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Kapitel 1 - Ein tragisches Ende zum Anfang

  • Wie das mit langen Geschichten so ist, muss man weit in der Vergangenheit anfangen, um sie zu verstehen. In meinem Fall bedeutet das, ich muss zumindest für die Ausgangslage mal schnell ins Jahr 1994 zurück, als die Zwillingsbrüder Randolph und Brandon am 20. November das Licht der Deckenbeleuchtung in der teuersten Privatklinik von San Diego erblickten. Unsere stolzen Eltern waren der Unternehmer Paul Ridley und seine Frau Diana.

    Schon bei der Geburt waren wir eindeutig als zweieiige Zwillinge zu erkennen, weshalb wir auch keine typischen Zwillingsnamen wie Jim und John oder so bekamen. Randolph war schon bei der Geburt größer und kräftiger als ich und das sollte auch immer so bleiben. Zu meinem Glück nutzte er das aber für und nicht gegen mich. Bruderstreit gab es bei uns nie. Der wäre zwar dank Dauerbegluckung durch Kindermädchen sowieso im Keim erstickt worden, aber es passierte einfach nicht.

    Auch sonst wuchsen wir im goldenen Käfig auf. Im Kindergarten waren wir unter unseresgleichen. Kinder von Industriellen, Politikern, Medienbossen und einigen Stars aus Sport und Show, die sich aus dem Rummel in L.A. ins etwas beschaulichere San Diego abgesetzt hatten. Und mit denen ging es dann auch auf die Schule, natürlich die beste Privatschule am Ort. Aber wir kannten es nicht anders. Security vor der Schule, Zaun drum herum, hingefahren und abgeholt von Bodyguards in Limousinen mit getönten Fenstern.
    Und weil es auch bei den Kindern reicher Eltern Konflikte gab und auch die noch nicht in der Lage waren, die immer auszudiskutieren - oder die Diskussion sogar eskalierten, wenn sie Besitz oder Wichtigkeit ihrer Eltern einbrachten - flog auch in unserer Schule die eine oder andere Faust. Und das waren dann die Situationen, wo der große Randy seinem kleinen Zwillingsbruder Brandon im Notfall immer hilfreich zur Seite stand.

    Wir wurden älter und mit 12 oder 13 Jahren begann unsere Gesellschaftspflicht. Jetzt schickten unsere Eltern uns nicht mehr zusammen mit einem Kindermädchen weg, wenn Gäste im Haus waren. Jetzt mussten wir dabei sein und im Anzug die Familie vervollständigen, aber auch die Besucher brachten ihren Nachwuchs mit, wenn der mindestens in dem Alter war.
    Im Rückblick waren das merkwürdige Gesellschaften mit zementierten Rollenbildern. Die Väter sprachen übers Geschäft, die Mütter über Mode oder Urlaubsziele und wir Kinder hatten gegenüber anderen Kids in unserem Alter merkwürdige Themen. Spielzeug, bei dem jedes einzelne mehr kostete als manche Kinder jemals zusammen haben würden. Ferien auf Yachten in der Karibik oder in exotischen Städten wie Dubai und Bangkok oder unser Golf-Handicap. Wir spielten nicht mit Top-Ass-Karten, bei wem im der dritten Zeile die meisten PS standen sondern verglichen reale Flugmeilenkonten. Und das alles kam uns so normal vor.

    Mit 14 dann kam mir etwas anderes so langsam nicht mehr normal vor. Mein Bruder wurde immer ganz nervös, wenn unsere Besucher Mädchen mitbrachten und bald hatte er auch seine erste Freundin. Aber bei mir war das nicht so. Die Mädchenbesuche waren mir egal. Dafür hatte ich Schmetterlinge im Bauch, wenn unbekannte Besucher mit Jungen kamen oder wir welche besuchten. Und auch bei dem einen oder anderen, den ich schon kannte.
    Und besonders bei Matthew Kayden. Sein Vater war der Besitzer von Kayden Brightprints, Hersteller von Sonder-Druckfarben und mehr oder weniger von der Großdruckerei meines Vaters abhängig. Ich versuchte, so unauffällig wie möglich zu sein, wenn Familie Kayden zu Besuch war. Matthew so wenig wie möglich anzuschauen und betont cool zu sein.
    Das würde schon vorbei gehen. Es musste diese berühmte Phase sein, in der man mehr am eigenen Geschlecht interessiert war. Ich war ja erst 14 und generell nicht so weit entwickelt. Und in diesem Haus durfte es erst gar nicht so kommen. Die Begeisterung meiner Eltern, als der Volksentscheid in Kalifornien 52,2 zu 47,8% für die Wiederabschaffung der Homo-Ehe ausging, hatte ich noch gut in den Ohren.
    Und je näher ich dem 16. Geburtstag kam, umso sicherer wurde ich, dass es nicht diese Phase war. Zwar war ich immer noch nicht gerade der größte und mit Sommersprossen und rotblonden Haaren sah ich sowieso immer ein Bisschen jünger und lausbübisch aus, aber ich glaubte, dass so langsam meine Entwicklung abgeschlossen war.

    Im Familienleben trat aber noch ein anderes Problem in den Vordergrund. Ich hielt nichts von dem klassischen Sport in San Diego, also Football und Basketball. Im Fernsehen sah ich mir Eishockey in der NHL an. Eishockey live zu schauen kam nicht in Frage, denn das hätte bedeutet, zu den Anaheim Ducks oder Los Angeles Kings zu fahren. Und das war, wenn man in San Diego ein Bisschen Heimatstolz hatte, ein Ding der Unmöglichkeit. Hier gab es zu der Zeit kein Profiteam.
    Selbst träumte ich aber davon, wenn ich 16 war und Auto fahren durfte, Rallye zu fahren. Und damit meinte ich nicht die amerikanischen Baja-Wüstenrennen sondern im europäischen Stil. Und weil es das hier nicht gab, als Alternative eben Bergrennen, die mit den gleichen Autos bestritten wurden und in den USA sehr beliebt waren.
    Mein Vater drängte mich dagegen, Football oder Basketball zu spielen, damit ich in 2 Jahren am College in eins der entsprechenden Teams gehen konnte. Beides waren bei einer Größe von 5'8" und einem Gewicht von 146 lbs. natürlich sehr sinnvolle Sportarten. Für Randy mit 6'1" und 181 lbs. war das vielleicht okay, aber ich würde auch auf College-Level bei Basketball das Spielgerät nur von unten sehen und Football nicht überleben.

    Und die Autofrage stellte uns unser Vater dann beim Abendessen auch direkt.
    "So, Ihr werdet ja in nicht ganz 2 Monaten 16 und Eure Führerscheinprüfungen habt Ihr in den nächsten Wochen." Den machte man hier quasi als Schulfach. Entsprechend mau war auch die Ausbildung - Massenabfertigung. "Was wollt Ihr denn für Autos?" "Einen Dodge Challenger R/T." Na Randy war selbstbewusst. "Okay." Und unserem Vater machte das natürlich nichts aus. "Mitsubishi Lancer Evo X." "Was willst Du mit dem Reisfresser? Such Dir gefälligst ein anständiges Auto aus! Amerikanisch wie Dein Bruder!" "Dann eben einen Ford Mustang Shelby GT500." "Na geht doch!"

    Und während sich wahrscheinlich wieder einmal jeder Normalsterbliche wunderte, erschien es uns ganz normal, dass wir von unseren Eltern jeder zum 16. Geburtstag als Fahranfänger ein fabrikneues Muscle Car in die Garage gestellt bekamen. Und trotzdem war ich nicht glücklich. Geld beruhigte eben doch nur. Wie gerne wäre ich normal aufgewachsen, in einem Einfamilienhaus oder einer Stadtwohnung. Mit dem Schulbus oder Fahrrad zur Schule gefahren und mir würde die Welt offen stehen. Nicht wie jetzt, wo vorgegeben war, dass ich entweder einen Master of Business Administration oder einen Master of Engineering mit Schwerpunkt Druckmaschinentechnik machen würde, um dann in die Firma unseres Vaters einzusteigen und sie irgendwann zusammen mit Randy zu übernehmen. Mir kam ein LKW entgegen und ich dachte zum ersten Mal in meinem Leben sehnsüchtig daran, wie es wäre, als Beruf so ein Teil zu fahren. Das Land sehen, ohne Zwänge und Umgangsformen der High Society. Westküste, Ostküste, Great Lakes, Golf von Mexiko und alles dazwischen.




    Was mein Vater dann nicht verhindern konnte, war mein Alleingang in Sachen Zweitwagen. Von meinem Taschengeld, das manch ein Hilfsarbeiter gerne mit seiner Arbeit verdient hätte, kaufte ich mir einen fertig mit Überrollkäfig, Schalensitzen und allem, was dazu gehörte, ausgestatteten Honda Civic Baujahr 1990, startberechtigt in der Jugendklasse der 16 bis 18-Jährigen bei Einzelzeitfahrtwettbewerben auf teilbefestigten Kursen und später auch bei Bergrennen, bei denen es aber keine Jugendklasse gab und das Startalter wegen der großen Gefahr bei 18 lag.
    Und meine manchmal durch Mitleid auf meine Seite getriebene Mutter schaffte es sogar, dass ich meine Unterschriften unter einen Lizenzantrag für die 2011er Saison für Rundstrecken-Zeitfahrten bekam und ein kleines Mechanikerteam für die Wochenenden eingestellt wurde. Die Rennen fanden auf eher unbedeutenden Rennstrecken oder auf Flugplätzen statt. Ich schlug mich dafür auf dem Rundkurs ganz gut, fuhr in der ersten Saison, an der ich obendrein nur bis in den Sommer teilnehmen konnte bei 10 Rennen an 5 Veranstaltungswochenenden schon einmal aufs Podest. An Technik war ich schon immer interessiert, also ließen mich die Mechaniker auch mal einen Vergaser reinigen oder so.




    Und im Frühjahr 2011 gab es dann eine hitzige Debatte. Randy und ich sollten auf Schüleraustausch nach Deutschland. Der Aufenthalt im Ausland sollte uns sprachlich weiterbringen und natürlich schwebte unseren Eltern vor, dass wir auch "standesgemäß" untergebracht sein sollten, damit wir mit den ungefähr gleich alten Austauschpartnern Kontakte für die Zukunft schließen könnten. Das klappte aber nicht im Doppelpack. Randy sollte in eine Familie kommen, wo der Vater Entwicklungsleiter bei BMW war.
    Aber meine Gastfamilie war "normal", was nicht jedem in unserer Familie genug war:
    "Ich bezahle doch nicht hunderte Dollar, damit Du ein halbes Jahr bei so welchen wohnst. Was bringt Dir das denn?" "Deutsche Sprachkenntnisse, einen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf und einen größeren kulturellen Horizont?" "So ein Quatsch! Bei der Familie eines Versicherungsvertreters in der Pampa? Welchen kulturellen Horizont soll das denn geben? Wir sind doch nicht irgendwer, der sich mit fahrendem Volk abgeben muss!" "Was war denn Dein Urgroßvater, noch in Irland und dann er und Dein Großvater auch noch hier in Amerika? Die Druckerei hat erst Dein Vater gegründet! Wenn ein Außendienstmitarbeiter schon fahrendes Volk ist, was waren die als Tinker denn dann?"
    Zack, hatte ich eine Ohrfeige sitzen. Wenn die sachlichen Argumente nicht mehr reichten, gab es ja noch schlagende, und der Zwerg namens Brandon konnte sich sowieso nicht wehren. Immerhin wurde ich nicht abgemeldet und saß dann im August mit meinem Bruder und einer Gruppe Jugendlicher zwischen 15 und 19 Jahren im Flieger nach Deutschland.

    Bei der Begrüßungsfeier wurden wir natürlich als erstes mit unseren Gastfamilien zusammengebracht.
    "Brandon Ridley und Christian Höfner!" Die deutschen Jugendlichen johlten beim Namen meines Gastbruders laut los. Als er mir zur Mitte des Raumes entgegen kam, dämmerte mir auch warum. Das Schlüsselband in Regenbogenfarbe war nicht zu übersehen. Randy grinste debil von einem Ohr zum anderen.
    Die Höfners, meine Gastfamilie, waren sehr nett. Mein Gastbruder Christian war allerdings 3 Jahre älter als ich und ging nicht mehr zur Schule sondern hatte sogar schon vor ein paar Wochen seine Ausbildung als Lokführer beendet und steuerte jetzt S-Bahnen. Als wir in mein Heimatdorf für die kommenden 6 Monate fuhren, sah ich nur ein Problem:
    "Hoffentlich muss ich nie ein Taxi nach Hause bestellen." "Warum?" "Weil ich dann nie ankomme. Overts... Oberseidelbeck" Christian lachte sich halb kaputt: "Oberzeitlbach, Du wirst es schon lernen."

    Am nächsten Wochenende fragte Christian:
    "Hast Du eigentlich einen Motorradführerschein?" "Nein, nur Auto. Warum?" Der galt das halbe Jahr hier sogar, ich durfte mit 16, ab November 17 Jahren in Deutschland Auto fahren. "Sonst hätten wir mal zusammen eine Fahrt machen können und Du die Maschine meiner Schwester genommen." Wir fuhren - also ich fuhr den Audi A3 von Christians Mutter und hatte nicht mal ein Problem mit der Handschaltung, dem Honda Rennwagen sei Dank - aber zu einem Motorradzubehörgeschäft und ich kaufte mir dort Stiefel, Schutzkleidung und Helm, damit ich mal bei Christian als Sozius mitfahren konnte. Am Wochenende darauf musste Christian arbeiten und ich fuhr den Samstag bei ihm auf dem Führerstand der S-Bahn mit.

    Und nach einigen Wochen hatte sich unsere ganze Gruppe bei ihren Familien eingelebt. Die Gastfamilien hatten bei diesem Programm überwiegend nichts miteinander zu tun. Also kannten sich unsere Gastgeschwister auch überwiegend nicht, sah man von ein paar Gruppentreffen in der Vorbereitungsphase ab. Sie waren wie wir zwischen 15 und 20, lebten in und rund um München und besuchten verschiedene Schulen. Randy war zum Beispiel in Grünwald, auf der anderen Seite Münchens untergebracht und ging im benachbarten Giesing mit seinem Gastbruder zur Schule, allerdings in verschiedene Jahrgangsstufen.

    Dank moderner Kommunikationsmittel, im Volksmund Smartphone genannt, konnten wir aber Kontakt halten und so bekam ich die Frage, ob ich am Samstagabend zusammen mit Christian in eine Jugenddisco kommen wollte. Als ich Christian die Einladung zeigte, meinte er:
    "Nein, da lieber nicht." "Warum?" "Der Laden ist mir zu hetero." Er hielt kurz sein sechsfarbiges Schlüsselband hoch. "Ach so." "Du kannst aber gerne hin. Meine Eltern fahren Dich bestimmt zum Bahnhof." "Hm, dann bin ich wohl der einzige ohne Austauschpartner." Ich war wenig begeistert.
    "Tut mir ja leid, aber ich komme vielleicht mit nach München, aber gehe dann in einen schwul-lesbischen Club." "Hm..." "Oder reden wir mal Klartext? Aber Du darfst mir nicht böse sein. Weder wenn ich mich geirrt habe, noch wenn ich richtig liege und Du darüber nicht reden willst. Dann sag es einfach." "Was?" "Willst Du lieber mit mir in den Club?"
    Mir blieb der Mund offen stehen, Christian wurde dafür nervös.
    "Brandon, sag was! Egal was." "Äääääh, wie hast Du das raus gefunden?" "Als Du mit mir auf der Arbeit warst. Du hättest dem einen oder anderen Jungen nicht ganz so auf den Hintern starren sollen, wenn er die Treppe vom Bahnsteig rauf gegangen ist." "Ja, Du hast Recht. Ich komme lieber mit Dir." Das war eine neue und spannende Erfahrung, die ich in den USA ja schlecht machen konnte. Dazu war mir das Risiko, in San Diego erkannt und bei meinem Vater verpetzt zu werden, viel zu groß. Außerdem konnte man da erst mit 18 "richtig" ausgehen. Christian streifte sich ein dunkelblaues und ein schwarz-weiß kariertes Gummi-Armband über das linke Handgelenk. "So, wir können los." "Was bedeuten die?" Er suchte eine Seite im Internet und hielt mir sein Smartphone hin. "Das." "Muss man da so was tragen?" So schnell zur Sache hatte ich eigentlich nicht eingeplant. "Nein, es erspart mir gleich aber eine Menge Gelaber." Christian schien die Dinge ungern anbrennen zu lassen.
    "Nimm einen Ausweis mit! Den wirst Du brauchen, wenn Du ein Bier kaufen willst." "Was? Ausweis? Bier mit 16?" "Ja, Bier mit 16. Deine ID-Card." "Habe ich nicht, die muss man bei uns extra beantragen. Habe nur den Reisepass. Zu Hause benutzen wir in Amerika den Führerschein, wenn wir einen Altersnachweis brauchen." "Dann nimm den mit, nehmen die da auch als Nachweis. Ach, und bevor Du Dir den Spaß entgehen lässt, das Age of Consent in Deutschland ist auch 16." schob er noch mit einem Augenzwinkern nach.

    An dem Abend ließ ich mir diesen "Spaß" noch entgehen und sah Christian nur nach, wie er mit jemandem aus dem Tanzsaal zu dessen Wohnung verschwand, nachdem er sich bei mir abgemeldet hatte, aber sagte, dass wir uns spätestens zur Abfahrt der U-Bahn Richtung Hauptbahnhof an der Station wieder treffen würden.
    Beim zweiten Besuch fand sich ein süßer Junge und so wurde mein erstes Mal ein One-Night-Stand in dessen Wohnung, seine Eltern waren ohne ihn im Herbsturlaub. Und beim dritten Besuch in dem Club klopfte vor der Abfahrt Christian an meine Zimmertür:
    "Bist Du soweit?" Ich machte die Tür auf und zog mir noch auf dem Flur mit einem lauten schnalzen ein hellblaues Gummiarmband über das Handgelenk, das ich mir die Tage mal in der Stadt gekauft hatte. Christian zog etwas überrascht die Augenbrauen hoch.
    Der Laden lief rechtlich unter "Tanzveranstaltung", was es mir erlaubte, bis Mitternacht dort zu sein. Wieder einmal hatte ich an dem Abend Randy abgesagt, in deren Disco zu kommen, damit ich stattdessen mit Chris losziehen konnte. Auf dem Weg von der U-Bahn zur S-Bahn kam er uns aber mit seinem Gastbruder auf der Rolltreppe entgegen. Ich grüßte ihn nur im Vorbeifahren, da wir beide nicht mehr wirklich spätere Verbindungen nach Hause hatten.

    Am Sonntag, also zwei Tage danach, hatten wir Austauschtreffen. Hier nahm mich Randy mal bei Seite:
    "Na Bruderherz? Bist Du endlich da, wo Du heimlich schon immer hin wolltest?" "Was meinst Du?" Er hatte was bemerkt, ich saß wohl in der Tinte. Hier blieb nur die Flucht in die Ahnungslosigkeit. "Wenn Du weiter Versteck spielen wolltest, solltest Du wenigstens aufpassen, wenn Du das Ding schon nicht abnimmst, dass Du mit der Hand grüßt, an der kein Hanky-Wristband ist." Er hatte nicht nur was gemerkt, er hatte sogar die Bedeutung erkannt.
    "Was meinst Du? Das Ding sieht nur cool aus." "Ja, bestimmt. Es sieht nur cool aus, so zu tun, als würdest Du gerne mal den Mund voll nehmen, während Dein offen homosexueller Gastbruder eine Stufe hinter Dir auf der Rolltreppe steht und mit solchen Bändern nach Partnern sucht, die von hinten für eine schnelle Nummer offen sind, aber nur mit einer Lage Gummi dazwischen!"
    Okay, aus der Nummer kam ich nicht mehr raus, Strategiewechsel.
    "Du kennst Dich ja gut aus. Erfahrungswerte?" "So vorlaut gefällst Du mir schon besser. Nein. Ich weiß nur, dass es solche Farbcodes gibt und habe nach unserer Begegnung mal gesucht. Wir haben uns doch sonst immer vertraut. Du kannst mit mir immer noch über alles reden - auch da drüber. Ich habe es mir sowieso schon gedacht." "Also gut. Du hast Recht, ich stehe auf Jungs. Wie bist Du da drauf gekommen? Und wer sonst noch?"
    "Ich hoffe mal für Dich, dass niemand sonst. Wir haben die ersten 9 Monate unseres Lebens zusammen in einem Raum gelebt, der schon für einen am Ende zu eng ist. Auch wenn wir nicht eineiig sind, bleiben wir eben doch ein Leben lang Zwillinge und haben diese besondere Bindung, die nur Zwillinge haben. Du hast Deine Sache an sich gut gespielt und ich glaube zum Glück nicht, dass unsere Eltern was ahnen. Außerdem passt ein schwules Kind nicht in ihr Weltbild, also haben sie auch keins. Punkt. Aber mir kannst Du keine Lockerheit und Coolness vorspielen, wenn wir Gäste mit Jungen bekommen. Und bei Matthew Kayden wirst Du besonders nervös, wodurch deine aufgesetzte Coolness mir noch mehr auffällt. Aber ich glaube, dem geht es nicht anders." "Meinst Du?" Das wäre zwar ein Traum zu schön um wahr zu sein, aber ich wollte es trotzdem nicht drauf ankommen lassen.

    Natürlich bestand der Aufenthalt in Deutschland nicht nur aus meinem Coming-Out und Party. Aber es war für mich natürlich das einschneidende Erlebnis. Die daraus resultierende Lockerheit und steigendes Selbstbewusstsein, wenn ich mit Christian unterwegs war, machten sich auch bemerkbar. Die Erkenntnis, dass mein Bruder trotzdem zu mir hielt, es geahnt hatte und dabei indirekt auch unsere Eltern kritisierte, war mir sehr wichtig.
    Ich ging ein halbes Jahr in eine deutsche Schule und lebte in einer deutschen Familie, verbesserte dabei meine deutsche Sprache. Die Lehrer mussten per Gesetz hochdeutsch unterrichten und Christian mit seiner ganzen Familie sprach auch nur einen ganz schwachen Dialekt.
    Außerdem bemerkte ich in Gesprächen mit Randy einen weiteren Vorteil daran, dass Christians Familie nicht so reich war. Es ging ihnen schon ganz gut, aber sie waren eben eher durchschnittlich als reich. Das Haus war groß, die Autos waren neu und von einem Premiumhersteller. Aber sie hatten kein Personal, das einem alles abnahm. Ich musste mein Zimmer in Ordnung halten, beim Putzen helfen und wurde zusammen mit Christian oder seiner Schwester einkaufen geschickt. Wenn wir abends alleine waren, weil die Eltern eingeladen waren, mussten wir alleine kochen und hinterher spülen. Ich lernte hier was für das alltägliche Leben, das ich in Kalifornien dank Haushälterinnen nie hatte. Wenn alles nach Plan lief, dann sollte ich das in meinem Leben nicht brauchen. Aber irgend so ein komisches Gefühl im Bauch sagte mir, dass es vielleicht auch nicht nach Plan laufen würde.

    Kulturell war es auf jeden Fall auch eine interessante Erfahrung. Ich feierte meinen 17. Geburtstag deutsch, ich feierte ein deutsches Weihnachten und bereits ziemlich zu Anfang der Zeit das Oktoberfest. Wobei das eigentlich nichts deutsches mehr hatte, denn es war fest in chinesischen und japanischen Händen. Außerdem ging ich, auch wenn es Christian nicht sonderlich interessierte, zu einem Fußballspiel vom FC Bayern München. Das gehörte mehr oder weniger zum Programm, wenn man in München zu Gast war. Ich überredete ihn außerdem, mal zum Eishockey zu gehen und so besuchten wir ein Spiel von Red Bull München, mein erstes Livespiel überhaupt. Da war ich Amerikaner, aber diesen Sport der amerikanischen Big Four sah ich das erste Mal live in der DEL, einen ganzen Kontinent entfernt.

    Im Februar gab es dann die Halbjahreszeugnisse und am Abend eine Abschiedsparty mit allen Familien, die am Austausch teilgenommen hatten. Und danach blieb uns nur noch der Samstag, an dem schon Koffer packen auf dem Programm stand. Es wurde ein emotionaler Abschied. Nach 6 Monaten war Christian gefühlt wirklich ein zweiter Bruder für mich geworden und auch seine ganze Familie fühlte sich an wie eine richtige. Sie waren offen für mich gewesen, nicht so distanziert wie unsere eigentlichen Eltern. Sie hatten mich freundlich aufgenommen und akzeptiert, wie ich war. Denn dass ich die Wochenenden nicht getrennte Wege gegangen war, sondern zusammen mit Christian um die Häuser gezogen war, hatte sich nicht lange verheimlichen lassen.
    Auf jeden Fall war sicher, dass Christian und ich auch in Zukunft dank Internet und Smartphones in Kontakt bleiben würden.

    Zurück in Kalifornien ging es im dortigen Alltag weiter. Highschool, gesellschaftliche Termine mit unseren Eltern, für mich auch wieder Rundstreckenrennen mit meinem kleinen Honda. Was hier vor November nicht ging, waren Ausflüge ins Nachtleben, denn in Kalifornien musste man sowohl um - egal zu welcher Tageszeit - eine Tanzbar zu betreten als auch für jegliches sexuelle Abenteuer 18 sein.

    Aber so lange etwas im öffentlichen Raum passierte, durfte ich auch dran teilnehmen. Es durfte nur keiner aus meiner Familie erfahren. Immerhin hatte die seit über einem Jahr gewonnene Freiheit mit dem Auto einen Vorteil, wir kamen inzwischen ohne Aufpasser ans Ziel. Zwar waren unsere Sicherheitsleute auch Personenschützer, wenn es erforderlich sein sollte, aber das galt im Normalfall allenfalls für unseren Vater.
    Als zwar ziemlich reiche, aber dennoch eher unbekannte Industrielle waren wir kein Verbrechensziel wie Politiker, Weltstars oder Vorstände von Weltkonzernen. Die Hauptaufgabe war geschäftlicher Art. Sie überwachten meistens die Dienstreisen unseres Vaters, stellten sicher dass er dabei nicht ausspioniert wurde und dergleichen. Dass sie uns zur Schule gefahren hatten, war mehr weil es nun mal keinen Schulbus aus dem Villenviertel zur Privatschule gab.

    Jetzt konnte ich einfach in mein Auto steigen und fahren wohin ich wollte. Und im Juni wollte ich 120 Meilen nach Norden. Weil mir San Diego ein zu heißes Pflaster war, ging es zum L.A. Pride, eine Veranstaltung, die man außerhalb der USA als Christopher Street Day bezeichnet hätte, aber dieser Name war hier der Veranstaltung rund um die Namen gebende Straße in New York vorbehalten.
    Schon die Anfahrt konnte sich sehen lassen. In vielen Autos saßen junge Männer mit Muscleshirts, die keinen Zweifel ließen, dass sie das gleiche Ziel hatten wie ich. Und mein schmächtiger Körper steckte in einem ganz normalen T-Shirt und Shorts. Aber ich hatte ja auch keine aufreizende Kleidung zu Hause und wenn ich hätte, wäre ich damit nicht aus dem Haus gekommen, ohne unangenehme Fragen aufzuwerfen.
    Und als ich dann in L.A. hinter einem GMC Safari Van einparkte, war ich mir nicht sicher, ob ich mich freuen sollte, die Flucht ergreifen oder im Boden versinken. Zusammen mit zwei anderen Jungs stieg kein geringerer aus diesem Van als Matthew Kayden. Die Optionen wurden mir aber genommen, da er erst mal reichlich überrascht meinen Mustang und mich hinterm Steuer anglotzte und dann freudig zu winken anfing.

    Die drei trugen nur Badehosen, auch noch keine Shorts sondern Speedos. Der Wortführer von ihnen und auch mit 19 der älteste war Roman, mit jeder Menge Tattoos und Piercings auch der auffälligste. Dessen Freund Liam war dafür recht schüchtern. Matthew kannte Liam aus der Schule.
    Roman war der Meinung, dass sie sich so nicht mit mir sehen lassen könnten. Da ich mich nicht in so ein knappes Höschen zwängen lassen wollte, durfte ich als Kompromiss meine Shorts anbehalten, ließ aber T-Shirt und Unterhemd im Auto. Wir sahen uns die Parade an und irgendwann meinte Matthew zu mir:
    "Ich hätte ja mit allem gerechnet, aber nie damit, Dich hier zu treffen." "Ich Dich auch nicht. Heute ist der schönste Tag in meinem Leben." "Warum?" Ich nahm all meinen Mut zusammen: "Weil ich Dir endlich sagen kann, dass ich in Dich verliebt bin." Er starrte mich eine gefühlte Ewigkeit mit offenem Mund an, ich dachte schon, ich hätte es versaut. Aber dann zog er mich zu sich heran. Es war so unglaublich. Seit Jahren hatte ich mich versteckt, nur das halbe Jahr in Deutschland war ich mal frei gewesen. Und jetzt stand ich in Los Angeles am Straßenrand, die L.A. Pride Parade zog vorbei und mein Traumboy küsste mich.

    Auf dem Weg zurück schaute ich wieder mal sehnsüchtig einem Peterbilt im klassischen Stil hinterher, der uns entgegen kam. Frei sein, um zu lieben ohne Schmerz und Leid...




    Danach wurde unser Leben aber nicht unbedingt einfacher. Nun wurde es nur noch schwerer, uns nichts anmerken zu lassen, wenn sich unsere Eltern trafen. Und zumindest Randy hatte mal wieder den Durchblick und fragte mich irgendwann, ob wir zusammen wären. Als wir endlich 18 waren und zumindest nicht mehr mit strafrechtlichen Folgen zu rechnen hatten, sollte man uns trotz aller Vorsichtsmaßnahmen im Bett erwischen, fuhren wir oft etliche Meilen weit weg, um uns in einem Motel zu treffen. Lediglich wenn einer von uns sturmfreie Bude hatte und auch das Personal in dem Haus den Tag frei hatte, wurden wir mutiger.

    Ich träumte von einem unkomplizierten Leben in Deutschland, wie Christian in einem alltäglichen Beruf. Aber da kam man auch nur als Fachkraft aus den USA rein. Und so einfach schien dessen Leben auch nicht zu sein. Jedenfalls hatte er inzwischen bei der Bahn gekündigt und war auf die Straße umgestiegen. Er fuhr jetzt für das Unternehmen aus dem Nachbardorf Linienbusse.

    Das Jahr 2013 fing an und das auch nicht unbedingt gut. Ich durfte jetzt bei Bergrennen starten und gleich beim ersten Lauf überschätzte ich mich, verlor die Kontrolle über mein Auto und verstand, warum man 18 sein musste, um hier anzutreten. Beim Bergrennen passierten Sachen, die man verantwortungsvolle Eltern bestimmt nicht für ihren Nachwuchs unterschreiben lassen wollte.
    Nachdem feststand, dass ich definitiv nicht auf der Straße bleiben würde, bestanden meine Optionen darin, den Versuch zu starten, nach links das Auto wieder unter Kontrolle zu bekommen, dann das Rennen fortzusetzen und ein gewertetes Resultat zu bekommen. Wenn ich dabei scheiterte, würde es aber dafür auch 70 Yards in die Tiefe gehen. Nicht als Absturz, sondern den Steilhang runter rutschend, aber dennoch ohne Kontrolle, was ich womit wie schnell treffen würde. Das wollte der Rennfahrer. Die zweite Option bestand darin, das Auto nach rechts zu retten, wo es aber sicher in die Felswand klatschen würde. Das wollte wohl mein Unterbewusstsein und so endete mein Lenkreflex mit einem saftigen Blechschaden. Mein Mechaniker würde mir am Abend sagen, dass das Auto so krumm war, dass ich damit nie wieder Rennen fahren sollte. Präzises Lenken würde damit nicht mehr gehen, selbst wenn man den Rahmen auf einer Richtbank wieder strecken würde.




    Mein Vater hatte danach Oberwasser:
    "Ich habe Dir doch gleich gesagt, dass das gefährlicher Unsinn ist. Lass es sein und werde vernünftig. Spiel Basketball wie Dein Bruder! Wir sind doch nicht in Finnland, wo es von verrückten Kerlen wimmelt, die mit viel zu kleinen Autos über viel zu schmale Wege heizen!" Ich wurde natürlich nicht vernünftig sondern holte mir um weiter Rennen zu fahren einen Subaru Impreza WRX STI Baujahr 2006. Noch mehr PS, Turbo und Allradantrieb, um die Kraft auf die Straße zu bekommen.




    Mit einem zweiten Platz in der Rookie-Wertung und dem 14. in der Gesamtwertung war die Premiere mit diesem Auto auch nicht schlecht. Als ich zusammen mit den beiden anderen Anfängern auf dem Siegerpodest stand, ahnte ich noch nicht, dass dies das erste und letzte Rennen mit diesem Auto gewesen sein sollte. Und in der Woche danach bestand ich die letzte Abschlussprüfung an der High School, es könnte kaum besser laufen.

    Aber nur anderthalb Wochen später gab es diesen verhängnisvollen Nachmittag. Meine Eltern waren weg, wir mussten nicht mit, das Personal hatte frei und Randy wusste sowieso, was Parole war. Also kam Matthew zu mir und wir gingen auf mein Zimmer, das wir natürlich trotzdem abschlossen. Irgendwann war auch das schönste und längste Vorspiel zu Ende. Ich legte mich auf den Rücken, Matthew packte ein Kondom aus.
    Kurze Zeit später wurden wir aus dem tiefsten Beischlaf gerissen. Als erstes klingelte mein Telefon, und zwar das Haustelefon. Ich ging nicht davon aus, dass Randy mich verarschen wollte - das hieß Gefahr:
    "Schluss! Hier stimmt was nicht!" Noch bevor Matthew reagieren konnte, flog mit einem lauten Krachen die Zimmertür aus den Angeln. Mein Vater und sein Bodyguard standen in der Tür, Matthew und ich wurden so weiß wie die Bettwäsche.
    "Wusste ich es doch, dass Du meinen Sohn unterdrückst und vergewaltigst!" Der Bodyguard riss Matthew von mir runter und mein Vater zog mich aus dem Bett und redete auf mich ein, aus seiner Sicht der Dinge natürlich. "Es ist vorbei. Ich zeige ihn an und dann bekommt er die gerechte Strafe dafür, was er Dir angetan hat!" Zu Matthew, den der Bodyguard an die Wand nagelte, schrie er: "Und Dein Vater soll in seiner Tinte gefälligst ersaufen! Von jemandem, dessen Missgeburt meinen Sohn vergewaltigt bekommt der keinen Auftrag mehr!"
    "DU HAST JA GAR KEINE AHNUNG!!!!!!" Mit heftiger Gegenwehr von meiner Seite hatte mein Vater in den vergangenen 18 Jahren noch nie zu tun gehabt. Nicht mal mit starker Gegenwehr in Worten. Ich hatte zwar nicht immer getan, was er wollte. Aber Widerworte kamen selten und schon gar nicht in dieser Lautstärke, nicht zuletzt weil die meistens mit einer Backpfeife endeten. Dementsprechend erstarrte er für einen Moment zur Salzsäule. Und in dem Moment setzte ich mit voller Wucht an und drängte ihn zurück. Mit einem lauten Klirren stieß ich ihn in die Vitrine in der meine Sammlung Modell-Rallyeautos stand. Der Bodyguard ließ Matthew los und drehte sich um: "Mr. Ridley! Sir! Oh Gott! Sie bluten!" Die Schnittwunde im Oberarm würde er überleben. "Matthew, komm!"
    Ich griff unsere Sachen und wir liefen los. Auf dem Flur streiften wir uns auf einem Bein hüpfend die Jeans über, als wir die Treppe unten angekommen waren, stand meine Mutter fassungslos auf dem Flur, machte aber keine Anstalten, uns aufzuhalten. Der Bodyguard hatte schnell gemerkt, dass er hereingelegt worden war und uns wieder auf den Fersen. Randy stieß hinter uns einen Tisch um, worauf der Sicherheitsmann mit einem lauten Krachen zu Boden ging.
    "Warum muss es nur so mit uns enden?" Matthew sprang in seinen BMW 335i und fuhr los. Was meinte er damit? Ich hatte ein ganz mieses Gefühl und außerdem wollte ich nicht hier sein, wenn mein Vater und sein Bodyguard ihre Knochen wieder sortiert hatten. Also stieg ich in den Shelby und fuhr Matthew hinterher. Im Spiegel sah ich, wie noch ein Auto auf unserem Hof gestartet wurde. Es war Randys Dodge Challenger.

    Während der Fahrt versuchte ich, Matthew anzurufen, aber er ging nicht ans Telefon. Ich hatte ihn aus dem Wohngebiet auf die Hauptstraße einbiegen sehen und war ihm gefolgt. Aber an einer Straßengabelung hatte ich keinen Sichtkontakt. Wo war er lang gefahren? Ich entschied mich für die Straße, die in die Stadt zurück führte, musste aber nach ein paar hundert Metern feststellen, dass hier ein Steinschlag den Weg blockierte.
    Ich wendete mit der Handbremse und schrie beim Beschleunigen zum gefühlt 100. Mal die Sprachsteuerung meines Autos an:
    "Matthew Kayden anrufen!" Es klingelte wieder 5-mal, bevor die Roboterstimme kam: "Dies ist die AT&T Sprachmailbox von..." Ich fuhr die andere Straße und nach ein paar hundert Metern bot sich mir ein Bild des Schreckens.




    Ich stellte mein Auto ab, stieg aus und wollte zu dem Wrack. Matthew musste den Anfang des Brückengeländers mit hoher Geschwindigkeit getroffen haben und war dann bis zur Brückenmitte geschleudert. Der Fahrer des Lieferwagens, der beim Ausweichen ebenfalls im Brückengeländer gelandet war, lief zu den Überresten des BMW. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Randy knapp hinter mir gewesen und ebenfalls ausgestiegen war, bis er mich festhielt.
    "Brandon! Du solltest nicht da hin!" "Lass mich los, ich will zu meinem Freund!" Der Lieferwagenfahrer rief mit ziemlich blassem Gesicht rüber: "Bleib wo Du bist und behalte Deinen Freund so in Erinnerung, wie Du ihn kanntest! Du kannst nichts mehr für ihn tun!" Ich umklammerte Randy und weinte hemmungslos.

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    Nun bin ich also auch in den USA angekommen. Es juckte mich schon länger, so etwas zu machen. Wenn man die Bildbeiträge von mir im ATS-Forum anschaut, wird man merken, dass ich mich sehr zurücknehmen musste, nicht noch mehr zu schreiben. Der letzte enthält sogar schon einen gesprochenen und mehrfarbig formatierten Dialog! Es war also höchste Zeit, ein richtiges Tagebuch in der Neuen Welt anzufangen.
    Auch wenn es durch das Alter und die Abstammung aus gutem Hause so aussieht, ist hier nichts mit Sauerländer abgesprochen. Als er ankündigte, dass ein amerikanisches Tagebuch von ihm kommen könnte, nachdem das niederländische Profil unbrauchbar geworden ist, waren meine Charaktere und einige grobe Ideen, was in der Vorgeschichte passiert schon festgelegt. Und als Marc sein erstes Kapitel veröffentlicht hat, war Brandon gerade im fertigen Text als Austauschschüler in Deutschland. Ich wollte einfach nur einen Gegenpol zu Eric Kaiser im ETS-Tagebuch setzen, der als gereifter Mann Ende 30 überlegt an die Sache ran geht und mit einigen autobiographischen Zügen von mir unterwegs ist.
    Brandon ist in allen Dingen anders als Eric. Er ist etwas mehr als halb so alt, sieht komplett anders aus, hat einen ganz anderen und viel draufgängerischen Charakter. Und aus dem Grund, dass er deutlich anders sein soll, heißt er auch mit Vornamen eben nicht wieder Eric. Irgendwie ist er so, wie ich Anfang 20 nicht war, aber im Rückblick manchmal gerne gewesen wäre. Es scheint, mit der Idee, mal einen jungen und unerfahrenen Protagonisten loszuschicken war ich aber nicht ganz alleine.
    Da man allerdings schon in diesem ersten Kapitel merkt, dass hier die Lage zwischen Eltern und Sohn angespannter ist, müsst Ihr Euch leider aufgrund der komplizierten Ausgangslage auf 3 Kapitel einstellen, in denen zumindest kein vom Protagonisten gefahrener LKW vorkommt.

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Kommentare 25

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    Tomlaker -

    Mein lieber Scholli, das ist mal ein Einstieg. Mir in manchen Passagen zu farbenreich und ausführlich, aber so sind sie, deine Geschichten. Und es wird nicht langweilig. Freue mich auf alles Weitere! ca Brandon

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    loddi51 -

    Klasse geschrieben.Freu mich schon auf das nächste Kapitel.

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    elwime -

    Wauw das nenne ich mal eine Vorbereitung auf Deine neu Geschichte

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    manni_112 -

    wow, mehr fällt mir dazu gerade nicht ein. Wirklich klasse geschrieben danke dafür

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    infinity -

    Interessanter und ausführlicher Einstieg. Und selbst wenn es 5 Kapitel dauert bis du beim Kern auch nur ansatzweise ankommst... Völlig egal. Ich bin gespannt auf die Story. Und auch wenn Marc im Grundzug (Alter / USA etc.) anfangs vielleicht auf dem selben Gleis sitzt... Da hinten ist ne Weiche und da trennen sich dann die schreiberischen Wege. Sicher nicht in der Qualität, aber in der Geschichte.

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      TurboStar -

      Die Weiche gibt es garantiert. Wir haben ja beide unsere Vorstellungen davon, wie sich die Charaktere weiterentwickeln und damit ist schon vorgegeben, dass die zu Anfang großen Gemeinsamkeiten sich irgendwann auflösen. Manche bleiben aber vielleicht auch eine Weile erhalten.

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    Werner 1960 -

    Gut zu lesen mach weiter so.

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      TurboStar -

      Danke. Klar mache ich weiter so - im nächsten Kapitel etwas mehr als manchem lieb sein könnte :P

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      Werner 1960 -

      DAnn lassen wir uns mal Überraschen, so wie wir Dich kennen bist Du immer für eine Überraschung gut.

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    thespone -

    Ein sehr schöner Einstieg in die neue Geschichte. Ich freue mich schon auf's nächste Kapitel! :)

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      TurboStar -

      Dankeschön. Ist schon fast fertig.

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      thespone -

      Soll aber natürlich kein Druck sein, obwohl du auch im ATS-Tagebuch gekonnt Cliffhanger nutzt ;)

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      TurboStar -

      Gegen Druck bin ich in fast 4 Jahren Tagebuch (ja, wirklich...) langsam immun geworden.

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    alaskabaer01 -

    Klasse Einstieg. Weiter so. Freu mich schon aufs nächste Kapitel.

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    Biker3976 -

    Ein schöner Einstieg, wenn auch mit traurigem Ende. Weiter so :)

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    Sauerlaender -

    Außerdem hast du deinem Protagonisten dann auch noch meinen Geburtstag gegeben. ;) Zufälle gibt's.

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      TurboStar -

      Na das ist wirklich Zufall. Ich wollte einen Geburtstag am Jahresende und habe dann anstatt zufällig einen auszuwürfeln den meiner Oma genommen.