TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

Kapitel 9 - Der nächste Independence Day

  • Mit einem mulmigen Gefühl stieg ich in die Bahn ein, Lenny setzte sich neben mir auf die durchgesessene Kunstleder-Zweierbank. "Du stehst auf Jungs? Besonders auf einen mit schulterlangen, braunen Haaren?" Ich sank noch tiefer in den Sitz als es ohnehin schon der Fall war: "Ja..." "Dann habe ich jetzt eine gute und eine schlechte Nachricht für Dich. Womit fangen wir an?" "Mit der guten." "Der Junge, auf den die Beschreibung passt und der zufällig gerade neben Dir sitzt, hat erst mal grundsätzlich kein Problem damit, wenn man ihn attraktiv findet und anschmachtet, so lange wenigstens der Versuch es unauffällig zu tun erkennbar bleibt." "Und die schlechte?" "Bei Jungs kann er diese Gefühle nicht erwidern und bittet darum, dass Du das respektierst und nicht näher kommst, als es jetzt der Fall ist." "Okay."
    Selten war mir so elend zumute. In Deutschland hatte ich meine ersten sexuellen Erlebnisse in der jugendlichen Szene gehabt. Zwanglose One-Night-Stands und garantierte Volltreffer, weil die Kontakte ja eben in der Szene geschlossen wurden und die Partner auch auf das schnelle, unverbindliche Abenteuer aus waren. Matthew hatte der Zufall mir in die Hände gespielt. Nie hätte ich es gewagt, ihn anzusprechen. Und nach ihm hatte ich weder das Bedürfnis nach einer Beziehung noch einem schnellen Abenteuer verspürt. Es war Lenny gewesen, der in mir während der Neujahrsnacht spontan wieder ein Feuer entfacht und soeben gelöscht hatte.

    Um meine durcheinander geratenen Gefühle nicht zu deutlich zu zeigen, starrte ich aus dem Fenster. Das Schweigen und dass ich von ihm weg sah, war Lenny wohl unangenehm:
    "Brandon, es tut mir leid, wenn ich Dir da jetzt einen Traum zerstört habe. Ich denke aber, es ist auch besser für Dich, wenn Du weißt, dass Du Dir keine Hoffnungen machen musst und einem unerfüllbaren Wunsch hinterher läufst." "Wahrscheinlich hast Du Recht. Trotzdem fühle ich mich gerade richtig mies." "Die Enttäuschung kann ich Dir nicht nehmen. Aber ich kann Dir noch mal versprechen, dass es mir nichts ausmacht. Von mir aus schmachte mich weiter an, es bringt Dir nur nichts."

    "Ich hätte aber noch vielleicht eine gute Nachricht für Dich." "Welche?" "Es gibt da jemanden bei uns in der Clique, der schon auf Dich angesprungen ist." "Und wer?" "Achte mal drauf. Wenn Du nicht mehr mir hinterher schaust und mal nach rechts und links, solltest Du es relativ schnell merken. Ich kann Dir aber nicht sagen, wer, denn das ist nicht mit ihm abgesprochen. Außerdem muss es zwischen Euch stimmen. Es bringt ja nichts, wenn es nur von einer Seite kommt. Wenn er nicht Dein Typ ist, dann ist er es nicht." Der Zug hielt Fern Rock Center, einem großen Umsteigepunkt zwischen SEPTA Regional, Broad Street U-Bahn und Bussen. Lenny stieg aus und ich war alleine mit meinen Gedanken.
    Um einen der verbliebenen aus unserer Truppe drehten die sich aber gerade nicht, denn wer auch immer es war, ich musste es erst herausfinden und dann war da immer noch keiner, der so meinem üblichen Schema entsprach, auf das ich ansprang. Vielleicht war aber auch nur dieses Schema Teil des Problems. Hieß es nicht immer, es käme mehr auf die inneren Werte an? Kaum zu Hause rief ich Randy an, der in Kalifornien erst frühen Abend hatte, um mich auszuheulen.

    Durch verschiedene Schichtpläne und dass ich ab und zu auch mal was anderes vorhatte, sah ich die Jungs nicht jedes Wochenende. Über die kommenden Wochen wurde ich mir immer sicherer, dass dieser Jemand Cody sein musste. Caleb hatte ein weibliches Supermodel als Hintergrundbild auf seinem Handy, also fiel er raus.
    Ralph benahm sich "normal", während ich jetzt bei Cody dieses Verhalten bemerken konnte, das mich gegenüber Lenny entlarvt hatte. Er versuchte heimlich, mich anzuschauen. Er wurde nervös, wenn er merkte, dass ich ihn deshalb beobachte. Wenn wir ins Gespräch kamen, waren die Themen auffällig banal, um sich nicht zu sehr aufs Gespräch konzentrieren zu müssen. Außerdem war Cody am engsten mit Lenny befreundet, also war es auch am wahrscheinlichsten, dass er sich Lenny anvertrauen würde.

    Unter der Woche konnte ich ja ganz gut nachdenken. Und da lag das Problem ja schon. Ich musste nachdenken, was für eine Beziehung ein schlechtes Zeichen war. Cody war nett, aber nicht mehr. Ich empfand nichts für ihn, was über eine Freundschaft hinausging. Er war mir zu zurückhaltend.
    Zwar wäre ein zweiter Wirbelwind wie ich auch nicht der richtige Partner, aber mit einem zu ruhigen Charakter konnte ich einfach auch nichts anfangen. Mein Partner musste gelegentlich schon mal selber für eine durchgeknallte Aktion zu haben sein, auch wenn ein ruhiger Pol meinem Leben sicher nicht schlecht täte.
    Und er sah auf jeden Fall super aus, aber auch da passte es nicht, um mein Herz zum Rasen zu bringen. Noch mehr Babyface als ich, blond - süß, aber in meinen Augen eben nicht attraktiv, auch wenn manch einer für ihn zerschmolzen wäre. Vielleicht war er mir auch zu weiblich, denn sein jugendliches Gesicht, die makellose Haut und das übrige Ergebnis von vermutlich einiger Zeit, die er vorm Badezimmerspiegel verbrachte, hatte fast schon etwas Mädchenhaftes. Bei so viel Klischee musste Lenny mich schon verdammt blind gemacht haben.

    Das bedeutete nun allerdings, dass es bei unserem nächsten Zusammentreffen etwas zu klären gab. Ich wählte die gleiche Strategie, die auch Lenny genommen hatte. Wir waren auf der Kartbahn in Horsham und als die Runde sich aufzulösen begann, sprach ich Cody an:
    "Kannst Du bitte noch einen Moment bleiben?" Lenny bekam es mit, während er mit den anderen die Bar "Zweite Boxengasse" verließ. Ich sah, wie Cody plötzlich ganz aufgeregt wurde.

    "Ich glaube, dass wir uns mal über ein Thema unterhalten sollten, das nichts für die große Runde ist, oder?" "Ja..." Er war ein stiller Charakter, aber jetzt kurz vorm Flüstern. "Ich glaube, wir haben eine Sache gemeinsam - lieber Jungs als Mädchen, oder?" "Ja." Ich wartete, ob er selbst einhaken wollte. Aber es schien ihm die Stimme verschlagen zu haben. Ich hatte das Gefühl, ich könnte sein Herz schlagen hören. Und ich fühlte mich elend für das, was jetzt kommen musste.
    "Und so, wie Du mich immer anschaust, scheint mir, dass Du von allen Jungs am liebsten mich hättest?" Er nickte nur noch. "Cody, es tut mir leid. Aber ich kann es nicht erwidern. Du bist ein toller Kerl, aber da ist nicht mehr als Freundschaft, was ich für Dich empfinde." Er nickte wieder und sah jetzt durch mich hindurch. Dann löste sich eine Träne aus seinem Auge.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit antwortete er:
    "Kann... Kann ich irgendwas machen, dass Du mich besser findest?" "Pass auf. Ich finde Dich nett..." "Nett ist die kleine Schwester von Scheiße!" "Der Spruch ist vor allem Scheiße. Man kann Liebe nicht erzwingen. Klar könntest Du jetzt was an Dir verändern. Vielleicht hast Du damit auch kurzfristig Erfolg. Aber bist Du dann noch Du selbst? Fühlst Du Dich dann wohl? Wie lange würde das funktionieren, bis Du entweder doch wieder der sein willst, der Du wirklich bist oder bis ich merke, dass ich eine Beziehung mit einem Schauspieler habe, der sich selbst und mir nur eine Rolle vorspielt, die scheinbar gerade gebraucht wird?" "Irgendwie hast Du Recht."
    Er stand auf und rannte raus. Der Barkeeper wurde aufmerksam:
    "Sir! Was ist mit der Rechnung?" "Ich zahle für ihn mit." Der Barkeeper zog meine Mastercard durch das Gerät, ich schrieb noch schnell ein Trinkgeld auf die Abrechnung, unterschrieb und lief auf den Parkplatz. Eigentlich war Cody gerade nicht in der Verfassung, um Auto zu fahren.
    Dort sah ich allerdings aus der Ferne schon, dass neben Codys Dodge Nitro der Scion tC von Lenny parkte und die beiden miteinander sprachen, wobei Lenny den geknickten Cody im Arm hielt. Ich stieg in meinen Sonic und fuhr weiträumig an den beiden vorbei vom Parkplatz.

    Am nächsten Tag rief mich Lenny an.
    "Brandon hier. Hallo Lenny." "Hallo Brandon. Ich denke, es war gut, dass Ihr gesprochen habt." "Es tut mir leid für Cody, aber..." "Kein Aber. Deshalb habe ich Dir das in der Bahn offen gelassen. Ich konnte nicht in Dich rein schauen, nur Cody hatte mir sein Herz ausgeschüttet. Wenn da bei Dir keine Liebe ist, dann muss er da durch. So wie Du da bei mir auch durch musstest." "Ich befürchte nur, mir ist das leichter gefallen. Nicht nur weil ich schon einiges in meinem Leben durchmachen musste. Aber Du hast mir gesagt, dass Du Hetero bist. Wenn Du irgendwann eine Freundin hast, dann ist das so. Ich kann nicht gegen sie kämpfen, weil ich weiß, dass es aussichtslos ist. Wenn ich einen Freund habe, wird Cody sich im schlimmsten Fall aber fragen, was der hat und er nicht, um doch einen neuen Versuch zu starten."
    "Mach Dir weder Vorwürfe noch Sorgen. Wenn er so kommt, werde ich ihn schon einnorden. Das bin ich ihm als bester Freund dann schuldig. Du hast das schon richtig gemacht. Er soll bloß er selbst bleiben und sich und nichts vorlügen, in der Hoffnung, Dir doch zu gefallen. Ich denke, er wird da schon drüber hinweg kommen." "Danke." "Wofür?" "Dass Du da so ein Bisschen für ihn da bist, aber auch dass Du mir die Schuldgefühle nimmst, ihn vor den Kopf gestoßen zu haben." "Ich weiß, wie Du Dich gerade fühlst. Obwohl es bei mir einleuchtender zu begründen war, habe ich mich nicht gut gefühlt, nachdem ich mit Dir gesprochen hatte. Mach Dir keine Sorgen und noch einen schönen Sonntag." "Danke. Dir auch. Bye!" "Ciao."

    Wie Lenny vorhergesagt hatte, wuchs über die Sache Gras. Cody blieb mir gegenüber eine Zeitlang zurückhaltend, aber irgendwann sprachen wir wieder ganz normal miteinander und spielten zusammen Billard.

    Das Geld von meinem Vater hatte ich mittlerweile auch auf dem Konto und so begann ich im Sommer, mich so langsam mit meinem eigenen Unternehmen zu befassen. Der Betrag war ein guter Anfang und ein Truck sollte damit zu finanzieren sein. Als ich allerdings die Voraussetzungen studierte, wurde mir schnell klar, dass das nicht so einfach war. Man brauchte vor allem eine Unternehmerlizenz, womit man die so genannte USDOT-Nummer zugeteilt bekam, ohne die man nicht gewerblich fahren durfte. Wenn es in einer Region genug LKW gab, wurden einfach keine neuen Nummern mehr vergeben und der Großraum Philadelphia, New Jersey und Wilmington war gesättigt. Derzeit gab es Wartezeiten von bis zu 2 Jahren auf eine USDOT-Nummer. Dazu kamen lokale Lizenzen.
    Das nächste waren die Verträge. Ein Neueinsteiger hatte quasi keine Chance, sich mit Einzelfrachten durchzuschlagen. In Frachtbörsen gab es nur den Bodensatz, den kein anderer fahren wollte. Alles, was nicht an Vertragspartner ging, wurde erst mal bekannten Unternehmern angeboten und nur was dann übrig blieb, ging auf den freien Markt - unterbezahlt, knappe Zeitvorgaben und selten irgendwohin, wo man gut weiter kam.

    So schnell wollte ich aber nicht aufgeben und informierte mich über Geschäftsaufgaben. Dabei konnte man nämlich Lizenzen und Verträge meistens mit kaufen. Dafür war allerdings mein Kapital recht bescheiden, denn das reichte für einen Truck ohne die Firma als Sahnetupfen drauf. Ich fand also nur drei Unternehmen, die vom Preis überhaupt in Frage kamen.
    Das eine war mir schon online nicht geheuer, alleine die drei LKW müssten jeder so viel wert sein wie die ganze Firma. Und siehe da, es war eine Zwangsversteigerung. Da man dabei eine von den Schulden befreite Rechtsnachfolge antrat, würde ich also ein schlechtes Geschäftsmodell kaufen. Das zweite Unternehmen war im Nahverkehr tätig und hatte anstatt einem Fernzug drei kleine LKW der Classes 5 bis 7. Also auch nichts.
    Es blieb das dritte, mit eher knappen und uninteressanten Informationen. Ich wählte die Telefonnummer, um mehr herauszufinden.
    "Jason Fox, guten Tag." "Brandon Ridley, guten Tag. Ich rufe wegen der Spedition zum Verkauf an und wollte fragen, ob es mehr Informationen gibt." "Ja. Das Unternehmen gehört meinem Schwiegervater, der kürzlich einen Schlaganfall hatte, mittlerweile in der Reha ist, aber danach nicht mehr fahren kann. Ich bin leider nicht vom Fach. Am besten würde ich sagen, wir machen einen Termin aus und Sie schauen sich das Gelände an. Ich bringe dann meinen Schwiegervater mit." Wir vereinbarten den kommenden Samstag.

    An diesem Tag fuhr ich also an die angegebene Adresse im Stadtteil Manayunk. Das Firmengrundstück hatte eine kleine und ziemlich heruntergekommene Halle, ohne die es vermutlich mehr wert wäre als mit. Auf der anderen Seite des Atlantik wäre ein Besitzerwechsel des Grundstücks wohl auch mit einer Bodensanierung einhergegangen. Hier störten Ölflecken im sandigen Erdreich und der ganze Kram nur optisch. Irgendwann würde man die Halle abreißen und neu bauen müssen, aber noch schien sie ihren Zweck zu erfüllen.
    Ich hatte gerade eingeparkt, da kamen zwei Männer aus der Halle, einer saß im Rollstuhl und fragte:
    "Bist Du Brandon?" "Ja." "Joseph Ferguson. Mir gehört das alles. Du bist aber richtig jung, was?" "21. Ich fahre jetzt seit 2 Jahren Class 8 Trucks als Angestellter." "Okay. Und jetzt willst Du Dein eigener Boss werden?" "Ja." "Das ist keine leichte Sache. Aber ich kann Dir sagen, dass es sehr befriedigend ist, wenn Du die ersten Anlaufschwierigkeiten durch hast. Und mit einer Übernahme ist es sowieso leichter."
    Wir machten uns auf den Weg in die Halle, wo ich mich auch fast der Schlag traf.
    "Was ist das denn?" "Das ist mein Truck." "Wie alt ist der denn?" "Deutlich älter als Du, der wird bald 30. 450 PS V8, 6x4, Eaton 10-Gang." "Und damit kann man heute noch fahren?" "Ich bin am Ende nur noch maximal 2 bis 3 Tage am Stück damit unterwegs gewesen, oft Tagesfahrten. Manches kann der sogar besser als die neuen. Mit dem Hubraum und einem eher schwachen Turbo zieht der nicht so schlecht. Manche der heutigen, kleinen Sechszylinder, von ihren fetten Turbos aufgeblasen, kann man damit sogar abhängen. Außerdem habe ich einen Vertrag mit Caterpillar. Die haben es nicht so eilig wie Logistikkonzerne oder Einzelhandelsketten." "Na ja. Aber die Ausstattung ist ja kaum noch zeitgemäß." "Bei dem geht das vom Fahren. Du hast da drin immerhin eine hydraulische Lenkhilfe. Nicht ganz so leicht wie Servo, aber besser als nichts. Eine Klimaanlage und eine zumindest für die damalige Zeit gute Schalldämmung sind auch dabei. Das war immerhin das Luxusmodell. Nur mit der rein mechanischen Kupplung musst Du leben. Die haben zur gleichen Zeit parallel noch ganz andere Dinosaurier mit dem technischen Stand aus den frühen 70ern gebaut. Da gab es das alles nicht."
    An Ausrüstung in und um die Halle gab es eine Schwerlast-Hebebühne, eine Werkstattecke, einen elektrischen Flaschenzug unter der Decke, eine Wartungsgrube, ein Büro mit einem Computer, Kühlschrank und einem Sofa in der Ecke. Überall stand, wie schon draußen neben der Halle, allerlei Kram herum. Am brauchbarsten erschienen mir davon der Acetylenschweißbrenner und ein passend zum Fahrzeug nicht mehr ganz taufrisches Diagnosegerät. Hinter der Halle waren eine Laderampe und ein Portalkran. Der Dieseltank auf dem Hof war leider unbrauchbar, da undicht.

    Neben der vorgeschriebenen USDOT-Nummer und der im Interstate-Verkehr ebenfalls quasi vorgeschriebenen MCC-Number gab es auch die noch nicht so alte UCRA-Lizenz, die Transporte in alle Bundesstaaten und alle Provinzen Kanadas mit dem Pennsylvania-Kennzeichen erlaubte, ohne dass man sich zig Steuernummernschilder von anderen Staaten anschrauben musste.
    Dazu kam die in den Mainland 48 ohne Washington DC und Kanada gültige IFTA-Bescheinigung, dass das Unternehmen seine Kraftstoffsteuer in die IFTA-Kasse aller Teilnehmer einzahlte und natürlich eine separate Steuerbescheinigung für das nicht der IFTA angeschlossene DC, das ja um die Ecke war und wo man beinahe automatisch durch kam.
    Und da es vier Staaten gab, die eine lokale Lizenz für alle Trucks im Interstate-Verkehr verlangten, hatte Ferguson auch eine KYU-Nummer für Kentucky und die New York Highway Use Tax oder kurz HUT-Number. Die entsprechenden Lizenzen für New Mexico und Oregon hatte er natürlich nicht, da er nie so weit gekommen war. Alleine diese Lizenzen waren einiges Wert. Man bekam sie zwar, aber sie mussten beantragt werden und so reichte es, eine Änderung des Firmennamens der übergordneten USDOT-Nummer mitzuteilen.

    "Du gefällst mir. Du interessierst Dich für mein Lebenswerk als Gesamtpaket und nicht nur ein Grundstück in spekulativer Lage. Außerdem stellst Du kritische und überlegte Fragen. Außerdem schätze ich Dich so ein, dass Du Biss hast. Ich würde gerne an Dich verkaufen." Joseph nannte mir noch einen Ansprechpartner bei Caterpillar. Die Logistikzentrale für Straßentransporte war, weil man schon mal ein Gebäude im Konzern dort stehen hatte, in einem Standort der Bahnbausparte in Erie (PA). Immerhin konnte man da morgens hin und abends zurück, also vereinbarte ich einen Termin und nahm mir einen Tag Urlaub. Der Flug war mit einem 50-Sitzer Turboprop. Ich war ja schon viel geflogen in meinem Leben, aber das war ein Abenteuer. In Erie nahm ich mir ein Taxi zu Caterpillar.

    Ein junger Kerl, wohl wie ich Anfang 20, holte mich am Eingang ab.
    "Hi. Bist Du Brandon Ridley?" "Ja. Hi." "Brian Woods, ich bin hier Dispatcher. Gehen wir mal in den Besprechungsraum." Dort wartete noch jemand auf uns, der sich als George Mayne, Chef der Logistikabteilung vorstellte.
    Das Gespräch führte vor allem George Mayne. Wie viel Erfahrung ist hatte, ob ich schon mal Baumaschinen transportiert hatte und so. Ich sah schon meine Felle schwimmen, aber dann erwähnte ich mein Endorsement T.
    "Wie lange fährst Du schon LCV?" "Seit Anfang April, also 4 Monate. Wir haben die aber regelmäßig. Meistens so 2 bis 3 Fahrten mit je 400 Meilen in der Woche." "Na dann hast Du ja doch schon mehr als nur 40' Boxvans gefahren." "Das sowieso, die halbe Single-Flotte von Costco sind 56' Boxes und Reefer." Er schaute ein Bisschen überrascht. Offenbar hatte er den Einzelhandel etwas unterschätzt. "Und wie sieht es mit Class 9 aus?" "Hatte ich bisher nicht vor. Macht auch erst mal keinen Sinn, wenn der Truck an Schwertransporten sowieso verhungert."
    Brian schaltete sich ein:
    "Willst Du den alten Truck von Joe Ferguson weiter fahren?" "Erst mal ja. Aber sicherlich nicht bis in alle Ewigkeit." "Und auch nur so kurze Touren?" "Ich dachte da an das, was ich jetzt auch fahre. Wochenenden zu Hause und unter der Woche meistens unterwegs übernachten. Ab und zu mal eine Nacht unter der Woche zu Hause macht natürlich auch nichts." "Okay."
    Es ging noch ein Bisschen weiter und schließlich entschied George Mayne:
    "Also gut. Ich denke, wir könnten es miteinander versuchen und den Vertrag umschreiben. Es ist ein Kurzstreckenvertrag, also wären die einzelnen Aufträge eher kurz, aber theoretisch kommt man auch mit vielen kurzen Aufträgen durch die gesamten USA." Ich sollte, wenn die Firma übernommen war, eine Mitteilung schicken und würde dann eine Vertragsänderung auf meine Firma bekommen. Mayne verabschiedete sich und ließ mich mit Brian sitzen.
    "Okay. Du fährst jetzt mit einem Daten-Dispatchsystem?" "Ja. Qualcomm Omnitracs." "Dann wirst Du merken müssen, dass die Baubranche um einiges rustikaler ist. Hier ruft jemand Dich an und dieser Jemand bin ich." "Und die übrige Zeit?" "Wie?" "Wenn Du keine Schicht hast?" "Wir arbeiten nur Hausfrauenschicht. Also 8:00 AM bis 4:30 PM. Sollte ich es für nötig finden, dass Du außerhalb davon einen neuen Auftrag beginnst, dann sage ich Dir das vor meinem Feierabend. Und Du kannst ausschlafen. Wenn Du nachmittags noch keinen Auftrag hast, dann kriegst Du auch vor 8 Uhr keinen. Dann sollten aber das Pferd gesattelt und sowohl Pferd als auch Reiter gefüttert sein. Kollegen von mir wirst Du nur hören, wenn ich Urlaub habe. Und Deine Aufträge bekommst Du immer hier aus Erie, egal wo zwischen Kalifornien und Maine Du Dich gerade herumtreibst."
    "Gut. Das zwischen Ferguson und Euch ist wie ich verstanden habe kein Exklusivvertrag?" "Nein, er kann sich auch selbst Frachten über eine Onlinebörse für andere Unternehmen suchen. Meistens nutzt er die aber nur, wenn wir nichts haben, damit er nicht rum stehen muss. Ich habe ihn weitestgehend durchdisponiert. Die Latte liegt schon einigermaßen hoch, was seine verpflichtende Fahrleistung für uns betrifft und das geht auch mindestens mal ein Jahr an Dich über. Der Vertrag gilt bis Ende Q3 2017, dann kannst Du mit George in jede Richtung neu verhandeln."

    Ich flog zurück, signalisierte meine Bereitschaft, die Firma zu übernehmen an Joseph Ferguson und wir machten am nächsten Wochenende die Dinge fertig. Da der Laden derzeit Ferguson Transports hieß, musste ich mir auch noch einen neuen Namen ausdenken. Ich beschloss wie damals von Randy vorgeschlagen Ridley Road Haulage zu nehmen. Mit den Buchstaben RRH ließ sich vielleicht auch ein nettes Logo entwerfen.

    Und auch wenn ich schon im Frühjahr den Motorradführerschein gemacht hatte, war mir die Saison so weit verloren gegangen. Der stramme Zeitplan hatte es nicht zugelassen, mir eine Maschine zu kaufen. Ein paar Mal war ich in Läden und hatte mich umgesehen, wenn es sich mit den Zeiten ausging mal verschiedene Typen Probe gefahren. Jetzt, wo der Druck von Costco abgefallen war, weil ich da sowieso nur noch auf Zeit war, machte ich mich auf die Suche. Vielleicht gab es ja noch ein paar schöne Tage im Oktober.
    Ein typisch amerikanischer Cruiser kam für mich nicht in Frage. Die hatten die gleiche Krankheit wie viele amerikanische Fahrzeuge - sie konnten nur geradeaus. Im Hügelland von Pennsylvania und erst recht im Westen des Staates durch die Appalachen gab es eindeutig zu viele zu scharfe Kurven für so einen langen Radstand und so tief-breite Bauweise.
    Da mein Beruf es mit sich brachte, dass ich das ganze Jahr weite Strecken auf den Straßen der USA zurücklegte, schloss ich auch Sport Tourer, Street Tourer und Adventure Enduro aus. Im Urlaub würde ich garantiert nicht auch noch weite Strecken mit einem Straßenfahrzeug reisen. Ich suchte was für die schnelle Runde. Alles jenseits der I76 und I-81 war an einem Tag hin und zurück oder mit einer Übernachtung gut zu fahren und strotzte vor Kurven und Bergstraßen. Und weil hier anders als im Westen kaum Schotterpisten existierten und das Befahren von unbefestigten Wald- und Feldwegen meistens verboten war, brauchte ich dafür also auch keine echte Enduro.
    So ein Supersportler reizte mich zwar, aber als ich die Aprilia RSV zum Test hatte und mich vor allem zurücknahm, weil es nicht meine war, konnte ich das Motorrad scheinbar zu mir sprechen hören: "Du bist klein und leicht, ich bin stark und schnell. Zusammen können wir eine Menge Spaß haben. Aber wenn Du nur eine Sekunde nicht auf mich aufpasst, bringe ich uns beide um!" In der Tat, ich liebte es, Fahrzeuge auszureizen. Bei so einem Geschoss war das gefährlich für meinen Führerschein, meine Karriere - und auch für mein Leben.
    Damit blieb eigentlich nur ein Naked Bike mit Standardmotor übrig. Ein bisschen langweilig und vernunftgesteuert. Aber dann fand ich bei meiner Suche eine Maschine, von der ich noch nie was gehört hatte. Sie hatte irgendwie das Beste aus allen Welten. Ein Naked Bike, aber kein Langweiler. Eine klassische Silhouette, aber modernes Design in Detail. Der 660 cc große Einzylindermotor stammte von einer Enduro und hatte Drehmoment satt. Der kurze Radstand erinnerte an einen Street Fighter und wenn man es beherrschte, konnte man wie viele Fotos zeigten damit in den Kurven quer driften. Und warum auch immer trugen viele Fahrer auf Werbefotos einen Crosshelm anstatt einen Rennhelm. Da mir die besser gefielen, kaufte ich mir auch einen. Fahrschule hatte ich mit einem Leihhelm gemacht.
    Im Internet hatte ich herausgefunden, dass das wohl eine Maschine war, die man nur hassen oder lieben konnte, aber nichts dazwischen. Ich beschloss spontan, sie zu lieben, machte eine Probefahrt und kaufte mir einen ewigen Ladenhüter mit sattem Rabatt auf den Neupreis, den der Händler seit 4 Jahren nicht losgeworden war. Anfangs war ich noch enttäuscht, dass keine schwarze zu finden war, aber als ich live davor stand, fand ich das Goldorange einfach nur noch genial.
    Jetzt kam das Nachfolgemodell mit dem gleichen Namen, aber einem austauschbaren Naked Design auf den Markt, das sich nicht von einer aktuellen Honda oder Kawasaki unterschied, und zwei Zylinder hatte. Da musste die alte weg. Der Weg von meiner Wohnung zum Händler war mit dem Taxi 11 Meilen lang. Der Rückweg mit meiner "neuen alten" Yamaha MT-03 wurde gleich mal 100 Meilen lang. Das Teil machte auf jeden Fall Spaß.




    Dann kam das erste zum letzten Mal am Montag, 26.09.2016. Ich hatte auf dem Weg zur Arbeit einen Brief an unsere Zentrale in Issaquah (WA) geschickt. Zwar hatte mich jemand in Philadelphia ausgewählt, aber die Vertragsangelegenheiten der Mitarbeiter gingen zentral übers Hauptquartier. Dann ging ich wie immer zur Arbeit, wo ich zum letzten Mal aus dem Costco-Depot ausrückte.

    Los ging es also mit einem absoluten Standard, Dole Philadelphia in unser Zentrallager Norfolk (VA). Es gab wieder einen "Zweizonen-Reefer" mit einer Zone je Pup. Ein typischer Vormittagstrip. Gegen 7 AM bei Dole, 12:30 PM am Lager und dort erst mal nach dem Abstellen des Doubles und ankuppeln der Anschlusstour mit zwei leeren Containern ins Hafenterminal von Baltimore (MD) die Kantine unsicher machen.




    1:10 PM machte ich mich auf den Weg, lieferte die Container am Terminal ab und fuhr zu einer Tankstelle. Dort wollte man meinen Truck nicht auf dem Hof über Nacht haben, also parkte ich gegenüber auf einer Freifläche. Hauptsache ich hatte Duschen und den Imbiss in der Nähe.

    Schon gegen 6 AM konnte ich am nächsten Morgen los. Die Ladung waren Trockenfrüchte von Dole, die nach New York City sollten. So konnte ich also mal wieder im Vorbeifahren der Heimat winken. Ich wusste noch nicht, wie schnell ich die wieder sehen sollte.




    Auf dem Weg zum Lager bekam man von der Skyline Manhattans eher wenig mit und musste mit der weniger beeindruckenden von Downtown Brooklyn Vorlieb nehmen.




    Die Anschlussfracht brachte mir einen neuen Staat, der aber mal wieder großzügig auf Schilder an der Grenze verzichtete. Es ging nach Portland (ME). Dort stand dann der ganze Verkehr erst einmal still. Ich riskierte es, mal auszusteigen und einen Blick auf die Wurzel allen Übels zu werfen. Ein Subunternehmer von Walmart hatte sich mit einem Double vertan und beim Versuch, sich frei zu fahren, den ganzen Zug zusammengestaucht. Leider wollte er auch keine Hilfe von Kollegen annehmen, weil er dabei um seine Frontstoßstange fürchtete. So sauer wie manche von denen mittlerweile waren vielleicht nicht unberechtigt.




    Schließlich bekam er seinen Knoten doch noch aufgelöst und ich konnte abliefern. Hier durfte ich mal wieder direkt bei einer Tankstelle stehen bleiben. Ich musste wieder früh aufstehen.




    Die Tour ging mal wieder nach Burlington (VT), wo ich gefühlt nach meinem Heimatdepot am meisten gewesen war. 9 AM war ich da und machte meine Pause, allerdings nur mit einem Snack in der Kantine. Danach sollte es nach Boston (MA) gehen. Eine unspektakuläre Fahrt, die leider mit einem umso spektakuläreren Regenguss endete. Nach dem Absatteln und Frachtpapiertausch durfte ich mich einmal komplett umziehen.




    Und als ich gerade wieder in allen Klamotten steckte, klingelte mein Handy, es war Ralph: "
    Was hast Du angestellt?" "Wieso?" "Walthers war eben hier. Ich soll Dich sofort hier her schaffen." "Ich habe gekündigt. Und eine Woche nachdem mein Führerschein ausgebrütet ist, dürfte ihm das nicht passen." "Wie, gekündigt?" "Einen Brief an die Zentrale geschrieben. Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich..." "Ha, ha, ha! Ich meine natürlich warum." "Weil ich keinen Bock mehr habe, immer am Limit herumgeschubst zu werden. Ich hatte nie die Absicht mein Leben als Angestellter zu verbringen. Ich werde Owner-Operator." "Bei uns?" "Nein, da käme ich ja vom Regen in die Traufe. Erst mal Baumaschinentransporte, aber die sollen mittelfristig nicht mein Kerngeschäft bleiben." "Also gut. Ich habe da einen Trailer für Dich, der hier her muss. Daten kommen übers Qualcomm."
    Zu meiner Überraschung war es ein Transport zwischen unseren eigenen Standorten, aber ein Trailer von Walmart.
    "Was ist das denn?" "Was?" "Ein Walmart-Trailer im internen Verkehr?" "Noch nie gehabt?" "Kurz vorm Wochenende mal. Wenn sowieso alles nach Hause soll." "Genau, die Trailer auch. Der hier soll aber mal zur Wochenmitte nach Hause. Walmart hat morgen eine Trailerrückgabe in Harrisburg verlangt und wir haben einen Walmart-Trailer zu viel in Massachusetts. Nirgends steht, dass wir die Überführung nicht mit ein paar tausend Pfund Konservendosen an Bord machen dürfen. Den bringt dann morgen ein Day Driver von Philly weg."

    Meine Fahrzeit war schon gegen 4 PM zu Ende. Ich suchte mir in Hartford (CT) einen Stellplatz in einem Gewerbegebiet.




    Das ging bis gegen 9 PM auch gut, dann pflaumte mich der Sicherheitsdienst an. Am Ende einigten wir uns drauf, dass ich dort stehen blieb, weil ich gerade gar nicht fahren durfte, aber es nie wieder tun würde.

    Weil ich ja "sofort" beim Chef sein sollte und hier dem Sicherheitsdienst auf den Nerven parkte, machte ich mich wieder auf den Weg sobald ich durfte. Es war recht viel los für diese Nachtzeit. Ob das schon die ersten Pendler nach New York City waren, die vor dem großen Stau durch sein wollten?




    Ich war um 7:51 AM in Philadelphia am Lager und lieferte den Trailer ab. Dann fuhr ich zur Logistikzentrale und stellte den LKW ab. Also war ich schon am Donnerstag und das auch noch relativ früh wieder zurück. Wir wurden ausgepresst, aber wenn es den Herren in ihren Sesseln um etwas ging, dann waren wir plötzlich schnell freigestellt.

    Ich ging also rauf zu Roger Walthers, unserem Chef und keinem so ganz angenehmen Zeitgenossen, von dem wir aber im Normalfall nichts zu sehen bekamen, so lange wir nichts anstellten.
    "Guten Tag. Sie wollen uns also mit Wirkung Sonntag verlassen?" "Ja." Man konnte ihm ansehen, dass er sauer war. Immerhin fiel die Kündigung 2 Jahre und eine halbe Woche hinter den Anfang, es war also zu offensichtlich, dass ich hier nur einen Führerschein mitgenommen hatte.
    "Zu wem geht es?" "Zu mir. In die Selbstständigkeit." "Ich dachte, Sie wollten das nicht." "Inwiefern?" "Unser gutes Angebot, Ihren LKW durch Gehaltsumwandlung und einen Subunternehmervertrag zu übernehmen, haben Sie ja abgelehnt." "Ja. Weil ich nicht unbedingt einen T680 oder International Prostar und schon gar nicht mit Automatikgetriebe wollte. Die Auswahl ist hier ja etwas schmal." "Und was wird es jetzt?" "Erst mal ein gebrauchter Mack." Was für einen brauchte er nicht zu wissen, bei der Produktpalette der letzten Jahre würde er jetzt wohl automatisch von einem Pinnacle oder CH ausgehen.
    "Neue, nicht umgewandelte Subunternehmer werden derzeit aber keine aufgenommen. Ich habe aber auch keine entsprechende Anfrage von Ihnen gesehen." "Das macht nichts. Da hätte ich sowieso keine Kapazität für." "Mit wem haben Sie denn einen Vertrag gemacht? Etwa mit der W-Konkurrenz?" "Nein, mit einem bekannten Hersteller von Baumaschinen." "Na gut. Ihr Nachfolger fängt morgen an. Räumen Sie noch Ihren Lastwagen aus und geben die Schlüssel in der Dispatch ab."
    Er verabschiedete sich knapp und komplimentierte mich raus. Kein Erfolgswunsch oder andere Höflichkeiten. Nicht dass ich sie haben wollte, aber es zeigte nur, dass er wirklich nicht ganz einfach als Vorgesetzter war und dass ich wohl gerade der Majestätsbeleidigung durch Fahnenflucht für schuldig befunden worden war.

    Ich nutzte das überraschend lange Wochenende dann neben ausgedehnten Touren mit der MT-03, um meinen Truck einmal gründlich zu überprüfen. Und weil es ein komplett schwarzer Klotz war, aber ich logischerweise nicht an der Kabine herumlackieren wollte, baute ich alle Räder einmal in der Werkstatt ab und zog die Reifen von den Felgen, was dank der geteilten Bauweise einfach ging. Ich hatte keine Ahnung, wie die Dinger hießen und wer sie hergestellt hatte. Alle Welt sprach von Trilex, aber die waren aus Europa und hatten sich dann weltweit durchgesetzt, bis auf Nordamerika und Australien, wo es dieses etwas andere System hier gab, um das Trilex-Patent zu umgehen.
    Da ich nicht zu viel machen wollte und mit den Möglichkeiten und der Zeit auch nicht konnte, aber einen deutlichen Farbakzent haben wollte, lackierte ich die Felgenringe weiß, die Befestigungssterne orange und ließ die Nabenkappen schwarz, die Farben der Flyers. Zufrieden sah ich während der Fahrzeugwäsche mein Werk einmal im Tageslicht an. Es war doch einiger Staub auf der Zugmaschine gelandet. Dann fuhr ich den Truck wieder in die Halle. Herbst 2016, das Leben ohne Boss konnte beginnen.




    -----------------------

    Im Englischen gibt es keine Unterscheidung von "Du" und "Sie" im Gespräch, allenfalls ob jemand Vorname oder Nachname benutzt. Ich nutze das in den deutschen Texten dann mal, um anzuzeigen, ob ein Gesprächspartner eher distanziert oder freundschaftlich auftritt.

    451 mal gelesen

Kommentare 12