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1. Der Mann aus Sacramento

  • Der Mann aus Sacramento

    Ich habe einen Traum. Als Owner Operator mit einem eigenen Kenworth W900 unterwegs sein. Das Ganze dann auch noch als Long Hauler. Mit dem eigenen Truck durch ganz Nordamerika zu fahren, das ist das, was ich möchte.

    Ich bin übrigens Marc Murdock, 21 Jahre, geboren und aufgewachsen in Sacramento, Kalifornien. Hier wohne und lebe ich immer noch. Zurzeit wohne ich immer noch im Haus meiner Eltern. Aber Kalifornien ist nun mal nicht gerade billig. Ohne einen vernünftigen Job ist das kaum zu finanzieren.
    Ich bin aber der Einzige von drei Geschwistern, der noch zu Hause lebt. Mein älterer Bruder Steven, der aber meist nur Steve gerufen wird, ist nach einem heftigen Streit mit meinen Eltern ausgezogen und dann kurz entschlossen zur US Army gegangen. Dort ist er inzwischen Sergeant bei den Marines. Er ist inzwischen 26, also fünf Jahre älter, als ich. Meine ein Jahr jüngere Schwester Jessica, die meist Jessy gerufen wird, ist vor den Diskussionen zu Hause gleich vorab geflüchtet und mit ihrem Freud Dave zusammengezogen. Sie wohnen jetzt in einem kleinen Appartement in Downtown Sacramento.
    Ich kann allerdings zugeben, dass ich von den Auszügen meiner Geschwister profitiert habe. Spätestens, seitdem Jessy ausgezogen ist und ich ihre Räumlichkeiten nutzen konnte, habe ich genug Platz für mich. Außerdem hat es meine Eltern dazu bewogen, doch noch mal darüber nachzudenken, ob ihre Einstellung in Bezug auf ihre Kinder immer so richtig war. Im Gegensatz zu meinen Geschwistern brauche ich heute nicht mehr über jede Kleinigkeit diskutieren.

    Wo ich gerade bei meinen Eltern bin, kann ich gleich was über sie erzählen. Sie sind beide Jahrgang 1960. Also Mitte Fünfzig. Mein Dad, Frank Murdock hat in seinem Leben auch Karriere gemacht. Er ist seit seiner Ausbildung bei Walmart. Dort hat er aber sehr schnell seinen Job in einem Supermarkt gegen einen, im Logistikbereich getauscht. Dort hat er sich dann vom einfachen kaufmännischen Mitarbeiter hochgearbeitet. Erst war er dann Dispatcher, was dem deutschen Disponenten entspricht. Dann wurde er zum Abteilungsleiter. Als Walmart den Transportbereich Outgesourct hat und die Walmart Transportation gegründet wurde, ging er mit in das neue Unternehmen. Dort wurde er dann vom Abteilungsleiter zum Niederlassungsleiter in Sacramento befördert und schließlich wurde er sogar Gebietsleiter für Kalifornien. Ihm ist nur noch die Geschäftsleitung in Bentonville, Arkansas übergeordnet.
    Entsprechend gut verdient mein Dad heute. Wir haben in einem gehobenen Wohnviertel am Rand von Sacramento ein schickes Haus mit allem Komfort im Haus und einem großen Pool im Garten.
    Meine Mom, Mary Murdock, ebenfalls Jahrgang 1960, hat früher ebenfalls als Dispatcher bei Walmart gearbeitet. Dort haben sich meine Eltern dann auch kennengelernt. Zu Walmart Transportation ist sie dann aber nicht mehr mitgegangen. Als Steve unterwegs war, hat sie aufgehört zu arbeiten und ist zur Hausfrau geworden. Allerdings hat sie sich immer auf dem Laufenden gehalten, um eventuell wieder zu arbeiten, wenn es ihr zu Hause zu langweilig wird.
    Uns ging es immer finanziell gut. Daher hatte es uns auch nie an irgendwas gefehlt. Das einzige Problem war früher, dass mein Dad immer der Meinung war, uns vorzuschreiben, was wir denn beruflich machen sollten. Meine Mom hat immer davon geträumt, dass wir irgendwann nach Berkeley gehen sollten und dort studieren sollten. Bisher konnten wir uns da alle gegen wehren.
    :D
    Mein Dad war dann aber etwas hartnäckiger. Er wollte uns dann unbedingt in einen kaufmännischen Beruf drängen. Dadurch entwickelte sich dann auch der große Streit mit Steve. Mein Bruder hatte bereits in der Schule nicht gut mit Zahlen umgehen können. Er stand in Mathe immer auf D bis E. (Entspricht in Deutschland 4 – 5). Außerdem wollte er keine Karriere bei Walmart machen. Dann kamen von unseren Eltern immer die üblichen Sprüche, wie: „Solange du deine Füße unter unseren Tisch…“ Schließlich packte Steve seine Sachen und zog mit Sack und Pack aus. Inzwischen haben Jessy und ich wieder Kontakt zu ihm. Unsere Eltern reden immer noch nicht mit Steve.

    Jessy und ich haben es da etwas anders gemacht. Wir haben dann beide eine entsprechende Ausbildung begonnen. Damit man uns nicht vorwerfen konnte, dass wir von der Stellung unseres Vaters profitieren würden, machten wir unsere Ausbildung aber nicht im Walmart Konzern. Meine Schwester ist jetzt im letzten Ausbildungsjahr bei FedEx. Ich hatte meine Ausbildung im Büro bei UPS gemacht. Diese habe ich diesen Sommer erfolgreich beendet und mit der Gesamtnote A abgeschlossen.
    Welche Motivation meine Schwester dabei hatte, ist mir nicht bekannt. Sie hat die Ausbildung einfach begonnen. Ich hingegen hatte einen Hintergedanken dabei.
    Um mein Ziel zu verwirklichen, als Owner Operator zu fahren, kann es nicht schaden, wenn man den entsprechenden Background hat, um nicht nur fahren zu können, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll zu handeln.
    Lange Zeit habe ich überlegt, wie ich meinen Eltern beibringen könnte, was ich mit meinem Leben vorhabe. Lange Zeit kam ich nicht auf eine Lösung dazu. Das änderte sich dann erst, nachdem Jessy mit ihrem Freund zusammenzog.

    Eines Abends haben wir dann gemütlich zusammengesessen. Dann fing meine Mom plötzlich an, heftig zu weinen. „Alle Kinder verlassen uns.“ Schluchzte sie dann heftig. „Steve redet kein Wort mehr mit uns und Jessy ist jetzt auch weg. Wahrscheinlich geht Marc auch bald aus dem Haus. Was mache ich dann hier alleine.“ Dad und ich versuchten sie zu beruhigen, was nicht wirklich einfach war. Zumal Dad der Meinung war, er habe nur noch einen Sohn und eine Tochter. Steve war für ihn gestorben. Jessy hatte er noch nicht ganz abgeschrieben.
    Schließlich beruhigte sich Mom ein wenig. „Was haben wir denn bloß falsch gemacht?“ fragte sie dann. Dad zuckte mit den Schultern. „Wir haben den Kindern alles gegeben. Sie sind einfach nur undankbar.“ Dieser Satz verärgerte mich dann doch sehr. Entsprechend wütend sah ich Dad an. „Abgesehen von Marc.“ Fügte er dann noch schnell hinzu. Mom nickte zustimmend. Sie war ja immer seiner Meinung.
    Mein Ärger überstieg an diesem Abend meine Vorsicht, die Jessy und ich sonst immer Dad gegenüber vorzogen. „Wollt ihr wirklich meine Meinung dazu hören, oder soll ich sie besser herunterschlucken?“ „Du bist alt genug. Entscheide das selbst.“ Sagte mein Vater mit einem kalten Blick, den er immer hatte, wenn es kurz darauf Streit gab. Mom merkte das an diesem Abend nicht. „Sag ruhig deine Meinung.“ Meinte sie aufmunternd. „Ich will ja wirklich wissen, warum ihr alle von zu Hause ausziehen wollt.“ „Das will ich ja gar nicht.“ Sagte ich. „Das ist doch in Ordnung.“ Sagte Dad. „Genug Platz haben wir ja hier. Worum geht es denn dann?“
    Ich nahm allen Mut zusammen. „Es geht darum, dass ihr entscheiden wollt, was wir später beruflich machen.“ „Was ist denn so falsch daran?“ fragte Dad. „Wir haben nun mal die Möglichkeit und das Geld euch studieren zu lassen. Das wollte keiner von euch. Obwohl eure Mutter euch gerne nach Berkeley geschickt hätte. Gut. Das haben wir akzeptiert. Was jetzt kommt, hat nun mal damit zu tun, dass ihr später auch davon leben sollt. Daher sind wir der Meinung, dass eine gute Ausbildung nicht schaden kann. Die machen Jessy und du ja auch. Wo ist dann das Problem?“ „Das Problem kommt dann nach der Ausbildung.“ Sagte ich trotzig. „Ich habe weder vor, bei UPS, noch bei Walmart als Dispatcher zu arbeiten. Was Jessy vorhat, weiß ich aber nicht.“ „Du hast aber schon gewisse Vorstellungen, was du nach der Prüfung machen willst.“ Sagte Dad. Ich wusste dabei nicht, ob das eine Frage, oder eine Feststellung war. „Ich habe sehr klare Vorstellungen davon, was ich machen möchte. Dazu macht die Ausbildung auf jeden Fall Sinn.“ Sagte ich. „Dann würde ich gerne mal erfahren, was du dir für dein Leben so vorstellst.“ Sagte Dad.
    Nun saß ich in der Falle. Ich konnte ihm nun, um des lieben Friedens willen, was vorlügen, würde dann aber später immer darauf festgenagelt, oder ich sagte ihm die Wahrheit. Nach kurzem Abwägen entschied ich mich für die Wahrheit. „Ich möchte mich selbstständig machen. Ich möchte gerne als Fuhrunternehmer meine eigene Firma aufmachen. Dann möchte ich als Owner Operator mit einem Truck unterwegs sein.“

    Das saß. Meiner Mutter wich sämtliche Farbe aus ihrem sonst sonnengebräunten Gesicht. Dad sagte erstmal nichts. Ich sah aber, wie es in ihm arbeitete. Er überlegte wohl, ob das wirklich mein Ernst war. Nach einiger Zeit begann er lauthals zu lachen. Er lachte und lachte. So laut, dass vermutlich das ganze Viertel sein Lachen hören konnte.
    Als er aufhörte, wurde sein Blick wieder kalt. „Das ist nicht dein Ernst.“ Sagte er, mit eiskalter Stimme. Ich riss mich zusammen. „Das ist mein voller Ernst. Da träume ich schon seit vielen Jahren von.“ Mom sagte gar nichts mehr. Dad schon. „Marc, wach auf. Du bist doch keine fünf mehr. Du bist 21. Es geht um den Job, den du vielleicht für den Rest deines Lebens machen willst.“ „Das weiß ich.“ Sagte ich mit zittriger Stimme. Ich bekam jetzt Angst vor meiner eigenen Courage. „Da verdienst du doch nichts. Ich kenne doch die Tarife. Als Anfänger bekommst du noch nicht einmal einen Dollar pro Meile. Und ich rede von den Tarifen für Owner Operator, nicht für angestellte Fahrer. Davon musst du noch die Krankenversicherung selbst bezahlen, die Altersversorgung, dann den Unterhalt und den Diesel für den Truck. Den Truck selbst musst du ja dann wohl auch noch abzahlen.“ „Das habe ich doch schon durchgerechnet.“ „Dann kommt noch dazu, dass du einen Trailer brauchst. Der muss auch abgezahlt werden, der muss gereinigt werden. Dann die Reparaturen für Truck und Trailer, die Reifen und so weiter.“ „Das ist schon klar.“
    Mom hatte uns schon eine ganze Weile zugehört. „Frank, du könntest ihm doch unter die Arme greifen.“ „Ich soll ihm auch noch dabei helfen, diesen Schwachsinn durchzuziehen?“ fragte er sie und wurde dabei schon wieder lauter. „Ihr habt doch auch ein paar Subunternehmer.“ Sagte sie. „Das stammte noch aus einer Zeit, wo die Herren in Bentonville mal daran gedacht haben, den eigenen Fuhrpark abzustoßen. Da habe ich angefangen, Unternehmer zu suchen. Nachdem das Thema vom Tisch war, habe ich auch keine mehr angenommen. Die paar Unternehmer kann ich doch an einer Hand abzählen. Das Einzige was da im Moment noch läuft, ist der Trailer Tausch mit den großen Logistikern. Die stellen uns im Moment schon mal Trailer zur Verfügung, dafür bekommen die Überregionales Sammelgut.“ „Fragt mich mal jemand, ob ich das überhaupt will?“ mischte ich mich ein. „Du bist gar nicht dran.“ Sagte Dad mit lauter Stimme. „Ich wusste, dass es ein Fehler war, davon anzufangen. Mit euch kann man ja nicht reden.“ Schrie ich und schlug mit der Faust auf den Tisch.
    „Jetzt reicht’s.“ sagte Dad ruhig und mit eiskalter Stimme. „Geh auf dein Zimmer. Sofort.“ „Langsam fange ich an, Steve und Jessy zu verstehen.“ Sagte ich. Dann drehte ich mich um und ging.

    An diesem Abend hörte ich dann noch, wie meine Eltern lautstark stritten. Leider hatte ich es geschafft, den Frieden in diesem Haus wieder mal zu stören. Immer wieder konnte ich ganze Teile des Streitgesprächs bei mir deutlich verstehen. So laut war es. „Du vergraulst unsere Kinder…“ hörte ich Mom schreien. „So einen Schwachsinn unterstütze ich nicht…“ kam es zurück. „Dann sind bald alle Drei aus dem Haus…“ kam es dann wieder zurück.
    Irgendwann nahm ich meine Kopfhörer und drehte die Musik auf, um den Streit nicht mehr zu hören.

    Am nächsten Tag war ich früh aus dem Haus. Zu der Zeit war ich noch in der Ausbildung bei UPS. Meine Eltern sah ich an dem Morgen gar nicht mehr. Am Vormittag bekam ich dann einen Anruf von meiner Mom, die sich mit mir treffen wollte. Wir verabredeten uns für meine Mittagspause in einer nahgelegenen Shopping Mall.
    Wir gingen in einen Starbucks und tranken dort einen Kaffee zusammen.
    Dort ergriff Mom das Wort. „Willst du das wirklich machen?“ „Was meinst du?“ „Das mit dem LKW Fahren. Als Owner Operator.“ „Das ist mein Ziel.“ „Du weißt, dass dein Vater hier viel Einfluss hat. Es kann sein, dass dir keiner Aufträge gibt, wenn die hören, dass du der Sohn von Frank Murdock bist.“ „Wenn er das macht, dann tut es mir leid.“ Sagte ich mit entschlossener Miene. „Erinnerst du dich noch an Tom Hardy? Der war mein bester Freund, bis er damals mit seinen Eltern nach Oregon gegangen ist.“ „Natürlich erinnere ich mich an Tom.“ „Wir haben ja immer noch Kontakt. Früher über Briefe, inzwischen Chatten wir öfter mal zusammen. Der hat sich inzwischen selbstständig gemacht. Der hat inzwischen schon drei Trucks, mit denen er Holz fährt.“ „Was auch sonst, in Oregon.“ „Wenn mir Dad hier alles verbaut, dann gehe ich nach Oregon und steige bei Tom als Partner mit ein. Dort hat er keinen Einfluss. Oregon ist nicht Kalifornien und schon gar nicht Sacramento.“ „Dann gehst du also auch weg.“ Sagte Mom resignierend. „Eigentlich hatte ich das nicht vor.“ Sagte ich. „Außerdem habe ich keine Lust, mit dem Truck durch den Wald zu fahren und Holzstämme aufzusammeln. Da musst du Ketten anlegen, damit du nicht stecken bleibst, dann krabbelst du auf den Stämmen rum, um die Ladung zu sichern. Außerdem hast du ständig Theater mit den Cops, weil du zu viel Gewicht hast. Das ist mir viel zu dreckig und zu viel Scherereien.“ „Ich verstehe.“ „Ich würde gerne in Sacramento bleiben und hier fahren. Dads Einfluss brauche ich dafür nicht. Ich habe ja selber Kontakte aus der Ausbildung. Zu UPS und zu unseren Kunden.“ „Du bist also fest entschlossen.“ Stellte Mom fest. „Das bin ich. Wenn es gar nicht anders geht, dann eben in Oregon.“ „Gut." "Wie ging es denn gestern aus?“ „Unentschieden. Allerdings hat dein Vater die besseren Kontakte. Ich hatte zwar die besseren Argumente…“ „…aber die zählen nicht, wenn Frank Murdock eine andere Meinung hat.“ „Ich bin dann irgendwann schlafen gegangen, weil ich keine Lust mehr hatte.“ „Und Dad?“ „Der hat im Gästezimmer übernachtet.“ Sagte Mom und verdrehte die Augen. „Deshalb unentschieden.“ Stellte ich fest. „Genau.“ „Ich muss wieder zur Arbeit.“ Sagte ich. „Gut. Ich versuche noch mal mit Dad zu sprechen.“ Sagte sie. Dann trennten wir uns.

    Als ich nach Feierabend nach Hause kam, war Dad noch nicht da. Er machte in seinem Büro im Zentrallager von Sacramento auch immer reichlich Stunden. „Ich habe nochmal mit Dad gesprochen.“ Sagte Mom zu mir. „Ich habe ihm das mit Oregon erzählt und dass wir dich dann hier nicht mehr halten können.“ „Hoffentlich war das kein Fehler.“ Sagte ich. „Nicht dass er seinen Einfluss nach Oregon ausdehnt.“ „Aber nicht in die Holzbranche.“ Sagte Mom. „Da kennt er keinen.“ „Na hoffentlich.“ Sagte ich nur.
    Dad kam dann auch noch zu spät zum Abendessen. Mom und ich waren schon fast fertig. „Sorry, wir hatten noch eine Videokonferenz mit Bentonville.“ Sagte er zur Entschuldigung. Ansonsten wirkte er ganz ruhig. Dann aßen wir erstmal zusammen zur Abend.
    Als ich mit dem Essen fertig war, wollte ich auf mein Zimmer gehen, aber Dad sagte: „Kannst du bitte sitzen bleiben?“ „Sorry, ich wollte noch für die Prüfung lernen.“ „Es ist aber wichtig.“ Sagte Dad mit ruhigem Ton. Ich setzte mich also wieder. Ich wollte ja nicht schon wieder einen Streit provozieren.
    Nachdem er dann aufgegessen hatte, räusperte er sich, dann begann er: „Marc, ich habe gestern noch eine ganze Zeit mit deiner Mutter geredet…“ „Geredet ist gut. Ich habe euch bis oben gehört.“ Warf ich ein. „Bitte lass mich ausreden.“ Sagte er ruhig. Seine Stimme wurde aber schon wieder ein paar Grad kühler. „Sorry.“ „Schon gut. Also wir haben gestern noch mehrere Argumente ausgetauscht und deine Mom war auch heute Nachmittag noch bei mir im Büro und hat mir von der Oregon Sache erzählt.“ Er sah mich an und nickte mir zu. Ich durfte also reden.
    „Eigentlich ist das nicht das, was ich mir so vorstelle. Das wäre nur die Alternative, wenn du dich absolut dagegen querstellst und hier deinen Einfluss geltend machst.“ „Um ehrlich zu sein finde ich das auch schon zu gefährlich.“ Sagte Dad. „Der Job als Truck Driver ist so schon sehr gefährlich. Aber das Ganze dann auch noch im Wald, dort Baumstämme mit dem Kran aufladen und auf den Stämmen rumturnen, dann noch Ketten aufziehen und so weiter, das muss wirklich nicht sein.“ „Wenn es nicht anders geht…“ „Es geht mit Sicherheit auch anders.“ Sagte Dad. „Du willst Truck fahren? Gut. Dann stelle ich dich bei uns ein. Du wirst Fahrer bei Walmart. Von mir aus auch als Long Hauler, wenn du wirklich so weit fahren möchtest. Dann hast du aber wenigstens ein sicheres Einkommen. Deine Krankenversicherung wird bezahlt und du musst keinen Truck abzahlen.“
    Ich war verblüfft. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem Jobangebot. „Das machst du dann ein paar Jahre lang, bis du die Lust verloren hast und dann fängst du im Büro als Dispatcher an.“ Fuhr er fort. Mom musste wohl mit allen Mitteln gekämpft haben, um das durchzusetzen.
    Ich wusste zuerst nicht, was ich dazu sagen sollte. „Wir bekommen auch demnächst ein paar nagelneue Freightliner Cascadia auf den Hof. Da kann ich bestimmt einen für dich festhalten.“
    Da kam mein Gegenargument. Allerdings war es nicht ganz logisch nachzuvollziehen. „Freightliner Cascadia.“ Sagte ich. „Wahrscheinlich auch noch mit Automatik.“ „Das weiß ich jetzt gar nicht.“ Sagte Dad. „Auch wenn es kein schlüssiges Argument ist, das ist nicht gerade meine Vorstellung von meinem zukünftigen Truck.“ „Willst du jetzt über Nebensächlichkeiten diskutieren?“ fragte mich Dad. „Nicht wirklich. Vielleicht denke ich nach dem Führerschein anders darüber, aber mein Traum ist ein Kenworth W900.“ „Ist das dieser alte Kenworth?“ fragte Dad, der sich nie mit den Trucks selbst auseinandergesetzt hatte. Er musste sie ja nicht fahren. „Klassisch. Nicht alt.“ Sagte ich. „Den W900 gibt es zwar schon ewig, es gibt also auch jede Menge alte W900. Der wird aber bis heute noch gebaut. Dann ist er auch auf dem aktuellen Stand, der hier gefahren wird. In Europa ist der Stand der Technik zwar ein anderer, ich meinte jetzt auch eher von der Umweltfreundlichkeit und so.“ „Mit Kenworth arbeiten wir nicht zusammen.“ Stellte Dad fest. „Eben. Als freier Unternehmer kann ich mir aber kaufen, was ich möchte.“ „Falls du dir das leisten kannst.“ „Das ist natürlich die Kehrseite der Medaille.“ „Ist das jetzt dein Gegenargument?“ fragte Dad. „Dass dir der Truck nicht gefällt?“ „Das ist ein Gegenargument.“ Sagte ich.
    Nun wurde es Zeit meine Geheimwaffe einzusetzen. „Mein wichtigstes Argument ist folgendes.“ Begann ich. „Du bist mir immer ein Vorbild gewesen. Vor allem, was dein Ehrgeiz und deine Zielstrebigkeit bei deiner Karriere angeht.“ Dad schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich möchte, genau wie du es getan hast, was aufbauen. Etwas, wo ich später drauf zurückblicken kann und mit Stolz sagen kann, das habe ich geschafft. So will ich mir mein Unternehmen aufbauen. Wahrscheinlich erst mit einem alten, gebrauchten Truck anfangen, dann meinen Traum kaufen, dann vielleicht einen zweiten dabei. Irgendwann gibt es dann vielleicht die große Firma Murdock. Der amerikanische Traum halt.“
    Mom kriegte vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Auch Dad staunte. Dann fand er die Sprache wieder. „Du hast ja Ehrgeiz, mein Junge.“ „Den habe ich. Garantiert von dir in den Genen vererbt.“ „Und das traust du dir wirklich zu?“ „Ja.“ Nickte ich zuversichtlich. „Du weißt schon, dass das kein Kinderspiel wird.“ „Klar weiß ich das.“ „Wenn ich dir dann jetzt den Job als angestellter Fahrer gebe, wäre das ja kontraproduktiv.“ Stellte Dad fest. „Das sehe ich auch so.“ „Wir schlafen eine Nacht darüber und morgen sprechen wir weiter.“ Beschloss Dad die Besprechung. „Dann geh jetzt lernen, damit du die Prüfung vernünftig bestehst.“ „Okay, Dad.“ Sagte ich und ging in mein Zimmer.

    Das nächste Gespräch mit meinem Dad fand dann aber doch nicht am nächsten Tag statt, da er kurzfristig nach Bentonville musste, wo er einige Sachen mit der Walmart Geschäftsleitung zu besprechen hatte. Das war aber auch nicht so schlimm. Meine Priorität sah sowieso als Erstes vor, meine Berufsausbildung abzuschließen. Dann müsste ich mich darum kümmern, den LKW Führerschein zu machen, den ich dann aber in einer Intensivausbildung machen wollte, die nicht allzu lange dauern würde. Dafür hatte man da dann täglich den Unterricht in Theorie und Praxis.

    Die Gespräche mit meinen Eltern in den kommenden Wochen zeigten, dass sie mich dann bis zu einem gewissen Punkt unterstützen würden. Allerdings stellte mein Dad klar, dass er mir nicht die Selbstständigkeit finanzieren würde. Um meinen Ehrgeiz zu fördern, sollte ich es dann auch wirklich selbst schaffen und nicht alles von Mom und Dad bezahlt bekommen. Das kam mir aber sehr entgegen, da ich es ja auch selber schaffen wollte.
    Man würde mir aber auch keine Steine in den Weg legen. Im Gegenteil. Ich sollte einen Vertrag mit Walmart bekommen, den ich brauchte, um überhaupt eine Chance zu haben.

    Schließlich hatte ich das erste Ziel geschafft. Ich hatte meine Prüfung mit der Gesamtnote A bestanden. Meine Eltern waren stolz auf mich und wir feierten den Abschluss im Familienkreis. Auch Jessy und Dave waren bei der Feier dabei.
    Als Jessy dabei hörte, wie ich mich bei meinen Eltern durchgesetzt hatte, staunte sie nicht schlecht. In einer ruhigen Minute sagte sie zu mir: „Ich weiß nicht, wofür ich dich mehr bewundern soll. Für den Abschluss, oder für dein Durchsetzungsvermögen bei Dad.“ „Einer musste es ja mal machen.“ Sagte ich mit einem Grinsen zu ihr. „Und das mit dem Abschluss schaffst du nächstes Jahr auch.“ „Das werden wir sehen.“ Sagte sie.

    Als Höhepunkt der Feier bat Dad um das Wort: „Marc, ich habe dir ja schon für deinen Abschluss gratuliert. Ich bin wirklich stolz auf dich. Was mich ebenfalls stolz macht, ist der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit, mit der du dein Ziel, Fuhrunternehmer zu werden, angehst. Wir haben ja bei jedem von euch Dreien direkt bei der Geburt einen Sparvertrag angelegt, mit dem ihr eigentlich euer Collage finanzieren solltet. Dort ist aber bekanntlich keiner von euch gelandet. Ich will euch jetzt auch nicht den Abend versauen, indem ich dabei auf das Thema Steven komme, daher lasse ich das. Deinen Sparvertrag, lieber Marc, werde ich dir aber zukommen lassen, damit du damit deine Existenz aufbauen kannst. Er wird sicherlich nicht für einen neuen Truck reichen, aber du hast einen Grundstock, auf den du aufbauen kannst.“
    Nach diesen Worten bekam mein Dad einen Applaus aus der ganzen anwesenden Familie. „Jessica, du wirst deinen Vertrag ebenfalls bekommen, wenn du einen guten Abschluss machst.“ Sagte er noch im Nachsatz. „Da bin ich ja beruhigt.“ Lachte Jessy.
    Etwas später am Abend kam mein Dad noch zu mir. „Mir ist da noch eine Idee gekommen.“ Sagte er dann. „Kennst du noch den alten Joe Henderson?“ Ich überlegte. „Ich bin mir nicht sicher.“ „Das ist einer der wenigen Unternehmer, die ich seinerzeit verpflichtet habe, als wir überlegt hatten, den eigenen Fuhrpark aufzugeben. Ein kleiner älterer Mann mit einem langen Bart, der aussieht, als würde er zu ZZ Top gehören.“ „Ach den meinst du. Den habe ich schon mal gesehen, als ich damals den Ferienjob bei euch am Lager gemacht hatte. Was ist mit dem?“ „Der ist ja jetzt 70 geworden. Jetzt hört er endgültig auf. Joe hat ja auch keine Familie, der er was vererben kann. Wie wäre das, wenn du ihm die Firma abkaufst?“ „Meinst du das macht Sinn?“ „Mit Sicherheit. Da hättest du dann gleich alle Lizenzen zusammen, die du brauchst. Die müssen dann nur umgeschrieben werden und nicht mehr neu beantragt werden. Dann kann man die auch nicht ablehnen. Der hat auch eine kleine Wellblechhalle, schräg gegenüber vom Zentrallager. So gut bekommst du auf keinem Fall wieder ein Grundstück.“ „Was hat der denn für eine Zugmaschine?“ Mein Dad überlegte. „Ich meine die letzte Maschine hatte der geleast. Da hatte er auch gesagt, dass der Leasingvertrag ausläuft, wenn er in Rente geht.“ „Also keine Maschine.“ „Aber die Lizenzen und das Grundstück sind schon viel wert.“ „Wir können uns das ja mal anschauen.“ „Gut. Das machen wir.“
    Im Moment war ich nur mäßig begeistert. Aber Dad hatte recht. Das war besser, als die ganzen Lizenzen neu zu beantragen. So mussten die nur umgeschrieben werden. Dann konnte das auch keiner verweigern.

    Am nächsten Tag rief mich Dad am Nachmittag an. „Ich habe eben mit Joe Henderson gesprochen. Er ist in einer Stunde hier. Dann stellt er noch den Trailer hier ab und macht dann Feierabend. Wir sollen uns dann mit ihm an seinem Platz treffen.“ „Okay. Wo treffen wir uns?“ „Kommst du zum Zentrallager?“ „Mach ich.“

    Eine Stunde später traf ich mich mit Dad am Zentrallager. Ich wartete am Empfang auf ihn. Als er dann da war, gingen wir zu Fuß zum Platz von Joe Henderson.
    Auf dem Weg zu dem Platz sagte Dad zu mir: „Es hätte noch einen Vorteil, wenn es mit der Übernahme klappt.“ „Welchen?“ „Normal sollen wir im Moment keine Unternehmer mehr aufnehmen. Bentonville möchte das Aufkommen wieder verstärkt mit eigenen Trucks fahren. So könnte ich den Henderson Vertrag ebenfalls einfach umschreiben. Verlängern oder umschreiben dürfen wir. Nur nicht neu abschließen.“ „Was hat er denn für einen Vertrag? Als Long Hauler?“ „Er hat einen Vertrag als Regional Driver. Für Kalifornien und angrenzende Staaten. Den könnte ich jetzt so umschreiben. Bei der Verlängerung könnte ich ihn dann auch als Long Hauler umschreiben. Wenn du Glück hast sogar bis nach Kanada.“ „Nicht schlecht. Was ist mit Mexico?“ „Da sind unsere Unternehmer zu teuer. Die Mexikaner fahren billiger. Außerdem. Falls das wirklich mit der Mauer gemacht wird…“ „Hast Recht. Besser nicht nach Mexico. Dann verstecken sich hinterher illegale Einwanderer am Truck, wenn man zurück in die Staaten will.“ „Das kommt noch dazu.“

    Wir erreichten den Platz. Der Platz war sehr ungepflegt und es lag viel Zeug herum. Die Halle war auch schon etwas vergammelt. Langfristig dürfte es das Beste sein, die Halle abzureißen und neu zu bauen. Aber das Grundstück lag wirklich günstig. Neben der Halle stand ein weißer Freightliner Columbia. Das war dann wohl das Leasingfahrzeug, von dem Dad gesprochen hatte. Aber warum stand der Columbia neben der Halle und nicht drinnen?
    Die Antwort erwartete uns, als wir in die Halle kamen. In der Halle stand ein Mack RS700. Die Maschine war ebenfalls weiß und schien in einem recht guten Zustand zu sein.

    „Hallo Joe.“ Rief Dad. Dann tauchte der alte Mann hinter dem Mack auf. „Hallo Mr. Murdock.“ Sagte er mit einer kratzigen Stimme. „Na, wie ist die Lage?“ versuchte sich Dad mit Smalltalk. „Ganz gut.“ Krächzte Joe. „Nur noch bis Ende Juli, dann kommt der Ruhestand.“ Dad nickte. „Hältst du das zu Hause überhaupt aus?“ „Keine Ahnung.“ Krächzte Joe. „Aber meine Knochen machen nicht mehr mit. Weder das lange Fahren, noch das ständige Umsatteln.“ „Also möchtest du verkaufen.“ Stellte Dad fest. „Genau. Und dann ziehe ich in mein Wochenendhaus an der Küste.“ „Du hast noch ein Wochenendhaus?“ fragte Dad überrascht. „Ein kleines Häuschen in Bodega Bay.“ Spontan fiel mir dabei Hitchcocks Film „Die Vögel“ ein, der ja dort gespielt haben soll.
    „Was soll denn alles verkauft werden?“ fragte Dad geschäftstüchtig. „Alles was ihr hier seht.“ Sagte Joe. „Außer der Freightliner, der draußen steht. Der ist geleast. Der Vertrag läuft am 31. Juli aus. Dann geht die Maschine zurück zum Händler. Natürlich werden auch alle Lizenzen mit verkauft. Was soll ich noch damit.“ „Also alle Lizenzen und Genehmigungen, alle Verträge und das Grundstück mit der Halle und dem Inventar.“ „Sag ich doch.“ Krächzte Joe. „Was ist mit dem Mack?“ fragte ich spontan. „Was willst du denn mit der alten Karre?“ fragte Dad. Dann warf er einen zweiten Blick auf die Maschine. „Ist das etwa…?“ begann er. „Genau.“ Sagte Joe. „Meine erste eigene Maschine. Mit der habe ich damals angefangen für euch zu fahren.“ „Dafür ist der aber noch gut in Schuss.“ Meinte Dad. „Wieder.“ Sagte Joe. „Das war eines meiner Hobbys in den letzten Jahren. Ich konnte den Mack einfach nicht abgeben. Erst hat er hinten auf dem Hof gestanden und hat vor sich hin gegammelt. Schließlich habe ich vor ein paar Jahren begonnen, den Truck zu restaurieren und zu überholen. Die Maschine ist inzwischen Generalüberholt und von außen bin ich mit dem Mack auch soweit fertig, wie man sieht. Nun wären Fahrerhaus und Sleeper von innen dran. Das habe ich bisher noch nicht geschafft.“
    „Wird der mitverkauft, oder nicht?“ fragte ich ein zweites Mal. „Kannst du sowas überhaupt fahren?“ fragte Joe skeptisch. „Warum nicht?“ „Weil das nicht so ein modernes Schätzchen ist, wie der, der da draußen steht. Sowas kennst du doch gar nicht mehr.“ „Das bekomme ich schon hin.“ Sagte ich zuversichtlich. „Du hast viel Selbstvertrauen.“ Sagte Joe anerkennend. „Das gefällt mir. Eigentlich wollte ich den Mack mit nach Bodega Bay nehmen. Aber von mir aus kannst du den auch mitkaufen. Dann habe ich mehr Zeit zum Fischen.“ „Darf ich mal einsteigen?“ fragte ich. „Natürlich.“ Sagte Joe.
    Als ich dann das Innenleben sah, wusste ich was gemeint war.



    „Innen ist er ja ganz schön verlebt.“ „Ich habe ja gesagt, dass ich soweit noch nicht gekommen bin. Die Sitze und die Koje brauchen neue Bezüge. Außerdem muss zumindest die Koje neu aufgepolstert werden. Das Armaturenbrett sollte auch eigentlich neu kommen. Einige Anzeigen funktionieren auch nicht mehr.“ „Wieso hat der denn einen Tacho mit Kilometern?“ fragte ich erstaunt. „Ich habe den damals in Kanada gekauft. Dort hatte der vorher Holz gefahren.“ „Gab es hier denn keine Maschinen?“ „Ich wollte damals den großen V8 haben. Hier gab es fast nur den Sechszylinder. Außerdem hat der das 18 Gang Getriebe. Die meisten hier hatten nur zehn oder dreizehn Gänge.“ „Was hat denn der V8 für Vorteile?“ fragte Dad. „Der säuft doch nur mehr Sprit.“ „Der zieht besser, weil er mehr Drehmoment hat. Außerdem passiert noch richtig was, wenn man die Motorbremse benutzt. Retarder kannte man noch nicht und Jake Brake hatte doch kaum jemand. Da gab es fast nur die Drosselklappe.“ „Wieviel PS hat der denn?“ fragte ich. „335 PS.“ Sagte Joe. „Aber das wirkt wie viel mehr, weil der Truck noch keinen Turbo hat. Das kommt alles aus dem Hubraum.“ „Klingt gut.“ „Was willst du denn damit?“ fragte Dad noch einmal. „Dann habe ich doch erstmal eine Maschine. Zumindest so lange, bis mir die Bank einen Kredit für einen W900 gibt.“ „Du willst da jeden Tag mit fahren?“ fragte Joe erstaunt. „Ja. Warum denn nicht?“ „Weil du das mit einem neuen Truck nicht vergleichen kannst. Du redest da eben von einem W900. Das ist ein Truck, der so alt aussieht, aber moderne Technik hat. Der Mack sieht nicht nur alt aus, der ist es auch. Du hast in der Maschine keine Servolenkung, Keine Klimaanlage, keine Druckluft Unterstützung für die Kupplung, keine Standheizung für den Winter. Soll ich noch weitermachen?“ „Da komme ich schon mit klar.“ Sagte ich mit fester Stimme. „Das soll ja nur für den Anfang sein. Das mit der fehlenden Servolenkung merkt man ja überwiegend beim Rangieren. Das mit der Kupplung beim Fuller Getriebe ja auch nur beim Anfahren. Wegen der Standheizung. Bis zum Winter habe ich mit Sicherheit einen Kredit für einen Kenworth. Die fehlende Klimaanlage ist zwar nicht so toll, vielleicht kann man ja da noch was einbauen. Außerdem ging das früher ja auch ohne.“ „Ich sage nichts mehr.“ Resignierte mein Dad. „Gut. Dann eben zusammen mit dem Mack.“
    Wir verhandelten dann noch über den Kaufpreis. Dabei erwies sich Joe als besserer Geschäftsmann, als wir vorher gedacht hatten. Schließlich hatte ich aber Das Grundstück mit der Halle, Die Lizenzen und Verträge und zu guter Letzt auch den Mack. Für die ganze Firma einschließlich der Maschine ging dann fast der ganze Sparvertrag drauf. Viel Geld hatte ich dann also nicht mehr.
    Die Übergabe sollte dann am 31. Juli nach Feierabend gemacht werden. Ich sollte dann Mit Joe zusammen noch den Freightliner abgeben, danach würde die Firma dann mir gehören.
    Mein Dad hatte Joe dann noch dazu überredet, die erste Woche mit mir zusammen auf Achse zu gehen, damit ich von einem erfahrenen Kollegen eingearbeitet würde. Das galt dann sowohl für die Abläufe bei Walmart, als auch für das Fahren mit dem Mack.
    „Wie soll deine Firma eigentlich heißen?“
    fragte dann mein Dad. Ich warf einen Blick auf den Mack. Der Mack aus dem Film „Convoy“ war zwar schwarz und meiner weiß. Es war aber das gleiche Modell. Im Geiste sah ich die Tür vor mir und den Schriftzug „RD Trucking, Inc. Albuquerque, NM“ Dieser wandelte sich in meinem Geiste um in „M.M. Trucking, Inc. Sacramento, CA“ „Wie wäre es denn mit M.M. Trucking?“ fragte ich daher. „Klingt gut.“ Meinte Dad. „Finde ich auch gut.“ Sagte Joe.

    Mitte Juli bestand ich dann auch noch den Führerschein. Nun durfte ich dann auch gewerblich mit den großen Trucks fahren. Während der Fahrschule lernte ich dann auch schon ganz gut das Fahren mit dem Fuller Getriebe. Ich hatte mir dann schon extra eine Fahrschule gesucht, bei der ich das lernen konnte und ich nicht mit einem Automatikgetriebe fuhr. Die letzten Feinheiten sollte mir Joe während der Fahrt beibringen.
    So rückte dann der große Tag immer näher. Bald sollte der Juli zu Ende gehen und der August beginnen.

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    Da ich mein Mulder Profil leider kaputtgekriegt habe und es zum Schluss auch schon wieder sehr aufwändig wurde (ich musste zum Beispiel immer zusätzlich nachhalten, wo sich meine Trailer gerade befanden. Dazu musste man dann noch zusätzliche Listen führen, neben der Dispo für die anderen Fahrer) habe ich jetzt beschlossen, da Mulder Profil nicht wieder aufleben zu lassen.

    Ich bin dann etwa zeitgleich mit Manni auf die Idee gekommen, den Sprung über den großen Teich zu wagen und ein Tagebuch im ATS spielen zu lassen. Allerdings war Manni mit der Umsetzung etwas schneller, als ich.Außerdem bin ich kein Auswanderer, sondern Einheimischer, was dabei vieles einfacher macht. Als Auswanderer ist es schon sehr schwer, in den Staaten überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Im Bereich der von SCS veröffentlichen Staaten schon fast gar nicht. Ich wollte aber in diesem Bereich beginnen, da der Bereich dann doch besser ist, als die Bereiche von CanaDream oder C2C.

    Ich bitte euch um eure Meinung in den Kommentaren, ob ich diese Story fortsetzen soll, oder nicht. Die Meinung meiner Leser ist mir schon sehr wichtig.

    Schönes Wochenende

    Euer
    Sauerländer
    (Marc)
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    553 mal gelesen

Kommentare 26

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    Tomlaker -

    Was für ein fulminanter Einstieg, Marc. Liest sich richtig gut und klingt nach einer spannenden Truckerstory wo es ums Fahren geht. Ich bin ab sofort leserisch mit an Bord. :)

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    thespone -

    Auch wenn ich die Geschichte der Firma Mulder gerne weiter verfolgt hätte, bin ich hiervon auch sehr begeistert! Dein Schreibstil gefällt mir, mach weiter so!

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    loddi51 -

    Wow.Das liest sich sehr gut.Bitte weitermachen,M.M. Trucking, Inc. Sacramento, CA!

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    alaskabaer01 -

    Mach weiter so Marc aus Sacramento. Werde die Firma Mulder zwar vermissen, aber Marc ist Marc, ob in Eindhoven oder Sacramento spielt keine Rolle.

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    elwime -

    Guter anfang mit viele möglichkeiten

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    manni_112 -

    Wirklich gut geschrieben, auch die Details der Familiengeschichte dahinter, Respekt, da kann ich noch bissel was von lernen

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    infinity -

    Schön geschrieben. Neuer Akteur. Neuer Ort. Gewohnt lesenswert. Ich bin gespannt in welche Richtung es geht. Ich muss zugeben, ich hätte gerne erfahren wie es mit Marc und Katrijn weiter gegangen wäre... Aber das wichtigste ist, dass du dir durch das zerschossene Profil nicht die Lust am Schreiben hast nehmen lassen.

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    Okolyt -

    Jetzt hast Du schon die zweite Geschichte unvollkommen im Raum stehen lassen. Die neue liest sich aber auch ganz gut. Aber ich finde man sollte für ATS-Tagebücher eine eigene Rubrick einrichten. Ich denke das nicht alle die ETS fahren auch ATS fahren.

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      Sauerlaender -

      Wie schon erwähnt, habe ich mir leider das Profil zerschossen. Das alles wieder entsprechend aufzubauen, war mir dann doch etwas zu viel Arbeit. Es wissen ja meistens nur die Leute, die hier schon ein Tagebuch veröffentlicht haben, wie viel Arbeit da im Hintergrund noch hinter steckt. Eine neue Rubrik für ATS Tagebücher zu eröffnen liegt leider nicht in der Hand der Schreiber. Das kann hier nur von den entsprechenden Administratoren eingerichtet werden.

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      Okolyt -

      Ich wollte hier auch keine Kritik äußern. Ich kann es auch nachvollziehen wie viel Arbeit dahinter steckt, deshalb auch meine Anerkennung für alles. Dein Schreibstil gefällt mir. Bleib deiner Linie treu, dann wird alles gut. Ich wünsche Dir für Deine nächsten Artikel viel Glück.

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      Viking1971 -

      Nur mal so nebenher. Es gibt keinen Grund die Tagebücher in zwei Rubriken aufzubrechen, denn es sind nun mal Tagebücher. Niemad hat davon geredet, das hier nur ETS2 stehen darf.

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    TurboStar -

    Toller Start! Nun ist also der zweite über den großen Teich, aber waren nicht aller guten Dinge...?

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      Sauerlaender -

      Außerdem habe ich dieses Mal einen Start gefunden, wo keiner für sterben musste. :)

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      TurboStar -

      Keine Sorge, das kriege ich schon statistisch ausgeglichen... ;)

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      Truckers son -

      Meine bescheidene Meinung. Das hört sich verdammt gut an. Die Geschichte hat Potential, denn Dein Hauptakteur ist gerade mal 21 Jahre jung.....voller Tatendrang, zu Kompromissen bereit, auch unerfahren und dadurch wagemutig. Schreib weiter daran, es wird mit Sicherheit toll.