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13. Von Fahrten als Sozius, ersten Touren im Kenworth und CDL Endorsements

  • Sonntag, den 10. September 2017, abends:

    „Bist du zu Hause rausgeflogen?“ lachte Keela. „Natürlich nicht. Ich wollte aber lieber bei dir sein.“ „Was sagt deine Mutter dazu?“ Die hätte mich zwar gerne bei sich, kann aber auch verstehen, dass ich gerne bei dir sein möchte. Sie würde dich aber gerne kennenlernen.“ „Das lässt sich ja sicherlich einrichten.“ Wir gingen in Keelas Wohnzimmer und machten es uns auf der Couch gemütlich. Dabei schmiegte sie sich wie eine Katze an mich. „Schön, dass du hier bist.“ Sagte sie. „Deswegen bin ich ja hier.“ „Wie lange hast du denn jetzt frei?“ „Wer ist denn hier die Dispatcherin?“ Wie aufs Stichwort plingte der Laptop auch wieder. „Die Arbeit ruft.“ Seufzte sie.
    Sie ging an den Laptop und tippte ein paar Befehle ein. „Wieder einen versorgt.“ Sagte sie dann. Dann tippte sie noch was ein. „Ach du machst ja deine 35 Stunden. Dann hast du ja bis Morgenabend frei.“ „Wenn du das sagst.“ „Laut meinem System kannst du um viertel vor Zwölf am Montagabend mit deiner PTI beginnen.“ „Wenn das da steht, wird das wohl stimmen.“ „Das ist gut. Ich fange nämlich um zehn an, also knapp zwei Stunden vor dir. Dann können wir den morgigen Tag noch zusammen verbringen.“ „Ich dachte, da müsstest du schlafen.“ „Nicht nur. Oder wolltest du den morgigen Tag nur im Bett verbringen?“ „Wenn du auch da bist, habe ich da nichts gegen.“ Lachte ich. „Aber das macht man dann eher im Winter.“ „Dann probieren wir doch morgen mal aus, ob du als Sozius taugst.“ „Ich soll bei dir auf der Harley mitfahren?“ „Finde ich besser, als wenn ich in deinen Ford steigen muss.“ „Ich habe doch gar keinen Helm.“ „Ich habe noch einen, den einer meiner Brüder genutzt hat. Mit etwas Glück passt der.“ „Wenn du meinst.“ „Vertrau mir, mein Schatz. Das geht schon.“ „Gut. Dann fahren wir aber auch bei meiner Mutter vorbei, damit sie dich kennenlernt.“ „Na gut.“ „Wie viele Fahrer melden sich denn heute noch bei dir?“ „Regulär so drei, vier. Sonst nur, wenn ein Problem ist.“ „Dann wollen wir mal hoffen, dass sie sich nicht allzu schnell melden.“ Mit diesen Worten zog ich sie wieder zu mir.

    Den Großteil des Abends verbrachten wir dann mit Kuscheln auf der Couch. Zwischendurch musste Keela dann immer wieder an den Laptop. Das Diensthandy klingelte gar nicht. Irgendwann tauschten wir dann die Couch gegen Keelas Bett. Das war zum Glück so breit, dass man da auch ohne Probleme zu zweit drauf schlafen konnte. Bei meinem Bett hätte das nicht funktioniert.
    Auch in der Nacht hatte Keela weitgehend Ruhe. Einmal klingelte das Diensthandy. Das aber auch nur, weil wir den Signalton vom Laptop nicht gehört hatten. Dann musste Keela eine Kleinigkeit umdirigieren, danach konnte sie weiterschlafen.

    Gegen halb Sechs am nächsten Morgen klingelte ihr Wecker. Sie machte ihn aus und sagte zu mir: „Schlaf du ruhig noch weiter. Ich muss nur gleich die Übergabe an Charlie machen.“ Ich drehte mich noch mal um und Keela verschwand schnell im Bad. Als sie dort wieder rauskam, nahm sie Handy und Laptop mit und ging ins Wohnzimmer. Dann schlief ich wieder ein.

    Montag, den 11. September 2017, 8:00 a.m. Pacific Standard Time:

    Ich wurde sanft von Keela wachgestreichelt. Dann sagte sie sanft. „Guten Morgen, mein Süßer. Das Frühstück ist fertig.“ Ich rieb mir die Augen und blinzelte zur Uhr. „Jetzt schon?“ murmelte ich verschlafen. „Wir können uns heute Nachmittag noch mal hinlegen. Damit wir zur Arbeit wach sind. Jetzt will ich aber was von dir haben.“ Ich blinzelte weiter und sah sie an. Sie war schon fertiggemacht und angezogen. „Ich wollte doch heute Morgen mit dir duschen gehen.“ Murmelte ich verschlafen. „Dazu ist es jetzt zu spät. Komm, mein Schatz. Der Kaffee wird sonst kalt.“ Ich quälte mich aus dem Bett und schlich erstmal ins Bad. Anschließend ging ich dann zum Frühstück. Keela hatte liebevoll den Tisch gedeckt und war wohl offensichtlich schon kurz einkaufen gewesen. Der Frühstückstisch war auf jeden Fall reichlich gedeckt.

    Nach einem wunderschönen gemeinsamen Frühstück schickte sie mich dann ins Bad, damit ich mich fertigmachte. Als ich dann wieder geduscht und angezogen zurückkam, hatte Keela nicht nur abgeräumt, sondern auch den Helm rausgesucht. „Los. Anprobieren.“ Sagte sie gespielt streng. Der Helm passte. Ob das jetzt ein Glück war, oder nicht, wusste ich im Moment auch noch nicht. Schließlich zogen wir uns an und gingen nach unten. Dann kamen wir zu ihrer Harley.

    „Auf der Maschine sitzt du doch, wie in Abrahams Schoß. Das soll sogar richtig bequem dahinten sein.“ Sagte sie und zwinkerte mir aufmunternd zu. Ich kletterte auf den Soziussitz und wartete dann, dass sich Keela auf die Maschine schwang. Dann startete sie die Electra Glide und wir fuhren langsam die ersten Meter durch Sacramento. Man saß da hinten richtig gut und merkte auch, dass Keela nicht das erste Mal jemanden mitnahm. Trotzdem fühlte ich mich auf dem Bike in der Stadt nicht so wirklich wohl.
    An einer Ampel sagte ich dann zu ihr: „Lass uns mal aus der Stadt rausfahren. Das macht dann sicher mehr Spaß.“ „Nichts lieber als das." sagte Keela und lenkte die Harley in Richtung Sacramento River. Dort fuhren wir dann auf die CA160, die dann immer am Fluss entlangführte. Die Straße ging dann immer direkt am Fluss entlang und nahm die gleichen sanften Kurven, wie der Fluss. Es war dann eine schöne Tour, die wir aber leider nicht allzu lang ausdehnen konnten. Einige Zeit später machten wir dann eine Pause und gingen ein paar Schritte am Sacramento River entlang. „Die schöneren Touren gehen ja in die andere Richtung.“ Sagte Keela „So in die Sierra Nevada oder am American River entlang. Da habe ich schon einige schöne Strecken entdeckt. Da haben wir aber heute nicht die Zeit für. Wir wollten ja gegen Mittag bei deiner Mutter sein und ich wollte deinen Truck noch sehen.“ „Es macht wirklich Spaß. Aber ich denke mal selbst fahren macht noch viel mehr Spaß.“ „Das stimmt. Dann musst du aber noch den Schein machen und wir müssen eine gebrauchte Maschine für dich finden. Für so ein Bike, wie meines, hast du im Moment kein Geld.“ „Muss ich denn dann auch so eine haben?“ „Das ist ein Tourenbike. Sowas braucht man, wenn man längere Touren machen will, oder mit der Maschine in den Urlaub will. Du musst dann nicht zwingend so eine nehmen, sie sollte aber von der Charakteristik dazu passen.“ „Das heißt was?“ „Du solltest dir jetzt keine Enduro oder eine Rennmaschine dazu holen. Das passt nicht zusammen. Du bist auch eher der Typ für einen Tourer oder Cruiser.“ „Du kannst dich ja mal umhören. Ich weiß nur nicht, wann ich noch in die Fahrschule soll.“ „So schlimm ist das ja auch nicht. Das wirst du schon irgendwie dazwischenschieben.“ „Wir werden mal sehen.“ Dann machten wir uns langsam wieder auf den Rückweg.

    Zurück in Sacramento fuhren wir dann zuerst zu meiner Halle, wo ich Keela dann den neuen Truck zeigte. „Der ist gar nicht spießig, der ist richtig cool.“ War dann ihr Kommentar. „Du hast ja sogar auf das spießige Holzimitat im Cockpit verzichtet. Gefällt mir richtig gut. Außerdem hast du noch Luft nach oben, was die Aufrüstung mit Zubehör angeht.“ „Ist ja auch alles eine Preisfrage.“ „Das kommt dann nach und nach. Ich freue mich schon, wenn du mich mal mitnimmst.“

    Als Nächstes fuhren wir zu mir nach Hause, wo Keela meine Mom kennenlernen sollte. Als wir da waren, musste Keela herzlich lachen. „Was ist los?“ fragte ich verwirrt. „Da brauche ich mich ja nicht wundern.“ Sagte sie lachend. „Wer in dieser Gegend aufwächst, kann ja nur ein Spießer werden.“ Ich lief natürlich mal wieder knallrot an. „Ist ja schon gut, mein Schatz.“ Sagte sie und gab mir einen Kuss. Dann gingen wir rein.
    Meine Mutter und Keela verstanden sich auf Anhieb. Die Befürchtungen, dass Keela mit ihrer direkten Art anecken könnte, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Es war ein richtig schönes Treffen. Meine Mutter hatte dann natürlich was zu Essen für und gemacht. Dabei unterhielten wir uns gut und Mom und Keela kamen sich wirklich näher.
    Am frühen Nachmittag fuhren wir dann wieder zu Keela. Schließlich stand mein Auto ja auch noch bei ihr. Dort verbrachten wir dann den restlichen Nachmittag noch kuschelnder weise auf der Couch. Wir schliefen dann auch noch etwas. Am Abend machten wir uns dann fertig und schließlich musste Keela ins Büro.
    Ich fuhr dann auch noch mal nach Hause und packte noch ein paar Sachen für mich zusammen, die ich jetzt in den neuen Truck einräumen konnte. Schließlich fuhr ich dann auch zu meiner Halle und räumte meine Sachen in den neuen Truck.
    Gegen viertel vor Zwölf begann ich dann mit meiner PTI. Dazu meldete ich mich auch am Tablet an und startete die neue Woche im ORBCOMM und in der Logbuchsoftware. Dann machte ich die Abfahrtskontrolle.

    Dienstag, den 12. September 2017, 12:00 a.m. Pacific Standard Time:

    Ich hatte meine PTI beendet und kam dann wieder in den Truck zurück. Inzwischen hatte ich dann auch meinen Auftrag im ORBCOMM System stehen:

    PICKUP: ES-CASA
    TRAILER: CT53777
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 13,500 LB
    TO: SC-NVLV
    GATE: 05
    REMARKS: ADR 1.4


    CASA-KRY

    Ich bekam also am Außenlager, ES stand für external store, einen 53 Fuß Planen Auflieger mit einer Ladung Feuerwerk, 13.500 lb zum Supercenter, Las Vegas, Nevada. Der Trailer stand am Tor 5. Bei den Bemerkungen stand dann noch die ADR Klassifikation. Gesendet wurde der Auftrag von Keela. Ich bestätigte den Auftragseingang und machte mich dann auf den Weg zum Außenlager.
    Kurz darauf klingelte mein Handy. So konnte ich dann meine Freisprecheinrichtung testen. „Hallo Keela. Gibt es noch was?“ fragte ich. „Hast du schon deine eigene Gefahrgutausrüstung?“ „Selbstverständlich. Die habe ich direkt integrieren lassen.“ „Kannst du dann unsere Leihausrüstung wieder am Außenlager abgeben?“ „Na klar, mein Schatz.“ „Dann mach das bitte.“ „Okay.“ „Dann eine gute Fahrt und halt dich von den Casinos fern.“ „Warum? Vielleicht gewinne ich ja das Geld für ein gutes Motorrad.“ „Oder du gewinnst an Erfahrung.“ „Kann auch sein.“ „Lass es besser.“ „Dann ist es ja gut, dass die Casinos keine LKW Parkplätze haben.“ „Ich habe mal gehört, dass die auch schon kleine Casinos an Truckstops haben in Nevada.“ „Ich habe dich ja verstanden, Schatz.“ „Dann mach’s gut.“ „Ich muss jetzt auflegen. Bin schon am Außenlager.“ „Bis dann.“
    Ich stieg aus und nahm die geliehene Gefahrgutausrüstung mit. Dann forderte ich die Ladung nach Vegas ab und fuhr im Anschluss zum Aufsatteln. Dabei merkte ich den Längenunterschied zu dem Mack. Ich hatte zwar jetzt eine Servolenkung, dafür war der Kenworth aber auch ein ganzes Stück länger. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Anschließend konnte ich mich auf den Weg nach Las Vegas machen.

    Es ging mal wieder durch die Stadt zur Interstate 5. Dort fuhr ich dann in südlicher Richtung auf und beschleunigte auf 55 Meilen. Nun konnte ich, dank der moderneren Technik im Kenworth den Tempomat aktivieren. Das war dann auch wesentlich entspannter, als die ganze Zeit den rechten Fuß auf Halbgas zu halten. Außerdem war der Geräuschpegel auch erheblich entspannter, als im Mack. Mit diesem Truck konnte ich jetzt wirklich ohne Probleme auf große Tour gehen.
    Stockton hatte ich dann recht schnell erreicht und ich wechselte dann von der Interstate 5 auf die CA99. Dazwischen lag dann nur ein kurzes Stück Stadtverkehr. Mitten in der Nacht war hier aber auch nichts los, so hatte ich Stockton schnell hinter mir gelassen.
    Während der Fahrt auf der CA99 testete ich dann ein wenig das Soundsystem des neuen Kenworth. Es war zwar ein Standardsystem, dass aber sehr bedienerfreundlich war, da die Anzeigen auf dem großen Display vom Navi gezeigt wurden und sich sogar noch auf dem kleinen Display im Blickfeld einblenden ließen. Auch der Sound war nach ein paar Korrekturen in der Einstellung recht gut. In den Diamond VIT Modellen war zwar ein besseres System eingebaut, das hier genügte aber meinen Ansprüchen. Die Arbeit machte so erheblich mehr Spaß, als bei dem alten Truck.
    Bei der Kraft des Trucks stellte ich dann wieder fest, dass sich Hubraum nicht so einfach ersetzen ließ. Der große V8 des Mack hatte zwar gut 100 PS weniger auf dem Papier gehabt, als der Paccar MX 13, beim Drehmoment sah die Sache aber etwas anders aus. Außerdem war das 18 Gang Fuller Getriebe im Mack noch feiner abgestuft gewesen, als die 13 Gang Schaltbox im Kenny.
    Der Retarder, der auch über eine Bremsomat Funktion verfügte, bei der der Retarder automatisch auf 1 Meile über den Tempomat gesetzt wurde, war aber ein Traum. Das hatte ich aber schon bei der Fahrt durch die Sierra Nevada am Samstag gemerkt. Außerdem war er erheblich leiser, als die, von den meisten Fahrern favorisierte Jake Brake, deren Einsatz auch in manchen Gegenden aus Lärmschutzgründen verboten war.
    So verging die Fahrt wie im Flug und ich kam dann langsam in den Raum Fresno. Dort entschied ich mich dann für eine Frühstückspause in meinem Lieblings Truckstop. Da schon einige Kollegen gefahren waren, fand ich dann auch problemlos einen Parkplatz für das lange Gespann.

    Ich gab auf dem Tablet Break für Logbuch und ORBCOMM ein, dann ging ich in den Truckstop. Ich hatte gerade einen Platz gefunden, da zeigte mein Handy eine neue WhatsApp an. „Wie, schon wieder Pause? Du hast doch noch gar nicht viel gemacht.“ Schrieb mir Keela. „Hast du noch keine Pause gemacht?“ schrieb ich ihr zurück. „1:0 für dich.“ Bekam ich als Antwort. Während dem Frühstück schrieben wir dann noch eine ganze Zeit hin und her. Offensichtlich hatte Keela in der Nachtschicht genug Zeit für solche Sachen. Außerdem waren keine Chefs da, die ihr über die Schulter schauten. Mir schrieb ja keiner vor wie lang ich die Pause ausdehnen konnte. Hauptsache ich hielt die Termine ein. Gerade auf den Long Haul Touren sollte man ruhig mehr Pause machen, als man musste. Das zeigte Polizei und DoT bei den Kontrollen, dass man nicht gehetzt wurde. Außerdem konnte man sonst schnell ein Problem bekommen, weil man schnell über 11 Stunden im 24 Stunden Rahmen kam, weil die neue Schicht noch in den alten Tag fiel.
    Bei eiligen Aufträgen sah das natürlich anders aus. Da musste man die Pausen auch schon mal auf das Minimum zurückfahren. Trotzdem hatte ich dann um fünf Uhr keine Lust mehr, weiter hier rumzustehen und fuhr dann also nach einer Dreiviertelstunde weiter.

    Es ging zurück auf die CA99. Dort rollte ich dann entspannt mit Tempomat 55 Bakersfield entgegen. Dort wechselte ich dann auf die CA58. Nun ging es erst wieder durch Bakersfield. Beim Stop and Go, was durch die Ampeln verursacht wurde, merkte ich dann den nächsten Vorteil der modernen Technik. Der Neue bremste auch viel besser, als der alte Mack.
    Schließlich hatte ich Bakersfield verlassen und ich fuhr der aufgehenden Sonne entgegen. Zum Glück hatte ich direkt die Sonnenblende außen an der Scheibe anbringen lassen. Das war nicht nur gut für die Optik des Trucks, Es brachte auch wirklich was bei der tiefstehenden Sonne. Zumindest, wenn sie schon hoch genug war. Der Mack hatte sowas ja nicht gehabt. Die Fahrt machte richtig Spaß und ich bekam wirklich Lust auf weite Touren durch die USA.
    Bei Barstow wechselte ich dann auf die I15 in Richtung Norden. Auch wenn sie hier eigentlich mehr in Richtung Osten ging. Es war eine Interstate mit ungerader Nummer, also führte sie in Nord – Süd Richtung.
    Nun stellte ich wieder fest, wie mir die Zeit weglief. Die Stecke durch die Wüste zog sich zwar ganz schön in die Länge, durch den neuen Truck und die damit verbundene Möglichkeit, immer noch wieder was Neues zu entdecken und zum Teil auch auszuprobieren, war es mir nicht im geringsten langweilig. Ich hätte auch noch gut weiterfahren können, als ich dann am Mittag Primm erreichte. Leider sagte mir die Software des Logbuchs, dass ich in kürze meine Tageslenkzeit erreicht hatte.
    Da der Truckstop in Primm auch zu den besseren gehörte, fuhr ich dort von der Interstate ab und entschloss mich, meine Pause auf dem Truckstop zu machen.

    Zuerst verdunkelte ich aber schon mal mein Fahrerhaus und schaltete die Standklimaanlage an. So brauchte sie, wenn ich aus dem Truckstop wiederkam, den Innenraum nicht erst wieder herunterkühlen, sondern brauchte die aktuelle Temperatur nur halten. Dann ging ich erstmal zum Duschen und Essen in den Truckstop. Da Keela jetzt vermutlich noch am Schlafen war, beschloss ich, unser Telefonat später nachzuholen.
    Als ich dann später in den Truck zurückkam, war es hier immer noch sehr angenehm. Die Standklimaanlage funktionierte einwandfrei. Nun wollte ich mich auch erstmal ins Bett legen und etwas schlafen.

    Dienstag, den 12. September 2017, abends:

    Das Klingeln meines Handys holte mich dann aus dem Schlaf. Es war Keela, die vor Arbeitsbeginn noch etwas mit mir telefonieren wollte. Ich holte mein Handy aus der Ladeschale und nahm es mit in mein Bett. Dann Telefonierten wir noch eine ganze Zeit.
    Nachdem wir aufgelegt hatten, überlegte ich erstmal, ob ich noch in meinem gemütlichen Bett liegen bleiben wollte, oder ob ich dann doch langsam aufstehen sollte. Zuerst gewann dann noch mal das Bett, schließlich stand ich dann aber auf. Ich reservierte mir eine Dusche und ging in den Truckstop.
    Nach der Dusche trank ich dann noch in Ruhe einen Kaffee. Schließlich begab ich mich dann doch zum Kenny zurück und begann dann um Mitternacht mit der PTI. Gegen viertel nach Zwölf machte ich mich dann auf den Weg nach Las Vegas.

    Eine knappe Stunde später hatte ich dann das Spielerparadies erreicht. Die Lichter der Stadt fand ich dann so mitten in der Nacht schon sehr beeindruckend. Um viertel nach Eins kam ich dann an dem Supercenter an, wo ich vorher auch schon mal war. Ich gab meine Ankunft im ORBCOMM ein und hatte kurz darauf schon meine Antwort in Form meines nächsten Auftrags auf dem Tablet:

    PICKUP: SC-NVLV
    TRAILER: CT53162
    FREIGHT: EMPTY PALLETS
    WEIGHT: 43,500 LB
    TO: CW-CAOX
    GATE: 04
    REMARKS: -----


    CASA-KRY

    Ich bekam also hier direkt einen 53 Fuß Planen Trailer mit leeren Paletten für das Zentrallager in Oxnard wieder mit. Der stand, wie üblich an Tor 4. Ich ging also ins Büro des Center Managements und meldete mich an. Das System war aber auch so integriert, dass man dort auch schon Bescheid wusste. Das war der Vorteil zu alten Methode, wo ich erst anrufen musste und die Ladung dann noch abfordern musste. Meine Papiere lagen schon bereit und ich brauchte nur noch unterschreiben. Im Gegenzug bekam ich dann auch sofort meine Unterschriften. Dann wurde mir gesagt, wo ich den Trailer mit dem Feuerwerk ansetzen konnte.
    Zurück am Truck, fuhr ich dann auf den Hof und setzte den Trailer ans Dock. Anschließend nahm ich den Trailer mit dem Leergut wieder auf. Anschließend erfolgte die obligatorische PTI.
    Als ich dann die Strecke plante, kamen dann wieder neue Überlegungen dazu, die ich vorher weniger hatte. Mit 43.500 Pfund Ladung war ich wieder so schwer beladen, wie am Samstag. Dort hatte ich allerdings einen Reefer dahinter, der etwas schwerer war, als der Planen Trailer, den ich jetzt dahinter hatte. Außerdem ging ich im Geiste die Strecke durch, die ich fahren wollte. Dabei stellte ich fest, dass ich auf der Strecke keine Wiegestationen hatte. Also konnte ich auf dem Rückweg in Primm nochmal anhalten und günstiger tanken. Insgesamt hatte ich dann jetzt auch etwas länger gestanden, als sonst. So fuhr ich dann erst um viertel vor Zwei wieder los.

    Zuerst ging es dann wieder durch Las Vegas zurück zur Interstate 15, die ich dann in südlicher Richtung nahm. Für den Rückweg nach Primm brauchte ich dann, trotz der schwereren Ladung nur eine Dreiviertelstunde. Um halb Drei fuhr ich dann auf den Truckstop, um hier die Tanks wieder zu füllen. Heute tankte ich dann zum ersten Mal auch DEF. Die Harnstofflösung hatte ich ja bei dem alten Mack nicht tanken brauchen. Nun hatte ich eine moderne Maschine, die dann auch DEF brauchte. Nach dem Tanken gönnte ich mir noch einen schnellen Kaffee im Truckstop, dann machte ich mich wieder auf den Weg.

    Kurz darauf erreichte ich dann wieder Kalifornien. Die nächste Zeit fuhr ich dann dabei durch die nächtliche Wüste auf Barstow zu.
    Nachdem ich Barstow passiert hatte, wechselte ich dann auf Anweisung des Navis auf die CA58 in Richtung Bakersfield. Darüber wunderte ich mich kurz, aber dann vertraute ich dem Navi. Mit dem Sonnenaufgang im Rücken ging es dann weiter. Etwa auf halber Strecke zwischen Barstow und Bakersfield sollte ich dann auf die CA14 in Richtung Los Angeles fahren. Nun verstand ich langsam den Plan des Navis.
    Etwas später kam dann ein staubiger, befestigter Parkplatz an dem Highway. Da es halb Acht war, eine Zeit, in der ich Keela noch zu Hause anrufen konnte, bevor sie sich hinlegte, hielt ich an und erledigte meine Pause.

    Dann rief ich Keela an. Zu meiner Überraschung telefonierten wir dann tatsächlich eine geschlagene Stunde miteinander, bevor sie sich dann dafür entschied, dann doch mal schlafen zu gehen. Da ich immer noch nicht gefrühstückt hatte, machte ich mir dann noch was zu essen fertig, bevor ich mich dann wieder auf den Weg in Richtung Oxnard machte.
    Die CA14 war dann, wie sich herausstellte, eine recht kurvenreiche und hügelige Strecke, die dann meine volle Aufmerksamkeit benötigte. Schließlich hatte ich sie dann verlassen und kam auf die I5. Die verließ ich dann eine Ausfahrt später auch wieder und fuhr dann über die Route 101 durch die Vororte von LA nach Oxnard. Das Zentrallager erreichte ich dann gegen halb Zwölf.
    Ich war jetzt aber so schlau gewesen und hatte meine Ankunft dann schon eine Ampel vorher ins ORBCOMM eingegeben. So hatte ich jetzt schon meine nächste Anweisung vorliegen:

    PICKUP: 711-CAOX
    TRAILER: ??? FREIGHT: FOODS
    WEIGHT: 27,000 LB
    TO: NM-CASA
    GATE: -----
    REMARKS: TRAILER IS SET OF 711


    CASA-CSA

    Ich hatte also eine Antwort von Charlie bekommen. Ich sollte im Anschluss einen Trailer bei 7Eleven in Oxnard übernehmen. Es sollte ein Trailer mir 27.000 Pfund Lebensmitteln sein, die direkt zum Neighborhood Market in Sacramento sollten. Tor und Trailer Nummer waren natürlich beim Wettbewerber nicht im System. In den Bemerkungen hatte ich dann noch den Hinweis, dass mir ein Trailer von 7Eleven gestellt wurde. Ich brauchte also hier jetzt nichts Abfordern.
    Ich meldete mich am Zentrallager an und durfte dann mal wieder am allseits beliebten Tor 23 ansetzen. Mit der langen Zugmaschine vor dem langen Trailer wurde das dann eine neue Herausforderung. Gute zehn Minuten später hatte ich den Trailer dann am Dock und konnte schweißgebadet absatteln. Ich hatte es aber geschafft, keine Macken in die neue Zugmaschine zu fahren. Das war die Hauptsache.

    Nun konnte ich zu 7Eleven fahren. Ich hatte dann auch noch Glück mit dem Bahnübergang, der mich sofort durchließ. So kam ich dann eine Viertelstunde später am Supermarkt an. Dort forderte ich dann beim Marktleiter die Ladung ab. Diese war dann in einem FedEx Pup verladen worden. Angeblich half man uns mal wieder aus einem Engpass. Nachdem ich aufgesattelt hatte und meine PTI erledigt war, musste ich mir langsam überlegen, wo ich denn meine Pause machen könnte.
    Dann fiel mir der Platz ein, der vor dem FedEx Lager war. Dort hatte ich ja auch schon mal meine kurze Pause absolviert. Dieser Platz war eigentlich für Subunternehmer von Fedex gedacht, die ihre Pause machen mussten. Mit dem Pup dahinter würde ich dort aber gar nicht weiter auffallen.
    Kurzentschlossen machte ich mich dann auf den Weg zum FedEx Lager, was sowieso auf meinem Weg lag. Jetzt am Mittag war der Platz wie leergefegt. Ich stellte mich dann platzsparend auf die Seite und machte meine Pause. Da ich dann doch recht müde war, legte ich mich dann auch recht schnell in die Koje.

    Mittwoch, den 13. September 2017, abends:

    Wieder wurde ich vom Telefon geweckt. Es war natürlich wieder Keela, die noch mit mir telefonieren wollte, bevor sie zur Arbeit ging. Da ich noch etwas Zeit hatte, bis ich wieder loskonnte, nahm ich mir das Handy wieder mit ins Bett und telefonierte von dort aus mit Keela.
    Als wir das Telefonat beendet hatten, blieb ich erstmal noch liegen. Hier konnte ich eh nicht viel machen. Da ich dann aber nicht mehr wirklich einschlafen konnte, stand ich dann schließlich doch auf. Der Parkplatz war inzwischen auch so halbwegs gefüllt. Das Meiste waren aber Bobtails. Zugmaschinen ohne Auflieger. Die Fahrer machten wohl, wie ich ihre große Pause um dann wieder für FedEx im Einsatz zu sein. Da hier nichts für die Fahrer war, verschwand ich erstmal in die Büsche um einen kleinen Toilettengang zu machen. Dann folgte die Körperpflege aus dem Wasserkanister.
    Da ich jetzt immer noch reichlich Zeit hatte, kochte ich mir erstmal einen Kaffee und machte mir eine Kleinigkeit zu Essen. Dabei stellte ich fest, dass ich vielleicht nochmal etwas einkaufen sollte. Ich hatte zwar etwas Brot, Wurst und Käse im Kühlschrank. Auch Kaffee und Mineralwasser hatte ich genug im Truck. Ich hatte aber nichts im Truck um mich mal für einen längeren Zeitraum selbst zu versorgen. Da ich aufgrund der Ratenzahlung für den Truck ein wenig aufs Geld achten musste, konnte ich aber nicht ständig in die Truckstops zu essen gehen. Das würde mir dann zu teuer. Ich fuhr ja gleich zu einem Neighborhood Market. Da konnte ich dann schonmal die Lebensmittel einkaufen. Für einen Wasserkocher und einen Campingkocher musste ich dann warten, bis ich mal an einem Supercenter war. Eine Mikrowelle hatte ich mir ja zum Glück direkt einbauen lassen.
    Da ich nach dem Essen immer noch Zeit hatte, schrieb ich dann schon mal wieder ein paar Rechnungen. Da fiel mir wieder der Einwand von dem Elektroniker von Kenworth ein, mir einen kompakten Drucker in den Truck zu bauen. Da musste ich dann auch noch mal im Supercenter nach schauen. Im Zweifelsfalle auch in einem Best Buy.
    Um Mitternacht konnte ich dann wieder anfangen zu Arbeiten. Ich begann natürlich mit der obligatorischen PTI, die ich leise erledigte, um die Kollegen nicht zu wecken. Um viertel nach Zwölf machte ich mich dann auf den Weg in Richtung Heimat.

    Über die CA126 ging es dann mal wieder auf die I5. Dort ging es dann mal wieder über den Tejon Pass und dann immer weiter nach Norden in Richtung Sacramento. Die Fahrt verlief dann auch weitgehend ruhig und ohne größere Zwischenfälle. Das Einzige, was man noch erwähnen könnte war ein Besuch der Waage um halb Vier. Mit 55.809 lb war ich aber weit vom erlaubten Grenzwert entfernt. So kam ich dann ohne weitere Vorkommnisse nach Sacramento.

    Um kurz nach halb Acht erreichte ich dann den Neighborhood Market. Dort sollte ich dann den Pup am ersten Tor abstellen. Ich hatte dann auch folgende Meldung im System:

    PICKUP: NM-CASA
    TRAILER: CT48570
    FREIGHT: EMPTY PALLETS
    WEIGHT: 27,000 LB
    TO: FED-CARE
    GATE: 02
    REMARKS: -----


    CASA-CSA

    Also sollte ich dann den Trailer mit den Leerpaletten aufnehmen, der hier ein Tor weiter stand. Die Paletten sollte ich dann noch zum FedEx in Redding bringen. Das sollte ich mit meiner Fahrzeit noch schaffen.
    Nachdem ich dann umgesattelt hatte, stellte ich das elektronische Logbuch auf Pause und ging dann erstmal in aller Ruhe im Neighborhood Market einkaufen. Leider bekam ich, im Gegensatz zu den Walmart Mitarbeitern keinen Angestelltenrabatt. Das war jetzt bei den paar Lebensmitteln nicht so tragisch. Bei größeren Einkäufen sollte ich dann aber die Rabattkarte von meinem Dad, die Mom meistens hatte, oder die von Keela nutzen. Um halb Neun machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Es ging dann zurück auf die I5. Diesmal fuhr ich dann allerdings in Richtung Norden auf. Nun sollte ich bis kurz vor Redding auf der Interstate bleiben. An der nächsten Waage durfte ich dann, Transponder sei Dank aber auch vorbeifahren. Etwas südlich von Redding verließ ich dann die Interstate und fuhr über einen parallel verlaufenen State Highway nach Redding. So kam ich direkt über die Straße nach Redding hinein, an der das FedEx Lager lag.
    Gegen viertel vor Zwölf traf ich dann dort ein. Laut meinem ORBCOMM sollte ich dann hier auch nur den Trailer mit den Paletten abstellen. Als neue Nachricht hatte ich dann:

    PICKUP: UPS-CARE
    TRAILER: UPS53665
    FREIGHT: FROZEN GOODS
    WEIGHT: 43,000 LB
    TO: NM-CASA
    GATE: 78
    REMARKS: URGENT CHARGE


    CASA-CSA

    Also sollte ich beim FedEx wegfahren und im Anschluss zum UPS fahren. Dort sollte ich dann noch einen Reefer mit Tiefkühlkost übernehmen, der dann wieder zurück nach Sacramento sollte. Das Ganze war dann wohl eine dringende Ladung.
    Gegen viertel nach Zwölf erreichte ich dann diesen Logistiker und konnte dort auch sofort meinen Trailer übernehmen. Da ich mich jetzt aber quasi mitten in Redding befand und meine Fahrzeit sich ganz derbe dem Ende zuneigte, blieb mir dann nichts anderes übrig, als zu dem Motel zu fahren, wo ich hier schon mal übernachtet hatte. Das war die Einzige Möglichkeit, wo ich hier mit einem Lastzug parken konnte. Man war zwar nicht unbedingt begeistert, dass ich mit einem Reefer auf dem Parkplatz stand, da ich aber ein Zimmer buchte, wollte man auch nicht auf die Einnahmen verzichten und ließ mich dort parken.

    Nach dem Einchecken verschwand ich dann aber auch wieder recht schnell im Bett.

    Donnerstag, den 14. September 2017, abends:

    Ich hatte eine relativ gute Ruhepause hinter mir. Mir hätte definitiv auch eine Pause im Sleeper des Kenworth gereicht, aber mangels Parkplatz musste ich ja auf diese Alternative zurückgreifen. Das war zwar nicht schön, zumal es ja auch noch Geld kostete, aber es blieb mir keine Alternative. Am Abend stand ich dann auf und nutzte zuerst den größten Vorteil, den diese Art der Übernachtung hatte. Ich hatte ein komplettes Badezimmer zur Verfügung. Das war wirklich ein Vorteil.
    Ich duschte und rasierte mich. Ich hatte selber noch keinen Entschluss gefasst, ob ich Keelas Wunsch, einen Dreitagebart zu tragen, nachkommen würde. Wenn ich das tat, müsste ich mir dann einen Rasierer besorgen, der den Bart auf dem Level eines Dreitagebarts halten würde.
    Wo ich dann gerade beim Thema Keela war, sie rief ich dann an, nachdem ich das Bad verlassen und mich angezogen hatte. Wir telefonierten dann eine ganze Weile, bis sie dann schließlich gegen halb Zehn zur Arbeit fahren musste. Ich hatte jetzt noch zweieinhalb Stunden Zeit, bis ich mich wieder auf den Weg machen konnte.

    Ich packte dann in Ruhe meine Sachen zusammen und checkte schließlich aus. Dann räumte ich meine Sachen in den Kenworth und ging danach noch mal zurück in das Motel, wo ich dann noch in Ruhe den einen oder anderen Kaffee trank. Dabei hatte ich mir mein Laptop mitgenommen und surfte dank WiFi noch günstig im Internet.
    Mir ging immer noch die Sache mit dem Motorrad und dem entsprechenden Führerschein nicht aus dem Kopf. Es hatte Spaß gemacht, mit Keela zusammen zu fahren. Ich war trotzdem eher der Typ, der lieber selbst fuhr. Also recherchierte ich ein wenig und kam zu dem Schluss, dass ich mir den Führerschein und ein altes, gebrauchtes Bike mit Sicherheit noch leisten konnte. So viele Fahrstunden brauchte ich in Kalifornien auch nicht. Ich musste nur eine Fahrschule finden, die es mir möglich machte, meine Fahrstunden kurzfristig in meine freien Zeiten zu legen. Schließlich war es dann Mitternacht und ich konnte wieder mit meiner Arbeit anfangen.
    Ich stieg in den Kenworth und meldete mich im Logbuch und im ORBCOMM an. Dann erledigte ich meine PTI und fuhr dann um viertel nach Zwölf wieder los.

    Zuerst ging es dann ein kurzes Stück durch Redding. Dann hatte ich die I5 erreicht, auf die ich dann in südlicher Richtung auffuhr. Nun konnte ich auf 55 Meilen beschleunigen und dann gemütlich im Tempomat in Richtung Heimat rollen. Die Fahrt verlief dann wirklich gemütlich und ohne Probleme. Selbst die Waage war um die frühe Zeit noch geschlossen. So erreichte ich dann total entspannt um viertel vor Vier den Neighborhood Market in Sacramento.
    Dort sollte meine Tiefkühlladung ja hin. Mit dem diensthabenden Security Mann kam ich, seit ich ihn kannte, schon immer super aus. Als er meinen langen Lastzug sah, meinte er dann auch ganz locker: „Setz den Trailer vor das Freilager. Den Trailer kann nachher ruhig der City Trucker ansetzen.“ Als ich dann gerade wieder einsteigen wollte, sah ich, dass meine Info für die Anschlussfracht gekommen war:

    PICKUP: NM-CASA
    TRAILER: CT53759
    FREIGHT: EMPTY PALLETS
    WEIGHT: 43,500 LB
    TO: FED-CARE
    GATE: 02
    REMARKS: -----

    CASA-KRY

    „Warte mal.“ Rief ich dem Security Mann hinterher. „Ich soll wohl die Leerpaletten hier mitnehmen.“ „Sag das doch gleich.“ Grinste er und holte die Papiere für das Leergut aus seiner Jackentasche. Ich unterschrieb ihm dann auch noch seine Exemplare, dann konnte ich umsatteln. Nachdem ich dann den Reefer abgestellt hatte und den Planen Trailer aufgenommen hatte, folgte die übliche PTI.
    Anschließend schrieb ich Keela eine WhatsApp. „Hallo Süße, willst du mich ärgern? Die Ladung habe ich doch gestern Vormittag schon gefahren. Oder ist da ein Fehler im System? Zwei Tage nacheinander einen ganzen Trailer voll Leergut an das gleiche FedEx Lager? Kommt mir komisch vor. Bis später. Marc.“ Während ich dann noch die entsprechenden Angaben ins Tablet eingab, um das Logbuch zu aktualisieren, kam dann schon ihre Antwort: „Hallo Schatz. Das hat schon seine Richtigkeit. Im Neighborhood Market brauchen sie Platz und bei FedEx, Redding haben wir noch eine Menge Paletten Schulden. Was heißt hier eigentlich ärgern? Wenn du in Redding eine Ladung zurück nach Sacramento bekommst, dann bis du hier durch mit der Zeit und kannst mal wieder zu Hause Feierabend machen. Wir könnten uns dann eventuell sogar sehen. Ist das Nichts? Halt die Stoßstange sauber. Keela.“
    So läuft der Hase. Meine Süße würde mich am Nachmittag gerne sehen. Gegen eine Pause zu Hause hatte ich natürlich nichts einzuwenden. Dazu fehlte aber noch der Anschluss wieder zurück nach Sacramento. Aber vielleicht gab es den ja wirklich.

    Um vier Uhr machte ich mich also wieder auf den Weg dahin, wo ich gerade erst hergekommen war. Dabei fiel mein Blick auf die Tankuhr. Die zeigte mir nur noch eine Viertel Tankfüllung an. Als ich dann aber noch mal auf die Frachtpapiere schaute, überlegte ich, ob es jetzt wirklich schon Sinn machte, zu tanken. Schließlich kam ich auf dem Weg nach Redding ja wieder an einer Wiegestation vorbei. Ich wollte schließlich nicht den gleichen Fehler begehen, wie am letzten Samstag. Also verschob ich das Tanken dann noch mal. Ich fuhr dann wieder zurück auf die I5 in Richtung Norden und stellte den Tempomat wieder auf 55 Meilen.
    Dann rollte ich genauso entspannt wieder in Richtung Redding, wie ich auf dem Weg hierhin gefahren war.

    Eine gute dreiviertel Stunde später zeigte sich dann, dass meine Entscheidung, das Tanken noch mal zu verschieben, nicht ganz so falsch war. Mein Transponder begann zu piepen und ich durfte also auf die Waage fahren. Mit einem Gesamtgewicht von 78.528 lb war ich dann auch deutlich im grünen Bereich.

    Das bestätigte meine Annahme, dass der Reefer noch schwerer war, als die Planen Trailer. Trotzdem war es auch nicht verkehrt, das Tanken noch zu verschieben. Anschließend ging es dann weiter in Richtung Norden.
    Ich nahm dann die gleiche Route, wie gestern, bei der ich dann bei Anderson auf die CA273 nach Redding wechselte. Kurz hinter Anderson war dann wieder mal so ein sandiger Parkplatz. Um viertel nach Sieben war es eine gute Zeit Pause zu machen, wenn man noch mit Keela sprechen wollte. Also fuhr ich auf den Parkplatz und stellte sie Elektronik auf Pause.
    Dann rief ich Keela an. „Hallo Schatz. Wolltest du mich vorhin etwa anmeckern?“ „Hey, Süße. Wie kommst du denn darauf?“ „Wenn du mich schon fragst, ob ich dich ärgern wollte.“ „Ich habe mir diesen Truck nur nicht gekauft, damit ich jetzt Kurzstrecke fahre.“ „Das ist mir auch klar. Aber so zwischendurch mal eine kurze Tour ist doch auch nicht verkehrt.“ „Du willst mich ja bloß bei dir haben.“ „Was ist denn falsch daran?“ „Nichts. Nur mitten in der Woche ist das doch quatsch.“ „Wieso mitten in der Woche? Es ist Freitag.“ „Kommt mir nicht so vor. Wahrscheinlich, weil ich erst am Dienstag los bin.“ „Ich muss ja auch noch mal arbeiten.“ „Fährst du morgen nach Pacifica?“ „Was denkst du denn? Natürlich. Ich muss das Surfwetter nutzen, solange es dauert.“ „Dann sind wir am Wochenende wieder getrennt.“ „Wieviel Stunden hast du denn jetzt?“ „Zweiundvierzig und ein paar Minuten.“ „Dann bleibst du heute noch unter 50. Dann wirst du nicht rausgenommen.“ „Wer hat denn Dienst am Wochenende?“ „Charlie.“ „Das ist gut. Dann klappt wenigstens alles.“ Wir besprachen dann noch einiges und Keela versprach, mich dann am Abend bei mir zu besuchen, falls ich wirklich nach Hause kam. Schließlich wollte sie dann aber schlafen gehen und wir legten dann auf.
    Bevor ich dann weiterfuhr, machte ich mir noch was zu essen und aß erstmal in Ruhe was. Es war dann schon neun Uhr, als ich dann weiterfuhr.

    Von dem Parkplatz war es dann nicht mehr weit. Ich brauchte dann nur noch eine gute Viertelstunde, bis ich dann beim FedEx ankam. Kurz vorher gab ich dann schon die Info ins ORBCOMM ein, dass ich dann bei der Entladestelle ankam. So hatte ich dann, als ich vor dem Tor stand, bereits die Antwort von Charlie:

    PICKUP: KH-CAHK
    TRAILER: ???
    FREIGHT: MEAT PRODUCTS
    WEIGHT: 38,500 LB
    TO: NM-CASA
    GATE: -----
    REMARKS: TRAILER IS PROVIDED BY KRAFT HEINZ


    CASA-CSA

    Das war dann mal wieder eine neue Ladestelle für mich. Kraft Heinz hatte ich zwar schon in Dos Palos kennengelernt, hier im Norden Kaliforniens war das aber eine neue Adresse. Ich tippte auf das Kürzel und stellte fest, dass KH-CAHK eine weitere große Farm in der Kraft Heinz Gruppe war. Diese befand sich quasi mitten im Nirgendwo, südlich von Redding. Offiziell war das ein kleines Dorf namens Hooker.
    Zuerst musste ich aber meine Leerpaletten loswerden. Ich meldete mich an und konnte anschließend den Trailer direkt an ein Dock des Paletten Lagers stellen. Dann sattelte ich ab. Da inzwischen auch meine Tankleuchte angegangen war und die nächste Ladung ja auch etwas leichter war, beschloss ich erstmal zum Tanken zu fahren.
    Mit der Zugmaschine fuhr ich dann noch ein Stück nach Redding hinein, dann erreichte ich eine Tankstelle. Hier füllte ich die Tanks dann wieder komplett auf. Nachdem das erledigt war und ich auch mit einem neuen Kaffee versorgt war, fuhr ich dann nach Hooker.

    Es ging zuerst wieder über die CA273 zurück in Richtung Anderson. Von dort ging es dann aber noch ein Stück weiter nach Süden. Gegen halb Elf erreichte ich dann die Farm die wirklich weit und breit das Einzige an Zivilisation war. Selbstverständlich war ich von Charlie angemeldet worden. Man hatte mir einen Reefer fertig geladen. Ich brauchte nur noch aufsatteln und konnte dann wieder losfahren. Offensichtlich behielt Keela recht und ich kam heute nach Hause.
    Zuerst begann ich aber an der Qualität meines neuen eingebauten Navigationsgerätes zu zweifeln. Die Strecke, die mich das Navi nun lotste, ging nicht über Autobahnen oder sonstige Highways, sondern über kleine Landstraßen. Es ging zwar quasi immer parallel zur I5 in Richtung Süden, die Straßen waren aber so einsam, dass mir zum Teil nur ein Fahrzeug pro Stunde entgegenkam.

    Eine Baustelle mitten auf der Strecke war noch das meiste an Leben, was ich hier zu Gesicht bekam. Ansonsten gab es hier nur Felder und teilweise auch wieder das übliche kalifornische Ödland. Dass die Felder bewirtschaftet wurden, erkannte ich zum Teil daran, dass ein paar vereinzelte Agrarflieger über die Felder flogen.
    Eine ganze Zeit später kam ich dann doch tatsächlich wieder auf die I5. Ich war jetzt auch schon so weit südlich, dass ich die Wiegestation bereits umfahren hatte. Auf der I5 erledigte ich dann quasi den Endspurt des Tages.

    Gegen viertel vor Zwei erreichte ich dann fast mit meinen letzten Minuten der Lenk- und Schichtzeit den Neighborhood Market. Hier musste ich dann aber zum ersten Mal, seit ich für Walmart im Einsatz war, warten.
    Einer der City Trucker, der für Walmart fuhr, war im Moment damit beschäftigt, die Trailer im Wareneingangsbereich zu rangieren. Als er sah, dass ich anliefern wollte, sah er dann zu, dass er wenigstens schon mal so viel Platz schaffte, dass ich meinen Trailer abstellen konnte. Das bedeutete aber für mich, dass ich mit dem langen Zug wieder mal ans erste Tor musste. Dahinter hatte der City Trucker noch alles belegt. Er gab aber dann sein Bestes, um mich einzuweisen. Dabei merkten wir aber, dass er sich dann doch mehr mit den kurzen Day Cab Maschinen auskannte. Seine Empfehlungen kamen nämlich immer ein Tacken zu spät.
    Eine halbe Stunde nach meiner Ankunft konnte ich dann aber endlich nach Hause fahren. Ich stellte meine Zugmaschine in die Halle und fuhr dann nach Hause.
    Dort unterhielt ich mich dann noch eine halbe Stunde mit Mom. Danach ging ich dann aber in mein Zimmer und verschwand dann schnell im Bett.

    Freitag, den 15. September 2017, abends:

    Ich wurde wach, weil ich auf einmal zärtlich gestreichelt wurde. Diese Methode des Weckens gehörte bei mir nicht gerade zur üblichen Art und Weise wachzuwerden. Daher genoss ich es erstmal eine Zeitlang, bevor ich dann langsam die Augen öffnete und in die grünen Augen von Keela blickte.
    Verwirrt sah ich mich um. Ich befand mich aber tatsächlich in meinem Bett in meinem Zimmer. „Hallo meine Süße.“ Murmelte ich verschlafen. „Wie kommst du denn hierher?“ „Deine Mom hat mich reingelassen.“ Sagte Keela sanft. „Nett von ihr.“ Stellte ich verschlafen fest. „Ich sollte dich doch heute Abend besuchen.“ Sagte sie. „Das hatte ich irgendwie total vergessen.“ „Vielleicht sollte ich die Methode des Weckens noch mal überdenken.“ Sagte sie mit einem Grinsen. „Wenn du schon vergisst, dass wir verabredet waren.“ „Wenn ich richtig wach bin, kommt das auch wieder.“ Sagte ich zu meiner Verteidigung. Dann zog ich sie an mich und küsste sie. „Was hältst du erstmal vom Zähneputzen?“ sagte Keela dann gespielt beleidigt. „Na gut. Überredet.“ Sagte ich und verschwand schnell im Bad. Anschließend zog ich mir schnell was über, dann gingen wir zu meinen Eltern nach unten.

    Mom wollte mit uns zusammen Abendessen. Sogar Jessy und Dave würden kommen. Kurz nachdem wir dann unten waren, klingelte es dann auch an der Tür und meine Schwester und ihr Freund kamen herein. Da wir nun komplett waren, konnten wir zum Essen gehen. Jessy musterte mich dabei von oben bis unten. „Wie läufst du eigentlich rum?“ fragte sie mich. „Marc ist doch gerade erst aus dem Bett gekommen.“ Verteidigte mich Mom. „Bist du krank?“ fragte meine Schwester. „So ein Quatsch. Ich bin bis halb Drei heute Nachmittag gefahren und muss auch heute Nacht wieder raus.“ „Ach, du hast so eine blöde Schicht erwischt.“ „Genau.“ „Dann sei dir das verziehen. Aber schön, dass du auch hier bist.“ Sagte sie zu Keela. „Finde ich auch. Leider muss ich aber auch nachher arbeiten. Nachtschicht.“ „Verstehe. Die Walmart Kunden müssen ja rund um die Uhr versorgt werden.“ „Wenn wir das nicht machen, macht das die Konkurrenz.“ Sagte Dad. „Müssen wir denn beim Essen schon wieder über die Arbeit reden?“ beschwerte sich Mom. Also hielten wir uns etwas zurück.
    Natürlich wurde Keela zum Mittelpunkt der Gespräche. Sie war ja das neuste Familienmitglied. Sie musste natürlich einiges von sich erzählen. Ihre Hobbys Surfen und Motorradfahren waren in unserer Familie ja bisher sehr ungewöhnlich. Als sie dann zum Eishockey kam, wurde mein Dad als Sharks Fan natürlich wieder aufmerksamer. Allerdings hatte Dad bisher außer mir auch noch keinen mit seiner Leidenschaft zu der Sportart anstecken können. In Sacramento war nun mal Basketball die Nummer 1.
    „Es geht ja kommende Woche mit den Testspielen los. Das heißt der Saisonbeginn rückt immer näher.“ „Stimmt.“ Sagte Keela. „Nur von meiner Mannschaft werde ich hier ja nicht so viel sehen.“ „Was ist denn deine Mannschaft?“ fragte Dad. „Natürlich die Minnesota Wild. Wer denn sonst?“ „Das wird natürlich schwierig. Aber für San José bekomme ich eigentlich immer irgendwie Karten.“ „Vielleicht, wenn sie mal gegeneinander spielen.“ Sagte Keela. „Marc ist doch auch Fan der San José Sharks.“ Sagte Dad. „Aber nicht so extrem, wie du.“ Sagte ich knapp. „Hauptsache, ihr streitet dann nicht, weil eins der Teams verloren hat.“ Meinte Mom.
    Als es dann mehr um die anderen Hobbys ging, erzählte Keela dann, wie sie mir an dem Sonntag in Pacifica das Surfen beibringen wollte. Außerdem bekräftigte sie, wie gut ich mich dabei angestellt hätte. „Sind das nicht alles gefährliche Hobbys?“ fragte Mom. „Surfen, Motorradfahren. Da kann doch allerhand bei passieren.“ „Es kommt halt immer darauf an, wie riskant man die Hobbys betreibt und wie die eigene Selbsteinschätzung ist. Man sollte schon wissen, was man kann und was nicht. Bei beiden Hobbys.“
    Schließlich war das Essen beendet und wir saßen dann noch so zusammen. Dann kam Dad doch noch mal auf die Arbeit zu sprechen. „Da du bisher die alte Zugmaschine hattest, haben wir das Thema noch nicht berücksichtigt. Da du jetzt aber die neue, stärkere Maschine hast, wollte ich mal fragen, welche Endorsements du noch in deiner CDL hast?“ „Ich habe natürlich alle Klassen gemacht, also A, B und C. Die Endorsements, die ich habe, sind H, N, T und X.“ „Also hast du alles gemacht, was du als Berufsfahrer brauchst.“ „Außer die Sachen, die ich als Busfahrer brauchen würde. Das fand ich überflüssig, da ich kein Busfahrer werden wollte.“ „Wenn du T hast, darfst du doch auch LCV’s fahren.“ „Das ist richtig. Da hat mich bisher aber noch keiner in der Firma gefragt, ob ich das kann oder darf.“ „Wie gesagt, ich habe am Anfang nicht gefragt, ob du das fahren darfst, weil ich das dem alten Mack nicht mehr zutrauen wollte.“ „Aber nach Gefahrgut hast du mich doch auch sofort gefragt.“ „Das ist ja auch nicht schwerer. Bei den Feuerwerkskörpern eher leichter.“ „In Kalifornien sollen die LCV’s aber auch nicht wesentlich schwerer, als 80.000 Pfund werden.“ „Du willst aber auch als Long Haul Driver fahren. In anderen Staaten sieht das schon anders aus.“ „Stimmt natürlich.“ „Dann werden wir das mal in deinen Datensatz mit aufnehmen. Keela, kannst du das nachher einpflegen?“ „Klar. In der Nachtschicht hat man dafür genug Zeit.“ „Okay. Dann mach das bitte. Für LCV’s bekommst du ja auch wieder Zulagen, wie auch für Gefahrgut.“ „Das muss ja auch so sein. Schließlich verbraucht der Truck dann ja auch mehr.“ Damit beendeten wir den kurzen beruflichen Abstecher.

    Gegen zwanzig nach Neun verabschiedete sich Keela. Sie musste nun langsam ins Büro, um Danny abzulösen. Nachdem ich sie zur Tür gebracht hatte und ihr dann nachschaute, wie sie mit ihrem Savana davonfuhr, ging ich dann auch nach oben um mich fertig zu machen. Keela hatte schon ihre ganzen Sachen im Van gehabt, um dann morgen Früh sofort nach Pacifica aufzubrechen.
    Nachdem ich mich dann komplett fertiggemacht hatte, ging ich nochmal in die Runde im Wohnzimmer zurück. Dabei wunderte ich mich, dass Jessy und Dave immer noch da waren. Offensichtlich wurde der Kontakt zwischen meiner Schwester und meinem Vater doch langsam wieder besser. Gegen Mitternacht lösten wir die Runde dann aber doch auf. Die Anderen hatten zwar Wochenende, wollten dann aber langsam ins Bett.

    Ich machte mich dann aber auf den Weg in die Firma. Als ich gerade im Auto saß, bekam ich eine WhatsApp von Keela: „Komm am besten vorab eben ins Büro, dann kannst du direkt deine Papiere mitnehmen. Du musst am Außenlager einen Trailer übernehmen. Keela.“
    Ich fuhr also zuerst ins Büro und ging direkt zu Keela. „Die Papiere hätte ich mir aber auch am Außenlager ausdrucken lassen können.“ „Das schon. Dann hätte ich dich aber nicht mehr gesehen.“ Ich bekam also meine Papiere und verabschiedete mich von Keela mit einem langen Kuss. Dann machte ich mich endgültig auf den Weg zum Truck. Dort räumte ich dann schnell meine Sachen in den Kenworth und parkte dann den Taurus. Um halb Eins konnte ich dann mit der PTI beginnen.
    ORBCOMM gab mir dann auch trotzdem die Angaben über meine nächste Ladung:

    PICKUP: ES-CASA
    TRAILER: CT53789
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 13,500 LB
    TO: FED-CAFR
    GATE: 08
    REMARKS: ADR 1.4


    CASA-KRY

    Es gab also mal wieder eine Ladung Feuerwerk für mich. Insofern machten sich die Endorsements für das Gefahrgut auf jeden Fall schon langsam bezahlt. FedEx Fresno war dann allerdings wirklich schon Routine. Die Strecke fuhr ich ja schon im Schlaf. Um viertel vor Eins machte ich mich dann auf den Weg zum Außenlager.
    Dort konnte ich dann auch sofort meinen Trailer mit dem Feuerwerk übernehmen. Ich hatte ja schon alles an Papierkram erledigt. Um viertel nach Eins hatte ich dann auch die PTI des Trailers abgeschlossen und ich machte mich auf den Weg nach Fresno.

    Es ging mal wieder durch die Stadt zur I5 in Richtung Süden. Der folgte ich dann mal wieder, bis ich Stockton erreichte. Dort kam dann auch der schon zur Routine gehörende Wechsel auf die CA99. Nun ging es mit Tempomat 55 weiter in Richtung Süden.
    Die CA99 verließ ich dann mal wieder bereits bei der Raffinerie. Dann ging es wieder parallel zur CA99 nach Fresno weiter. Um viertel nach Fünf erreichte ich dann die FedEx Niederlassung und gab meine Ankunft ins Tablet ein.
    Keela schien da aber schon drauf gewartet zu haben. Es dauerte nur ein paar wenige Sekunden, als meine Anschlussladung im Display des Tablets aufpoppte:

    PICKUP: CW-CAFR
    TRAILER: DV28757
    FREIGHT: FOODS
    WEIGHT: 31,000 LB
    TO: NM-CASA
    GATE: 08
    REMARKS: -----


    CASA-KRY

    Da meine Ladung Lebensmittel für den Neighborhood Market in Sacramento am Walmart Zentrallager, Fresno lag, brauchte ich hier schon mal nichts mehr abfordern. Ich meldete mich hier dann nur zur Anlieferung und konnte den Trailer dann auch sofort ans Dock setzen. Nachdem ich abgesattelt hatte, fuhr ich dann weiter zum Zentrallager. Dort bekam ich dann meinen Pup mit Lebensmitteln. Nach der Übernahme und der obligatorischen PTI konnte ich mich dann wieder auf den Weg nach Hause machen.

    Zuerst stand dann für mich aber die Pause an. Dazu fuhr ich dann mal wieder auf den Truckstop von Fresno. Ich stellte den Kenworth auf den Parkplatz und bot mit dem Pup dahinter für viele Kollegen bestimmt ein lustiges Bild. Die Zugmaschine war ja insgesamt fast länger, als der Trailer.
    Dann nahm ich mein Handy und rief Keela an. Zur Begrüßung kam dann auch ein: „Willst du mich jetzt während der Fahrt nerven?“ „Und ich dachte, du freust dich, wenn du mit mir sprichst.“ „Normal schon. Aber ich bin ja jetzt gerade auf die I80 abgebogen.“ „Dann geht’s doch. Dann kannst du doch jetzt entspannt bis nach Oakland rollen.“ „Eigentlich mache ich das ja nicht so gerne während der Fahrt.“ „Hast du dein Headset nicht an?“ „Klar, habe ich mein Headset an. Ich habe aber nicht die Routine, wie du.“ „Die Strecke nach Pacifica fährst du doch inzwischen sicher auch im Schlaf.“ „Schon.“ Außerdem hat dein Savana Automatik und Tempomat. Du brauchst noch nicht einmal schalten oder Gas geben.“ „Okay. Ich sag nichts mehr. Aber spätestens, wenn ich mich Oakland nähere, lege ich auf. Da wird mir das dann zu voll und zu unübersichtlich.“ „Okay mein Schatz.“ Wir telefonierten dann noch etwa eine halbe Stunde. Dann merkte ich, dass Keela langsam doch zu nervös wurde. Also legten wir dann auf. Anschließend ging ich dann noch gemütlich in den Truckstop und frühstückte dann erstmal in Ruhe.

    Um acht Uhr fuhr ich dann wieder weiter. Ich fuhr dann zurück auf die CA99 in Richtung Norden und machte mich dann gemütlich auf den Heimweg. Mit Tempomat 55 rollte ich dann immer weiter gen Norden. Die Fahrt verlief dann auch wieder ruhig und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Bei Stockton folgte dann mal wieder der Wechsel auf die I5 in Richtung Sacramento. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich in der Ferne die Skyline meiner Heimatstadt erblickte. Ich fuhr dann mal wieder Downtown von der Interstate und machte mich dann auf den Weg zum Neighborhood Market.
    Dort angekommen, meldete ich mich mal wieder beim Marktleiter. Es war dann mal wieder mein spezieller Freund, der stellvertretende Marktleiter da. Er diskutierte auch gar nicht mehr mit mir darüber, ob ich jetzt den Trailer mit den Altverpackungen mitnahm, oder nicht. Er unterschrieb mir einfach meine Papiere und sagte nur noch knapp: „Tor 1.“ Das hatte ich aber schon vorausgesetzt. Mit dem Pup war das aber auch kein Problem. Als ich dann zurück im Truck war, hatte ich dann auch meine nächste Anweisung im System stehen.

    10H BREAK


    CASA-CSA

    Charlie schickte mich also nach Hause, wo ich dann meine 10 Stunden Pause machen sollte. Ich stellte also noch schnell den Trailer an Tor 1 und sattelte ab. Dann machte ich mich mit meiner Zugmaschine auf den Weg zum Platz.
    Dort angekommen, stellte ich die Zugmaschine in die Halle. Dann schaltete ich die Systeme auf Pause. Im Logbuch Programm ging ich dann auf den Punkt Auswertung.
    Dort wurde mir dann angezeigt, dass ich heute bisher nur eine Fahrzeit von 8,75 Stunden erreicht hatte. Meine Schichtzeit lag aber bei knapp 12 Stunden. Es lag jetzt eben im Ermessen von Charlie, ob ich jetzt noch was machte, oder nicht. Offensichtlich war Charlie der Meinung, dass wir da mehr von hatten, wenn ich erst nach 10 Stunden Ruhezeit wieder fuhr.
    Meine Wochenstunden hatten sich aber schon wieder auf 58,25 Stunden hochsummiert. Ich durfte also bis zum Montag um 11:45 p.m. nur noch knapp 12 Stunden fahren. Am vergangenen Montag um diese Zeit hatte ich meine Woche begonnen. Die Vermutung lag also nah, dass ich am Montag irgendwo rumstehen würde und meine Zeit absitzen musste. Das hatte ich ja schonmal am 21. August, dem Tag der Sonnenfinsternis gehabt. So gesehen wäre mir jetzt ein Reset lieber gewesen. Den gönnte mir Charlie aber leider nicht.

    Während einer zehn Stunden Pause, in der ich auch noch schlafen sollte, machte es aber keinen Sinn nach Pacifica zu fahren. Ich packte also meine Schmutzwäsche zusammen und fuhr dann mit dem Ford nach Hause.
    Mom hatte sogar noch ein wenig mit dem Mittagessen auf mich gewartet. So konnte ich an diesem Samstagmittag sogar mit Mom und Dad zusammen Mittagessen.Am Nachmittag nutzte ich dann noch mal etwas unseren Swimmingpool. Anschließend ging ich dann ins Bett und schlief schon mal ein wenig.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    387 mal gelesen

Kommentare 33

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    infinity -

    Ein weiteres 1a Kapitel. Und mit der Motorradtour... Ich saß gedanklich sofort wieder auf meiner Suzuki und bin im Kopfkino die Tour mitgefahren :D

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      Sauerlaender -

      Mit einem Japaner im Amiland??? ;) Ich darf ja auch nichts sagen. Mein Spaßgerät ist im RL ja auch Made in Italy. :D

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      TurboStar -

      Hast Du was gegen Japaner in den USA? Dann wird Dir "meine" auch nicht gefallen...

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      infinity -

      Ja, ich glaube ich würde die auch in den USA der Harley vorziehen. Immerhin mit V2 :)

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    TurboStar -

    Und wieder ein schönes Kapitel.

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    manni_112 -

    Klasse Kapite, ich hinke wiedermal hinterher :D

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      Sauerlaender -

      Jetzt habe ich aber auch erstmal nichts mehr im Vorlauf. Ich muss das jetzt auch erst wieder rausfahren. ;)

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      manni_112 -

      ich versuch gerade auf die 1.28 zu kommen, mal gucken obs klappt

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      Sauerlaender -

      Da du ja Mods für Truck und Trailer verwendest, musst du mal schauen. Sind deine Mods denn schon angepasst?

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    Werner 1960 -

    Wieder klasse geschrieben und schön zu lesen.

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    alaskabaer01 -

    Schön geschrieben, beim Anfang hatte ich aber irgendwie ein Dejavue und weiss nicht warum. Na egal, war aber sehr schön das Kapitel.

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    loddi51 -

    Das geht ja rubbel die Katz mit den Kapiteln.

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      Sauerlaender -

      Im Moment läuft's einfach.

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      alaskabaer01 -

      Bei mir läuft im Moment nix, hab ETS2 auf die 1.28 gepatcht, aber hab keine passenden Mods die auch laufen. Scania schmiert das Spiel ab und der T will nicht starten.

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      Sauerlaender -

      Ich habe bei ETS2 letztenendes auch alles komplett runter geschmissen und neu angefangen. Das Ganze auch bis auf sehr wenige Ausnahmen auch nur mit Mods, die extra für 1.28 erstellt wurde. Ich habe im Moment auch nur eine Version ohne RusMap ans Laufen bekommen. Bei der RusMap schmiert mir ETS2 auch sofort ab. Beim Patch vom ATS auf 1.28 brauchte ich nur die alten Walmart Trailer und den Mack runterschmeißen. Das mit dem Mack war ja eh geplant.