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[Woche 7 - Mittwoch bis Sonntag] Seegang, alter Mann mit Krückstock und ein Reifenplatzer

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    [Woche 7 - Mittwoch bis Sonntag] Seegang, alter Mann mit Krückstock und ein Reifenplatzer



    Mittwochnachmittag, Mellbystrand.
    Nachdem ich den Actros auf dem Tankstellengelände geparkt habe meldet mein Magen unüberhörbar dass es Zeit für eine Mahlzeit wird. Ich gehe ausnahmsweise mal ins Restaurant mit dem goldenen 'M'. Anschließend nutze ich meine Pause um im Supermarkt ein paar Vorräte einzukaufen.
    Wie so oft habe ich auch heute für die Mittagspause das Mobiltelefon einfach im Fahrzeug gelassen. Das Telefon zeigt zwei Anrufe in Abwesenheit einer britischen Nummer. Ich tippe auf Rückruf. Nach kurzem Klingeln wird
    abgenommen: „BJB Lift Trucks. Fred Stone.“ „hansekontor...“ „Aaaah. Hallo Christian. Schön, dass Sie zurückrufen.“ „Keine Ursache, bin gerade vom Mittag zurück. Was kann ich für Sie tun?“ „Es geht ums Thema Lager für die KALMAR-Teile. Ihre Fahrerin war ja gestern da und hat für Rostock geladen, was unsere Techniker
    Freitag früh brauchen. Wir müssen uns allerdings demnächst nochmal zusammensetzen und die Warehousing-Verträge abschließen.“
    „Mhm. Aktuell bin ich unterwegs nach Frankreich und mit nem Anschlussauftrag bis kommenden Dienstag unterwegs.“ „Würde es Ihnen passen, wenn ich nächste Woche Mittwoch bei Ihnen in Uppsala reinschaue?“ „Sehr gerne.“





    Am Abend telefoniere ich mit Sandra und teile ihr den Termin am Mittwoch mit. Danach ist es Zeit ein wenig Augenpflege zu betreiben.



    Donnerstag, Mellbystrand.
    Es ist kurz nach Mitternacht als mein Wecker sich meldet. Ich mache mir einen Kaffee und ein Toast. Punkt 00:45 Uhr zeigt das Kontrollgerät an, dass die Pause voll ist. Ich starte den Actros und mache die Abfahrtskontrolle.
    Die Strecke von Mellbystrand zur Fähre in Trelleborg kenne ich bereits von der Vorwoche; nur muss ich dieses mal an ein anderes Terminal, da ich nach Rostock übersetzen will. Bei der Routenplanung hatten wir ursprünglich die Überfahrt nach Travemünde in Erwägung gezogen. Diese startet jedoch später und dauert zudem länger.
    Nach 2,5 Stunden Fahrzeit erreiche ich das Fährterminal. Ich stelle den Actros in den Wartebereich und nutze die verbleibende Zeit bis zum Einschiffen um in Ruhe Duschen zu gehen und mir beim Bäcker ein Stück Kuchen zu
    holen.








    Die Fähre ist kurz vor Rostock und wird vom Wellengang ordentlich durchgeschaukelt. Ein Passagier rennt kreidebleich an mir vorbei in Richtung Toilette, ist am Ende aber nicht schnell genug. Mich stört der Seegang zum Glück kaum.
    Um 13:30 Uhr kann ich meinen Actros von der Fähre rollen. Vom Sturm, der auf See für die Wellen gesorgt hatte, ist jetzt nichts mehr zu merken. Schnell erreiche ich die Ostseeautobahn A20 auf die ich in Richtung Lübeck
    auffahre. Am Kreuz Wismar fahre ich dann auf die A14. Eigentlich würde ich auf der A20 bleiben um Hamburg näher zu kommen – die angekündigte Großbaustelle nahe Lübeck hat jedoch dafür gesorgt, dass ich lieber ein paar Kilometer weiter über A14 und A24 geplant habe. Am Kreuz Hamburg-Ost treffe ich dann auf die A1.
    Ich erreiche nach etwas über 4 Stunden Fahrzeit den Autohof Sittensen. Eine gute Zeit fürs Abendessen. Auf dem Weg zum Restaurant sehe ich überraschend einen Actros-Gliederzug von Terratrans aus Bremen. Sollte etwa Tommy...??? Ich gucke auf das Fahrerschild im Führerhaus. Tatsächlich... Allerdings ist der Actros derzeit verwaist. Ich gehe also weiter. Die Blase drückt, also zuerst zur Toilette. Als ich anschließend am Waschbecken stehe höre ich Tommy's Stimme: „Chris?“ „Hier is einer!“ „Was 'ne Überraschung.“ „Tommy. Schön dich zu sehen. Warst du schon essen?“ Da er das verneint gehen wir gemeinsam ins Restaurant und holen uns was zu futtern.





    Nach der Pause mit Tommy führt mich mein Weg immer der Sonne hinterher in Richtung Düsseldorf
    über A1, A43, A2, A3, A52 und A44. Unterwegs noch einmal Pause – ich will bis zu meiner Niederlassung kommen und muss dafür auf einen Zehner gehen. Auch wenn die Fahrt insgesamt gut läuft reicht es am Ende nicht ganz. Mit 15 Minuten über dem Limit, es ist inzwischen schon Freitag im Kalender, erreiche ich mein Etappenziel. Da Steffy eh unterwegs ist und ansonsten niemand auf den Hof müsste bleibe ich direkt in der Einfahrt stehen und mache Feierabend. Zum Schlafen nutze ich diese Nacht eines der Fahrerzimmer im Gebäude.




    Freitag, Düsseldorf
    Es ist kurz nach 09:00 Uhr als ich aufwache. Zum Anfang meiner Nachtruhe habe ich schlecht geträumt – der kreidebleiche Fährpassagier und seine Begegnung mit 'Uuuuuulf' (oder war es 'Jöööööörg'?) hat mich begleitet.
    An alles weitere kann ich mich nicht erinnern, da ich dann wie ein Stein geschlafen haben muss. Ich springe unter die Dusche. Anschließend mache ich mir einen Kaffee und ein Brötchen zum Frühstück.

    Meine Tasse scheint ein Loch zu haben. Jedenfalls kommt mir mein Kaffee ziemlich klein vor. Ich mache mir direkt noch einen. Da ich noch Zeit habe bis ich wieder auf die Straße kann schnappe ich mir meinen Laptop um einmal ins Disposystem, in die Buchhaltung und ins Trailerprogramm zu schauen. In der Dispo nichts neues – alle Mädels, sowie Donald und Tom planmäßig unterwegs. Auch die Bücher zeigen sich unkritisch. Geld ist zwar ein durchlaufender Posten. Aber es bleibt auch etwas hängen um weiter investieren und wachsen zu können, wenn der Bedarf entsteht. Im Bereich Warehousing wird dieser ja demnächst da sein. Im Trailerprogramm kann ich sehen, dass die Jungs vom Trailerservice in Hamburg keine Däumchen drehen. Sie arbeiten am Chereau vom
    Hannoveraner und parallel dazu an einem Leasingrückläufer, der kommende Woche zu einem neuen Kunden soll. Mit frischer Prüfplakette und einwandfreiem Zustand versteht sich. Josephine hat die Woche vom KRONE-Werk 2 neue Trailer geholt, die ebenfalls kommende Woche an einen Kunden im Raum Hamburg gehen. Als ich das Programm gerade schließen will fällt mir noch eine Anfrage aus Dänemark auf: Eisitrans. Das sagt mir was. Den Firmennamen habe ich schon mal im Funk aufgeschnappt wenn ich im Bereich Kopenhagen bzw. Odense unterwegs war. Ich greife zum Telefon und wähle die dänische Rufnummer. „Eisitrans. Der Bär am Apparat.“ „Moin.
    hansekontor. Christian. Ich habe hier eine Anfrage bezüglich Trailer vor mir liegen. Ich bin kommende Woche Montag frühs auf dem Weg von Belgien nach Schweden auf Durchfahrt in Kopenhagen. Wenn's passt würde ich dann mal bei euch reinschauen um über die Trailer zu sprechen.“
    „Gerne doch.“

    Nach dem Telefonat rufe
    ich Josephine an um ihr mitzuteilen, dass sie die Anfrage offen stehen lassen kann und ich mich darum kümmere.





    Um kurz vor 12:00 Uhr packe ich meine Bürosachen wieder in die Laptoptasche und gehe zu meinem Actros. Ein alter Mann mit Krückstock steht scheinbar gedankenverloren davor und schaut interessiert auf die Yacht. „Moin.“
    Er schreckt zusammen. „Morgen.“ „Kann ich Ihnen helfen?“ „Ähm nein. Nicht wirklich. Ich war nur gerade am überlegen ob schon wieder Zeit für die 'boot.düsseldorf' ist.“ „Nein. Die ist erst im Januar wieder. Diese Yacht geht zu einem Kunden in Frankreich.“ „Aja. Nun gut. Sie müssen bestimmt arbeiten...“ Mit diesen Worten humpelt er langsam von dannen. Bei mir wird es Zeit für die Abfahrtskontrolle. Kurz nach 12:00 Uhr ist dieser Arbeitsschritt erledigt und ich mache mich dann direkt los. Der Weg führt über Roermond, Maasmechelen und Löwen. Bei Brüssel-Zaventem folge ich der E40. Nördlich um Brüssel herumführend wird daraus dann die E19, die ich an der Abfahrt 'Halle' verlasse. Der Weg führt weiter gen Westen. Als ich Tournai passiere klingelt mein Telefon: „Hi Schatz.“ „Hallo meine Süße.“ „Bist du schon in Frankreich?“ „Noch nicht ganz. Ich bin gerade bei Tournai über die Schelde-Brücke.“ „Ah OK. Dann dauert es ja nicht mehr all zu lange. Passt deine Fahrzeit nachher für die Leerfahrt bis nach Liege?“ „Wenn mir keiner im Weg rumsteht sollte das passen.“









    Um 18:30 Uhr sehe ich, dass sich ein quietschgelber Porsche hinter mich gesetzt hat und mir folgt. Im Binnenhafen von Lille angekommen stellt sich heraus, dass es der Käufer der Yacht ist. Für die Entladung und dem Wassern der
    Yacht hat er ein Team an Arbeitern organisiert, so dass ich Pause machen kann. Ich sitze bei offener Fahrerhaustür mit einer Tasse Kaffee auf dem Beifahrersitz und überlege gerade was ich mir zum Abendessen mache. „Wollen Sie nachher auch was essen? Ich lasse für meine Arbeiter zu 21:00 Uhr was liefern, ein Essen mehr fällt meiner
    Frau in der Buchhaltung auch nicht auf.“
    Ich muss grinsen und stimme zu.





    Die Entladung der Yacht hat gut 2 Stunden in Anspruch genommen. Ein Asia-Lieferservice lieferte
    das bestellte Abendessen und die Arbeiter, der Yachtkäufer und ich sind gesättigt als die Uhr 22:00 Uhr zeigt. Ich verabschiede mich und fahre mit dem leeren DOLL im Schlepp in Richtung Tournai die Strecke die ich am Nachmittag gefahren bin zurück. Ich bleibe dann allerdings auf der E42 und fahre durch die Nacht vorbei an Mons und Namur.




    Samstag, Liege
    Als ich das Gewerbegebiet in der Nähe vom Airport Liege erreiche ist es 02:00 Uhr. Auf dem Gelände des
    Logistikers ist alles dunkel. Aber da ich für die Abholung avisiert bin kann ich über eine Ziffernkombination das Tor öffnen und den Actros auf den abgesprochenen Ladeplatz rangieren.





    Um 07:00 Uhr klingelt mein Wecker und beim Blick aus dem Fenster sehe ich, dass ich nicht mehr alleine bin. Ich steige aus und gehe zum Büro. „Guten Morgen.“ „Guten Morgen. Sie sind vom hansekontor?“ „Jo. Ich soll für
    Jönköping laden. Ich bräuchte vorher aber ne Dusche.“
    „Kein Problem. Treppe hoch und links. Nur Kaffee kann ich Ihnen nicht anbieten, wir haben vergessen neuen einzukaufen.“ „Damit kann ich leben.“ „Stehen Sie am Verladeplatz wie wir das vorher telefonisch besprochen haben?“ „Ja.“ „Gut. Dann lasse ich mit der Verladung beginnen, damit Sie so bald wie möglich los kommen.“






    Verladung, Sicherung und das Erstellen der Papiere sind um kurz nach 11:00 Uhr erledigt. Mit
    verkürzter Ruhezeit passt das also um direkt zu starten. Es geht über die belgische A3, ab Grenzübergang Lichtenbusch dann A44. Ich bin gerade auf die A4 gewechselt als ich sehe wie ein Kollege hinter mir mit seinem
    roten Actros ins Schlingern gerät und ohne irgendwo einzuschlagen zum stehen kommt. Ich schalte die arnblinkanlage ein und laufe über den Standstreifen zu ihm.



    Ihm ist ein Reifen geplatzt, aber sonst nichts passiert. Ein Streifenwagen, der zufällig kurz hinter uns war hat die Pannenstelle umgehend abgesichert. Mich fragt der Uniformierte: „Sind Sie , bzw. ihr Fahrzeug beteiligt?“ „Nein. Ich habe ihn nur im Rückspiegel schlingern sehen.“ „OK. Dann möchte ich Sie bitten weiter zu fahren.“ Der Aufforderung komme ich nach, hinterlasse aber für eventuelle Nachfragen meine Handynummer. Ich erreiche die A1, der ich jetzt bis Hamburg folgen muss. Mein Telefon schweigt. Die Baustellen auf dem Weg gen Norden bremsen mich kaum aus, sodass ich trotz des Stops auf der A4 wie geplant innerhalb meiner Fahrzeit die Strecke bis zu meiner Niederlassung schaffe.
    Um 20:55 Uhr rolle ich dort auf den Hof. Ich tanke noch an der Betriebstankstelle auf. Dann herrscht Stille auf dem Hof. Josephines gut 25 Jahre alter 143er Scania, sie will von einem jüngeren Truck derzeit nichts wissen, steht in der Halle. Im Lagerhaus und in der Werkstatt auf der anderen Straßenseite ist alles dunkel.

    Ich gehe in die Küche und finde dort einen Zettel: „In meinem Computer findest du die Grafikentwürfe für den Trailer vom Hannoveraner direkt auf dem Desktop. Die Jungs machen Montag die letzten Arbeiten bevor er
    fertig ist. Schönes Wochenende. Josy.“
    Da ich neugierig bin, fahre ich den Rechner hoch und schaue mir die Grafiken an.











    Sonntag, Hamburg.
    Um 08:00 Uhr werde ich wach. Nach der Morgentoilette gehe ich zuerst zum Bäcker um mir Brötchen zu holen. Auf dem Weg zurück siegt die Neugier über den Hunger – ich gehe erst einmal in die Werkstatt vom Trailerservice.
    Die beiden neuen Trailer stehen auf dem Hof. In der Halle der Leasingrückläufer und der Chereau-Schaustellerauflieger. So wie es aussieht meinte Josephine mit 'die letzten Arbeiten' noch die Montage der Beleuchtung. Denn bis auf die ist sonst alles dran. Das Ergebnis gefällt mir. Und dem Kunden dann hoffentlich auch.
    Zufrieden verschließe ich die Werkstatt wieder und gehe rüber in die Niederlassung um zu frühstücken.

    Den Rest des Sonntags verbringe ich dann mit fernsehen und Mittagsschlaf. Um 17:00 Uhr werde ich vom Klingeln meines Telefons wach. Das Gespräch mit Sandra dauert gut eine Stunde.

    Am Abend mache ich mir ein paar belegte Brötchen und eine Kanne Kaffee für die bevorstehende Nachtfahrt. Um 22:00 Uhr schließe ich die Niederlassung ab und mache mich nach der Abfahrtskontrolle auf den Weg zur Fähre in Puttgarden.


    Gruß Christian
    hansekontor

    Das Wasser ist nicht tief. Es geht den Enten nur bis zum Bauch!

    121 mal gelesen

Kommentare 3

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    alaskabaer01 -

    Schön geschrieben. Netter Trucker biste, immer Sorgen um die Geschlingerten Kollegen machste dir. Einfach nur Berufsehre, halten eben zusammen die Brummifahrer. Wie Taxifahrer, die sind Untereinander nicht anders.

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    Sauerlaender -

    Wieder schön geschriebenes Kapitel. Übrigens ich habe ja schon viele Schreibweisen gesehen Leuven, Louvain aber noch nie die deutsche Schreibweise Löwen :D

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      infinity -

      Einmal ist immer das erste mal. Die Schreibweise schieb ich jetzt mal ganz plump Google-Maps in die Kartentasche.