor er 1938 in die USA kam. Gebannt und auch etwas schockiert lauschten meine Schwester und ich den Erzählungen. Unser Uropa, ein Mafiosi, damit hätten wir nie gerechnet.

    Anfang Januar startete ich dann zum zweiten Teil meiner Reise, von dem ich Mitte April zurückkehrte. Wieder musste ich viel erzählen. Danach meinte Grandma beiläufig, dass ich in Österreich ja auf Spurensuche hätte gehen können, etwas woran ich gar nicht gedacht hatte. Nun war es zu spät und außerdem wollte ich mich jetzt voll und ganz auf die Verwirklichung meines Traumes konzentrieren, was wieder zu Diskussionen mit Mom und vor allem mit Dad führte. Bis jetzt hatten sie immer noch gehofft, das ich zur „Vernunft“ kommen und wie meine große Schwester Vicky ins Familienunternehmen einsteigen würde. Für mich waren diese Diskussionen vollkommen überflüssig, hatte doch schon mit der Wahl des Studiums festgestanden, dass ich nicht ins Hotel einsteigen würde. Schließlich knallte ich Dad seinen eigenen Wahlspruch an den Kopf. Er pflegte zu sagen: „Du bist nur dann in einer Sache gut, wenn du hundertprozentig dahinter stehst.“ und genau das wäre bei mir und dem Hotel nicht der Fall. Damit hatte ich Ihn und seit diesem Zeitpunkt gab es keine Versuche mehr mich umzustimmen. Im Gegenteil, meine Eltern unterstützten mich wo immer es ging. Selbst als ich ankündigte für die Selbstständigkeit das Konto zu plündern, dass sie bei meiner Geburt für mich angelegt hatten gab es nicht den befürchteten Zoff. Aber selbst wenn sie dagegen gewesen wären, hätten sie nicht verhindern können, dass ich das Geld verwende, denn seit ich 21 war durfte ich darüber verfügen, was ich aber bisher nicht getan hatte.

    Da es schwierig war, eine Firma neu zu gründen und eine DOT Nummer zugeteilt zu bekommen, schaute ich mich hauptsächlich nach Firmenverkäufen um. Nach längerer Suche, es war inzwischen schon Mitte Juni, fand ich ein viel versprechendes Angebot. Die Firma saß in Frisco, also quasi nur einen Katzensprung entfernt. Warum genau der Eigentümer verkaufen wollte, ging aus der Anzeige nicht hervor. Da stand nur „aus persönlichen Gründen.“ Ich wählte die angegebene Nummer und hatte nach kurzem klingeln Steve Jones, den Besitzer, am Telefon. Während des Gesprächs erfuhr ich nicht nur Details zur Firma, sondern auch den Grund für den Verkauf. Er hatte das Unternehmen bisher gemeinsam mit seinem Bruder betrieben, dieser war aber einige Wochen zuvor bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Da sein Bruder mehr mit dem Truckbusiness verbunden war, als Steve selbst, wollte er nun verkaufen.

    Die Firma selbst bestand aus einem Grundstück auf dem sich eine alte Halle mit Parkmöglichkeit für einen Truck befand. Außerdem gab es im Innern noch ein kleines Büro, wie mir Steve berichtete. Der Truck, ein Freightliner Century aus dem Jahr 1999, sollte sich in einem, dem Alter entsprechend, guten Zustand befinden. Da die Brüder hauptsächlich im Westen und Süden der USA unterwegs waren, besaßen sie zusätzlich zur USDOT, CA und MC Nummer auch noch eine PUC und WDT Nummer. Eventuell bestand auch noch die Option den bestehenden Vertrag mit Beaver Homes fortzuführen, aber das müsste ich mit den dort Verantwortlichen abklären. Als Steve fertig mit Erzählen war, verabredeten wir einen Besichtigungstermin für den nächsten Tag.

    Am nächsten Morgen machte ich mich nach dem Frühstück auf den Weg zu der Adresse, die mir Steve gegeben hatte. Das Gelände lag direkt an der Bucht in einem Industriegebiet. Als ich ankam ließ ich das Grundstück erst einmal einen Moment auf mich wirken.
    Ich saß noch im Auto, als hinter der Halle ein Mann, so um die vierzig, zum Vorschein kam. Ich stieg aus und ging die paar Schritte auf Ihn zu und wir begrüßten uns. „Na, den ersten Schock verdaut?“ fragte er mich mit einem Lächeln. „Es gewinnt zwar keinen Schönheitspreis, erfüllt aber seinen Zweck. Der Truck steht im trockenen und es gibt ein kleines Büro. Zudem hat die Halle eine Grube und hier draußen gibt es einen Kran. Außerdem ist das Grundstück groß genug um auch größere Gebäude darauf zu errichten.“ Ich schaute mich um. Es war zwar alles schon recht alt, schien aber seinen Zweck voll und ganz zu erfüllen. „Apropos Truck. Wo steht den das gute Stück?“ „Hinten.“ dabei marschierte er zurück hinter die Halle und ich folgte. Was ich da sah passte zum ganzen Gelände.

    „Das ist er. Ein Freightliner Century aus 1999 mit einem Detroit Diesel Motor mit 470 PS und einem 13 Gang Fuller Getriebe. Hat jetzt gute 2.000.000 Meilen auf der Uhr, aber läuft gut. Sicher optisch ist er nicht mehr der Schönste, aber technisch steht er gut da.“ pries er den alten Truck an. Man sah dem Truck die zwei Millionen Meilen deutlich an und auch im Innern festigte sich der Eindruck, dass der Freighty schon viel erlebt hatte. Eines stand schon jetzt fest. All zu lange würde ich mit diesem „Schmuckstück“ nicht unterwegs sein.

    Im Büro zeigte mir Steve noch die ganzen Unterlagen, Nachweise und Genehmigungen und schließlich setzten wir uns bei einem Kaffee draußen in die Sonne und sprachen über das leidige Thema Geld. Nach einer Stunde waren wir uns einig. Um mit diesem Kapitel abzuschließen und die Firma endlich los zu werden, kam er mir beim Preis noch ein gutes Stück entgegen und so konnte ich, ohne mein gesamtes Kapital auszugeben, die Firma übernehmen. Noch am gleichen Tag beauftragte ich unseren Familienanwalt damit, den ganzen juristischen Kram in die Wege zu leiten, damit auch ganz offiziell aus „Jones Transport“ „Lion Trucking Inc.“ wurde. Als nächstes machte ich einen Termin bei Beaver Homes aus, um vielleicht Steves Vertrag dort weiterführen zu können.

    Schon am nächsten Tag konnte ich bei der örtlichen Niederlassung aufschlagen. Anfangs war man skeptisch einem Neuling eine Chance zu geben, aber letzten Endes einigten wir uns darauf den bestehenden und noch bis Ende des Jahres laufenden Vertrag auf den neuen Namen umzuschreiben. Das gab mir ein halbes Jahr Zeit mich zu beweisen. Da es sich nicht um einen Exklusivvertrag handelte, konnte ich nicht davon ausgehen durch Aufträge von Beaver voll ausgelastet zu sein. Darum machte ich mich als nächstes mit den gängigen Frachtbörsen vertraut und merkte recht schnell, dass man dort mit sehr spitzen Bleistift rechnen musste, damit am Ende was hängen blieb. Ein paar Tage später waren alle Formalitäten geklärt, einer der Vorteile bei der Übernahme einer bestehenden Firma, und so konnte es los gehen. Bei Beaver hatte ich mitgeteilt, dass ich ab Juli verfügbar war und wurde dem Dispatcher Joe McWilliams zugeteilt. Meine erste Tour führte von San Francisco aus mit Baumaterial direkt raus aus Kalifornien, nach Yuma in Arizona. Dort angekommen musste ich auch direkt mit den Frachtenbörsen kämpfen und mir selbst eine Tour suchen.

    Der erste Monat verlief aber im großen und ganzen reibungslos. Im Durchschnitt bekam von Beaver Homes soviele Frachten, dass ich die Hälfte der Fahrzeit für sie unterwegs war. Bei den anderen Touren wechselten die Auftraggeber häufiger. Mit der Zeit fuhr ich aber einen Großteil der Frachten, die ich mir selbst suchte für Union Pacific und Best Buy. Somit war ich auch dort kein gänzlich Unbekannter mehr.

    Im August fingen dann die Probleme an. Ich hatte zwar schon von Beginn an vor gehabt den Freighty nicht ewig zu fahren, aber jetzt ging es schneller als mir lieb war. In den letzten Tagen war mir schon aufgefallen, dass von den 470 PS jeden Tag ein paar mehr den Dienst quittierten. Außerdem soff der Truck Unmengen an Diesel und Öl. Inzwischen waren geschätzte 100 Pferdchen schon ausgebüchst und der Truck kämpfte mit jeder noch so kleinen Steigung, aber er rollte noch. Bis zum 11.August 2017. An diesem Freitagnachmittag kam ich gerade aus Los Angeles zurück, hatte meinen Trailer bei Beaver in San Francisco auf dem Hof abgestellt und war auf dem Weg zu meiner Halle. Schon an der letzten Ampel vor meinem Ziel schwante mir Böses, nur äußerst widerwillig setzte sich die Zugmaschine in Bewegung. Direkt vor meiner Einfahrt war es dann soweit, nichts ging mehr. Auch die letzten Pferdchen hatten sich verabschiedet. Mit dem letzten Schwung rollte ich auf meinen Hof, aber von hier ging es aus eigener Kraft keinen Meter mehr weiter.

    Der herbei gerufene Servicedienst diagnostizierte dann einen kapitalen Motorschaden und sparch damit das Todesurteil für den Truck, denn eine Reparatur lohnte sich nicht mehr. Jetzt war guter Rat teuer. Als erste rief ich Joe an.
    „Hallo David, du willst doch hoffentlich nicht schon wissen, wo ich dich nächste Woche hinschicke.“ begrüßte er mich am Telefon. „Nein Joe. Im Gegenteil ich muss dich bitten mich nächste Woche aus der Planung zu nehmen.“ „Was den, nach einem Monat schon urlaubsreif?“ „Mein Truck hat gerade sein Leben ausgehaucht. Motorschaden. Jetzt muss ich mich erst einmal um einen neuen Truck kümmern.“ „Okay, aber länger als eine Woche kann ich dich nicht raus nehmen, dann musst du wieder für uns fahren.“ „Ist klar. Ich melde mich nächste Woche.“

    Zum Glück hatte ich mir schon früher Gedanken über meinen Wunschtruck gemacht und musste nun nicht erst überlegen, welche Marke und welches Modell ich haben wollte. Ich ließ den Century vom Servicedienst, der auch ein Teilelager betrieb, abtransportieren. Auf ihrem Hof wollten die Leute dann prüfen, welche Teile des Trucks noch brauchbar waren und mir dann ein Angebot machen. Ich hingegen setzte mich ins Auto und fuhr die Bucht entlang zum Volvo Truck Dealer am Stadtrand von San Francisco. Dort angekommen schaute ich mich ein wenig um. Der Hof stand voll mit 630, 670, 730 und 780 in allen Farben und Ausstattungen. Nach einer knappen halben Stunde hatte ich meinen Favoriten gefunden. Einen VNL64 T780 mit dunkelblauer Sonderlackierung. Mit der internen Nummer im Kopf suchte ich mir einen Verkäufer um weitere Einzelheiten über das Fahrzeug zu erfahren.

    Im Büro war ich dann erstaunt, als ich von einer Verkäuferin begrüßt wurde, die sich als Julie Snyder vorstellte. Ich gab Ihr die Nummer, die Sie in den Computer eintippte. Gleich darauf bombardierte Sie mich mit Fakten zu dem Truck.
    „Ein Volvo VNL64 T780, Baujahr 2017, Cummins X15 Motor mit 565 PS und neuester Schadstoffnorm. I-Shift 12 Gang Automatik. I-See Tempomat, Klimaautomatik, Standheizung, Standklimaanlage... etc. etc.“ Wahrscheinlich wäre Sie schneller gewesen, wenn Sie einfach gesagt hätte, dass der Volvo Vollausstattung hat. „Ist ein Präsentations- bzw. Vorführfahrzeug, haben wir aber erst vor einer Woche vom Werk in Dublin, VA erhalten. Hat also noch keiner gequält.“ Sie hatte also meinen skeptischen Blick bei dem Wort Vorführer bemerkt. Als nächstes holte Sie die Schlüssel des Trucks und wir gingen nach draußen. Der Volvo war innen und außen kein Vergleich zum abgerockten Century. Die Ausstattung war mehr als komplett und ich musste mich schwer beherrschen meine Begeisterung wenigstens halbwegs zu verbergen. Der extrem positive Eindruck festigte sich auf der kurzen Probefahrt noch weiter. Jetzt war alles nur noch eine Preisfrage. Zu meinem Glück stand demnächst ein größeres Facelift/Modellwechsel bei der VNL Reihe ins Haus und so wollten die Händler auf ihren Höfen Platz schaffen und lockten mit teils kräftigen Preisnachlässen. So kostete mich der Volvo am Ende weniger als befürchtet und nach einer Stunde stand die Finanzierung. Leider würde der Einbau einigen Zubehörs noch ein paar Tage dauern, so dass ich den Truck erst Ende der nächsten Woche abholen konnte. Trotzdem rief ich gleich nach Verlassen des Händlers Joe an um Ihm mitzuteilen, dass es ab der übernächsten Woche planmäßig weitergehen würde, was er wohlwollend zur Kenntnis nahm.

    Nachdem ich nach Hause gefahren war, überlegte ich was ich die nächsten Tage anstellen sollte. Schließlich fiel mir die Einladung von Robert und Saskia wieder in die Hände. Robert war schon seit Kindertagen einer meiner besten Freunde. Nach dem College ging er zur Air Force und war seit einiger Zeit in Ramstein stationiert. Dort hatte er sich in Saskia, eine Deutsche Zivilangestellte, verliebt und nun heirateten die beiden und hatten mich eingeladen. Eigentlich wollte ich Ihm schon längst absagen, aber nun zog ich es doch in Erwägung hin zufliegen. Schließlich konnte ich hier nichts tun als auf meinen neuen Truck zu warten. Also saß ich am nächsten Tag im Flieger nach Frankfurt in Deutschland.

    Robert und Saskia freuten sich riesig, mich mal wieder zu sehen. Während meines Urlaubs in Europa hatten wir uns nicht Treffen können, da er zu diesem Zeitpunkt noch auf einem Einsatz war. Deshalb gab es viel zu erzählen. Mit Erstaunen nahm er zur Kenntnis, dass ich mich gegen meinen alten Herrn durchgesetzt hatte und nun auf eigenen Füßen stand. Die Tage in Ramstein verflogen regelrecht und keiner von beiden bekam noch kalte Füße. Am Tag nach der Hochzeit machten die beiden sich auf den Weg in die Flitterwochen. Nun hätte ich eigentlich direkt zurück in die Staaten fliegen können, aber das Gespräch mit Grandma ging mir nicht aus dem Kopf. Also recherchierte ich ein wenig. In St. Pölten dem letzten europäischen Wohnort von unserem Uropa gab es ein Stadtarchiv und nach einem Anruf dort, hatte ich einen Termin mit Frau Berger, der Leiterin des Archivs. Die Fahrt nach Österreich zog sich mit dem gemieteten Golf ziemlich hin und ich vermisste mein eigenes Auto, dass ich hier hätte mal ausfahren können.
    :P Aber nach ein paar Stunden erreichte ich mein Ziel und wurde von Frau Berger empfangen.

    Es gab recht umfangreiche Aufzeichnungen über Antonio Leone, der auch hier schon im ständigen Konflikt mit dem Gesetz gestanden hatte. Zu meiner Überraschung war er auch in Österreich schon mal verheiratet und hatte eine Tochter. Seine Frau ließ sich aber während seines letzten Gefängnisaufenthaltes von Ihm scheiden und kam später im Krieg ums Leben. Ihre Tochter verließ nach dem Krieg die Stadt mit unbekanntem Ziel. Letzteres fand ich besonders Schade, da ich gern mehr über die europäische Verwandtschaft erfahren hätte, aber es war nicht zu ändern.

    Tags darauf landete ich wieder in San Francisco. Zuhause wollte ich eigentlich direkt Grandma von meinen neuen Erkenntnissen erzählen, hatte aber total vergessen, dass Sie im Urlaub auf Hawaii war. Also musste das warten. Dafür konnte ich am nächsten Tag, dem 18 August, meinen neuen Truck abholen. Vom Händler ging es direkt zu meinem Platz, wo ich noch ein paar Sachen einräumen wollte, damit ich am Montag direkt starten konnte. Der neue Volvo stand im deutlichen Kontrast zu der alten Halle, wie ich mit Blick auf das Foto feststellte, dass ich gemacht hatte.
    Am Montag den 21. August war es dann soweit. Die erste Tour mit dem neuen Truck stand auf dem Plan. Joe hatte mir eine Tour nach Las Vegas zugewiesen. Als ich auf dem Hof ankam wartete er schon auf mich. „Hallo Joe. Wartest du jetzt auf jeden Fahrer draußen?“ „Nur auf die mit neuen Trucks.“ Daher wehte der Wind also. Joe war neugierig. Nach einer viertel Stunde, in der er jede Ecke des Trucks angeschaut hatte konnte ich aufsatteln. Der nächste Monat verlief wie im Flug. Der neue Truck war im Vergleich zum alten Century, der inzwischen zum ausschlachten verkauft war, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der Volvo war wesentlich kräftiger, leiser und geräumiger. Auch die Automatik war ein Gedicht und schaltete butterweich.

    Gegen Ende des Monats kam Grandma aus dem Urlaub zurück und da ich gerade eine Tour nach San Francisco abgeschlossen hatte, setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Hause. Dort erzählte ich Ihr von meinem Besuch im St. Pöltener Stadtarchiv. Leider hatte ich es versäumt mir von Frau Berger eine Kopie der Unterlagen mitgeben zu lassen, was sich nun rächte. Einige Fakten wollten mir partout nicht mehr einfallen. Da es schon Nachmittag war, in Österreich also Morgen, beschloss ich Frau Berger anzurufen und Sie zu bitten mir eine Kopie zu mailen. Ein paar Minuten später hielt ich sprachlos das Telefon in der Hand. Sie hatte mir erzählt, dass kurz nach mir noch jemand sich nach Antonio bzw. seiner Familie erkundigt hatte. Es war ein junger Mann und so wie es aussah, war Antonio auch sein Uropa, womit er ein Cousin von mir wäre. Frau Berger hatte zwar die Telefonnummer, wollte Sie mir aber erst geben nachdem Sie mit Herrn Hofbauer, so hieß mein Cousin, Rücksprache gehalten hatte.

    Die darauf folgenden Stunden zogen sich wie Kaugummi. Ich konnte Ihren Rückruf nicht erwarten und war regelrecht froh, dass ich wieder fahren durfte. Gerade als ich bei meinem Platz ankam, rief Sie zurück und gab mir die Nummer von Herr Dirk Hofbauer. Leider hatte ich jetzt keine Zeit Ihn direkt anzurufen, wahrscheinlich hätte ich auch nicht gewusst was ich sagen sollte. Also startete ich meine Tour, die mich nach Santa Cruz führen sollte. Die Fahrt verlief problemlos, auch wenn meine Gedanken häufiger abschweiften. Weiter ging es nach einem Trailertausch zu Walmart in Oxnard. Während eines Tankstopps beschloss ich Dirk anzurufen. Nach kurzem Klingeln meldete er sich:
    „Hallo?“ Ich atmete kurz durch. „Hello, spreche ich mit Mr. Hofbauer?“ „Ja, Mr. Lion nehme ich an.“ „Richtig, David Lion. Sie wundern sich bestimmt, warum ich Sie anrufe.“ „Eigentlich habe ich Ihren Anruf erwartet.“ „Echt?......oh.....Mrs. Berger?“ „Genau Sie hat mir Bescheid gegeben.“ „Dann sind Sie wirklich der Mr. Hofbauer? Der Urenkel von Antonio Leone?“ „Ja, genau der bin ich.“ antwortete er nach einem kurzen Moment. Es war schon ein unwirkliches Gefühl, mit einem Verwandten zu sprechen, von dem man bis vor einigen Tagen noch nicht einmal wusste, dass er existiert. Dirk ging es anscheinend genauso, denn ich hörte Ihn tief durchatmen. Leider konnten wir nur kurz sprechen, da ich noch arbeiten musste. Plötzlich fragte er: „Was ist das eigentlich für ein Krach bei dir?“ Du bist teilweise nur schwer zu verstehen. „Ich bin auf einem Truckstop. Musste Tanken und wollte noch schnell einen Kaffee trinken.“ „Du bist Trucker?“ „Ja, Owner Operator, aber jetzt muss ich weiter. Muss heute noch bei Walmart in Oxnard liefern.“ „Okay, dann gute Fahrt.“ „Danke, Bye“ Bevor ich losfuhr schickte ich Ihm noch ein Bild meines Trucks und wir verabredeten am nächsten Tag zu skypen.

    Am nächsten Tag, Samstag den 23. September war es dann soweit. Ich sah meinen Cousin zum ersten Mal und wie seine Frau feststellte könnten wir glatt als Brüder durchgehen. Außer das er verheiratet war, seine Frau Isabelle hieß und die beiden eine kleine Tochter mit Namen Vanessa hatten, erfuhr ich noch, dass er in der selben Branche tätig war wie ich. Nur war er schon bedeutend weiter und hatte eine Flotte von 30 äußerst aufwendig designten Trucks, wie ich später beim durchstöbern seiner Firmenwebsite feststellte. Außerdem erzählte er mir, was aus Antonios Tochter, seiner Oma, nach dem Krieg geworden war. Im Gegenzug brachte ich Ihm unsere Familiengeschichte näher und mit jedem Satz wurde klarer, dass wir ziemlich auf einer Wellenlänge waren. Erst nach gut zwei Stunden beendeten wir das Gespräch. Er versprach sich zu melden sobald er wieder zuhause war, damit ich auch mal seine Firma sehen konnte.

    Ich erledigte noch den lästigen Bürokram und machte mich dann auf den Weg nach Hause. Am nächsten Tag war ich dann mit Grandma verabredet und wollte Ihr zum einen die inzwischen angekommenen Kopien zeigen und Ihr zum anderen von meinem Cousin aus Deutschland erzählen.

    Schöne Grüße aus Sachsen

    403 mal gelesen

Kommentare 16

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    elwime -

    Schöner wechsel von Europa nach USA

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Zufällig habe ich gemerkt, dass ich auch eine Brücke nach Europa schlagen könnte. Aber mit wem wird nicht verraten, so lange er nicht auftaucht...

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    alaskabaer01 -

    Schönes Kapitel. Toll alles erklärt mit der Ahnenforschung. Hoffe Julie Snyder siehste bald mal wieder. Du brauchst endlich eine Frau an deiner Seite. UUups hat sich jetzt sicher angehört wie deine Mutter oder dein Vater. :D

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      Iceman684 -

      Ohne jetzt zuviel zu verraten. Julie wird schon demnächst wieder einen Auftritt haben.

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben.

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    Viking1971 -

    Brückenschlag gelungen. Will nur hoffen, das Volvo auch immer aktuell gehalten wird. ;)

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      Sauerlaender -

      Dem schließe ich mich an. Das ist einer der Gründe, warum ich mir keinen Mod Truck für mein Tagebuch holen werde. ;) Ansonsten liest sich das gut. Das macht echt Lust auf mehr.

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      Iceman684 -

      Ich hoffe es auch mal.

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      alaskabaer01 -

      Stimmt, habe auch Festgestellt das Modtrucks ein Fehler sind, zudem gehen die Patchwechsel zu schnell, da können die Modder und Mapper nicht mehr mithalten. Werde darum auch den Scania streichen müssen, denn den finde ich für die 1.28 bei ETS2 nicht.