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Von irren Polen und Rabenvätern

  • Wir fuhren auf Leszeks Firmenhof. Was uns da erwartete spottete jeder Beschreibung. Ein riesiges Banner baumelte über der Tür. "Nu isser engültig bekloppt geworden." "War er doch schon immer." Ich hatte den Motor noch nicht aus als Corinna anfing. "Leszek, was soll der Quatsch von wegen 25. Jahrestag? Ist dir die Sonne nicht bekommen?" Leszek fing an eine Rede zu schwingen. "Genau heute vor 25 Jahren kam ein brauner MAS auf mein Grundstück gerollt. ..." "Der hat sie doch nicht alle. Ist das schon wieder so lange her?" "Der meint das ernst." Während Leszek immer noch seine Rede schwang, schaute ich zu Renata. Sie grinste, und das ist schon selten, dann kam sie auf mich zu. "Ich habe ihm gesagt, das sowas Blödsinn ist. Aber er will es nun mal so. Also lass ihn." "Ich hatte das Gefühl das sich eine wunderbare Freundschaft ..." "Ich sags ja, bekloppt!" "Psst. Jetzt kommt das Beste." "Er hilft mir immer, wenn ich mal Probleme hab, stellt seinen Fuhrpark zur Verfügung und macht das Unmögliche möglich." Selbst Renata konnte kaum noch an sich halten. "Willst du dem Schauspiel nicht langsam mal Einhalt gebieten? Und was ist mit dem Kran?" "Ich freue mich, ihn einen guten Freund..." "Oh der Kran. Das ist knifflig. Er steht noch bei DHL. Die haben ihn schon auf den Tieflader verladen. Die Papiere sind aber erst morgen fertig. Deren Bürodame ist nun mal nicht die Schnellste." Renata zwinkerte uns zu. "Er hat wirklich lange für die Rede geübt, also lass ihn!" "Wie lange hören wir uns den Schmus noch an? Ich hab Hunger und ich denke, wir brauchen auch ne Dusche." "Und so freue ich mich, das er es auch unter widrigsten Umständen ..." "Geht noch 5 Minuten. Der Kran ist so eine knifflige Angelegenheit. Erst nach Strasbourg und dann nach Rotterdam. Ich denke, das hat er Euch noch nicht mitgeteilt richtig?" "Goldrichtig Sonnenschein, sonst hätte ich auch nen Riesenbogen um Stettin gemacht." "So ist er halt. Wollt ihr einen Kaffee?" "Gerne Renata. Vielleicht vertrage ich ja dann seine Schmeicheleien." Ich brannte mir die kleine Pfeife an. Schon wieder ein Vierteljahrhundert rum, seit ich damals bei PKS auf den Hof kullerte, um meinen MAS durchchecken zu lassen. Während Leszek aus 5 Minuten erstmal 10 machte, grübelte ich über die alten Zeiten. Leszek war ein Nerventod. Er konnte dich mit seinen wahnwitzigen Aufträgen ins Irrenhaus bringen. Aber er half auch, wo er konnte. Ich konnte ihm nicht lange böse sein. Aber immer wenn du dachtest, nun ist alles gut, kam er mit dem nächsten Mist um die Ecke. Ich weiß nicht, warum wir schon so lange zusammen arbeiteten. "Und so freue ich mich, das Viki es möglich gemacht hat, heute hier aufzulaufen und wir mal ein wenig feiern können." "Anstatt deine Leute von der Arbeit abzuhalten, solltest du uns wohl einiges erklären. Achja und Danke das du mich daran erinnert hast, das ich mich nun schon 25 Jahre mit deinen Katastrophen rumärgere." "Die erste Katastrophe hier war ja wohl dein Lkw." "Was? Soll ich dich in den Hintern treten? Meine Lkw waren noch nie Katastrophen." "Du hast da wohl eine kleine Erinnerungslücke alter Freund." Er holte aus den unergründlichen Tiefen seiner Kitteltaschen ein paar Fotos. "Ich wußte, das du das gerne verdrängst. Deshalb hab ich hier mal ein paar Beweise gesammelt." Er reichte mir ein paar vergilbte Bildchen, auf denen mit Ach und Krach mein Lkw zu erkennen war. "Du weißt doch noch, wem ich diesen Zustand zu verdanken habe?" "Willst du jetzt wieder darauf rumreiten. Ich konnte nichts für den Auftrag. Ich hab lediglich dafür gesorgt, das du etwas Geld verdienst." "Verdienst? Welcher Verdienst? Ich hab hier ne Rechnung bezahlt, die meinen Gewinn aufgefressen hat. So war das damals und nicht anders. Du wusstest schon, warum du keinen Jelcz da lang geschickt hast." "Naja. Ich wusste eben, was gut für meinen Fuhrpark ist. Dein MAS war aber dafür ideal." "So sah er auch aus." "Schluß jetzt ihr zwei. Los rein, das Büffet wartet. Ich mag kein kaltes Rindersteak." Wenn die Damen etwas ansagen, folgst du besser. Alles andere wäre Selbstmord. "Schon gut. Ich trage es ihm ja auch nicht mehr nach. Nun mein Freund. Schön das du DARAN gedacht hast. Etwas Anderes hast du ja wohl vergessen!" "Was da wäre?" Wir gingen in Richtung Werkstatt. "Der Kran soll ja wohl nicht direkt nach Rotterdam." "Achso, ja. Nun gut. Das habe ich wohl vergessen. Aber woher weißt du das?" "Weil ich es ihm gesagt habe, als du deine große Rede abgelassen hast. Ich habe dir doch gesagt, das deine Rede sowas von langweilig ist. Also habe ich die Zeit genutzt und den Beiden hier erklärt, was auf sie zukommt. Das wäre im Übrigen deine Aufgabe gewesen. Und nun gebt Ruhe und lasst es Euch schmecken." Wir feierten noch etwas. Dabei kam immer wieder die Rede auf alte Zeiten. Klar gabs da so manches zu lachen. Auch Corinna bekam was zu Staunen. Immerhin wußte auch sie nicht wirklich alles, was uns beide betraf. Als die Rede auf die Hotelrechnung von Moskau kam, wurde Leszeks Gesicht recht lang. "Ich hab damals nichts verdient an dem Auftrag." "Nun barme nicht rum. Für den Anschluss hast du doch aber gut verdient." "Das war doch was ganz anderes. Warum hast du kein Doppelzimmer genommen?" "Dein Ernst? Magst du das Corinna erklären?" "Nee lass mal." Irgendwann später am Abend ging es für uns in die Koje.

    Am nächsten Nachmittag waren wir schon auf dem Weg zur ehemaligen Grenzstation um pünktlich 22 Uhr auf deutschen Boden zu fahren. Leszek hatte uns die Tour-Papiere gegeben. In einem Stahlwerk in der Nähe von Strasbourg sollte der Kran seine Betriebsfähigkeit beweisen. Danach würden die Käufer entscheiden, ob der Kran zur Verschiffung nach Rotterdam gebracht wird oder ob er noch einmal überholt werden soll. Das sind so die kleinen Schwierigkeiten bei Aufträgen von Leszek. Das machte mir aber eigentlich weniger Sorgen. Die Kosten dafür übernahm eh der Käufer. Nun gut, für den Preis den er bezahlt hat, darf er auch einen funktionierenden Kran erwarten. Ich persönlich glaubte allerdings nicht, das Colonia einen Haufen Schrott verkauft. Doch zunächst hieß es erstmal Strecke machen. Während Corinna sich um firmeninterne Angelegenheiten kümmerte, zuckelte ich gemütlich durch Deutschland. Im erlaubten Zeitrahmen würden wir es sicher nicht durch Deutschland schaffen. Auch wenn wir kaum Überbreite hatten, war die Länge ein Riesenproblem. Da darfste nicht fahren wie du willst, sondern bist an Strecken gebunden. Jeder Stau auf der Strecke, und die waren rund um Berlin gar nicht so selten, zwang zu Unterbrechungen. Da kannst du nicht mal eben über eine ausgewiesene Umleitung fahren. Also planten wir recht großzügig. Laut Streckenplan mussten wir übers Hermsdorfer Kreuz. Da wir einen Riesenumweg fuhren, waren 2 Tage allein für Deutschland geplant. Dann noch einmal ein ganzer Tag für die Anlieferung im Stahlwerk und die Tests. Und weil das auch noch nicht reichte nochmal zwei Tage bis nach Rotterdam., sofern der Kunde keine anderen Pläne hatte. Aber bis dahin floß noch viel Diesel durch die Leitungen. Das Fahrverhalten des Aufliegers überraschte uns positiv. Trotz der vielen Achsen hatte der Auflieger eine ausgezeichnete Spurtreue. Ich hatte eigentlich erwartet, das so ein Auflieger vor allem auf älteren Streckenabschnitten gerne mal den Spurrillen folgte. Das tat er nicht und das war gut.

    Wir tauschten auf Höhe Brehna die Plätze und während nun Corinna weiter kurbelte, sah ich mich mal so im Netz um. Es war erstaunlich, wie wenig dort über unsere Firma zu finden war. Auf einigen Seiten wurden wir als gute Firma bewertet, aber damit konnte ich nichts anfangen. "Was ist denn eine gute Firma verdammt?" "Unsere Firma ist eine gute welche!" "Nein, ich meine, wieso gut und nicht sehr gut? Sind wir so schlecht? Es kann doch nicht sein, das wir seit Jahren ohne Schäden Fracht in aller Herren Länder transportieren und dann sind wir nur gut?" "Lass das jetzt mal und kümmere dich um andere Sachen." "Wenn du das sagst." Ich kramte weiter. Irgendwann kam ich dann bei Youtube an. Man kramt ja gerne mal so in der Welt der Kollegen rum. Also schaute ich mal wieder eine Folge von Mirco auf Achse. "Kanada ist ein schönes Land. So weit und ruhig, da kannste getrost mal ein paar hundert Kilometer ohne Stau zurücklegen." "Ja, aber da isses mir dann doch zu ruhig! Fürn Urlaub sehr gut, aber auf Dauer?" "Warum machen wir nicht einfach mal Urlaub?" "Weil es ziemlich schwierig werden dürfte. Uns fehlen immer noch Fahrer und mindestens ein Mitarbeiter in der Dispo. Also während der Saison ist da nicht viel drin mit Urlaub." Stimmt. Ich wurde nachdenklich. Dieser Fahrermangel ging mir manchmal schon auf den Nerv. Da können sich unsere Mitarbeiter noch so sehr den Arsch aufreißen, wir kamen mit den Aufträgen kaum hinterher. Corinna fuhr auf einen Rastplatz. "Isses schon wieder soweit?!" "Ja, es ist fünf Minuten vor um sechs." "Okay, dann Feierabend. Wie siehts mit neuen Bewerbungen aus." "Karen hat mir ne Mail geschickt. Für Ende nächster Woche haben sich 6 Fahrer angemeldet. Es wäre schön, wenn du dabei bist." "An mir solls nicht liegen. Lass uns essen und dann duschen gehen." Wir machten unsere Pause und ich startete dann gegen 22 Uhr wieder in Richtung Strasbourg. Eigentlich lief alles sehr entspannt. Auch der nächste Tag war kaum der Rede wert. Als wir nachmittags im Stahlwerk rumgammelten und die Tests beobachteten, fragte ich mich zum wiederholten Male, was das sollte. Der Kran bestand alle Tests und wir durften ihn wieder verladen. Dazu war extra ein Kranführer aus Köln gekommen. Auch das bezahlte der Auftraggeber. Die Papiere wurden erneuert. Es gab neue Genehmigungen und Frachtpapiere. Nur gut, das wir damit gerechnet hatten. Durch die Genehmigungen wurde uns vorgeschrieben das wir erst am nächsten Morgen weiter durften. Also wieder eine Pause. Diesmal leider direkt im Stahlwerk. Der höllische Lärm um uns herum ließ uns nicht wirklich schlafen. Also machten wir uns übel zerschlagen auf den Weg nach Rotterdam. Die Vorgaben waren allerdings sehr großzügig. Das Schiff fuhr erst in 4 Tagen. Bis dahin sollten wir es ja wohl bis zum Hafen schaffen. Die Streckentopographie war für ein so großzügig motorisiertes Gespann kein Problem.
    Wir durften sogar ab und an mal einen Kollegen überholen. Aus dem Funk kam dann immer wieder der selbe Spruch. "Die spinnen die Dänen! Die haben es echt eilig." Kann ja keiner was dafür, wenn die Herren so rumgondelten. Der Verbrauch hatte sich irgendwo um die 50 Liter auf 100 Kilometer eingepegelt. Weniger würde es wohl erst werden, wenn wir wieder mal kleinere Ladungen zogen. Aber dafür war dieser Lkw eigentlich nicht gedacht. Der Zug strotze vor Kraft und da hängt man meiner Meinung nach keine kleinen Sachen dahinter. Dafür gabs den Wikinger und der fehlte mir zunehmend. Bei unserer Ankunft in Rotterdam hieß es zunächst den richtigen Pier zu finden. Aus den Papieren ging der nur grob hervor.

    Es dauerte eine Weile, bis wir bei Rhenus Logistics BV ankamen. Dort war man erstaunt, das wir schon da waren. Dennoch quittierte man uns den Empfang und wir durften abladen. Das ging relativ flott. Nach zwei Stunden standen wir wieder solo da. Der Auflieger blieb eh an Ort und Stelle weil er nur gemietet war. Für uns bedeutete das ab nach Hause. Auch wenn es eine Leerfahrt war, hatte sich der Trip gelohnt. Und nun hieß es, sich die neuen Bewerber anzusehen. Karen hatte schon ein paar Dossiers angelegt, sodass ich mir einen groben Überblick verschaffen konnte, während Corinna fuhr. Es sah, wie eigentlich immer, sehr vielversprechend aus. Was daraus wurde, war dann mal wieder eine andere Frage. Als wir zwei Tage später wieder zu Hause waren, kümmerten wir uns um die ganzen liegen gebliebenen Aufgaben. Rechnungen mussten gestellt werden, manche mussten auch bezahlt werden. Einige Briefe durfte nur ich öffnen, da sie an mich persönlich gerichtet waren. Darunter fand sich auch ein Brief aus den USA. Genauer gesagt aus Montana! Das sagte mir irgend etwas. Achja, der Black Hawk! Der alte Herr schickte uns mal wieder eine Einladung und wir kamen hier nicht weg. Wirklich schade. Ich würde ihm wieder eine Absage erteilen müssen. Er zeigte zwar immer Verständnis, aber mir war das auf Dauer zu blöd. Ich würde sicher mal die Flüge buchen. Das musste ich nur mit Nina abklären. Für Corinna würde es eine Überraschung werden. Aber bis dahin war noch Zeit!
    Karen kam zu mir ins Büro. "Die Bewerber trudeln so langsam ein. Die ersten Beiden sind schon in der Garage. Was soll ich denen sagen?" "Ich komme gleich!" "Okay, aber beeil dich. Nicht das sie uns weglaufen." "Ist ja gut, ich komme." Da standen sie also und schauten sich den Wikinger an. "Sehen die Wagen alle so aus?" "Im Prinzip ja, allerdings nicht alle mit dem Chef und seiner Braut drauf." "Das macht Sinn, ich bin Klaus Hertner und du bist der Boss hier?" "Naja, Boss wäre zuviel gesagt, da haben zu viele ein Wörtchen mitzureden. Ich bin der Geschäftsführer sag ich jetzt mal." "Auch gut, du hast meine Bewerbung gelesen?" "Sicher doch, also du bist nach Dänemark gekommen, weil der Job in Deutschland zu schlecht bezahlt wird?" "Auch deshalb. Aber in erster Linie weil die Bedingungen hier besser sind. Das Auto ist mir ja egal, aber die Arbeit soll Spaß machen. Und das ist in Deutschland kaum noch möglich." "Du bist viel rumgekommen in der Welt, wenn ich deinen Ausführungen folgen darf. Schon mal in Russland gewesen?" "Ja, vor vielen Jahren. Mein Russisch ist etwas eingerostet, aber das lässt sich ändern. Muss ich da allein hin? Das würde ich nur ungern tun." "Nach Russland fährt von uns niemand allein. Immer im Doppelpack. Gelegentlich auch im ich nenne es mal Konvoi. Aber mehr als zwei Maschinen sind selten dort unterwegs. Wie sieht es mit Afrika aus. Da schon mal gewesen?" "Naja Tanger und Tripolis zählt ja wohl kaum. Weiter rein bin ich nie gefahren. Wenn überhaupt, dann haben wir die Trailer schnell getauscht. Meist noch auf dem Hafengelände." "Angst davor?" "Nein, hat sich nie ergeben. Meine damalige Firma hatte da Bedenken." "Okay, wie siehts mit weiblichen Kollegen aus? Damit ein Problem?" "Warum sollte ich. Die geben sich sehr viel mehr Mühe, als manche Herren der Schöpfung." "Gut, denn hier hättest du ein gutes Dutzend davon. Und das sind alles keine Anfängerinnen." "Eine habe ich glaube ich mal kennen gelernt. Das war in Tanger. Conni hieß sie oder so ähnlich." "Kann gut sein. Sie treibt sich gern da rum und Angst kennt sie auch nicht." "Ob das immer so gut ist? Nun gut sie weiß was sie tut. Zumindest hatte ich den Eindruck. Und wenn die Mädels hier alle so taff sind, dann würde ich gern hier arbeiten. Aber die Entscheidung liegt bei Euch." "Laut deiner Bewerbung warst du bis jetzt unfallfrei. Wieviele Kilometer hast du jetzt runter?" "Weiß nicht. Hab nie gezählt und Buch geführt habe ich auch nicht. Sollten aber schon zwei oder drei Millionen sein. Bin ja schon was älter." "Der war gut. Bist jünger als ich!" "Macht das einen Unterschied?" "Nein, sicher nicht." Ein sehr angenehmer Zeitgenosse. "Wie siehts mit der Verfügbarkeit aus? Ich meine, wann kannst du anfangen?" "Ich habe eine Kündigungsfrist von 4 Wochen einzuhalten. Das würde ich auch gern tun. Es macht keinen guten Eindruck im Arbeitszeugnis." "Du möchtest also nicht immer für eine Firma arbeiten?" "Doch, sehr gerne sogar. Aber ich kann nicht in die Zukunft sehen und die Branche ist im Moment mächtig in Bewegung. Da passiert soviel in so kurzer Zeit." "Das stimmt allerdings. Okay, du müsstest bei uns eine Probetour absolvieren. Probezeiten funktionieren nicht so wirklich bei uns. Ein Auftrag folgt auf den Anderen. So richtig durchplanen kann man zwar die Routen, aber nie den Zeitaufwand. Einverstanden?" "Sehr gern! Ich bin in 4 Wochen ab heute wieder hier." "Das freut mich. Also bis dann!" Sein Spannemann, also der Knabe der zeitgleich mit ihm hier war, hatte das Weite gesucht, ohne Tschüss zu sagen. Er hat wohl was gehört, was er nicht hören wollte. Und ich kannte nicht mal seinen Namen. Schon kam der nächste Bewerber um die Ecke. "Hallo, ich bin Mark Sörensen und habe für heute einen Termin hier. Bei wem muss ich mich melden?" "Du bist schon an der richtigen Person angekommen, aber du bist doch recht jung." "21 Jahre, hier ist mein Führerschein. Und hier sind meine Unterlagen und Qualifikationen." Platsch, da lag der ganze Ordner unten. "Sorry, ich bin etwas aufgeregt." "Dein erstes Vorstellungsgespräch?" "Das erste Gespräch, wo man mich zumindest anhört." Er lief feuerrot an. "Hmm, woran liegt das?" "Am Alter? Ich weiß es nicht. Mit mir redet ja niemand." "Doch, ich tue es. Du hast also deinen BKF gemacht." "Ja bei OHL Logistics, meine Eltern sind ausgeflippt. Aber mir egal." "Lass mich raten, deine Eltern reden nicht mehr mit dir?" "Leider, sie verstehen mich nicht. Ich liebe Lkw und habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht." "Okay, auf welchen Lkw hast du fahren gelernt?" "Einen alten Scania-Hauber und einen Volvo FH 12." "Okay ist nicht das modernste Equipment, aber die Neuen kriegen selten neue Autos. Ich werde das natürlich überprüfen, das ist dir klar?" "Sicher, alles Andere hätte mich gewundert." Na immerhin mal ein Bewerber, der nicht gleich wegrannte. Er war zwar recht jung, aber das hatte nichts zu sagen. "Was hast du nächste Woche vor?" "Hmm, ich habe noch ein Bewerbungsgespräch, aber das kann ich absagen." Das gefiel mir. So wartete nicht der Nächste für umsonst. "Du hast einen Pass?" "Ja." "Gut, den bringst du mit. Montag früh gehts los. Dauer circa 3-4 Wochen, also genug Klamotten mitbringen. Und lass deine Musik zu Hause." "Ich soll ABBA und Co. zu Hause lassen? Schade, aber gut wenn Sie das so möchten." "Achja, noch etwas! Lass das Sie zu Hause und bring lieber deine Musik mit. Mit der kann ich umgehen, aber das Sie geht gar nicht. Man nennt mich hier Viki und wir duzen uns hier." Er gab mir die Hand "Mark!". Ich musste lachen. "Eins solltest du allerdings noch tun. Ruf deine Eltern an. Verabredet euch an einem neutralen Platz und quatscht mal ordentlich." "Ich werds versuchen." "So ists recht. Bis Montag." "Bis dann."
    Die anderen drei Kandidaten waren nicht so ergiebig. Der Eine wollte ein recht hohes Grundgehalt, der zweite hätte gerne Scania gefahren, weil er nur die kennt. Der Dritte wollte geregelte Arbeitszeiten. Alles so Sachen, die mir nicht so recht schmeckten. Samstags kam dann richtig interessanter Besuch. Ein komischer Kerl schneite in mein Büro. "Sie sind der Geschäftsführer?" "Ja, und wer sind Sie?" "Ich bin Daniel Jörgensen, der Anwalt der Familie Sörensen. Meine Mandanten ... " "Kenn ich nicht! Was wollen Sie?" "Meine Mandanten möchten, das sie Mark nicht unter Vertrag nehmen. Er hat sich das nicht über... ." "Das reicht. Ein junger Mann kommt hierher und bewirbt sich bei mir. Soweit so gut. Einen Tag später erscheint ein Schlipsträger und erklärt mir, das der Junge nicht hier arbeiten soll. Soll ich Ihnen sagen, was ich davon halte?" "Wir können doch über alles reden." "Das ist nicht verhandelbar. Ihre Mandanten, wer auch immer sie sein mögen, werden mir nicht ins Geschäft reden. Ebenso wenig, wie ich denen in deren Kram rede." "Wir können ihnen das Leben ..." "Schwer machen? Das ist es schon! Kommen sie mir nicht mit Schwierigkeiten, die Sie mir bereiten könnten. Ich kenne genug Anwälte, Richter, Beamte und wunder wen nicht noch alles. Also kommen Sie mir nicht mit dem Scheiß. Da ist die Tür!" "Jetzt hören Sie mir ..." "Sie hören mir zu, raus! Sie haben ab sofort Hausverbot. Sollten Sie das Gelände nicht binnen zehn Minuten verlassen haben, rufe ich die Polizei! Und jetzt raus hier!" Er stiefelte zur Tür und drehte sich zu mir um. "Lassen Sie es. Raus hier! Das ist jetzt das letzte Mal. Ihre Zeit läuft. Schönen Gruß an ihre Mandanten. Bei OHL Logistics mag das funktioniert haben, aber nicht hier. Wir sind aus anderem Holz geschnitzt, merken Sie sich das." Er ging. Ich hatte das einfach mal in den Raum geworfen. Ich konnte mir partout nicht vorstellen, das sich so ein Logistikunternehmen wie OHL auf den Füßen rumtanzen lässt. Ein späteres Gespräch mit einem der Verantwortlichen da drüben bestätigte meine Vorstellung. Sie konnten den Jungen nicht übernehmen, weil sie genug Leute hatten. Allerdings verriet mir mein Gegenüber, das auch dort ein Schlipsträger aufgetaucht war. Als Corinna mit Nina ins Büro kam, musste ich immer noch ziemlich rot im Gesicht gewesen sein. "War was?" "Er wollte mir erzählen, was ich zu tun und zu lassen habe. Fand ich ganz lustig. Der Herr hat Hausverbot hier. Kann mir bitte wer die Telefonnummer von Mark raus suchen?" "Mach ich, ist doch der Junge von gestern oder?" "Ja!" Zwei Minuten später hatte ich Mark am Ohr. "Viki hier, gib mir mal die Nummer deiner Eltern!" "Was, warum?" "Sabbel nicht, gib mir die Nummer!" Er gab mir die Nummer ohne weitere Fragen. "Wir sehen uns am Montag, nicht vergessen!" "Äh, geht klar."
    "Michael Sörensen, mit wem spreche ich?" "Sie sind Marks Vater?" "Ja, mit wem spreche ich bitte?" "Böttger von Viking Transports ..." "Ah der Kutscher, lassen sie meinen Sohn in Frieden. Wenn sie ihn in ihrem Betrieb aufnehmen, wird das ihr Untergang sein." Corinna bekam große Augen und Nina fing an zu Grinsen. "Hör mal du Held. Solltest du noch einmal einen Schlips samt Anhang in meinen Betrieb schicken, brennt der Baum. Ich bin gerade am Überlegen, warum so eine Pfeife wie du, der sich nicht mal selbst hier her traut, der Meinung ist MIR zu erzählen was ich zu tun habe. Der KUTSCHER sorgt dafür, das du dir deinen Wanst voll schlagen kannst. Der KUTSCHER sorgt dafür, das du deinen dicken Benz über Asphalt bewegen kannst. Und der KUTSCHER kommt dich besuchen, wenn du es nicht unterlässt ihm zu drohen! Hast du hohle Nuss das verstanden?" "Wie reden Sie.." "Wie mir der Bart gewachsen ist. Ich schwöre bei Thor, ich komm dich besuchen, solltest du mich oder meine Familie ODER MEINE Angestellten auch nur einmal bedrohen, anfassen oder versuchen sie einzuschüchtern, kapiert?" "Ich verstehe! Richten sie Mark aus, er hat keine Familie mehr." "Was bist Du nur für ein herzloser Arsch? Der Junge ist dein Fleisch und Blut. Die arme Mutter! Komm mir unter die Hand und du erlebst dein blaues Wunder. Also zum mitmeißeln, keine Anwälte, keine Drohungen und keine Angriffe gegen meine Firma inklusive ALLER Angestellten sonst lernst du uns kennen!" "Ah, eine Drohung! Das wird Sie..." "Eine Ankündigung. Wie heißt es so schön, wir kennen Plätze, wo dich niemand findet. Ich habe mich klar genug ausgedrückt." Ich legte auf und verließ wortlos mein Büro. Draußen vorm Gebäude brannte ich mir meine Pfeife an. Niklas trabte heran. Ich kraulte ihn hinterm Ohr. "Kannst du dir das vorstellen. So ein Arsch von Vater ist mir noch nie unter gekommen. Verstößt seinen Sohn, weil der einen ehrenwerten Beruf ausüben will. Junge, Junge, der dürfte wirklich nicht hier auftauchen. Ich glaube, ich würde ihn vom Platz prügeln." Niklas legte den Kopf schief. "Der Herr Sörensen war mal ein hohes Tier in der Stadtverwaltung. Ist dann in die freie Wirtschaft gewechselt und vertreibt irgendwelche Bauteile für Luftfahrzeuge. Aber so wichtig, wie er sich nimmt, ist er nicht." "Danke Nina. Der Junge tut mir leid. Wir werden ihn mal bei uns mitnehmen. Ich denke, er hat mehr im Hirn als sein Vater." "Keine Kunst, jede Ameise hat mehr im Hirn. Sonst alles in Ordnung?" "Ich denke schon. Sowas regt mich auf." "Ich versuche nächste Woche mal Marks Mutter zu erreichen. Die wird ja wohl noch ein Herz haben." "Versuch macht klug. Wenn nicht, soll er hier eine Familie finden, auch wenn er schon 21 ist." Das machte mir noch das ganze Wochenende zu schaffen.

    Als Mark am Montag früh um punkt 8 Uhr bei uns auf der Matte stand, ließ ich ihn erstmal sein Zeug einräumen. Corinna packte den Kühlschrank voll und räumte meine Sachen ein. Ich kümmerte mich im Büro um die Papiere und Genehmigungen. Dann war Abfahrt. Ich ließ Mark zu VST fahren, wo unser Trailer stand. Er machte das sehr gefühlvoll. Allerdings würde ich ihn nicht gleich den Trailer ziehen lassen. Drunter rangieren war für ihn kein Problem. Das hatte er wohl im Blut. Über die Spiegel schob er den Dicken grade unter den Dolly bis der Bolzen einrastete. Dann noch ein sanfter Zug nach vorn und er zog die Handbremse. Als nächstes turnte er hinters Fahrerhaus, schloß die Schläuche und Kabel an und prüfte den Sitz. "Hier ist ein Schlauch, den ich so nicht kenne." "Die Hydraulikleitung, das lernst du auch noch." Ich zeigte ihm, wie das zu erledigen ist. Was er dann tat, verblüffte mich etwas. Er löste die Schnellkupplung und schloss sie selbst erneut an. "In etwa so?" "Richtig. Nun erklär mal, was du gerade gemacht hast." "Wenn man etwas lernen will, muss man es selbst machen hat mein Ausbilder immer gesagt." "Ein kluger Mann! Versteh mich bitte nicht falsch. Die erste Runde fahre ich. Ich will mal sehen, das ich dir die Unterschiede zum normalen Trailer beibringen kann. Wie du siehst, haben wir Überbreite und Überlänge. Die Touren sind geplant und es gibt einen Streckenplan. Dieser Streckenplan ist bindend, das heißt wir dürfen nur die vorgeschriebene Strecke fahren. Es ist keine Abweichung zulässig. Sollten wir wider Erwarten ein Problem mit der Strecke bekommen, müssen wir uns mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen. Eigenmächtig dürfen wir die Route nicht ändern." "Das leuchtet ein. Darf ich mal die Papiere sehen?" "Sicher doch. Sie liegen in der Mappe auf dem Kühlschrank." Mark kletterte auf den Beifahrersitz und blätterte in den Unterlagen. "Es geht also über Gedser. Das heißt wir fahren mit der Fähre. Die lassen dort für gewöhnlich die Schwertransporte erst ganz zum Schluß rein, damit die als erstes von Bord kommen." "Ich sehe, du kennst dich aus." "Sowas bleibt hängen. Wir waren oft in Deutschland und es ging immer wieder mal über die Ostsee." Er grinste. "Was gibts zu grinsen?" "Das hättest du nicht gedacht hmm? Wir waren oft drüben. Darauf hat man viel Wert gelegt." Also das nenn ich mal Schneid. Warum er bei seinem Vater nichts zu melden hatte, verstand ich nun umso weniger. So ein Bengel muss doch dem Alten mal über die Schnauze fahren. "Wir müssen uns unterhalten. Es geht um deinen Vater. Aber das machen wir nachher in aller Ruhe." "Hat der Arsch schon wieder ein linkes Ding gedreht?" "Alles zu seiner Zeit." "Er kostet mich den letzten Nerv. Immer und überall versucht er sich einzumischen. Er hat sogar seinen Anwalt zu OHL geschickt. Ich hab meiner Mutter zuliebe immer geschwiegen, aber nun reichts. Ich werde ihm die Spielchen austreiben." "Glaub mal, das hab ich schon erledigt. Nun hast du keinen Vater mehr. Aber was ist denn mit deiner Mutter?" "Eine gute Seele, aber sie lässt sich alles vorschreiben. Sie hatte einen guten Job in einer Spedition bis mein Vater der Meinung war, sie müsse zum Hausweibchen umfunktioniert werden. Und sie hat das alles mit sich machen lassen. Ich habe kein Verständnis dafür. Sie ist nun schon 5 Jahre zu Hause und langweilt sich. Mit Liebe hat das alles nichts mehr zu tun. Das kann ich mir zumindest nicht vorstellen." Ich fuhr vom Platz und dann ging es erstmal in eine Werkstatt. Der Trailer stand länger und abgeschmiert hatte ihn sicher auch niemand. Also bevor ich eine lange Strecke unter die Räder nehme, muss der Zug durchgecheckt sein. Die Zugmaschinen sind es dank Olaf immer. Die Trailer werden schon mal etwas stiefmütterlich behandelt. Nach dieser letzten Arbeit vor der Tour bat mich Mark um etwas Seltsames. "Wir haben ja hier etwas Platz. Würdest du mich versuchen lassen, den kompletten Zug so circa 50 Meter rückwärts zu setzen?" "Dann mach mal!"

    Mit freundlichem Gruß Viking1971
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