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8. Hello Arizona und Viva Las Vegas

  • Sonntag, den 20. August 2017, 11:00 p.m. Pacific Standard Time:

    Meine Pause war dann recht früh wieder um. Ich musste mir dann wohl die Nacht um die Ohren schlagen. Entsprechend wenig hatte ich dann wieder geschlafen, da es im Sleeper einfach zu warm war. Um elf Uhr stand ich dann schon wieder auf und schaute, ob ich irgendwo eine Toilette und eine Waschgelegenheit fand. Dabei fand ich dann heraus, dass der Fahrerraum der Peterbilt Niederlassung geöffnet war. Dort gab es auch eine Toilette und sogar eine Dusche. Ich machte mich dann dort fertig und konnte anschließend gegen viertel vor Zwölf mit meiner PTI beginnen. Gegen Mitternacht hatte ich das dann soweit erledigt und konnte das Logbuch des Sonntags abschließen und das des Montags beginnen. Mit meiner Tour nach Arizona konnte ich dann ebenfalls beginnen.
    Ich fuhr mit dem Mack von dem Gelände des Händlers und kam dann wieder zurück auf die CA 58. Nun ging es wieder in Richtung Osten. Die Strecke kannte ich ja bis Barstow noch von der letzten Tour. Auch wenn das in der Nacht alles etwas anders wirkte. Es war auch nicht mehr wirklich viel los, so konnte ich dann ganz ruhig durch die Nacht rollen.
    Kurz vor Barstow wechselte ich dann wieder auf die Interstate 15. Dann ging es an Barstow vorbei. Nun begann für mich wieder Neuland. Kurz hinter Barstow begann dann die bekannte Interstate 40. Da die I15 weiter in Richtung Las Vegas führte, wechselte ich dann auf die I40, die mich dann nach Arizona führen sollte. Obwohl diese Straße eine der wichtigsten Ost – West Verbindungen in den USA ist, hielt sich der Verkehr in dieser Nacht in Grenzen. Ich konnte ganz entspannt fahren und bekam dabei schonmal ein wenig Long Hauler Feeling. Während der Morgendämmerung überquerte ich dann die Staatsgrenze nach Arizona.

    Nun war es auch nicht mehr weit, bis zu meinem Ziel. Schließlich erreichte ich dann die kleine Stadt, die aber trotz ihrer geringen Größe ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Hier trafen zum Beispiel die I40 und die Historische Route 66 aufeinander.
    Als ich dann das Zentrallager erreichte, hatte ich dann auch wirklich kaum noch Fahrzeit für die Woche über. Zu meinem Glück musste ich dann den Trailer auch noch wieder in die hinterste Ecke des Lagers setzen, wo sich eben die Müllpresse für die Altverpackungen befand. Anschließend meldete ich mich dann eben bei Charlie aus, der diese Woche wieder Frühschicht hatte. Dann fuhr ich mit meiner Zugmaschine in die kleine Stadt hinein. Schließlich fand ich dann quasi auf die letzte Minute das, was ich gesucht hatte. Ein Motel, wo ich dann meine Pause verbringen konnte.

    Ich parkte den Mack und erledigte meinen Papierkram. Dann suchte ich mir meine Sachen zusammen, die ich im Motel brauchte und buchte mir ein Zimmer. Dort legte ich mich dann aber erstmal ins Bett und schlief ein paar Stunden. Schließlich hatte ich noch etwas Nachholbedarf.

    Gegen Mittag stand ich dann aber erstmal auf. Nachdem ich mich mit einer Dusche wieder frischgemacht hatte, machte ich es mir erstmal im Zimmer gemütlich. Ich wollte ein paar Rechnungen schreiben und noch etwas im Internet surfen. Dabei hatte ich im Hintergrund den Fernseher laufen.
    Das Hauptthema in den meisten Programmen war an diesem Tag natürlich die Sonnenfinsternis, die heute einmal quer über die USA zog. Hier in Arizona war ich aber wohl viel zu weit südlich, um davon viel mitzubekommen. Dazu hätte ich selbst von mir zu Hause noch weiter in den Norden fahren müssen. Im Kernschatten lagen wir hier auf keinem Fall.Ich schrieb also meine Rechnungen fertig uns surfte anschließend noch etwas im Internet. Dabei schaute ich wieder nach Autos, fand aber nichts, was mir wirklich gefiel und dann noch bezahlbar war.
    In meinem Kenworth Account gab es auch noch nichts Neues. Es stand wohl immer noch die Lieferung von Zulieferteilen aus. Vielleicht war die Maschine auch einfach noch nicht an der Reihe. Da war es dann natürlich auch einfacher zu schreiben, dass noch Zulieferteile fehlten, als zu schreiben, es sind noch andere vor dir dran. Allerdings war die Bestellung ja auch noch nicht so lange her.
    Nebenher versuchte ich auch noch mehr über Keelas bevorzugte Hobbys herauszufinden. Ich schaute also mal auf Seiten, wo es um das Surfen ging. Auch bei Motorrädern machte ich mich etwas schlauer.

    Am Nachmittag klingelte dann mein Telefon und Danny war am Apparat. „Hallo Danny. Was kann ich denn für dich tun?“ „Ich brauche mal eine Info von dir. Bist du morgen früh wieder am Start, oder hattest du vor, deine Zeit zu resetten?“ „Ich glaube nicht, dass ich 35 Stunden in diesem Motel Zimmer verbringen möchte. Warum?“ „Die Kollegen, die die Einteilung für Kingman machen, haben mich gerade gefragt, ob du noch in der Nähe bist. Die haben morgen eine ganz eilige Fahrt, die zum Flughafen von Phoenix muss.“ „Ich wusste gar nicht, dass wir auch Luftfracht haben.“ „Das ist auch eher selten.“ „Wann soll das denn losgehen?“ „Morgen früh gegen halb Vier.“ „In Ordnung. Ich mache es.“ „Gut. Dann sei bitte so gegen halb Vier beim Außenlager.“ „Geht klar.“ „Darf ich dich eigentlich noch was Privates fragen?“ „Klar.“ „Es gehen hier Gerüchte um, dass du was mit Keela Ryan hast. Ist da was dran?“ „Und wenn?“ „Würde mich nur mal so interessieren.“ „Gerüchte halt. Es gehen ja auch Gerüchte um, dass du hinter Sheila Miller her bist.“ „Wer sagt denn sowas?“ „Wahrscheinlich die gleichen Leute, die das mit Keela Ryan und mir verbreiten.“ „Verstehe.“ „Dann weißt du ja Bescheid.“ „Man sagt aber immer, dass an jedem Gerücht auch ein bisschen was Wahres dran ist.“ „Also bist du hinter Sheila Miller her.“ „Äh, ja… …nein… …vielleicht. Das ist nicht ganz so einfach.“ „Kompliziert ist sowas immer.“ „Da sagst du was. Was ich damit aber sagen will. Wenn ihr was miteinander habt, dann passt aber auf, dass kein Verdacht aufkommt, dass Keela dich bevorzugen könnte. Das wäre nicht gut. Und Charlie und ich wollen nicht schon wieder jemanden Neues im Team.“ „Und wenn jemand den Verdacht äußert, ich würde bevorzugt, weil ich der Sohn vom Boss bin?“ „Wir passen schon auf, dass uns keiner was anhängen kann.“ „Ich denke mal, das macht Keela auch.“ „Also seid ihr nun zusammen?“ „Das habe ich nicht gesagt.“ „Keine Antwort ist auch eine Antwort.“ „Ich sage dir nichts, bevor du mir nicht erzählt hast, was mit dir und Sheila ist.“ „Da kommt gerade ein weiterer Anruf rein. Wir reden ein anderes Mal weiter.“ Schon legte er auf. Über diesen Anruf konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Fahrt nach Phoenix fand ich aber interessant.

    Bevor ich mich am Abend wieder hinlegte, telefonierte ich noch mit Keela. Ihr erzählte ich dann natürlich von dem Gespräch mit Danny. „Das war ein guter Schachzug, ihn dann im Gegenzug mit den Sheila Miller Gerüchten zu konfrontieren.“ „Ich hoffe es hat geholfen.“ „Das sollte ihn zumindest davon abhalten, weitere Gerüchte in die Welt zu setzen. Das Problem ist nur, wenn ich ihn jetzt noch darauf anspreche, weiß er, dass du mit mir darüber geredet hast.“ „Dann sagst du besser nichts, es sei denn er spricht dich selber darauf an.“ „Das mach ich.“ Wir wechselten das Thema. „Hast du eigentlich was von der Sonnenfinsternis mitbekommen?“ „Nur im Fernsehen. In Arizona bin ich viel zu weit im Süden.“ „Stimmt. Da wärst du besser in Oregon oder Washington gewesen.“ „Wie war es denn in Sacramento?“ „Wahrscheinlich noch etwas besser, als bei dir. Ich bin ja extra dafür rausgegangen. Hatte mir ja auch vorher schon so eine Brille geholt. War ganz cool. Wir hatten ja immerhin noch etwa 80 Prozent. Und wie war’s bei dir?“ „Ich hatte ja gar keine Brille dafür. Daher bin ich dann auch nicht raus. Dann ist das Risiko zu groß, dass man doch dahin schaut. Hier wurde es dann für ein paar Minuten recht dunkel und das war es dann. Die richtigen Bilder habe ich dann im Fernsehen gesehen.“ „Meine Eltern haben auch nicht viel mehr gesehen. Minnesota war wieder zu weit im Norden.“ „Stimmt. Ich muss mich jetzt aber leider langsam hinlegen. Gegen halb Vier soll ich von hier nach Phoenix aufbrechen.“ „Dann gute Fahrt. Und gute Nacht.“ Wir beendeten das Telefonat und ich legte mich langsam hin.

    Dienstag, den 22. August 2017, 2:15 a.m. Pacific Standard Time:

    Um halb Vier sollte ich beim Außenlager in Kingman sein, um viertel nach Zwei ging daher schon mein Wecker. Da ich mich am gestrigen Vormittag aber schon hingelegt hatte und dann ein paar Stunden geschlafen hatte, war ich jetzt wieder gut ausgeschlafen. Ich stand dann langsam auf und nutzte erstmal das Badezimmer. Toilette, Duschen, Zahnpflege und Rasur. Ich nahm dann heute das volle Programm. Wer weiß wo ich die nächsten Nächte wieder verbringen würde. Nachdem ich dann wieder frisch und sauber aus dem Bad kam, packte ich schnell meine Sachen zusammen und checkte aus dem Motel aus.
    Um drei Uhr früh begann ich dann auf dem Parkplatz damit, leise meine PTI zu machen. Anschließend begann ich, mein Logbuch zu führen. Um viertel nach drei fuhr ich dann zum Außenlager. Dort wurde ich schon erwartet. Meine Ladung war zum Glück bereits fertig. Man hatte die Haushaltswaren in einen Pup geladen. Das war mir ganz recht. Mit den kleinen Trailern kam man auch problemlos um die engsten Ecken. Ich kannte die Strecke ja nicht.
    Ich sattelte den Trailer auf und machte die PTI. Anaschließend rief ich mal eben meine Dispatch an. „Gutem Morgen, Marc.“ Begrüßte mich Keela, die ja jetzt Nachtschicht hatte. „Hallo mein Schatz. Ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass ich pünktlich in Kingman loskomme. Der Flieger braucht also nicht auf mich zu warten.“ „Das ist ja schon mal was.“ Sagte sie. „Kam eigentlich noch was von Danny?“ „Was glaubst du denn? Danny ist ja sehr neugierig. Charlie wird das egal sein, was die Kollegen reden. Aber Danny ist immer für den neusten Tratsch zu haben.“ „Und?“ „Mir ist nichts Besseres eingefallen, als ihn dann auch auf Sheila Miller anzusprechen. Das war ihm dann aber sehr unangenehm. Es ist wohl noch was Anderes, ob er von einem Mann oder einer Frau darauf angehauen wird.“ „Und?“ „Er hat dann ein bisschen rumgedruckst und dann das Thema gewechselt.“ „Gut gemacht.“ „Ich überlege schon, ob ich nachher die Miller mal anquatsche. Ach, blöd, die sehe ich ja gar nicht, wenn ich Nachtschicht habe.“ „Ist vielleicht besser so.“ „Gut. Dann sieh du mal zu, dass du nach Phoenix kommst.“ „Okay. Wann sollen wir denn telefonieren?“ „Keine Ahnung. Wenn ich zu Hause ankomme, dann werde ich wohl recht bald im Bett verschwunden sein." „Wie lange schläfst du dann?“ „Weiß nicht. Schreib mir mal eine WhatsApp, wenn du stehst und wenn du weißt, wann du dann schläfst.“ „Okay.“ Wir legten auf und ich machte mich auf den Weg.

    Ich fuhr dann wieder zur Interstate 40, die ich dann schnell erreicht hatte. Dort ging es in östlicher Richtung drauf. Dann ging es erstmal für die nächste Zeit durch die karge, hügelige Landschaft. In der Nacht fiel das aber kaum auf.
    Was mir dann aber schnell auffiel, war, dass ich Probleme mit meinem Getriebe bekam. Die Schaltstufe Acht, groß, die ich ja nur außerhalb von Kalifornien brauchte, wollte partout nicht hineingehen. Ich versuchte alles Mögliche. Gas geben, Gas wegnehmen, sogar kuppeln und doppelkuppeln. Ich bekam sämtliche Gangstufen hinein, nur eben Acht, groß nicht. Manchmal knarzte es im Getriebe, als versuchte es, den Gang zu finden, trotzdem tat sich dann nichts. Langsam begann ich dann auch vor mich hinzuschimpfen. Aber auch das änderte natürlich nichts an dem Ergebnis.
    Es änderte sich auch nichts an dem Ergebnis, bis ich das kleine Städtchen Ash Fork erreichte. Hier musste ich dann sowieso von der I40 runter und auf die Arizona State Route 89 wechseln. Auf dieser Straße herrschte dann aber ein Tempolimit von 55 Meilen, so dass ich hier gar nicht in die Verlegenheit kam, den Gang zu gebrauchen. Die Strecke war dann sowieso recht hügelig, so dass ich keine Möglichkeit mehr hatte, das weiter auszuprobieren. Der AZ 89 folgte ich dann bis Prescott, wo ich dann erst der AZ 69 und dann der AZ 169 in Richtung Camp Verde weiter folgte.
    Bevor ich dann aber nach Camp Verde kam, erreichte ich dann schon die Interstate 17, die mich dann ich südlicher Richtung nach Phoenix bringen sollte. Auf der Interstate, die dann aber auch noch recht hügelig war, konnte ich dann wieder versuchen, die größte Schaltstufe einzulegen. Es gelang mir dann aber weiterhin nicht. Irgendwie musste das wohl daran liegen, dass ich sie zu selten brauchte. Obwohl sie ja letzte Woche in Nevada noch funktioniert hatte.
    Beim anbrechenden Morgen ging es dann eben mir einem Gang weniger auf die Hauptstadt Arizonas zu. Der Verkehr lief dann auch recht gut. Er wurde dann auch erst im Raum Phoenix dichter. Schließlich erreichte ich den Bereich, wo sich die Interstate 10 und die Interstate 17 treffen. Dort hatte man eines der berüchtigten amerikanischen Autobahnkreuzen hingesetzt, die durch zahlreiche Brücken recht unübersichtlich wirkten.

    Kurz darauf konnte ich dann aber auch von der Interstate herunter. Dann ging es über verschiedene Zubringer zum Phoenix Sky Harbor International Airport. Dort musste ich dann mit meiner Ladung auch hin. Als ich bei der Anmeldung ankam, nahm ich aber mein Telefon und telefonierte zuerst mit Charlie. „Hallo Marc, bist du schon in Phoenix?“ „Ich bin gerade am Flughafen angekommen. Bevor ich mich da jetzt anmelde, wollte ich wissen, ob ich dort auch wieder was bekomme, oder ob es nur bei der Anlieferung bleibt.“ „Du bekommst dort auch direkt wieder was. Dann müssen die Kollegen nur noch mal dort hin, um den leeren Trailer wieder abzuholen. Außerdem haben wir so gleich einen Anschluss.“ „Okay. Was bekomme ich denn?“ Charlie gab mir erstmal einen Wust von Nummern durch, die ich angeblich alle brauchte. Flugnummer, Carrier Nummer, Frachtnummer, Auftragsnummer und so weiter. Es sollte sich dann wohl um eine Ladung Heimtextilien handeln, die aus Europa gekommen war. Zum Glück war dann das Ladungsgewicht nicht allzu hoch. Es sollte dann zwar genauso im Cargo Center sein, wo auch meine Anlieferung war, aber bei einem anderen Carrier, da die Europäer wohl nicht mit unseren Logistikern gearbeitet hatten, sondern mit einem Anderen. „Ich frage mich dann mal durch.“ Sagte ich und wir legten auf. Dann ging ich zur Anmeldung.
    Meine Anlieferung wurde bereits erwartet und war auch schon bei der Anmeldung avisiert. Das war schon mal gut. Für die Abholung brauchte ich mich dann aber nur bei einem Abfertigungsbüro, eine Halle weiter melden. Das ging dann besser, als ich befürchtet hatte. Nach einem kurzen Sicherheitscheck, bei dem meine persönlichen Daten überprüft wurden, durfte ich dann auch auf das Flughafengelände.
    Ich fuhr zuerst zu der Anlieferungshalle. Dort ging dann auch alles recht schnell. Man erwartete mich ja bereits. Man unterschrieb mir meine Papiere und ich konnte den Trailer an ein Dock ansetzen und absatteln. Danach fuhr ich dann eine Halle weiter, wo ich meine Abholung bekommen sollte. Auch dort lief dann aber alles ohne Probleme. Ich brauchte dann auch nur die Hälfte der Nummern, die ich von Charlie bekommen hatte. Ein Trailer war dann auch schon für mich beladen worden.
    Als ich dann aber zum Tor fuhr und den Trailer sah, stellten sich mir zuerst alle Nackenhaare hoch. Ich hatte ja meine Ausbildung bei UPS gemacht. Daher war ich natürlich sehr auf die braunen Paketdienstleister eingeschossen. Daher machte es mir auch nie was, wenn ich mal wieder einen braunen Reefer aufsatteln musste. Mit FedEx, unserem zweiten Logistiker konnte ich auch noch so einigermaßen leben. Immerhin musste ich dort ja öfter mal hin und was abholen oder hinbringen. Außerdem machte meine Schwester dort ihre Ausbildung. Nun sollte ich aber einen Trailer des großen gelben deutschen Logistikers übernehmen. „DHL, das geht ja mal gar nicht.“ War dann auch mein erster Gedanke. Es blieb mir dann aber nichts anderes übrig, als den Trailer mitzunehmen. Dann merkte ich noch, dass mir Charlie den Bestimmungsort gar nicht genannt hatte. Es sollte nach Page, Arizona gehen.
    Ich telefonierte dann doch noch mal mit Charlie. „Hast du dich da vertan, oder haben die mir die falschen Sachen gegeben?“ „Wieso?“ fragte Charlie. „Hier steht was von Page, Arizona auf den Papieren.“ „Das hat schon seine Richtigkeit.“ „Ich dachte, langsam käme ich mal wieder nach Kalifornien.“ „Ich denke, du willst Long Hauler werden. Da musst du mit solchen Sachen rechnen.“ „Na gut. Aber dann auch noch mit einem Trailer von dem großen, gelben Logistiker aus Deutschland.“ „Die hat der Absender genommen. Da können wir auch nichts für.“ „Na gut. Wenn das nicht die Regel wird.“ „Bestimmt nicht.“ „Okay.“ Nachdem ich alles geklärt hatte, fuhr ich dann aus dem Flughafengelände und machte in der Nähe erstmal meine Pause. Ich musste jetzt erstmal was essen. Mit Keela brauchte ich jetzt sowieso nicht sprechen, die war gerade im Land der Träume.

    Nachdem ich mich dann gestärkt hatte, machte ich mich dann auf den Weg in den Norden von Arizona. Dazu musste ich aber zuerst mal wieder zur Interstate 17 zurückfahren. Ich fuhr also wieder los und sah zu, dass ich aus dem Flughafengelände rauskam.
    Nun ging es wieder durch einige Straßen von Phoenix. Dabei fielen mir die merkwürdigen Tempolimits auf, die wohl hier in Arizona herrschten. Auf vielen Straßen in den Ortschaften durfte wohl nur 25 Meilen gefahren werden. Das entsprach gerademal etwa 40 Km/h. Gerade hier in Phoenix galten aber wohl fast an jeder Straße wieder andere Limits. Es gab Straßen, wo man dann doch 30 fahren durfte, wie bei uns in Kalifornien. An machen Straßen war dann sogar 40, was dann 64 Km/h entsprach. Man musste also immer gut auf die Schilder achten, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, ein Bußgeld zahlen zu müssen.
    Schließlich erreichte ich dann die Interstate 17. Nun konnte ich wieder in Richtung Norden auffahren. Nachdem ich dann wieder aus dem Raum Phoenix heraus war, durfte ich wieder 75 Meilen fahren. Meine Hoffnung, dass sich das Problem, was das Schalten in den höchsten Gang verhindert hatte, wieder erledigt hatte, bestätigte sich aber leider nicht. Ich hatte immer noch keine Chance den Gang einzulegen. Ich brauchte wohl eine Werkstatt. Nun stellte ich mir die Frage, ob sich das bei dem Mack überhaupt noch lohnen würde. Es könnte sich ja maximal noch um ein paar Wochen handeln, die ich den Mach noch im täglichen Einsatz hatte. Den Großteil davon würde ich vermutlich in Kalifornien verbringen, wo ich den Gang eh nicht brauchte. Ich ging jetzt also einfach mal davon aus, dass sich die Instandsetzung nicht lohnen würde. Zumal man an das Getriebe immer sehr schlecht drankam. Das würde dann nur die Reparatur verteuern. In den Bergen, durch die ich jetzt gerade fuhr, kam ich sowieso besser im Acht, klein die Berge rauf und zum Bergabfahren machte es auch Sinn, die Motorbremse bei höheren Drehzahlen zu nutzen. Nur der Verbrauch würde dann hier natürlich steigen. Außerdem musste ich in den Bergen dann die Temperatur im Auge behalten.

    Ich durchquerte dann die Berge und hielt mich immer in Richtung Flagstaff, wo die Interstate 17 dann auf die Interstate 40 treffen würde. Von dort aus würde meine Strecke dann sowieso über eine US Route weiterführen. Da ich dann aber nicht wusste, wie die Parkmöglichkeiten auf dieser Strecke waren, entschied ich mich dann dafür, in Flagstaff stehen zu bleiben. Es war dann auch schon zwei Uhr durch, als ich dort ankam. Durch die Probleme mit dem Getriebe hatte ich mich heute auch geärgert und daher hatte ich sowieso keine Lust mehr. Ich fuhr dann also auf einen Truckstop, am Rande der Stadt und machte dort Feierabend.
    Dort ging ich dann erstmal duschen. Nachdem ich das erledigt hatte, nahm ich mir meinen Laptop und suchte mir einen gemütlichen Platz im Truckstop. Dort bestellte ich mir was zu Essen und surfte nach dem Essen noch ein wenig im Netz. Schließlich telefonierte ich noch etwas mit Mom und Keela. Dann machte ich es mir im Truck gemütlich und legte mich zeitig in die Koje.

    Dienstag, den 22. August 2017, 11:30 p.m. Pacific Standard Time:

    Zum ersten Mal hatte ich in dieser Pause etwas gemacht, was früher in den Vereinigten Staaten üblich gewesen war, was aber inzwischen immer weniger wurde. Ich hatte während der Pause meinen Motor laufen lassen. Ich war ja im Moment nicht in Kalifornien, wo mir das gesetzlich verboten war, sondern in Arizona, wo es solche Einschränkungen nicht gab. Der Vorteil des Laufenlassens des Motors war dann die, dank Klimaanlage angenehme Temperatur im Fahrzeug. Der Nachteil war, dass der alte V8 des Mack nicht ganz leise im Innenraum war und, aufgrund der hohen bewegten Massen auch mit stärkeren Vibrationen arbeitete. Trotzdem hatte ich dann einigermaßen gut geschlafen. Als ich dann gegen halb Zwölf wieder aufstand, hatte ich zwar wieder leichte Rückenprobleme, ich war aber einigermaßen erholt.
    Nach einer Dusche und einem großen Kaffee in dem Truckstop begann ich dann um viertel nach Zwölf mit der PTI. Wir hatten also inzwischen Mittwoch. Um halb Eins machte ich mich dann auf den Weg nach Page.

    Über die US Route 89 ging es also nun in Richtung Norden. Auf dieser Strecke war in der Nacht nicht allzu viel los. So konnte ich ungehindert fahren. Der größte Gang ließ sich immer noch nicht einlegen, aber bei einem Tempolimit, was auf dieser Strecke weitgehend bei 65 Meilen lag, ließ sich das noch ertragen. Gegen viertel nach Drei erreichte ich dann die Ortschaft, die ganz im Norden Arizonas, in der Nähe des Lake Powell lag.
    Als ich am Außenlager angekommen war, rief ich dann erst kurz in der Dispatch, bei Keela an. „Hallo Marc. Na wie ist es in Arizona?“ „Dunkel. Ist ja erst viertel nach drei.“ „Scherzkeks.“ „Was soll ich sonst sagen? So viel sehe ich im Dunkeln von der Landschaft ja auch nicht.“ „Dann brauchst du auch keinen Umweg am Grand Canyon vorbei machen. Der liegt ja auch im Dunkeln.“ „Stimmt wohl.“ „Dann kannst du direkt einen 56 Fuß Dry Van mit 25.500 lb Haushaltsgeräten abfordern. Die Ladung soll zu Best Buy nach Las Vegas.“ „Oh. Viva Las Vegas.“ „Die Ladung muss da heute noch hin.“ „Das sollte machbar sein.“ „Laut Rechner schon.“ „Dann sehe ich mal zu.“ Wir beendeten das Telefonat und ich meldete mich an. Dabei forderte ich dann auch gleich die Ladung für Las Vegas ab.
    Der DHL Trailer musste dann leider mal wieder hinten in die letzte Ecke. Normal kamen da ja meistens die Trailer mit den Altverpackungen hin. Heute mussten dort aber wohl die Heimtextilen entladen werden. Da es noch dunkel war, dauerte es dann auch seine Zeit, bis ich den Trailer vernünftig über den rechten Spiegel an die Rampe gesetzt hatte. Nun konnte ich nach vorne Fahren und an Tor 4 meinen Dry Van übernehmen, der dann nach Las Vegas sollte. Endlich hatte ich dann wieder Walmart Werbung dahinter und nicht mehr diesen gelben Trailer. Ich erledigte dann noch die PTI und fuhr dann um viertel vor Vier wieder vom Hof.
    Obwohl es meiner Meinung nach kürzer hätte sein müssen, zur Interstate 15 rüberzufahren, um von dort aus nach Las Vegas zu gelangen, gab mir das Navi die Strecke über Flagstaff und Kingman vor. Vielleicht war auf der kürzeren Strecke irgendwas nicht für schwere Trucks geeignet. Bevor ich dann unnötige Zeit verlor und dann schließlich irgendwo im Nirgendwo vor einer Brücke stehe, die nicht zu passieren ist, fahre ich dann doch besser die vorgeschlagene Strecke. Wer weiß, was für Querungen über den Colorado River auf der Nördlichen Route im Weg waren.
    Also ging es dann erstmal zurück in Richtung Flagstaff. Die Strecke durch das Land der Navajo Indianer hatte ich ja auf dem Hinweg schon gefahren. Auch jetzt war noch nicht viel mehr Verkehr, als auf dem Hinweg. Während der Fahrt nach Flagstaff ging dann die Tankleuchte an. Da ich den Tankgebern des alten Trucks dann auch nicht so richtig traute, wollte ich dann nicht mehr allzu weit fahren. Ich wusste ja auch nicht, wie lang die Ansaugrohre in den Tanks waren.
    An einem kleinen Kaff namens Cameron, wo die AZ 64 zum Grand Canyon abgeht, war dann eine kleine Tankstelle namens Speedy’s Truckstop. Dort füllte ich dann meine Tanks wieder. Nach dem Tanken war es dann viertel vor Sechs. Das war eine gute Zeit für die Pause. Ich fuhr auf den staubigen Platz hinter der Tankstelle, der dann der Parkplatz von Speedy’s Truckstop sein sollte.

    Dort schrieb ich Keela eine WhatsApp, dass ich jetzt meine Pause machen würde. Sie hatte ja in ein paar Minuten Feierabend. Dann könnten wir ja kurz telefonieren. Ich machte mir dann aus meinen Vorräten ein kleines Frühstück und wartete dann auf den Anruf.
    Der kam dann, wie erwartet um kurz nach Sechs. „Hallo mein Schatz.“ Begrüßte ich sie gutgelaunt. „Hallo. Jetzt stehe ich mal wieder neben meinem Bike und muss mit dir telefonieren.“ Beschwerte sie sich. „Du musst gar nicht. Ich dachte, du möchtest.“ „Möchte ich ja auch. Das ist eben nur wieder doof.“ „Fängt Charlie eigentlich auch an, sich an den Spekulationen zu beteiligen?“ „Mir gegenüber auf jeden Fall nicht. Ich sagte ja er ist nicht der Typ dafür.“ „Dann geht es ja. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir das nicht lange geheim halten können.“ „Das glaube ich auch langsam.“ „Dann werde ich, wenn ich irgendwann mal wieder nach Hause kommen darf, mal vorsichtig meinen Dad interviewen.“ „Wie willst du das anstellen?“ „Indem ich ihn vorsichtig frage, was er eigentlich von meinen Dispatchern hält.“ „Da kommt ja dann eher eine berufliche Einschätzung bei rum.“ „Lass mich mal machen. Ich kenne meinen Dad. Ich weiß schon, wie ich fragen muss, damit er auch seine Menschliche Einschätzung äußert.“ „Gut. Er kann mich ja nett und sympathisch finden und trotzdem glauben, dass ich nicht die Richtige für seinen Sohn bin.“ „Ich sag ja. Ich weiß schon, wie ich das mache.“ „Dann mach mal.“ „Welche Strecke hat eigentlich euer Computer für mich angezeigt?“ „Von Page nach Vegas?“ „Genau.“ „Ich meine über Flagstaff und Kingman.“ „Dann ist ja gut. Wenn ich nur im Straßenatlas schaue, wäre eine nördliche Strecke besser gewesen, das Navi sagt mir aber auch die Strecke über Kingman.“ „Dann solltest du auf dein Navi hören.“ „Mache ich ja. Ich bin ja schon fast wieder in Flagstaff.“ „Wann kannst du weiterfahren?“ „Moment… …genau jetzt.“ „Gut. Dann telefonieren wir nachher, wenn ich aus dem Bett gekommen bin. Ich will jetzt erstmal nach Hause.“ „Dann bis nachher.“ Wir legten auf und ich machte mich wieder auf den Weg.

    Es dauerte dann wirklich nicht mehr allzu lange, bis ich dann Flagstaff erreichte. Etwa eine Stunde war ich dann erst wieder gefahren. Nun kam ich hier aber genau zur Zeit des Berufsverkehrs durch. Daher dauerte es dann auch etwas, bis ich Flagstaff dann passiert hatte. Die Ampeln in dem Ort hielten mich einfach auf. Nun kam ich aber auf die I40. Dort lief der Verkehr dann wieder einwandfrei. Trotz des fehlenden großen Gangs fuhr ich dann etwa 70. Dabei war es dann zwar recht laut in der Kabine, mir bleib aber nichts anderes übrig, wenn ich den Zeitplan halten sollte.
    In der Dispatch hatte man mir am Anfang mal erklärt, dass der Computer, der die Dispatcher bei der Planung unterstützte von gewissen Geschwindigkeiten ausging, die der Truck fahren würde. Das war dann in Kalifornien auf den Highways natürlich 55 Meilen in der Stunde. Außerhalb Kaliforniens, wo man eben schneller fahren durfte, war ein Tempo von 65 Meilen veranschlagt worden. Das war dann unabhängig davon, ob man 65 oder 80 fahren durfte. Es gab auch eine Empfehlung von Walmart Transportation an die Subunternehmer, die Trucks bei 66 Meilen in der Stunde zu begrenzen. Die eigenen Trucks wurden ab Werk so eingestellt. Da ich mit dem alten Truck natürlich in den Bergen ein gewisses Defizit hatte, schließlich hatte ich 100 PS weniger, als die modernen Freightliner von Walmart, musste ich das dann in der Endgeschwindigkeit wieder ausgleichen. Ob ich dann den neuen Kenworth begrenzen lassen wollte, wusste ich noch nicht. Ich hatte ihn auf jeden Fall erstmal ohne Begrenzer geordert.

    Gegen viertel vor Zehn erreichte ich dann Kingman. Nun ging es von der I40 wieder runter. Über die US Route 93 sollte es nun nach Nevada gehen. Allzu weit war die Strecke dann auch nicht mehr. Zumal die Strecke sehr gut ausgebaut war. Las Vegas war nun mal ein beliebtes Ziel, genau wie der Lake Mead kurz vorher. So konnte ich auch hier mit einem guten Tempo fahren. Mein Ziel in Vegas würde ich also heute ohne Probleme erreichen können. Als ich dann die Staatsgrenze zu Nevada erreichte, konnte ich dann dabei vom LKW aus einen schönen Blick auf den Hoover Damm werfen.

    Nun dauerte es wirklich nicht mehr lange, bis die berühmten Gebäude von Las Vegas vor mir auftauchten. Die Stadt war selbst am Tage schon sehr eindrucksvoll, auch wenn die Skyline in der Nacht mit den tausenden von Lichtern mit Sicherheit um ein Vielfaches schöner war.
    Zum Glück kam ich so genau von der richtigen Seite nach Las Vegas hinein. Ich brauchte also nicht erst durch die ganze Stadt fahren, um mein Ziel zu erreichen. Gegen viertel vor Zwölf erreichte ich dann das Lager von Best Buy.
    Wie immer rief ich dann, bevor ich mich anmeldete kurz in der Dispatch an. „Hallo Marc.“ Wurde ich von Charlie begrüßt. Du bist in Vegas?“ „Bin ich.“ „Gut. Von dort aus bekomme ich dich dann mal wieder nach Kalifornien.“ „Klingt gut.“ „Was sagt deine Fahrzeit?“ „Etwas über eine Stunde.“ „Das sollte reichen. Du fährst im Anschluss zu UPS, Las Vegas.“ Es folgte die Adresse. „Dort bekommst du einen Reefer mit Käse für das Zentrallager in Oxnard.“ „Okay.“ „Kennst du das Lager in Vegas?“ „Nicht persönlich. Ich kenne ein, zwei Leute davon vom Telefon, das wars.“ „Ich dachte, weil du ja von UPS kommst.“ „Da war ich aber nie persönlich. Ich kenne halt nur die Kollegen vom Telefon.“ „Gut. Danach suchst du dir einen Platz für den Feierabend. Verzock aber nicht dein ganzes Geld.“ „Ich wollte möglichst aus Vegas noch raus. Vielleicht komme ich noch nach Primm.“ „Das könnte klappen.“ „Dann bis morgen.“ „Mach‘s gut.“
    Ich stieg aus und meldete mich an. Ob es dann Schikane war, oder nur damit man den Walmart Trailer nicht an der Rampe sah, weiß ich nicht, auf jeden Fall musste der Trailer mal wieder in die hinterste Ecke rangiert werden. Inzwischen hatte ich aber schon etwas Routine im Rangieren und bekam es gut hin. In der Nacht fand ich es immer noch etwas schwierig, am Tage war es aber in der Regel kein Problem.
    Nachdem ich dann abgesattelt hatte, konnte ich dann zu UPS fahren, die dann zum Glück in der gleichen Gegend von Las Vegas waren. So erreichte ich das Lager innerhalb einer Viertelstunde. Die Zeit, bis ich dann aber mit dem Reefer wieder vom Hof fahren konnte, war dann doppelt so lange. Ich musste halt noch eine Viertelstunde auf meine Papiere warten. Dann aufsatteln und PTI, schon war ich eine halbe Stunde bei UPS.
    Mit einem 48 Fuß Trailer und 29.500 lb hatte ich dann noch eine angenehme Ladung erwischt. Nun musste ich zusehen, dass ich durch Vegas zur I15 kam, dann hatte ich schon fast Feierabend. Bei der Fahrt zur Interstate konnte ich dann noch ein wenig Sightseeing machen.

    Schließlich hatte ich die I15 erreicht. Dann ging es mit Tempo 70 in Richtung Kalifornien. Quasi mit meiner letzten Minute Fahrzeit kam ich dann am Flying J Truckstop in Primm an. Um halb Zwei stellte ich dann hier den Truck auf den Parkplatz. Dann freute ich mich auf eine Dusche und ein schönes Mittagessen. Zurück im Truck genoss ich dann noch mal den Vorteil, nicht in Kalifornien zu sein und startete den Motor, um mit der Klimaanlage wieder eine angenehme Temperatur in der Kabine zu bekommen. Dann Telefonierte ich mit Mom und später noch mit Keela. Schließlich legte ich mich zum Schlafen hin.

    Mittwoch, den 23. August 2017, 11:15 p.m., Pacific Standard Time:

    Ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt, zu schlafen, wenn der Mack lief. Der Reefer störte mich ja schon länger nicht mehr. Da die Temperatur dann recht angenehm im Truck waren, konnte ich dann recht gut schlafen. Nur die durchgelegene Koje störte mich dabei noch. Da werde ich aber mit leben müssen, bis der Neue endlich da war. Am Abend um viertel nach Elf klingelte dann aber schon wieder mein Wecker. Leider musste ich schon wieder arbeiten. Ich reservierte mir noch schnell eine Dusche und ging dann in den Truckstop. Nach der Dusche und dem anschließenden Kaffee fühlte ich mich dann wieder fit genug, um weiterzufahren. Um Mitternacht begann ich dann mit meiner PTI.
    Eine Viertelstunde später ging es dann wieder on the Road. Dann ging es zurück auf die Interstate 15. Ich hatte meine Reisegeschwindigkeit noch nicht erreicht, als sich mein Navi meldete: „Crossing border – entering California“ Ich hatte also meinen Heimatstaat wieder erreicht. Für mein Tempolimit hieß es dann wieder maximal 55. Das war mir aber in diesem Fall recht. So brauchte ich dann den defekten Gang nicht mehr. Es lief dann sehr entspannt durch die Nacht. Ich konnte gut durchfahren. Das Einzige, was meinen Vorwärtsdrang manchmal bremste, waren dann die zahlreichen Hügel, die es zu überwinden galt.
    Bei Barstow musste ich mich dann zusammenreißen, um nicht in Richtung Bakersfield auf die CA58 abzubiegen. Das wäre in diesem Fall nur ein Umweg für mich. Ich blieb auf der Interstate 15, bis sie dann auf die Interstate 10 mündete. Dort ging es dann über die I10 in Richtung Downtown Los Angeles weiter.
    Bei LA wechselte ich dann auf die Interstate 5 in Richtung Norden. Dort blieb ich dann auch nicht lange, da ich etwas später auf die Route 101 wechselte, die nach Oxnard führte. Da ich dieses Mal auch direkt nach Oxnard wollte, machte es dann auch Sinn, diesen Weg zu wählen.
    Es ging dann erst noch durch diverse Vororte von Los Angeles. Nachdem ich diese dann hinter mir gelassen habe, kam dann noch eine Rest Area an der Route 101. Diese nutzte ich dann für meine kurze Pause.

    Da es inzwischen kurz vor Sieben war, vermutete ich, dass Keela schon zu Hause sein könnte. Ich schrieb ihr eine WhatsApp, dass ich jetzt meine Pause machen würde und gerne mit ihr telefonieren könnte. Es dauerte dann keine zwei Minuten, dann klingelte das Telefon. Unser Telefonat dauerte dann auch die ganze Pause. Gegen halb Acht machte ich mich dann aber wieder auf den Weg.

    Ich hatte es jetzt auch nicht mehr allzu weit bis nach Oxnard. So dauerte es dann nur noch etwas über eine halbe Stunde, bis ich an dem Zentrallager stand.
    Zuerst folgte dann wieder das Telefonat mit Charlie. „Du brauchst am Zentrallager, Oxnard quasi nur umsatteln. Dort bekommst du dann einen 56 Fuß Reefer mit einer Ladung Kühl Ware für den Neighborhood Market in Sacramento.“ „Oh, ich darf mal wieder nach Hause.“ „Du solltest am Wochenende mal deine Zeiten wieder resetten. Daher macht das Sinn, wenn du wieder in unsere Richtung kommst. Ob das allerdings bereits nach dieser Tour dein Wochenende wird, weiß ich noch nicht. Das wird dann wahrscheinlich Keela in der nächsten Nacht entscheiden. Je nachdem, wie sie die Ladungen wegbekommt.“ „Dann lass ich mich mal überraschen.“ „Mach das.“ Wir legten auf und ich meldete mich im Büro.
    Da beide Trailer was mit dem Kühllager zu tun hatten, konnte ich dann sogar an der gleichen Seite aufsatteln, wo ich auch absatteln musste. Den Trailer aus Vegas sollte ich an Tor 5 ansetzen und mein nächster Trailer stand an Tor 8. Auch die Farbe des Trailers änderte sich nicht. Beide waren UPS braun. Nur der Trailer, den ich jetzt bekam, hatte Walmart Werbung. Nach dem Umsatteln und der Obligatorischen PTI fuhr ich dann um halb Neun in Richtung Heimat los.

    Jetzt nahm ich auch wieder den bekannten Weg über die CA 126 zur Interstate 5. Nun folgte ich mal wieder der Interstate in Richtung Norden. Die restliche Fahrt des Tages verlief dann ohne nennenswerte Vorkommnisse. Noch nicht einmal die Waage bei Bakersfield auf der I5 hatte geöffnet. An der kurz darauffolgenden Rastanlage machte ich dann für den heutigen Tag Feierabend. Da ich immer noch Rückenprobleme hatte und ich hier ja auch keine Möglichkeit hatte, den Motor laufen zu lassen, entschied ich mich mal wieder für das Anmieten eines Motel Zimmers. Ich nahm dann noch den Laptop mit in mein Zimmer um noch weitere Rechnungen zu schreiben. Dann telefonierte ich noch mit Mom. Anschließend ging ich dann recht zeitig schlafen. Die nächste Schicht würde ja wieder mal mitten in der Nacht starten.

    Donnerstag, den 24. August 2017, 11:15 p.m. Pacific Standard Time:

    Ich hatte mal wieder sehr gut geschlafen. Das Bett in dem Motel war auf jeden Fall besser, als die Koje im Mack. Leider war meine Nachtruhe dann wieder mal viel zu früh um. Ich stand auf und duschte und rasierte mich. Anschließend checkte ich aus. Dann holte ich mir noch einen Kaffee an der Tankstelle des Rasthofs und ging dann zum Mack. Um Mitternacht begann ich dann wieder mit der PTI.
    Eine Viertelstunde später ging es dann zurück auf die Interstate 5. Ich hatte gute Laune, denn ich fuhr Keela entgegen. Wahrscheinlich würden wir uns heute früh kurz sehen. Entsprechend hoch war dann auch meine Motivation. So ging die Nacht auf der Interstate fast wie im Flug vorbei und ich kam dann kurz nach Vier in Sacramento an.
    Als ich dann am Neighborhood Market ankam, konnte ich mir dann die Rampe aussuchen, da alles frei war. Es stand noch kein anderer Trailer hier. Ich nahm dann die zweite Rampe und setzte den Trailer ans Dock.
    Nach dem Absatteln konnte ich dann mit Keela telefonieren. „Hallo Marc, schön, dass du anrufst. Wie sieht’s bei dir aus?“ meldete sie sich geschäftsmäßig. „Gut sieht’s aus. Habe gerade am Neighborhood Market abgesattelt.“ „Leider muss ich dich noch mal rausschicken. Ich brauche nämlich jemanden, der Gefahrgut fahren darf.“ „Gibt es mal wieder Feuerwerk zu fahren?“ „Genau. Von unserem Außenlager zu FedEx nach Oxnard. Du kannst aber auf dem Weg bei mir vorbeikommen, dann bringe ich dir die Papiere eben raus.“ „In Ordnung. Bin in zehn Minuten da.“ „Okay. Ich komme dann raus.“ Ich startete den Mack und machte mich auf den Weg zum Zentrallager. Dort kam ich dann ein paar Minuten später an.
    Kurz darauf kam Keela aus dem Büro. Sie lief auf mich zu und fiel mir um den Hals. „Ich habe dich soo sehr vermisst.“ Sagte sie und gab mir einen langen Kuss. Als ich wieder sprechen konnte sagte ich zu ihr: „Du wirst unvorsichtig.“ „Ich weiß, aber ich konnte nicht mehr klar denken. Ich musste das einfach machen.“ „Und das hier, wo uns alle sehen können.“ „Wer ist denn um halb Fünf schon unterwegs?“ „Du bist ja schließlich nicht alleine auf Nachtschicht in dem großen Lager.“ „Schon. Aber du hast mir so gefehlt.“ „Du mir ja auch. Wir sollten aber trotzdem warten, bis ich mit Dad gesprochen habe.“ „Wann machst du das denn?“ „Sobald ich ihn sehe. Das kann man ja nicht am Telefon machen.“ „Das sehe ich ein.“ „Weißt du was, ich lass mir jetzt Zeit beim Aufnehmen des Trailers und fahre dann zu mir zum Platz und mache dort meine Pause. Die ziehe ich dann auch etwas in die Länge und schon hast du Feierabend. Dann kommst du eben zu mir rüber. Da sind wir etwas ungestörter.“ „In Ordnung. Ich muss auch wieder rein.“ „Bis gleich.“ „Übrigens. Die Gefahrgutausrüstung bekommst du am Außenlager.“ „Dachte ich mir. Da die Non Food Artikel alle im Außenlager sind, macht es Sinn dort auch die Gefahrgutausrüstungen aufzubewahren.“ Ich stieg wieder in den Mack und machte mich auf den Weg zum Außenlager. Dort bekam ich dann eine 56 Fuß Plane mit den besagten Feuerwerkskörpern. Hier war ich bekannt, daher gab es auch kein Problem mit der Gefahrgutausrüstung. Ich sattelte auf und erledigte meine PTI.
    Um kurz nach Fünf fuhr ich dann zu mir zum Platz, wo ich dann um viertel nach Fünf ankam. Ich stellte den Lastzug an die Seite und machte mir zuerst einmal ein Frühstück.

    Dann schaltete ich den Laptop an und surfte noch ein wenig im Netz. Jetzt, wo ich auf sie warten musste, zog sich die Zeit, wie Kaugummi. Es wurde einfach nicht später. Um viertel vor Sechs hätte ich dann schon wieder fahren können, dann würde ich sie aber nicht mehr sehen. Vermutlich kam Charlie in diesen Minuten langsam im Büro an und Keela musste ihm dann die Einteilung übergeben. Das würde dann noch etwa bis sechs Uhr gehen, dann konnte sie endlich zu mir kommen. Die Minuten und Sekunden liefen förmlich in Zeitlupe ab.
    Endlich war es dann soweit. Das Knattern der Harley kündigte Keela an. Dann kam die schwarze Electra Glide um die Ecke und Keela stellte die Maschine ab. Sie setzte den Helm ab und fiel mir wieder um den Hals. „Wartest du schon lange?“ fragte sie dann. „Fast eine Stunde.“ „Du Ärmster.“ Sagte sie sanft und gab mir einen langen Kuss. „Jetzt bin ich ja da.“ Ich drückte sie an mich und strich ihr über den Wuschelkopf. „Leider habe ich da in der Dispatch eine junge Dame, die mich immer wegschickt. Die möchte wohl nicht, dass wir zusammen sind.“ „Das ist halt unser Job.“ Sagte sie. „Ich weiß manchmal nicht, ob ich ihn feiern, oder verfluchen soll. Ohne den Job hätte ich dich nicht kennengelernt, aber der Job trennt uns eben immer wieder.“ „Wenn du Spaß an deinem Job hast, ist es ein guter Job. Auch wenn er uns trennt.“ „Spaß macht mir das schon. Ich freue mich ja auch wie ein kleines Kind auf den neuen Truck.“ „Dann ist alles gut. Wir müssen halt das Beste daraus machen.“ „Du hast recht.“ „Kommst du wirklich am Wochenende nach Pacifica?“ „Wenn ich darf. Nicht, dass ich dich mir meinem Spießerimage blamiere.“ „Park dein Auto einfach weit genug weg, dann ist alles gut.“ Lachte sie. „Dresscode ist Jeans und T-Shirt. Außerdem Badesachen.“ „Jawohl, Ma’am.“ „Dann freue ich mich auf dich.“ „Wann fährst du?“ „Morgen früh, direkt nach dem Dienst. Ich fahre direkt mit dem Savana hier hin und dann direkt los. Dann bleibe ich bis Sonntagabend oder bis Montagmorgen dort. Ich habe ja Spätschicht.“ „Okay. Ich freue mich schon.“ „Ich auch.“ Wir nutzten noch ein paar Minuten die Zeit aus, die wir zusammen hatten, dann musste ich mich doch so langsam wieder auf den Weg machen. Wir verabschiedeten uns mit einem langen Kuss, dann setzte Keela ihren Helm wieder auf und startete die Harley. Dann knatterte sie davon. Ich stieg dann auch wieder in den Mack und machte mich wieder startklar. Ich füllte noch das Logbuch aus und machte mich dann auf den Weg nach Oxnard.

    Zuerst ging es dann wieder durch Sacramento zur Interstate 5. Dort ging es dann mal wieder in Richtung Süden. Ich hatte dann gerade meine Reisegeschwindigkeit von 55 Meilen erreicht, als dann die Tankleuchte anging. Die Tankanzeige hatte ich vorher völlig ignoriert. Ich fuhr dann also nur bis Stockton und verließ dort die Interstate wieder. An einer Tankstelle im Ortsbereich, auf die ich aber einigermaßen mit dem Lastzug draufkam, tankte ich dann wieder voll.
    Schon war ich dann wieder 500 Dollar los. Manchmal stellte ich mir die Frage, was an Geld noch für mich übrigblieb, wenn ich den neuen Truck abzahlen muss. Ich hatte mir das natürlich ausgerechnet und die Finanzierung entsprechend geplant. Es durfte dann aber auch nicht viel schiefgehen. So blieb mir auch nur etwas mehr über, als wenn ich als Angestellter fuhr. Allerdings musste ich ja auch alle Kosten selbst tragen. Irgendwann hatte ich dann natürlich meinen Truck abbezahlt und er würde dann mir gehören. Bis dahin würde es allerdings eng werden. Es durfte halt nichts passieren. Der Truck wurde mit Wartungsvertrag gekauft, so dass ich zumindest in dieser Richtung keine bösen Überraschungen haben würde. Alles Weitere lief ja beim Neuwagen erst einmal auf Garantie.

    Ich fuhr dann wieder zurück auf die Interstate 5 und hielt mich dort weiter in südlicher Richtung. Die Fahrt verlief dann auch weiter ohne nennenswerte Probleme. Selbst die Waage war dann wieder nicht besetzt. So ging dann der Vormittag vorbei und der Mittag brach an. Mit meiner Fahrzeit kam ich dann noch über den Tejon Pass.
    Auf die CA 126 kam ich dann aber nicht mehr. Mir fiel aber zum Glück ein, dass in Castaic, eine Ausfahrt vorher, ein Pilot Truckstop war, wo ich vor kurzem schon mal zum Wiegen war. Ich fuhr also dann zum Truckstop und machte dort Feierabend.
    Dann ging ich erstmal in den Truckstop zum Duschen und Essen. Ich wollte heute nicht schon wieder außerhalb des Trucks übernachten. Also hatte ich mir vorgenommen, dass ich erstmal eine ganze Zeit im Truckstop bleib, der ja klimatisiert war und mich dann erst zum Schlafen in den Truck begab. Von dort aus Telefonierte ich dann auch später noch mit Mom und mit Keela. Am späten Nachmittag musste ich mich dann aber hinlegen. Gegen Mitternacht wollte ich wieder los.

    Freitag, den 25. August 2017, 11:15 p.m. Pacific Standard Time:

    Ich hatte wieder mal nur einigermaßen geschlafen. Es war wieder mal zu warm gewesen. Ich musste mich halt noch etwas gedulden, bis ich dann einen Truck mit Standklimaanlage hatte. Um viertel nach Elf stand ich dann mal wieder auf, Das war ich diese Woche inzwischen gewohnt. Das einzige, was sich dabei änderte, waren dabei die Duschräume. Nach Dusche und Rasur holte ich mir noch einen Kaffee im Truckstop, dann ging es zurück zum Mack. Gegen Mitternacht begann ich mal wieder mit der PTI und um viertel nach Zwölf ging es dann wieder on the Road.
    Es ging dann für eine Ausfahrt auf die Interstate 5, dann wechselte ich mal wieder auf die CA 126. Dann ging es mal wieder nach Oxnard. Um viertel nach Eins erreichte ich dann die FedEx Niederlassung.
    Bevor ich mich anmeldete, telefonierte ich mal eben mit Keela. „Hallo Marc. Alles gut bei dir?“ wurde ich dann von ihr begrüßt. „Hallo mein Schatz. Ich bin gerade bei FedEx angekommen.“ „Okay. Das liegt doch noch vor Oxnard.“ „Stimmt.“ „Wo ist denn eigentlich die dortige UPS Niederlassung?“ „Die ist meines Wissens direkt in Oxnard. Warum?“ „Dann können wir die Leermeilen etwas reduzieren. Allerdings musst du dann einmal mehr umsatteln.“ „Da wird es ja auch Geld für geben.“ „So ist es.“ „Dann schieß mal los.“ „Wenn du dich jetzt anmeldest, forderst du gleich eine Ladung Haushaltsgeräte für das Supercenter, Oxnard ab. Laden und anliefern.“ „Okay.“ „Dann fährst du weiter zu UPS und forderst dort eine Ladung Tiefkühlware für das Zentrallager in Sacramento ab. Das sollte dann eigentlich auch noch passen.“ „Normal schon.“ „Danach kannst du ja dann mit Charlie sprechen, ob du dann Wochenende machen kannst.“ „Okay. Das wäre ja dann ein Ausgleich für das vergangene Wochenende, wo ich ja durchgefahren bin.“ „Stimmt. Soll ich ihm was vermerken?“ „Ich weiß nicht. Vielleicht besser nicht. Ich bin ja noch neu.“ „Gut. Dann kläre du das mit ihm. Ich bin aber schlecht zu erreichen. Wenn ich auf dem Board bin, ist mein Handy im Van.“ „Schon klar.“ „Ich lasse mich dann überraschen. Vielleicht kommst du ja dann auch erst am Sonntag.“ „Wir werden sehen.“ Wir beendeten das Telefonat und ich meldete mich im Büro an. Nachdem der Papierkram erledigt war, konnte ich dann umsatteln.
    Der Trailer mit den Feuerwerkskörpern kam an die Rampe für den überwachten Bereich. So konnte sich da nicht jeder was wegnehmen. Mein Trailer für das Supercenter stand dann zwei Rampen weiter. Zu meiner Überraschung war es ein Walmart Trailer. Einer von den 48 Fuß Dry Vans mit der älteren Werbung. Ich sattelte den Trailer auf und erledigte eine schnelle PTI. Ich würde ja eh nur ein paar wenige Meilen mit dem Trailer fahren.
    Um halb Zwei fuhr ich dann bei FedEx wieder vom Hof. Es ging zurück auf die CA 126. Dort, wo sie auf die Route 101 traf, war dann auch die Abfahrt, die mich zum Supercenter führte. Gegen zwei Uhr kam ich dann dort an. Da dieses Supercenter rund um die Uhr geöffnet hatte, war auch jemand im Büro des Centermanagements. Ich meldete mich an und erledigte den Papierkram. Man war natürlich enttäuscht, dass ich den Trailer mit den Altverpackungen nicht mitnahm. Dieser sollte aber nach Yuma. Das wäre dann die völlig falsche Richtung für mich. Das verstand man dann aber auch.
    Als ich dann meine Quittung hatte, stellte ich den Trailer an das zugewiesene Dock und sattelte ab. Anschließend machte ich mich dann auf den Weg zu UPS. Ich brauchte, trotz der freien Straßen in der Nacht eine halbe Stunde, bis ich dort war. Keela hatte mich dort aber angemeldet und daher wurde ich erwartet. Ich erledigte den Papierkram und bekam dann einen Reefer mit Tiefkühlware für das Zentrallager in Sacramento. Nachdem ich dann aufgesattelt hatte erledigte ich die PTI und führte anschließend erstmal mein Logbuch weiter. Dazu musste ich in diesem Zeitbereich dann ganz schön eng schreiben. Ich hatte jetzt immerhin von Mitternacht bis drei Uhr den dritten Trailer dahinter. Alle wurden mit einer PTI überprüft und zwei wieder abgestellt. Entsprechend eng ging es auf meinem Logbuch zu. Nun konnte ich aber wieder erstmal eine Zeit am Stück fahren.

    Ich fuhr durchs nächtliche Oxnard zur Route 101, von der ich dann wieder auf die CA 126 wechselte. Auf dieser blieb ich dann, bis ich wieder die Interstate 5 erreichte. Auf dieser sollte ich dann jetzt, abgesehen von meiner kurzen Pause, bis zum Ziel in Sacramento bleiben. Es ging dann erstmal wieder über den Tejon Pass. Danach ging es dann in Richtung Huron weiter. Während ich die letzten Male, wo ich auch leichte Ladungen hatte, immer Glück hatte, dass ich nicht auf die Waagen brauchte, musste ich dann heute Morgen, wo ich 43.500 lb an Ladung auf dem Reefer hatte, mal wieder wiegen. Mit 77.492 lb war ich aber im grünen Bereich. Auch die Achslasten waren in Ordnung.
    Inzwischen hatten wir viertel vor Sieben. Ich entschloss mich daher, die Rastanlage zu nutzen, die in einer Viertelstunde von hier zu erreichen war. Dort angekommen, ging ich in das Restaurant um zu Frühstücken.
    Mit Keela brauchte ich nicht zu telefonieren, da sie wahrscheinlich gerade auf dem Weg nach Pacifica war. Nachdem ich mich dann wieder gestärkt hatte, telefonierte ich dann noch kurz mit Charlie. „Guten Morgen, Marc.“ Begrüßte er mich. „Hallo Charlie. Ich wollte mich mal eben mit dir abstimmen.“ „Okay. Ich habe gehört, dass du auf dem Weg zu unserem Zentrallager bist.“ „Stimmt. Mit einer Ladung Tiefkühlware.“ „Stimmt das auch, dass du letztes Wochenende durchgefahren bist?“ „Stimmt. Ich habe nur am Montag früher aufgehört, weil ich da meine 70 Stunden voll hatte.“ „Gut. Dann nehme ich dich dieses Wochenende aus der Planung raus. Du bringst den Trailer noch zum Zentrallager und bist dann wahrscheinlich eh mit deiner Zeit durch. Dann meldest du dich wieder am Montag um Acht, viertel nach Acht bei Danny.“ „Gut.“ „Dann hast du sogar einiges mehr als deine 35 Stunden zum Resetten als Ruhezeit. Damit hast du dann einen gewissen Ausgleich.“ „Danke.“ „Da nicht für. Das passt schon.“ „Dann wünsche dir eine entspannte Bereitschaftszeit.“ „Danke. Bis die Tage.“ Wir beendeten das Telefonat und ich machte mich wieder auf den Weg.

    Es ging zurück auf die Interstate 5, die ich dann bis Sacramento nicht mehr verließ. Das Zentrallager erreichte ich dann gegen viertel vor Zwölf am Mittag. Der Meister wollte mich aber wohl wieder ärgern und wies mir das Tor 23 zu. Das war eines der Tore, die mit einem langen Trailer nur sehr schlecht anzufahren waren. Entsprechend brauchte ich dann auch eine gute Viertelstunde, bis ich dann abgesattelt hatte.

    Einer inneren Eingebung folgend fuhr ich dann mit dem Mack zu Ricks Werkstatt. Wie ich erwartet hatte, war Rick selber auch wieder am Schrauben. „Hallo Marc. Hast du immer noch nicht deinen Neuen?“ „Leider nicht. Ich habe aber inzwischen im Netz die Meldung stehen, dass die einzelnen Komponenten in Produktion sind.“ „Das kann aber auch ein, zwei Wochen da stehen. Danach steht dann steht dann etwa eine Woche was von Endmontage im System, anschließend wird die Maschine ausgeliefert. Dann müssen in der Niederlassung noch die Satellitenkommunikation, das Funkgerät und weitere Komponenten, die du bestellt hast eingebaut werden. Das heißt, allerspätestens in vier Wochen hast du den Neuen.“ „Dann ist für den Mack ja ein Ende abzusehen.“ „Bist du die alte Kiste schon leid?“ „Es geht. Von der Koje bekomme ich Rückenschmerzen. Die Karre ist fürchterlich laut und seit einer Woche bekomme ich den Gang Acht, groß nicht mehr rein.“ „An der Koje und an der Schalldämmung kann ich nichts machen. Das Getriebe kann ich mir aber mal anschauen.“ „Aber nur, wenn es nicht zu viel Aufwand ist. Wenn du dafür das ganze Getriebe ausbauen musst, dann verzichte ich lieber auf den Gang.“ „Ich muss mal schauen, woran das liegen könnte. Vielleicht ist das nur eine Kleinigkeit.“ „Okay.“ „Kannst du den Mack hierlassen? Dann würde ich da mal nachschauen.“ „Das geht. Ich muss erst am Montagmorgen wieder los.“ „Gut.“ Rick brachte mich dann noch schnell zu meinem Platz, wo ich dann den Taurus stehen hatte. Mit dem fuhr ich dann erstmal nach Hause.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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